Paket

Paket

Als ich in die linke Tasche meiner Jacke fasse, raschelt es. Ich finde drei Einwickelpapiere von mini Daims. Ich erinnere mich nicht, sie jemals gegessen zu haben.

Ich werfe sie gedankenverloren in den Mülleimer, dessen ausgefeilte Klappdeckeltechnik nach zehn Jahren aufgegeben hat. „Ich kann ich mich nicht erinnern“, denke ich kurz, wann das noch heil war. Ich habe mich eingerichtet in dem Verfall. Ist mir immer noch lieber so, als die Anstrengung, das alles, diese vielen Kleinigkeiten zu reparieren oder weggeschmissen zu erneuern. Ich kann das alles sehr gut verdrängen, sehe nur ein kurzes Leuchten hinter meinem blinden Fleck.

Ihr wäre das alles aufgefallen. Und es hätte sie gestört. Unentwegt hätte sie Erneuerung und Engagement gefordert. Nicht zu verteidigen, weil sie ja immer recht hatte – eigentlich.

Der Bote mit dem fiesen Lächeln klingelt. Ich höre das schon an der Art, wie die elektronische Signalgeberin sich quält. Selbst diese einfache elektronische Schalte mag ihn nicht, da bin ich sicher. „Können Sie ein Paket fuer Wumsikowski annehmen, aus dem 5. Stock?“, fragt er rhetorisch und fügt heute eine geheuchelte Erklärung hinzu: „sind nicht da, hab geklingelt“. Meine Klingel zwinkert mir zu und schüttelt mit dem Kopf, ’nee, hat er nicht‘, will sie mir damit sagen.

Seit Corona muss man immerhin nix unterschreiben, keinen Kontakt mit der weltweiten Logistikkette riskieren, die neben Plattfernsehern und Schnellschleifern auch alles mögliche andere durch die halbe Welt kutschiert. Nachdem ich die Tür geschlossen habe, sehe ich mir das Paket kurz genauer an. Es ist flach und ganz und gar mit braunem Packpapier verschlossen.

Da dringt nichtmal Knoblauchgeruch durch, denke ich. Und wer war nochmal Finja Wumsikowski? Hatte ich diese Frau jemals gesehen? Im Treppenhaus? Vielleicht beim Vorübergehen. Eher Vorüberhuschen. Irgendwie tauchen in den letzten Jahren immer neue Leute hier auf, die ganz selbstverständlich den Schlüssel im schweren Schloss an der Haustür umdrehen. Wo kommen die alle her? Und wohin verschwinden sie wieder? Hat sich das mal einer gefragt, ausser mir jetzt?

Ob ich das Paket einfach aufmache? Immerhin habe ich ja den Empfang gar nicht quittiert. Neugier breitet sich in meinem ganzen Körper aus, fliesst durch meinen Kopf und erregt mich. Ich schüttele das Paket, aber es bewegt sich nichts.

„Es gibt keinen Weg zurück“, denke ich kurz, als ich die Schere aus der Küche an das braune, glänzende Paketband ansetze. Und wie stumpf und verrostet sie ist – die müsste ich eigentlich mal wieder schleifen, denke ich noch, bevor sich aus dem Paket etwas Bahn bricht – direkt in mein Gesicht.

Photo credit: hombertho on VisualHunt.com / CC BY-NC-SA

Silvester am Hamburger Hafen

Silvester auf dem Altonaer Balkon

Ich lebe in einem Stadtteil von Hamburg, durch den immer mal wieder Menschenketten ziehen. Die einen werden von den lokalen Behörden umgeleitet, wie die Karawane von Drogendealern, die vor beinahe 20 Jahren an meinem Wohnzimmerfenster in Richtung Hafen und von dort zurück zum Altonaer Bahnhof wanderte, weil ihnen der direkte Weg versperrt war.

Andere, vor allem die regelmäßig wieder stattfindenden Prozessionen, verbietet die Polizei nicht (auch wenn da mindestens so viele Drogen im Spiel sind, aber darum soll es hier gar nicht gehen). Zu Ostern beispielsweise, schleppen junge und mittelalte Männer und Frauen kistenweise Bier an den Elbstrand. Die geübten Osterfeuerenthusiasten, meist die aus Pinneberg, einem Stamm aus dem Nordwesten, der immer mal wieder zum Saufen in Altona einfällt, setzen auf Schnaps; die mit Stil nehmen guten jamaikanischen Rum an das Ufer der Elbe mit — schicken ihn als Dora 12 nach Hause zurück. Im Sand lassen sie zersprungenes Glas und schleichen sich im Dunst des rauchenden Feuers in die S31.

Silvester soll nun das Böllern (und jede Form von Feuerwerk?) verboten werden. Es ist Corona-Time. Ausnahme formiert sich zum neuen Is‘-so Und das erste Mal in meinem Leben in Altona überlege ich ernsthaft, ein zweites Mal an Silvester zum Altonaer Balkon zu gehen. Denn, so kann man erwarten, fällt die Umland-Karawane dieses Jahr aus, steigt das Überlebensrisiko.

