Adam: „OMG it’s Friday“

Freitag

Ich kann nichts daran ändern, die Namensgebung geht unaufhörlich weiter. Ich hatte einen so schönen Namen für dieses Gelände; er war hübsch und melodisch – Der Garten Eden.

Insgeheim nenne ich es noch weiter so, sage es aber nicht mehr laut. Das neue Geschöpf sagt, daß es hier nur Wald, Felsen und Landschaft gibt, und daß es deshalb keine Ähnlichkeit mit einem Garten hat. Es sagt, daß es wie ein Park aussieht und daher ein Park ist.

Deshalb muß es – natürlich ohne meine Zustimmung – in Niagara Wasserfall Park umbenannt werden. Das erscheint mir ganz schön willkürlich. Und schon steht da ein Schild:

Betreten des Rasens
verboten

Ich fühle mich nicht mehr so glücklich wie früher.

 

 

 


Aus:

Auszüge aus Adams Tagebuch
Mark Twain

Aus dem Originalmanuskript übersetzt 2003 von Arno Niemer
Quelle: Gutenberg SPIEGEL

Rotorblätter in der Nacht

Aufruf zur G20 Demo – abblätternd. L: Altona

Bekenntnis eines G20-Feiglings

Der Hubschrauber, der letze Nacht über mein Haus flog, hat mich erschreckt, hat mir die Tage vor und an G20 wieder ins Gedächtnis rotiert. Eine Minute nur stand er über unserem Dach, so wie die drei Polizeihubschrauber Anfang Juli die ganze Nacht. Dann – nach einer kleinen Ewigkeit – flog er weiter; vermutlich, um einen Schwerverletzten ins nahe Altonaer Krankenhaus zu fliegen.

Eine gute Sache also, dieser Hubschrauber. Eigentlich; aber seit dem Scholzschen „Fest der Demokratie“, als sich die Kanzlerin in Tateinheit mit dem Hamburger Bürgermeister einen Haufen von Chaoten und Despoten in die Stadt ein- und sich von der Polizei unbehelligt eine organisierte und spontane Wut entlud, führen alltägliche urbane Geräusche zu einer anderen biochemischen Reaktion, als vorher.→ weiterlesen

Jedes Mal, wenn es wärmer wird, vergessen meine Nachbarn über mir die Grundlagen der Physik.

tl; dr Balkonpflanzen gießen ohne Rücksicht ist asozial!


Es sind die ersten schönen Tage des Jahres, auch zum Feierabend ist es noch warm. Da beschleicht den Homo Metropolis eine Panik, die ihn alle Regeln der Höflichkeit und auch die der elementaren Physik (6. Klasse) vergessen lässt: Die Balkonpflanzen könnten sterben, wenn ich sie nicht sofort gieße, ach was übergieße, die armen Dinger; und mit dem groben Ausflussstück werden literweise Liebe und Zuneigung ausgeschüttet.

Die landet dann bei mir auf dem Schoß, auf der Schulter oder dem Abendbrot und ganz ehrlich?, ich finde das nicht mehr witzig, nicht tolerabel und echt asozial. Da wird auf Hinweis noch nicht einmal runtergeschaut, um sich zu entschuldigen. Geschweige denn vorher!

Ich habe meinen Nachbarn ganz oben (für die drunter gilt: je weiter oben desto rücksichtsloser; als wäre das eine Art Naturgesetz?) und den anderen Balkonpflanzenretter heute einen Brief geschrieben.

 

Im Wortlaut:

Liebe Nachbarn,

vielen Dank, aber ich hatte schon geduscht.

Ich weiß, es fällt jedes Jahr von Neuem schwer, sich an den Physikunterricht zu erinnern – Wasser fällt von oben nach unten – und da wohne ich.

Gießen ohne Rücksicht ist asozial!

Jeden Morgen (ein interaktiveas Leserinterview)

Dieser Text ist ein experimentelles, sehr kurzes, interaktives Interview. Eines zwischen zwei Personen; mir – und Dir.