„Die beiden Pole eines ausgeprägt modernen Empfindens sind Nostalgie und Utopie“

„Wie wundervoll das alles im Rückblick erscheint. Wie sehr man sich wünschte, dass ein wenig von der Kühnheit, dem Optimismus, der Verachtung für den Kommerz überlebt hätte. Die beiden Pole eines ausgeprägt modernen Empfindens sind Nostalgie und Utopie.

Das vielleicht interessanteste Merkmal der Zeit, die heute als die Sechziger Jahre etikettiert wird, war die Tatsache, dass es so wenig Nostalgie gab. In diesem Sinne handelte es sich tatsächlich um einen utopischen Moment.“ (Susan Sontag)

An einem Nachmittag im Jahr 1966 begegnen sich Susan Sonntag und der Radiomann Jonathan Cott auf dem Campus von Berkeley zufällig und zum ersten Mal. 1978 treffen sie sich wieder; zu einem Interview, das legendär werden sollte. Erst in Sontags Pariser Wohnung, dann in ihrem Loft in New York. „„Die beiden Pole eines ausgeprägt modernen Empfindens sind Nostalgie und Utopie““ weiterlesen

Jedes Mal, wenn es wärmer wird, vergessen meine Nachbarn über mir die Grundlagen der Physik.

tl; dr Balkonpflanzen gießen ohne Rücksicht ist asozial!


Es sind die ersten schönen Tage des Jahres, auch zum Feierabend ist es noch warm. Da beschleicht den Homo Metropolis eine Panik, die ihn alle Regeln der Höflichkeit und auch die der elementaren Physik (6. Klasse) vergessen lässt: Die Balkonpflanzen könnten sterben, wenn ich sie nicht sofort gieße, ach was übergieße, die armen Dinger; und mit dem groben Ausflussstück werden literweise Liebe und Zuneigung ausgeschüttet.

Die landet dann bei mir auf dem Schoß, auf der Schulter oder dem Abendbrot und ganz ehrlich?, ich finde das nicht mehr witzig, nicht tolerabel und echt asozial. Da wird auf Hinweis noch nicht einmal runtergeschaut, um sich zu entschuldigen. Geschweige denn vorher!

Ich habe meinen Nachbarn ganz oben (für die drunter gilt: je weiter oben desto rücksichtsloser; als wäre das eine Art Naturgesetz?) und den anderen Balkonpflanzenretter heute einen Brief geschrieben.

 

Im Wortlaut:

Liebe Nachbarn,

vielen Dank, aber ich hatte schon geduscht.

Ich weiß, es fällt jedes Jahr von Neuem schwer, sich an den Physikunterricht zu erinnern – Wasser fällt von oben nach unten – und da wohne ich.

Gießen ohne Rücksicht ist asozial!

Autogramm

Eben bei Tengelmann in München Moosach: ich bezahle meinen Einkauf mit EC-Karte. Als die Kassiererin routiniert den Bon und den EC-Beleg aus dem kleinen Drucker zieht, sagt sie, „Hier bitte noch ein Autogramm“.

„Für wen?“, lautet meine Antwort, während ich sie anlächele.
„Fur Michi“, sagt sie und lächelt zurück. :)

Elbtower: Wie Ideen geboren werden

tldr; Wie Nierensteine

Wie das wohl abläuft? Wie wird so ein Megaprojekt, wie der Hamburger Elbtower geboren?

Ich stelle mir das so vor:
 
Herr Hoch und Herr Tief treffen ihren Kumpel Olaf auf dem Matthau-Mahl zu Ehren des großen Hamburger Schauspielers. Beim gemeinsamen Schnack auf der Herrentoilette stehen Heinrich Hoch und Olaf – nur von einem verschämten Sichtschutz getrennt – nebeneinander. Herr Hoch schaut hinunter auf seinen … Schuh … und raunt zu Olaf hinüber: „Nu, da die Elfi steht, braucht mein Kollege Tief was zu tun, sonst kommt der auf komische Ideen.“. Dabei grinst er die Kacheln an und diese werfen ein kehliges Lachen zurück.
 
Nun schaut auch Olaf auf seinen … Schuh … und sagt nach einer Weile:
„Ich hab da eine Idee.“

Französisch

„Weißt Du, was ich besonders sexy finde?“, fragt Peter in die mittägliche Stille hinein.

‚Nein‘, antworte ich, ‚was denn?‘

„Französinnen, die ‚Eckernförde‘ sagen.“

Sprung in der Platte

Anna gehörte zu der Art Menschen, die immer um etwas herum gehen müssen, bevor sie umdrehen. Beim Spazierengehen war das oft ein Baum oder ein Wartehäuschen. Beim Segeln eine Tonne oder der Kieler Leuchtturm. Es gefiel ihr, wenn zumindest symbolisch der eine Weg ein Ende fand – sie ein Ziel ereichte, bevor der Rückweg begann.

Einfach nur umzudrehen war ihr zuwider. „Sprung in der Platte“ weiterlesen

Nachbarn

Eine Gruppe Jungs steigen in Altona zu. Alles Männer, von ihrer Stiefelgrösse her.

Vor einem halben Jahr war das noch „Gefahrengebiet“

Hihihi, Gemurmel, Teenagerkram. Sie steigen aus; Wir steigen aus. Sehn uns an, lächeln; „Grüß Deinen Alten“, ja?, der junge hübsche Kerl nickt.

Ich liebe das! ;)

Papa Eisbär

Papa, wenn wir so viel Autofahren, dann schmilzt das Eis und die Eisbären Haben nix mehr zu futtern.

Sagt eine Vierjährige an der Hand ihres Vaters, als sie eben an meinem Glas Grauburgunder vorbei gehen, und zieht ein wenig in Richtung Strasse. Der Vater zieht ein wenig gegenan, sagt „Wir fahren doch gar nicht soviel Auto“ und checkt weiter seinen Blackberry.