Wird es eine klare Nacht, wenn der Dunst verbrannten Schwarzpulvers aus Polen fehlt? Arbeiten da Menschen gegenüber im Hafen oder sind das Roboter, denen Pinneberg nichts sagt?

Ob sie auch dort gerade in den Himmel schauen?

Dieser Text ist nach der Methode der Ecriture Automatique geschrieben, und ein weiterer Versuch, mir das Bloggen wieder beizubringen. Abonniere meine Texte gerne und kommentiere, was Dir ge- oder missfällt.

Wer bist du?

screenshot, Ausschnitt: wen Facebook mir vorstellen will

Ich brauche nicht viel. Wind weht um meine Nase. Das ist gut. Und doch gibt es eine Perücke, die mich zeigt. Die ich heute ziere und zeige. Mein Profil.

Ich mag es, wenn ihr reagiert. Es ist. Es fühlt sich lebendig an.

Und dann, wenn ich allem folge, das ich kenne? Dann wirst du fremd. Obszön fremd, denn wir haben soviel gemeinsam.

Wer bist du?

Jetzt auf See und dann kein Schiff

Mission Lifeline Flagge unter unserer Backbord Saling

Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Seenot-Moment in meinem Leben: wir segeln zu dritt auf der Nordadria als von Lee eine schwarze Wand aufzieht. Das Grosssegel bekommen wir gerade noch runter, die Fock, ohnehin schon eine kleine Solent Jib, reißt als 12 Windstärken in unser Rigg knallen. Wir sind urplötzlich nur noch einen kleinen weiteren Riss von einer Seenot  entfernt, mitten auf der kochenden Adria mit einem kaputten Vorsegel und einem kaum laufenden Diesel.

Als ich die Funke anschmeisse, höre ich auf Kanal 16 lauter Mayday-Rufe; nur deswegen setze ich selbst keinen ab. Das verzweifelte Rufen eines Jungen auf einer schwedischen Yacht klingt mir heute noch in den Ohren. Nach alter Tradition nehmen wir unsere persönlichen Papiere an uns, damit wir später identifiziert werden können, falls wir das Schiff verlieren und kämpfen uns 12 Stunden durch den nicht nachlassenden Sturm.

Ich kann meiner inneren Tankanzeige zusehen, wie mein Körper in der nassen und zehrenden Umgebung an Kraft verliert. Viel länger hätten wir nicht durchgehalten, als wir in Mali Losin Schutz in einer Bucht finden.

Die raue, aufgewühlte See lässt im gesündesten Selbstvertrauen einen kalten Horror entstehen, den sich Landratten einfach nicht vorstellen können.

Dabei lag zwischen uns und dem Untergang noch eine seegängige Jacht, und eine Seenotrettungsorganisation, die uns ohne zu zögern einen Hubschrauber aus Pula geschickt hätte; ich kann also nur schwach erahnen, was es heißt, entkräftet, durstig und am ganzen Wesen klamm an einem Stück Plastik treibend, sich dieser Hoffnung fressenden Kraft gegenüber zu sehen.

„Jetzt auf See und dann kein Schiff“

Meine Omi angesichts schlechten Wetters.

Meine Vorfahren waren Fischer aus einem kleinen Dorf an der Elbe; in früheren Zeiten war es normal, Verwandte und ganze Männergenerationen an die Nordsee zu verlieren. Vielleicht entstammt dieser Erfahrung mein tiefer Respekt gegenüber Seenotretter_innen und dem Kodex, der auf See alle Menschen gleich macht. Denn das sind wir alle, die wir auf den Meeren fahren – im Angesicht der grauen, Lebenskraft saugenden See.

Seenotrettung ist kein Verbrechen sondern menschliche Pflicht; jahrtausendealt.

Flüchtige Ewigkeit

Heute gab es kein Morgenrot; der Himmel sandte keinen Hinweis gen Erde, dass er sich um was schert. Mit feuchten, grauen Fingern griffen mies gelaunte Wolken nach allem Lebendigen, saugten alle Energie aus mir heraus.

Ich betrat die Bodega gerade in dem Moment, als Du die Spülmaschine einräumtest, stoisch ruhig und mir abgewandt, umgeben von dieser Selbstverständlichkeit, die natürliche Schönheit ausstrahlt, mitten im Raum stehend, nicht aufdringlich aber unübersehbar.

In den Sekunden, die Du benötigst, Dich umzudrehen und mich mit Deinem offenen Blick fragend anzulachen, habe ich einen ganzen Film in mir durchgeschaut, in dem Dein blonder Zopf eine Hauptrolle spielt. Ich lächele schief und bestelle mir einen Café Solo.

Als Du mich nach meiner Meinung zu diesem Sauwetter fragst, legst Du den Kopf schräg  auf Deine Schulter und spielst unbewusst mit der Schleife Deiner Baristaschürze. Sekunden, die in meiner Erinnerung später zu Stunden gerinnen.

Ich trinke viel zu schnell und stelle meine leere Tasse auf den Tresen, lege ein paar Münzen dazu und nehme noch einen tiefen Blick und dieses vertraute Lachen mit auf den Weg.

Die Sonne hat Löcher in die Wolkendecke gerissen, als ich verliebt in den Moment auf die Strasse trete; einem anderen Leben entgegen.

