Tupfstrich

Mein erster Erdkundelehrer, Herr Heeger, den wir alle nur Ayatollah Heeger nannten, wegen seines Bartes und seines herrischen Lehrstils, hat das Semikolon noch ‚Tupfstrich‘ genannt; er hasste alle Fremdwörter.

Ich mag das Semikolon. Auch als Smiley; wobei ich automatische Umwandlung in Grafiken wiederum hasse. Ich verheegere zusehends ;) „Tupfstrich“ weiterlesen

Visit Scotland

Ich stelle mir Schottland wohl so vor, wie alle anderen auch: der abziehende Regen oder feiner Nebel (schwer auseinander zu halten) zieht über schroffe Landschaften, die von durstigem Grün bedeckt sind. Tagsüber wandere ich im Kilt über diese moosigen Hügel, um abends den Geist der Region mit dem besten Whiskey der Welt einzuatmen. Und zu trinken.

In knapp zwei Wochen könnte Schottland zum größten politischen Versuchslabor reifen, das wir in Europa kennen. Tritt Schottland aus dem Vereinigten Königreich aus und schlüpft als Region unter den Mantel der Europäischen Union? Was passiert denn da mit uns, den anderen Europäern? Wird Schottland offener?, reicher oder ärmer?, europäischer?

Nord-Irland, die Basken und Katalanen, die Bayern und wir in Altona und Sydschleswig schauen uns das ganz genau an – und ein wenig hibbelig werde ich schon, denn so fantastisch das Sterben von Nationen auch ist, so gewaltig wäre ein Scheitern.

Foto: „Scotland Dunnottar Castle“ CC by Brian Yap

Hässlich aus Prinzip

Er möchte nicht der „hässliche Deutsche“ genannt werden, aber anstatt sich schön zu machen, kämpft er verbissen darum, hässlich sein zu dürfen.

Immerhin geht es ums Prinzip. Und nicht um Schönheit. Die kann man nicht gewinnen, die muss man sehen. Auch in sich selbst.

Es läuft.

Ganz still rücken Menschen in eine günstige Position, wehen Winde, wie noch nie zuvor. Alles geschieht im Stillen, ohne Hast.

Alles fügt sich, für das Auge unsichtbar.
Weil Du es träumst. Erträumst.

Ich kann es kaum erwarten, Dein Wunderwerk zu erleben.
U.

Je mehr, je öfter

Je mehr Möglichkeiten sich auftun, desto mehr schlägt mein Puls, desto hektischer mein Schlaf; oh, ich habe so viel zu verpassen.

Anstatt sich zurückzulehnen, hetze ich nun durch die Wenns und Könns. Müde von der frühen Dunkelheit. Und mit der Sehnsucht des Getriebenen.

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Please Like, Sperrbildschirm. Terror durch Unterbrechung. Das Leben brummt in meiner Hose, und wehe es hört auf. 20 Minuten Ruhe, dann beginnt der Entzug. Warum habe ich das Rauchen aufgegeben?

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Vor meinem Fenster steht eine Frau, angelehnt an ihren Mann. Sie wettert gerade eine Wehe ab. Er schaut mir ins Gesicht. Beeilen muss er sich nicht ;)

Erinnerungen an ein Azorenhoch

Der Himmel sieht aus, wie geschlagen.
Fein verästelte Wolken, so fein und verwundbar wie Jackenfutter ziehen geschlossen nach Südwest.

So wie ich und die anderen, die ausprobieren wollen, ob man den Frühling im Dezember finden kann, ohne zu zerreißen.

Dort wo die Herbststürme geboren werden. Nächste Woche.

Zum Kern vordringen.

Wollte man zum Kern vordringen,
Beispielsweise bei Deinem Pfirsich,
So entfernte man zuerst vorsichtig die rote Haut,
mit ihren samtig-feinen Härchen.

Dann schälte man in das saftige Fleisch.
Sonnengelb und von nasser Süße schwer.
Schneidet alles heraus, um tiefer zu gelangen.

Träfe dann auf einen runzeligen Kern,
Dessen hügelige Riffeln nun nichts mehr zu halten hätten.

Bräche ihn auf.
Brutal.
Und schaute dann nach des Kernes Wesen,
Nur um zwei kleine Samen zu erblicken.

Unscheinbar,
Zu Lebendigkeit befähigt,
Erstaunlich Schönes zu erschaffen.
Einen Pfirsich.
Eben.

Und bedauerte man dann,
in diesen wundervollen Pfirsich nicht gebissen zu haben?

bby_Fränkischer Weinbergspfirsich

Foto: bby via Flickr (cc) by

Weit gereist, dieses Rot

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Ich sitze bei meinem zweiten Kaffee im Garten und lese E-Mails, als mich an der Peripherie etwas rotes trifft.

Durch das Laub des größten Baumes im Hof fällt die Spätsommersonne auf ein Überbleibsel des letzten Geburtstages, ein Schnipsel rotes Glitzerherz, teilt die blauen Anteile vom Rest und schickt helles rotes Licht auf meine Netzhaut. Weit gereist ist das Licht. Zusammen, und wird erst am Boden zu einem Pinpointer, der anderswo Polizisten-Hundertschaften in Marsch setzen würde. Nur ein paar hundert Meter die Strasse runter können sie ein Lied davon singen.

Ich bin erstaunt und blicke sekundenlang in dieses Licht. Den Rest des Tages habe ich davon einen dunkelblauen Fleck im Auge. ;)