Heute Morgen am Hamburger Flughafen

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: „Folgen Sie einfach der Masse da“

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: "Folgen Sie einfach der Masse da

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Von der Scham überwältigt

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: ‚Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und …‘ – warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen.

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: 'Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und ...' - warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen

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Photo taken at: Hamburg-Altona station

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Zurückbleiben bitte

„Zurückbleiben heißt Zurückbleiben“, bellt der Fahrer der U1 durch seine altersschwachen Lautsprecher. Ich bleibe vor Schreck stehen und verpasse so den Zug.

Traurig blicke ich den Waggons hinterher, als sie im Tunnel verschwinden. Ein unachtsam weggeworfenes Einwickelpapier wird gegen seinen Willen hinterhergesogen.

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Immerhin, den Zurückgebliebenen gehört nun für ein paar Minuten der ganze Bahnsteig. #ecriture #ecritureautomatique #munich #prosa

Aufstehverbot

Es ist ein nasskalter Tag, die Wolken hängen tief über den glänzenden Dächern der Stadt, als ich mich gegen Mittag aus dem Bett schäle. Das Herunterwerfen meiner Decke war schon eine Überwindung, das Heraussteigen aus der Mulde, in der ich die letzten 12 Stunden verbracht habe, ist eine Quälerei. Statt Tanzverbot sollte es am Karfreitag ein Aufstehverbot geben – ich würde mich daran halten. „Aufstehverbot“ weiterlesen

Alte Zöpfe

Kehraus, alles muss raus.

Das globalisierte Schweden wirft Bäume aus dem Fenster. Nadeln verkletten mein Haar, wie Konfetti bei der Einlaufparade. Alt ist das nun, was gestern noch lila strahlte. Raus damit; aus Herzen und Köpfen.

Nur meine Gärtnerin mahnt, ‚lass die alten Blütenstände stehen, sonst wissen die Neuen nicht, wie sie sich entfalten sollen‘ – stoisch streben sie immer noch gen Himmel; halten liebevoll die Stellung, während der kalte Ostwind an ihnen zerrt.

Einsame Vorbilder, tapfere Platzhalter.

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Photo taken at: Wintergarten St. Pauli

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Plug-off

Wenn ich mir die Ohrstöpsel in die Ohren lege und die Musik anschalte, dann verwandelt sich die tristeste Umgebung in eine Filmszene. Langsam weben sich Sound und das vorwinterliche Deutschland zu einem Track, der ertragbar ist.

Ich schaue hin, höre zu, wie die Landschaft an mir vorbei zieht. Zwischen meinen Ohren trifft die Information aus Auge und Ohr zusammen. Fast ist mir, als könnte ich sie berühren. Auf jeden Fall berührt sie mich. Animal.

Q

Ich bin nicht weg.
Ich bin noch da. Überall.
Geronnen in roter Zeit.
Eingewoben in Geschichten findest du mich.

Ich schminke mich auf dein Lächeln, wenn ihr jubelt.

Ich singe mit, jedesmal.
Schimpfe, rauche, verzeihe.

Wetten?

Ich bin nicht mehr hier, aber immer da.

Q.

Stark

Die Kälte des Winters steckt noch in allem, trotzdem die Sonne heute morgen schon viel Kraft hat.

Die Muffigkeit verfliegt langsam und nun warte ich darauf, dass auch die Traurigkeit vergeht, die ich in den dunklen Tagen aufgesogen habe, wie Wolle den Kerzenwachs. ##

Eine kleine Meise klaut sich Stroh aus meiner Fussmatte. Ihr hellblaues Gefieder strahlt brandneu, sie weiss es nicht besser. Als sie mich erblickt flieht sie auf indirektem Weg zu Ihrem Nest.

Grün ist wieder eine Bewegung von unten, alles pocht vom Boden aus, heraus und auf sein Recht. Die frischen Triebe kümmern sich nicht um die Schönheit des letzten Sommers. Frische Liebe ist brutal und sie ist. Stark.

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Gespenster

Ich spiele. Ich spiele nicht.
Mit Dir. Nicht gegen dich.

Wenn du willst, stelle ich unsere Gespenster einander vor. Meines lebt schon lange bei mir und will partout kein guter Freund mehr sein. Wie heisst deines? Hört es auf einen verlogenen Namen?

Lass uns noch frisches Holz ins Feuer werfen, das vertreibt vielleicht die Ungeheuer.

Deine Lippen

Es gibt Lippen, die passen aufeinander und es gibt Lippen, bei denen ist jede Mühe vergebens.  Ihre Lippen passten auf meine, als wären sie dafür gemacht.

Voll umschloss ihre Oberlippe die meine, leicht angewinkelt, damit wir übereinander lagen, sie oben, während unten ein Hauch von Berührung nur zu spüren war. Nicht zu nass, nicht zu trocken. Die pure Verheißung.

Der Kuss ist so viel näher an der Seele, als alles andere. Der Mund bleibt das filigranere Instrument, dass ausserdem den Vorteil mit sich bringt, dass man während des Knutschens kein Dummes Zeug sprechen kann.

Als Iris meine Augen nach Absichten durchsucht, muss ich beinahe lachen. So frei von Hintergedanken war ich noch nie.  Als sie sich umdreht und nach unten geht, geht über dem Schloss gerade die Sonne auf.

Ich lächele ihr doof entgegen und bin kurz vor Glück betäubt, bevor der Entzug einsetzt.