Freundschaft mit der Fröhlichkeit

Für Julius, zur Konfirmation.

Deine unerschütterliche Fröhlichkeit aus Kindertagen,

In den Frühling des Lebens tragen;

Auch wenn Zweifel und Wehen in Dir wühlen,

Die Seelen Deiner Nächsten zu erfühlen.

Denn mit des Anderen Glück, kommt die Heiterkeit zurück.

Wenn Dir Freundschaft zum Frohsinn gelingt, Dich nichts vom Weg abbringt.

Urheber aller Länder, vereinigt euch!

Krieg der Verwerter

(Links und Meinungen)

Die Kampagne für und die gegen die neue EU Urheberrechtsreform, über die heute in Brüssel abgestimmt wird, betrifft nicht nur die Generation Instagram, sondern alle, die ins Internet schreiben. Auch mich.

Ich habe mich lange schwer damit getan, mich klar dagegen zu positionieren; die Materie ist einfach zu komplex für einfache Slogans.

Umso glücklicher bin ich über fundierte Meinungen in meiner Tmeline, die mir das Thema näher zisellieren, wie der Tweet-Thread von Enno Park.

Tweet lesen

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass die EU-Politik unsere Zukunft in Technoligiesilos, wie Google, Amazon, Facebook oder Apple (kurz GAFA genannt) offenbar für eine Gaspipeline verschachert hat.

Spätestens dadurch tritt der Politikbetrieb selbst in den Fokus des Widerstands. Warum nicht Politikverdrossenheit das Problem darstellt, sondern Bürgerverdrossenheit der politischen Kaste, leitet Thomas Knüwer am Beispiel der US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez her.

Der Protest gegen die EU Urheberrechtsreform, die Ignoranz der deutschen Politik gegen ‚Fridayforfuture‘ und der Brexit befeuern die Europawahl im Mai. Es bleibt spannend, bleiben wir widerspenstig.

Dorothy Holden: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieses Buch auch gefunden und gelesen wird, nachdem ich gegangen bin.“

„Sehr viele Leute haben mir geraten, ein Tagebuch zu führen. Sie sagen, dass, wenn man ein Tagebuch führt, es wahrscheinlicher ist, interessante Ereignisse zu finden, die um einen herum passieren. Also werde ich, Dorothy, dieses Tagebuch behalten.

Ich bin 12. Nächsten Monat werde ich dreizehn Jahre alt. Ich bin jetzt in meinem ersten Jahr der High School und hoffe auch den Rest dieses Jahres dort zu sein. Ich habe einen Vater, eine Mutter und einen Bruder.

Auch eine liebe Freundin, ihr Name ist Sara Louise Spear. Ich traf sie am Hampton Beach, wo unsere Familie im Sommer wohnt. Sie ist ein Schatz, und ich liebe sie wirklich.

Meine beste Freundin hier zu Hause ist jetzt Marion Hansome. Ich mag sie wirklich sehr, obwohl unsere Freundschaft jetzt etwas angespannt ist.

Ich habe so viele Bücher über andere Mädchen gelesen, die vor Jahren Tagebücher geführt haben und dann haben Mädchen dieses Jahrhunderts sie wieder gefunden. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieses Buch auch gefunden und gelesen wird, nachdem ich gegangen bin. Ich hoffe, dass die Leute, die es finden, es interessant finden.“

Dorothy B. Holden;
13. September 1919.

Via Sally’s Diaries (Text & Photo), Übersetzung: Blogfrei

tow away zone

„Abschleppen“ – aus dem Alltag eines fiesen Trolls

„Du, Frau Schlägel, kannst Du mal bitte rüberkommen?“, frage ich meine Kollegin ein Büro weiter. „Jaaahaa, Moooment“, flötet es von nebenan.

Wie ich dieses Langziehen von Vokalen hasse. Als sie dann vor meinem Schreibtisch steht, zeige ich aus dem Fenster:

„Sag mal, kannst Du das Kennzeichen da unten lesen?“
„Jahaaaa, HH-V0-9999. – Wiesooo?“

„Nix, Danke. Machst Du die Tür zu, wenn Du rausgehst?“.

Im vierten Stock des „World Cruise and Finance Center“ hat man eine Spitzensicht auf die kleine kurze Eckstraße, die größenwahnsinnig „Lange Straße“ heisst. Hier parken die ganzen „Unmarked Paketboten“ immer, wie ich die schmierigen Subunternehmer der ehemaligen Bundespost immer nenne. Ich notiere mir dann die Kennzeichen, oder lasse sie von Frau Schlägel, also von Marion, notieren und rufe dann die Polizei.

Wenn ich Glück habe, meine Quote liegt bei grandiosen 25% (wenn meine EBITDA-Quote dieses Jahr nur auch so hoch wäre, aber das hat mir ja der Einkauf versemmelt mit diesem Panamadeal). Heute ist ein besonders schönes Exemplar an der Reihe. Übergewicht, beige-blondierte Fisselhaare unter einer HSV-Kappe. „Love the Armory“ steht auf seinem T-Shirt, was wie eine Tätowierung aussieht.

Was auch immer das heissen soll.
Weiss der Spinner bestimmt selber nicht.

