Neulich beim HSV

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„Volksparkstadion“ heißt in Hamburg dieser Ort. Auf St. Pauli hat er andere Namen.

Jetzt erst weiß ich, was die anderen meinen, wenn sie vom „Parkhaus an der Müllverbrennungsanlage“ sprechen. Feucht glänzender Beton überall. Schwarz-grau meliert und unverputzt, umhüllt vom Duft dutzender Fettabscheider.

Punktuell ist es grell, sonst düster.

Kein Einstimmen im Stadion. Wenige Minuten vor dem Spiel ist selbst die Ultra-Kurve des HSV erst zur Hälfte gefüllt. Vielleicht liegt das an Herrn Bartor, der im NDR-HSV-Fanfernsehen seinen Hamburger Weg präsentiert und Legende Dietmar Jakobs mit schlimmen Fragen nervt:

“Was war ihr größtes Spiel? – Jakobs gelangweilt, “1983 natürlich”.

Und dann der Schweinepop.

Der Schweinepop!
Es ist unerträglich und da ist noch keine Minute gespielt.

Ancient Blogger Selfie

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Bei digitalen Ausgrabungsarbeiten im Datendelta der untergegangenen Flickr-Dynastie sind Archäologen jetzt auf eine Frühform einer Kulturtechnik gestoßen, die heute weit verbreitet ist:

Das Selfie.

Damit konnte das Team um Dr. Sanyo von der National Selfie Association (NSA) zweifelsfrei nachweisen, dass Mitteleuropa bereits im Jahre 2005 von Bloggern bevölkert war. Bisher hatte man an zwei Fundorten in Düsseldorf und Berlin nur vereinzelt bloggende Zigarrettenstummel (Homo Sixtus) und Dönerfotos gefunden, die man aber keiner Epoche zuordnen konnte.

„Der von meinem Team ausgegrabene Fund ist wegweisend. Wir hoffen demnächst ziemlich genau sagen zu können, wie die frühen Einwanderer in Digitalien gelebt haben.“

Bereits früher in diesem Jahr war es einer Forscher_innen-Gruppe gelungen in Paris bisher nicht dechiffrierbare Symbole einem Blogger zuzuordnen, der mehrfach in der französischen Hauptstadt seine digitalen Spuren hinterlassen hat:

Immerich

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All die Zeit mit Dir, mit euch, die ist wichtig für mich. Es ist mein Leben.

Nun aber sitze ich hier allein, schaue in den dunkelblauen Himmel – es ist kalt, wie auf der Ostsee im September, wenn die Sonne der fallenden Kühle Platz macht – ich fühle mich unvollständig, ja, ich habe sogar ein schlechtes Gewissen.

Ein silberner Wagen kommt die Straße hinauf gefahren als wollte der Fahrer zur mir, ein Windhauch schlägt kühle Luft in meinen Nacken. Der Südstern strahlt mir entgegen, fordert mich auf, ihm zu folgen.

All das passiert ohne dich. Es passiert nur mir. Und als wäre es eine zu enge Jacke, streife ich das Gefühl ab, die Schuld, dass ich das alles alleine erlebe.

Danke Teju

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… nicht nur für die Spaziergänge  durch NY, das könnten auch andere Amerikaner. Mich beeindruckt mehr Dein scharfer Blick auf das winterliche Brüssel, das den Schrecken von Paris vorausahnend, den Eurorassisms so lebendig beschreibt, wie ich es von einem afrikanisch-amerikanischem Autor nie erwartet hätte.

Wie schaffst Du diesen tiefen Blick ins Jetzt dieser Welt? Ich bin beeindruckt, wenn ich dich lese. Tief.

Eben im Fahrstuhl

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Ich komme heute morgen sehr zeitig ins Großraumbüro in dem verlassenen Gebäude in München, das so wirkt, als hätten Unternehmensberater es in instantbesetzt. Der Steuerbord-Fahrstuhl am Mitarbeitereingang funktioniert schon seit einem halben Jahr nicht mehr. Das Schild, das eine „routinemäßige Wartung“ anzeigt, beginnt an den Seiten schon Wellen zu schlagen. Heute ist dann noch der backbord ausgefallen: wenn man ihn betritt, schließt er – beinahe – und ruckelt dann wieder auf. Immerhin, ich kam noch hinaus. Es kursieren Gerüchte über verhexte Fahrstühle, die vornehmlich externe Mitarbeiter anfallen und manche für Stunden gefangen halten. Ob ungewartete Fahrstühle ein Eigenleben entwickeln und sich gegen die Menschen wenden, die sie Trägern gleich hochschleppen müssen? Ich glaube es beinahe.

Der Fahrstuhl am anderen Ende des sehr langen Ganges mit den obskuren Flecken auf dem Boden funktionierte dann. Mit mir stieg ein weiterer Mann ein, kürzer als ich, dunkle Haare, in der einen Hand einen Cappuccino Togo und in der anderen ein DELL Notebooktasche – es ist Dienstag, da belibt der Rollkoffer im Ibis.

Wie es sich in Fahrstühlen gehört, schauen wir in verschiedene Richtungen. Da die Fahrstühle hier aber verspiegelt sind, ist das nicht immer ganz einfach. Nachdem sich unsere Blicke aus Versehen zweimal begeneten, steigt er im Vierten aus; ich fahre in den Fünftfen – und überlege kurz, den Rest zu laufen, will es mir aber mit dem Fahrstuhl nicht verscherzen. Nachher nimmt er es mir übel, dass ich ihn dann sinnlos in das nächste Stockwerk beordert habe und nimmt mich nächstes Mal doch gefangen.

„Routinemäßige Wartung“

Der aussteigende Mann grüßt kurz, ich grüße mit einem „Moin“ zurück, hänge noch spontan ein „hab einen schönen Tag“ dran. Der Mann, beinahe schon durch die Tür, dreht sich um und schaut entgeistert, so als hätte ich etwas Ungehöriges gesagt.

Ein paar Stunden später treffen wir uns im Vierten kurz wieder – auf Klo (da gehe ich immer in den Vierten, denn auf der fünften Etage sind alle WCs defekt oder werden seit einem halben Jahr „routinemäßig gewartet“) – da lächelt er kurz und murmelt: „dir auch einen schönen Tag“. Zum Glück hat das außer mir keiner gehört. 😉

Heute Morgen am Hamburger Flughafen

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Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: „Folgen Sie einfach der Masse da“

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: "Folgen Sie einfach der Masse da

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Photo taken at: Hamburg Airport

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Von der Scham überwältigt

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Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: ‚Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und …‘ – warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen.

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: 'Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und ...' - warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen

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Photo taken at: Hamburg-Altona station

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Zurückbleiben bitte

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„Zurückbleiben heißt Zurückbleiben“, bellt der Fahrer der U1 durch seine altersschwachen Lautsprecher. Ich bleibe vor Schreck stehen und verpasse so den Zug.

Traurig blicke ich den Waggons hinterher, als sie im Tunnel verschwinden. Ein unachtsam weggeworfenes Einwickelpapier wird gegen seinen Willen hinterhergesogen.

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Immerhin, den Zurückgebliebenen gehört nun für ein paar Minuten der ganze Bahnsteig. #ecriture #ecritureautomatique #munich #prosa