Gleich gültig

Sie strahlte so viel Ruhe aus, dass einige schon Lethargie dahinter vermuten. Dabei war ihr jedes Gefühl gleich gültig, sie versuchte es zumindest. Die Wut und die Liebe, die glückliche und die unglückliche. Im Einklang mit der Pflicht, auch irgendwann den Müll runter zu bringen. Nicht auszurasten, wenn die Schraube vergniedelt und man nach dem Geständnis trotzdem weiter leben muss.

In einer Generation von Superheldinnen war sie eine Wohltat: Es zählte gleich, wenn ich sie küsste. Gleich viel, als wenn ich ihr von Ferne zulächelte. Oder nur an sie dachte, wie letzte Woche beim Geschirr spülen.

Love does not hurt …

Für den ganzen Tag war starker Regen vorhergesagt, den ein steifer Wind aus West von der Nordsee über meine Stadt fegen sollte. Bisher nieselte es nur, als ich einen Blick in den Baum vor meiner Terrasse warf, dessen Arme sich leblos in den grauen Himmel reckten. Es dauert bis nach Weihnachten, bis die letzte lebhafte Erinnerung an den vergangenen Sommer so verblasst, dass es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie dieser Baum mit vollem Grün aussieht.

Was, wenn jetzt immer Winter bliebe? „Love does not hurt …“ weiterlesen

Nino de Angelogen

Gestern habe ich mich fast tödlich erschrocken. Es lief Werbung zwischen zwei Serienblöcken, da mache ich immer den Ton aus. Plötzlich erschien der alt gewordene Nino de Angelo auf meinem Schirm und schmachtete stumm in meine Richtung. So bemüht und unecht schmalzt der alte Mann daher, dass es fast weh tut.

Plötzlich war der Gedanke da, und geht seitdem nicht mehr weg: schmalze ich hier auch nur hilflos umher? Überdehne ich Gefühle unlauter? Woher weiss ich, dass sie nicht nur meiner Eitelkeit entspringen?, herzlos auf den Effekt zielend?

Ich bin mir unsicher geworden.
Fühlt sich an wie gelogen.

Foto:
Description

English: Nino de Angelo in Magdeburg

Deutsch: Nino de Angelo in Magdeburg zur MDR Schlagerparade

Date24.10.2010
Source
Own workAuthorNicoJenner

Sterne ohne Maß

Maß halten ohne Punkte zu zählen, das ziemt sich. Ziel erreicht.

Die inneren Kontrolleure haben immer recht. Das war die Regel bis gestern. In mir ist genug Liebe für drei Kerle. Und wenn die Rauhnacht ihren schwarzen Mantel über die Stadt legt, will ich nichts mehr essen. Nichts trinken.

Der Mund bleibt trocken. Keine Wärme strömt aus Ottensen, selbst wenn Jahrtausende altes Licht auf die nassen Strassenn fällt.

Zuvieles ist zu ungeordnet. Keine Ruhe findet sie im Chaos meiner Welt. Weihnachten steht vor der Tür und bricht Dir das Herz. Du Witzbold willst es wissen? Geh dich umziehen.

Geliebte Wut

Die Wut, von der er gar nicht sagen konnte, woher sie so plötzlich gekommen war, verzog sich aus seinem Bauch. Zurück blieb ein leichter Druck um seinen Magen, unmöglich war der mit Schmetterlingen zu verwechseln. Ob es am November lag, hatte er sich schon oft gefragt. Andere Menschen verliebten sich im Frühling, der passte viel besser zum Gefühl, als der verwesende Rest des Jahres, dessen Ereignisse wie Torf auf seiner Seele lagen.

Es war schon zehn Uhr vormittags und würde heute nicht mehr richtig hell. Tapfer wehrte er sich gegen den Drang, in die wohlige Tiefe seiner Melancholie einzusickern, die sich nun dort breit machte, wo die Wut Platz gemacht hatte.

Er blickte auf die Balkone gegenüber. Auf die Satelliten-Schüsseln, die alle auf denselben fernen Punkt ausgerichtet waren. Hinter ihnen flackerte kaltes Licht. Die Wiederholung der letzten Wetten dass ..? Sendung vielleicht oder eine türkische Soap Opera? „Geliebte Wut“ weiterlesen

Eben war ich noch zufrieden…

Zwei Daumen Rasen über die Tastatur meines Gegenüber. Der Blick gesenkt steht der Nacken ungesund schief, während draussen die Welt vorbei zieht.

Ich rieche vertrautes, als der Schaffner mit Kaffee durch den Waggon schlurft. So einen kann ich mir schon lange nicht mehr leisten. Atme kaum, in der Hoffnung, dass sich der Duft in meiner Nase nicht zu schnell verflüchtigt. Verflucht, eben fehlte mir doch noch gar nichts, habe fröhlich in die Welt geschaut, meinen Gegenüber beim Leben zugesehen, trotz aller Schikanen. Und nun bekomme ich den Duft dieses verdammten Kaffees nicht aus meinen Sinnen.

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November Fressen

Der November beisst ganze Stücke aus meiner Seele. Dabei kommt er recht mild daher.
Der Sommer war so warm und hinterlässt mich so allein, dass mich ein einfacher und ehrlicher Kuss schon aus der Bahn wirft.

Im Oktober fallen die Schatten,
die Dich im November verschlingen.
Mein Alltag zeigt die kalte Schulter.

Du sehnst Dich plötzlich nach der Leidenschaft Hitze,
die am Ende eben doch nicht wärmt.

Ob Du am Leben bleibst ist unklar – also los.

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