Die Polizei erscheint. Hurrah, heute ist mein Glückstag: Zwei „Bulletten“. Eine blonder als die andere.

Der Mann gestikuliert. Herrlich, einer von der Sorte, die denken, sie können sich mit ihrem Charme herausreden. Sind ja Mädchen, die ihm da gegenüber stehen. Hat sich der Typ in den letzten zehn Jahren mal im Spiegel angesehen? Auf Machos, die unsere Auffahrt blockieren und dann auch noch anzüglich werden, können die Polizeimeisterinnen sicher besonders gut.

Das Telefon klingelt, meine Frau ist dran. Was wir denn nun mit dem Elternabend machen heute Abend. „Ich muss noch länger arbeiten, Schatz – ich kann nicht, rufe zurück“, wimmele ich sie ab. Als ich wieder heruntersehe auf die Straße vor meinem Gebäude, sind alle in ihre Fahrzeige gestiegen. Schade, hab ich das Schönste verpasst?

Na, das kann sie, meine saubere Ehefrau; mir den schönsten Moment des Tages versauen.

„Ach, komm, mach Dir nix draus“, denke ich mir und hefte fein säuberlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht meine Fotos vom heutigen Fang in den Tumblr-Blog und drehe zur Entspannung eine Runde bei welt.de , Flüchtlingsartikel kommentieren. …

 

Photo credit: gregorywass on VisualHunt / CC BY-NC-SA

„Wir haben die schrecklichste Bombe der Weltgeschichte entdeckt.“

„Wir trafen uns heute um 11:00 Uhr. Das heißt, Stalin, Churchill und der US-Präsident. Aber ich hatte vorher eine sehr wichtige Sitzung mit Lord Mountbatten und General Marshall. Wir haben die schrecklichste Bombe der Weltgeschichte entdeckt. Es kann die Feuerzerstörung sein, die in der Euphrat-Tal-Ära nach Noah und seiner fabelhaften Arche prophezeit wurde. Jedenfalls glauben wir, dass wir den Weg gefunden haben, um einen Zerfall des Atoms herbeizuführen. Ein Experiment in der Wüste von New Mexico war ein Startschuss – um es milde auszudrücken. Dreizehn Pfund des Sprengstoffs verursachten einen Krater, sechshundert Fuß tief und zwölfhundert Fuß im Durchmesser, stießen über einen Stahlturm eine halbe Meile entfernt, und schlugen Männer zehntausend Meter entfernt nieder.“

  • Tagebuch von President Harry Truman, am 25. Juli 1945

Genau 12 Tage, bevor die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde, erläuterte der Präsident seine Diskussionen über den Einsatz der Atombombe. Der auffälligste Teil dieser Passage ist Trumans Wunsch, die Bombe nur für Militärangehörige einzusetzen – nicht für Zivilisten. Hiroshima wurde wegen seines Marinehafens und seines großen militärischen Hauptquartiers ausgewählt. Das zweite Ziel sollte ursprünglich Kyoto, die alte Hauptstadt Japans, sein, aber Truman glaubte, dass das Abwerfen der Bombe auf Tokio oder Kyoto zu übermäßigen zivilen Verlusten führen würde.

Tatsächlich wurde nach dem Krieg enthüllt, dass Kyoto von der Bombe verschont blieb, weil der Kriegsminister, General Stimson, in Kyoto Flitterwochen verbracht hatte und die Stadt besonders liebte. Wie wir wissen, war die überwiegende Mehrheit der Opfer Zivilisten, insbesondere ältere Menschen und Kinder. Truman wurde in den Tagen nach der zweiten Atombombenexplosion von Schuldgefühlen geplagt. Der damalige Handelsminister Henry Wallace schrieb, dass Truman einen Stopp für weitere Pläne zur Bombardierung Japans angeordnet habe, indem er erklärte: „Ihm gefiel die Idee nicht, wie er sagte, all diese Kinder zu töten.”

Photo credit: Costa Rica Bill on Visual Hunt / CC BY-NC

„Es ist alles gut“.

Als ich den Raum betrete, in dem Du seit drei Wochen wohnst, atmest Du einen vorletzten Zug von dieser Welt.

Eine kurze Pause, die ewig erscheint, ich streichle Dir die Wange und sage das, was alle sagen, die beim Abschied zurück bleiben: „Es ist alles gut“.

Einmal wendest Du noch den Kopf, ein letzter Atem verlässt Dein krankes Haus. Ist es vorbei, nun? Ist es aus?

Ja. Du regst Dich nicht mehr. Das merke ich erst nach einer Weile, als nichts weiter passiert. Deine Hand ist noch ganz heiß. Ab und an, glaube ich, hebt sich Dein Brustkorb, doch in Wahrheit tut er das nicht.

Falls jemand fragt, es war halb zwei. Keine Ahnung, ob das wichtig ist, dass das jemand weiß.

Ich mache das Fenster auf und lasse frische Luft hinein und Dich hinaus.

Nach einiger Zeit kühlt Deine Hand merklich ab. Die selbst und so lange erzeugte Wärme verlässt Deinen Körper.