Foto: Alois Staudacher, CC share-alike

Ich bin Inschallist

Bereite alles,
So gut wie Dir möglich,
Dann mach Dich auf den Weg.

Und ob Du dann dort ankommst, wo Du hinwolltest? In schā’a llāh.

Dies ist das Ende eines bemerkenswerten Dialoges, den ich im März dieses Jahres in Ägypten führte. Und ich habe oft an meine Pläne ein In schā’a llāh drangehängt seitdem

Kiel Kopfbahnhof: Hier endet alles, oder es beginnt.

Kiels Bahnhof ist ein Kopfbahnhof. Das passt irgendwie. Die Kieler Förde legt ihre Stirn quasi an den Kopf des Bahnnetzes. Hier endet alles, oder es beginnt. Kiel ist Transformation.

Hier endet alles, oder es beginnt.

Ich bin früh dran, an diesem regnerischen Sonntag ist nicht viel los. Meine Fahrkarte habe ich schon und setze mich mit einem Eis von Giovanni auf die Bank auf Gleis 3. Schräg neben mir sitzt ein Mann, hinter mir eine blondierte Frau; beide um die 40. Sean, so stellt sich der Mann in holprigem Deutsch vor, will nach Hamburg, und er fragt Christine – so heißt die Dame – und mich, ob das hier das richtige Gleis ist. Ja, das ist es, erklären wir beinahe zeitgleich.

Es entsteht eine Pause, während wir uns noch ansehen. Sean dreht sich weg und beginnt leise zu weinen. Sein Vater sei vor drei Stunden gestorben, sagt er, nun müsse er schnellstmöglich nach Irland.

Sein Atem riecht nach ertränkter Trauer. Seine Augen sind rot unterlaufen. Christine erzählt, dass sie nach Dortmund will, ihre Mutter hat Krebs. Es geht ihr nicht gut. Aber Hoffnung hat sie. Das freut uns, wir nicken stumm. Etwas in mir möchte, dass ich aufstehe und weg gehe. Weg von dem Leid, als ob es ansteckend wäre. Oder weil ich nicht dazu gehöre, ich weiß es nicht. Das selbst erfahrene Leid ist schon zu verwittert, um im Anblick des frischen nicht unhöflich zu wirken, und das kommende eben noch nicht da. Glücklicherweise. Der Schmerz der anderen ängstigt mich, wie es da neben mir auf der Bank sitzt.

Ich ermahne mich zu bleiben, sage aber nicht viel; höre ihnen still zu. Sean fliegt über Hannover und hofft, seinen Flug noch rechtzeitig zu erwischen. Ich überlege gerade fieberhaft, was „Beileid“ auf englisch heisst, als beide aufstehen, um innerhalb der gelben Markierung ein wenig das Gleis runter zu rauchen. Ich nutze die Gelegenheit und schlendere das Gleis hoch in die Gegenrichtung. Leise wünsche ich ihnen eine sichere Reise.

Dann steige ich in den IC, vorbei an zwei wild knutschenden Paaren. Das Leid, das mich eben noch dunkel umwob, wird lichter. Plötzlich bricht der Himmel auf, als der Zug sich in Bewegung setzt. Als die runden grünen Hügel vor Kiel an mir vorbei ziehen, schicke ich einen sanften Gedanken an Sean: „Mein Beileid“, denke ich, „my heartfelt sympathy“.

 

Segeln auf dem Meer des Lebens, solange Winde gehn und wir stehn

Es war an einem Sommertag im Juli im Norden, genauer im Süden Dänemarks, im Hafen von Høruphav, als ich bei Regen, 17 Grad Celsius Luft- sowie Wassertemperatur, einem älteren Herren beim Anlegen half. Er segelte bei 8-9 Bft. eine kleine, aber stabile schwedische Albin in den Yachthafen im Flensburg Fjord in dem wir schon seit Tagen eingeweht waren.

Auf meine erstaunte Frage, wo er denn nun herkomme, antwortete er belustigt: ‚von Kagnæs gegenüber, ich hab da geankert.‘ – und auf meine 2. Frage, wie alt er sei; ’82. Ich liebe das Meer. Mein Boot und das Meer, und irgendwann ist Schluss. – Tut mir nur leid für die, die mich finden‘ … und dann lachten wir.

Heute, sieben Jahre später, und ich denke an den ollen Segel-Kamerad, helfe ich einem alten Mann in Strande anlegen. Engländer, schlo-weiße Haare und ein Boot, dass tatsächlich noch kleiner ist, als unseres. Er kommt aus England, über die Nordsee und den Kanal – und ich bete zu allem, was mir heilig ist, dass mir auch ein Segler-Abend beschieden sein wird … Auf See ein Fahrensmann … bis zuletzt.

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Gedanken beim Geschirr-Einräumen

Ist heute schon Dienstag?, Wieso kriegen alle Familien dünne und ausgerechnet wir bekommen die dicke Französin?, Aua – mein Rücken, Ich muss dieses Reiki mal ausprobieren, Wieso bin ich eigentlich immer derjenige, die die Maschine einräumen muss?, Scheiße – die Maschine ist sauber.

Das Telefon klingelt.
Renate war bei einem Heiler. Es geht ihr gut.

Südwind

Nein, sagte Südwind, ich kann mit niemandem befreundet sein,
der mich ‚Brise‘ nennt.
Nun, dachte sich der Westwind, dann will ich das nun nicht mehr tun,
Denn ich will Dein Freund sein.

Nach dem darauf folgenden Gewitter legte sich über sechs Wochen ein warmer Wind über das Land.

Danke Momo.