Es ist still. Beinahe. Nebenan guckt ein Todgeweihter RTL2, ansonsten ist es sehr still. Draußen begrüßt eine Amsel den Frühling.

Ich bleibe noch eine Weile neben Dir sitzen, singe ein Matrosenlied, das schon lange in unserer Familie wohnt; rund Kap Hoorn und wedder retour.

Es kommt lange niemand. Hier herrscht keine Eile, wozu auch. Du bist den Zwängen des Notfalls, der Zeit an sich entzogen; endgültig.

In Hamburg ist für heute kein Regen angesagt, es bleibt wohl trocken.

Du hast nicht das Recht zu glauben, was du willst.

 

Haben wir das Recht zu glauben, was wir glauben wollen? Dieses vermeintliche Recht wird oft als das letzte Mittel der absichtlich Unwissenden, der Person, die durch Beweise und wachsende Meinungen in die Enge getrieben wird, behauptet: „Ich glaube, der Klimawandel ist ein Schwindel, was auch immer jemand anderes sagt, und ich habe ein Recht darauf, es zu glauben!“. Aber gibt es ein solches Recht?

Wir erkennen das Recht an, bestimmte Dinge zu erfahren. Ich habe ein Recht darauf, die Bedingungen meiner Anstellung, die Diagnose meiner Erkrankungen durch den Arzt, die Noten, die ich in der Schule erreicht habe, den Namen meines Anklägers und die Art der Anschuldigungen usw. zu erfahren. Aber Glaube ist kein Wissen.

Überzeugungen sind fakultativ: zu glauben ist anzunehmen, dass etwas wahr ist. Es wäre absurd, wie der analytische Philosoph G. E. Moore in den 1940er Jahren sagte: „Es regnet, aber ich glaube nicht, dass es regnet.“ Der Glaube strebt nach Wahrheit – aber er bringt sie nicht mit sich. Überzeugungen können falsch sein, nicht gerechtfertigt durch Beweise oder begründete Überlegungen. Sie können auch moralisch abstoßend sein. Zu den wahrscheinlichsten Anwärtern gehören: Überzeugungen, die sexistisch, rassistisch oder homophob sind; der Glaube, dass die richtige Erziehung eines Kindes „den Willen brechen“ und schwere körperliche Bestrafung erfordert; der Glaube, dass ältere Menschen routinemäßig eingeschläfert werden sollten; der Glaube, dass „ethnische Säuberung“ eine politische Lösung ist, und so weiter. Wenn wir diese moralisch falsch finden, verurteilen wir nicht nur die möglichen Handlungen, die aus solchen Überzeugungen hervorgehen, sondern auch den Inhalt des Glaubens selbst, den Akt des Glaubens und damit den Gläubigen.

Solche Urteile können implizieren, dass der Glaube ein freiwilliger Akt ist. Aber Überzeugungen sind oft eher Geisteszustände oder Einstellungen als entschlossenes Handeln. Einige Überzeugungen, wie z.B. persönliche Werte, werden nicht bewusst gewählt; sie werden von den Eltern „geerbt“ und von Gleichaltrigen „erworben“, versehentlich erworben, von Institutionen und Behörden eingeimpft oder vom Hörensagen übernommen. Aus diesem Grund halte ich es nicht immer für bedenklich, einen Glauben zu haben, sondern es ist vielmehr die Aufrechterhaltung eines solchen Glaubens, die Weigerung, ihn zu bezweifeln oder abzulehnen, die freiwillig und ethisch falsch sein kann.

Wenn der Inhalt eines Glaubens als moralisch falsch beurteilt wird, wird er auch als falsch angesehen. Der Glaube, dass eine Rasse weniger als vollständig menschlich ist, ist nicht nur ein moralisch abstoßender, rassistischer Grundsatz; er wird auch als falsche Behauptung angesehen – wenn auch nicht von den Gläubigen. Die Falschheit eines Glaubens ist eine notwendige, aber nicht ausreichende Bedingung, damit ein Glaube moralisch falsch ist; ebenso wenig ist die Hässlichkeit des Inhalts ausreichend, damit ein Glaube moralisch falsch ist. Leider gibt es in der Tat moralisch abstoßende Wahrheiten, aber es ist nicht der Glaube, der sie so macht. Ihre moralische Hässlichkeit ist eingebettet in die Welt, nicht in den Glauben an die Welt.

Wer bist du, dass du mir sagst, was ich glauben soll“, antwortet der Eiferer. Es ist eine irreführende Herausforderung: Es impliziert, dass die Bestätigung des eigenen Glaubens eine Frage der Autorität ist. Sie ignoriert die Rolle der Realität. Der Glaube hat das, was Philosophen eine „Mind to World“-Richtung der Anpassung nennen. Unsere Überzeugungen sollen die reale Welt widerspiegeln – und in diesem Punkt können die Überzeugungen verrückt werden. Es gibt unverantwortliche Überzeugungen; genauer gesagt, es gibt Überzeugungen, die auf unverantwortliche Weise erworben und beibehalten werden. Man könnte Beweise ignorieren, Klatsch, Gerüchte oder Zeugenaussagen aus zweifelhaften Quellen akzeptieren, Inkohärenz mit anderen Überzeugungen ignorieren, Wunschdenken umarmen oder eine Vorliebe für Verschwörungstheorien zeigen.

Ich will nicht auf den strengen Evidentialismus des mathematischen Philosophen William K. Clifford aus dem 19. Jahrhundert zurückgreifen, der behauptete: „Es ist falsch, immer, überall und für jedermann, irgendetwas zu glauben, wenn die Beweise nicht ausreichen“. Clifford versuchte, einen unverantwortlichen „Überglauben“ zu verhindern, bei dem Wunschdenken, blinder Glaube oder Gefühl (und nicht Beweise) den Glauben stimulieren oder rechtfertigen. Das ist zu restriktiv. In jeder komplexen Gesellschaft muss man sich auf das Zeugnis zuverlässiger Quellen, Expertenurteile und die besten verfügbaren Beweise verlassen können. Darüber hinaus, wie der Psychologe William James 1896 antwortete, müssen einige unserer wichtigsten Überzeugungen über die Welt und die menschliche Perspektive ohne die Möglichkeit ausreichender Beweise gebildet werden. Unter solchen Umständen (die manchmal eng, manchmal breiter in Jakobus‘ Schriften definiert sind), berechtigt uns der’Wille zu glauben‘ dazu, die Alternative zu wählen, die ein besseres Leben projiziert.

Bei der Erforschung der Vielfalt religiöser Erfahrungen erinnert uns James daran, dass das „Recht zu glauben“ ein Klima religiöser Toleranz schaffen kann. Jene Religionen, die sich durch erforderliche Überzeugungen (Glaubensbekenntnisse) definieren, haben Unterdrückung, Folter und unzählige Kriege gegen Ungläubige geführt, die nur mit der Anerkennung eines gegenseitigen „Rechts auf Glauben“ beendet werden können. Doch auch in diesem Zusammenhang können extrem intolerante Überzeugungen nicht toleriert werden. Rechte haben Grenzen und tragen Verantwortung.

Leider scheinen heute viele Menschen eine große Lizenz mit dem Recht zu glauben zu haben, indem sie sich über ihre Verantwortung hinwegsetzen. Die absichtliche Ignoranz und das falsche Wissen, die gemeinhin durch die Behauptung „Ich habe ein Recht auf meinen Glauben“ verteidigt werden, entsprechen nicht den Anforderungen von James. Betrachten wir diejenigen, die glauben, dass die Mondlandungen oder die Schießerei in der Sandy Hook-Schule unwirkliche, von der Regierung geschaffene Dramen waren; dass Barack Obama Muslim ist; dass die Erde flach ist; oder dass der Klimawandel ein Schwindel ist. In solchen Fällen wird das Recht zu glauben als ein negatives Recht proklamiert, d.h. seine Absicht ist es, den Dialog zu unterbinden, alle Herausforderungen abzulenken und anderen zu verbieten, sich in die eigene Glaubensverpflichtung einzumischen. Der Geist ist geschlossen, nicht offen für das Lernen. Sie mögen „wahre Gläubige“ sein, aber sie glauben nicht an die Wahrheit.

Der Glaube, wie der Wille, scheint grundlegend für die Autonomie, den ultimativen Grund der eigenen Freiheit zu sein. Aber, wie Clifford auch bemerkte: „Niemandes Glaube ist auf jeden Fall eine Privatangelegenheit, die sich nur um sich selbst kümmert“. Überzeugungen prägen Einstellungen und Motive, leiten Entscheidungen und Handlungen. Glauben und Wissen bilden sich innerhalb einer erkenntnistheoretischen Gemeinschaft, die auch ihre Wirkung hat. Es gibt eine Ethik des Glaubens, des Erwerbs, der Aufrechterhaltung und des Verzichts auf Glauben – und diese Ethik erzeugt und begrenzt unser Recht zu glauben. Wenn einige Überzeugungen falsch, moralisch abstoßend oder unverantwortlich sind, sind einige Überzeugungen auch gefährlich. Und darauf haben wir kein Recht.


Übersetzt vom Blogautor, Original von AEON, unter CC Lizenz by-na
Daniel DeNicola
ist Professor und Professor für Philosophie am Gettysburg College in Pennsylvania und Autor von „Understanding Ignorance: The Surprising Impact of What We Don’t Know (2017)“, der von der Association of American Publishers mit dem PROSE Award in Philosophy 2018 ausgezeichnet wurde.

Published in association with
The MIT Press
an Aeon Partner

Photo credit: PHOTOGRAPHY Toporowski on VisualHunt / CC BY

Aeon counter – do not remove

Resonanzboden

CC by visualhunt

Harmonien brauchen Resonanz. Wie Wellen, die sich an einem hellen Strand 🏝 brechen und ihr Dasein in einem charakteristischen Meeresrauschen vollenden, brechen sich die Töne unseres Wirkens, der Sound dessen, was uns widerfährt oder was wir selbst tun, an all den Kinken und Facetten unseres Lebens.

Vereinen sich zu einem einzigartigen Klang, der mit jedem Jahr voller und runder wird. ;)

Nu auf See …

Seenotrettungskreuzer – Photo credit: abbilder on Visual Hunt / CC BY-ND

Dieses Gefühl, wenn Gischt und Regen sich vereinen und vom Sturm getrieben, wie eiskalte Nadeln in das Gesicht stechen; einem den Atem raubend nur einen Wunsch zulassen: so schnell wie möglich hinein in den sicheren, ach irgendeinen Hafen, das kenne ich auch.

“Jetzt auf See und dann kein Schiff”

Und die Hochachtung ist kaum zu beschreiben, wenn man Geschichten von Männern liest, die freiwillig den anderen Weg gehen; vom sicheren Hafen in das klamme Inferno hinaus steuern, um anderen – vielleicht irgendwann auch mir – zu Hilfe zu eilen.

Nick Hornby: Warum Vinyl-Platten wichtig sind – und was Wertschätzung damit zu tun hat

Mein erstes Importalbum: Ma Simba Bele – Unknown Cases. Importiert von Rocco Records in Hamburg und liebevoll angehört – immer wieder.

Nick Hornby, elder statesman der britischen Popkultur, hat dem Magazin „Reverb“ ein Interview gegeben, in dem es um Vinyl und das Besondere daran geht.

Interessanterweise beschreibt Nick Hornby am Beispiel des – immer noch nicht ausgestorbenen – Schallplattenalbum, was an der digitalen Welt derzeit im Argen liegt und wieso analoge Produkte uns den Dingen, die wir lieben wieder näher bringen.

Why is vinyl important?
I don’t think it’s important, really.

Nick Hornby: I skip tracks all the time, I listen to things for twenty seconds before deciding whether I like them

„Nick Hornby: Warum Vinyl-Platten wichtig sind – und was Wertschätzung damit zu tun hat“ weiterlesen

„Meine Lieblingssportarten sind Forellenangeln, Wandern, Schießen, Fußball und Boxen.“

„Mein Name ist Ernest Miller Hemingway Ich wurde am 21. Juli 1899 geboren. Meine Lieblingsautoren sind Kipling, O. Henry und Steuart Edward White. Meine Lieblingsblume ist Orchideen und Tigerlilien. Meine Lieblingssportarten sind Forellenangeln, Wandern, Schießen, Fußball und Boxen. Meine Lieblingsfächer sind Englisch, Zoologie und Chemie. Ich beabsichtige zu reisen und zu schreiben.“

Dies ist der erste Tagebucheintrag des neunjährigen Ernest Hemingway.

Schon als Kind können wir die Züge jenes direkten und vereinfachten Schreibstils erkennen, für den Hemingway bekannt wurde.

Erster Eintrag 1908 – vor 110 Jahren

Viele neunjährige Jungen haben Vorstellungen davon, was sie werden wollen, wenn sie groß sind, aber selten werden solche Visionen wahr. Im Falle von Hemingway hingegen schrieb und reiste er tatsächlich ausgiebig.

Die Unschuld des Tagebucheintrags ist weit entfernt von den Ereignissen, die sich 52 Jahre später ereigneten: nach einer langen Geschichte von Alkoholismus und psychischen Erkrankungen tötete sich Hemingway im Alter von 61 Jahren.

Ich habe meine ersten Schritte als Tagebuchschreiber als Heranwachsender getan, mit dem festen Wunsch, es Philippe Djian in Betty Blue gleich zu tun und ein Schriftsteller mit einem geschliffenen und unverwechselbaren Stil zu werden. Das viele Biertrinken hat mir auch gefallen.

Bevor das Wort „Blog“ oder „Weblog“ erfunden wurde, bevor alle Welt in Timelines schrieb, vertrauten die Menschen ihre Gedanken und Erlebnisse einem Tagebuch an. Einem „Journal“, wie es damals vornehm französisch hieß.

Photo credit: Franck Vervial on Visual hunt / CC BY-NC-ND

Do it like Puff Diddy – literalize yourself

diddy: „I did it again BREAKING NEWS!!!! MY NEW NAME IS LOVE OR BROTHER LOVE!!! Or NOTHIN!
HAPPY BIRTHDAY TO ME!!!“

Warum ich auf Facebook meinen Namen ändere

Die banale Ernsthaftigkeit mit der die meisten von uns ihr digitales Alter Ego pflegen, langweilt mich – ich langweile mich.

Ich blogge nun seit 2003 und bin seit Juli genau zehn Jahre bei Facebook. Ich habe die sozialen Medien kommen gesehen und habe mich in ihnen niedergelassen. Dabei ist mir schon früh aufgefallen, dass ziemlich schnell alles Interessante aus meinem Leben und meinem Wahrnhemen erzählt ist. Bereits 2006 habe ich mich – damals noch bezogen auf das Phänomen Blog – mit einem Grimme-Preis-bewehrten Freund darüber unterhalten, wie man der Falle der Profanität entkommen kann.

Mehr Fantasie, mehr Stil, mehr Prosa

Er sagte mir damals, „dass sich die Blogosphäre weiter literarisieren müsste. Weniger bierernste Recherche (das kriegt man als Blogger sowieso selten hin), Nachgeplapper und Befindlichkeit. Mehr Fantasie, mehr Stil, mehr Prosa.“

Als ich heute im ZEIT Magazin Online einen Text über Puff Diddy, aka Daddy, aka Brother Love las, erkannte ich einen Ausweg.

„Das Prinzip, sich auch mal einen neuen Namen zu gönnen, wenn man spürt, dass man nicht mehr derselbe ist, der man gestern noch war, überzeugt uns total.“ – Peter Dausend im ZEIT Magazin

Ich habe es Brother Love gleich getan und meinen Namen auf Facebook geändert. Ich heiße dort nun „Erik Ilih“, Ili ist hawaiianisch und heißt auf deutsch „Haut“. Das „h“ habe ich, wie bei meinem Taufnamen dran gehängt.

Warum?

Ich erhoffe mir dadurch zweierlei:

  1. Innere Freiheit: ich habe mir – privat und beruflich – einen Ruf erworben. Grundsätzlich halte ich es zwar mit meiner Großmutter, die mir oft auf Platt riet: „Mok wat de wülls, die Lüt snack doch“; trotzdem will ich doch vermeiden, dass Menschen irritiert werden durch das, was ich schreibe. Dies unter einem Pseudonym zu tun macht freier und den Absender klarer – eine Kunstfigur.
  2. Äußere Freiheit: ich pflege meine beruflichen Kontakte über XING und Linked.in. Letzteres ist Drehpunkt meiner beruflichen Postings. Dies will ich stärken. Also gerne dort vorbei schauen.

Mein Mittel der Wahl: Camp

Um mein digitales Ego zu literarisieren, wähle ich die Form des „Camp“. Susan Sontag, amerikanische Publizistin, schreibt dazu: „(Im Camp) muss eine gewisse Theatralik, Leidenschaftlichkeit und Verspieltheit sichtbar werden; Camp-Ironie ist auch überwiegend auf sentimentale und liebevolle Weise ironisch, will die erwählten Gegenstände, Personen und Kunstwerke nie nur vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Ferner entsteht gute campy Kunst eher naiv und unfreiwillig“.

Das klingt nach viel Freiheit und weniger Langeweile. So kann ich ganze Winter auf Mallorca verbringen, mit Wolle Kubicki über Weißwein streiten oder einfach theatralisches Pathos spinnen – ohne dass ihr euch allzu sehr wundern müsst. :)

I did it again BREAKING NEWS!!!! MY NEW NAME IS TRIK OR Tricky RIK!!! Or NOTHIN!
HAPPY BIRTHDAY TO ME!!!

 

Gefällig 1.500 Stück gute abgelagerte Cigarren

Herrn Paul Koegel. Magdeburg !
Remscheid, 11. Mai 1869

Senden Sie mir gefl. (gefällig) wieder sobald als möglich:
1500 Stück gute abgelagerte Cigarren „Flor de Ynes“
wie erhalten á Thr (Taler) 22 pro mille (lat.: je Tausend)
500 Stück do (dito, ebenso) Rio Sella á Thr 18 ײ ײ
Ihrer gefl. Versandtsanzeige entgegensehend,

Zeichnet in aller Achtung
A Mannesmann

Adam: „OMG it’s Friday“

Freitag

Ich kann nichts daran ändern, die Namensgebung geht unaufhörlich weiter. Ich hatte einen so schönen Namen für dieses Gelände; er war hübsch und melodisch – Der Garten Eden.

Insgeheim nenne ich es noch weiter so, sage es aber nicht mehr laut. Das neue Geschöpf sagt, daß es hier nur Wald, Felsen und Landschaft gibt, und daß es deshalb keine Ähnlichkeit mit einem Garten hat. Es sagt, daß es wie ein Park aussieht und daher ein Park ist.

Deshalb muß es – natürlich ohne meine Zustimmung – in Niagara Wasserfall Park umbenannt werden. Das erscheint mir ganz schön willkürlich. Und schon steht da ein Schild:

Betreten des Rasens
verboten

Ich fühle mich nicht mehr so glücklich wie früher.

 

 

 


Aus:

Auszüge aus Adams Tagebuch
Mark Twain

Aus dem Originalmanuskript übersetzt 2003 von Arno Niemer
Quelle: Gutenberg SPIEGEL

Rotorblätter in der Nacht

Aufruf zur G20 Demo – abblätternd. L: Altona

Bekenntnis eines G20-Feiglings

Der Hubschrauber, der letze Nacht über mein Haus flog, hat mich erschreckt, hat mir die Tage vor und an G20 wieder ins Gedächtnis rotiert. Eine Minute nur stand er über unserem Dach, so wie die drei Polizeihubschrauber Anfang Juli die ganze Nacht. Dann – nach einer kleinen Ewigkeit – flog er weiter; vermutlich, um einen Schwerverletzten ins nahe Altonaer Krankenhaus zu fliegen.

Eine gute Sache also, dieser Hubschrauber. Eigentlich; aber seit dem Scholzschen „Fest der Demokratie“, als sich die Kanzlerin in Tateinheit mit dem Hamburger Bürgermeister einen Haufen von Chaoten und Despoten in die Stadt ein- und sich von der Polizei unbehelligt eine organisierte und spontane Wut entlud, führen alltägliche urbane Geräusche zu einer anderen biochemischen Reaktion, als vorher. „Rotorblätter in der Nacht“ weiterlesen