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10.07.06

Das Erhabene - aber schön war es doch

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Foto: Sabona Holidays

Ach, seufz, schon jetzt kommt Wehmut auf ... nicht nur wegen dieses blöden Kopfstoßes des auratischen Heiligen, der hat der ganzen Fußballwelt wohl mehr weh getan als dem, der von ihm niedergestreckt sich fand da auf dem Rasen. Auch sonst kann man ja jetzt, jetzt, nachdem es vorbei ist, die Falschen Weltmeister wurden (Glückwunsch trotzdem, zähneknirschend), eigentlich nur eins tun: Hilde anstimmen!


"Aber schön war es doch, aber schön war es doch,
und ich möcht' es noch einmal erleben!
Dabei weiß ich genau, dabei weiß ich genau,
sowas kann es doch einmal nur geben ..."

Eigentlich müßte man das ganze Lied umdichten ... "Da war das Spiel, das erste, das wir sahen, ein 3 zu 2, nicht wirklich souverän. Am Tag darauf jedoch kam Drogba, zeigte der Welt, wie Blicke sexy sind" oder sowas. "Da ist der Weg, der erste, den wir gingen, da ist die Bank, da sagtest Du Adieu. Da ist der Baum, an dem die Blüten hingen, die Du mir gabst - doch jetzt liegt drauf Schnee" heißt es im Original, was ja nach all den vegetativen Ausführungen hier auch was hat. Und in Sachen Vegetation gibt Südafrika auch was her, aber sowas von, siehe oben. Also auch noch mal ...

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09.07.06

Die No-Name Kletterrose

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Foto: Frost Burgwedel

"In der zweiten Trauerweide tummelt sich diese "Noname" Kletterrose."

Frost nicht nur in Burgwedel - auf der Seite dieses Namens findet sich obiger Satz. Trauerweide ist das Pflanzenwesen für's Endspiel dieser ansonsten so traumhaften WM. Das denkbar blödeste Ergebnis und dann noch dieser Abschied des göttlichen Zidane - wahrscheinlich hat der Italiener irgendwas von PI oder so zitiert, bevor der Kopf dann zustieß ...

Insofern sei die No-Name-Rose der Hoffnungsschimmer, daß sich was verbirgt in diesem mißlungenen Schluß eines sonst so tollen Ereignisses, 4 Wochen lang ... daß da was wächst inmitten des so falschen Finales. Was Neues. Was Schönes. Was Gutes. Was noch Namenloses ...

Hymnus auf Cristiano Ronaldo

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Foto: Soulcatcherstudio

Nee, diese Art Schönheit wie jene des Fotos aus den zwanziger Jahren war's gestern nicht. Und doch möchte man wissen, wie jener Kurt Bloßfeldt, der's schoß, wohl die Nackenlinie, die Augenbraue, den Spann eines Cristiano Ronaldo fotografiert hätte. Welche Urform er identifiziert hätte - veröffentlicht wurde dieses Foto des Rittersporn, der derzeit nicht nur Rosen begleitend in Parks verschwenderisch blüht, so blau wie jene Blume der Romantik, in einem Buch namens "Urformen der Kunst" 1928. Interessant könnte das sein, weil Bela Rethy gestern ja nicht müde wurde, die "brotlose Kunst" und das Spiel "für die Galerie" des immer neu Ausgepfiffenen zu betonen. "Effizienz" und "Party" und "schwarz-rot-geil" sind ja die Stichworte, die ...

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06.07.06

Taktik als "supplement": Frankreisch, Frankreisch Teil 3

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Na, ein Sturm auf die Bastille war das ja gestern abend nicht gerade. Trotz völligem Entflammtsein für meine Franzosen taten mir die Portugiesen leid, wie sie vergeblich ein Spiel als Zurückweisung durchleben mußten. Sozusagen. Ausgebremstes Begehren war das, als sie gegen dieses Abwehrbollerk anrannten, gegen in dieser Hinsicht höchst souveränen Franzosen, die ihre Kräfte schonten .... oha. Darf man Souveränität seit Agamben noch sagen? Oder hat gar ...

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05.07.06

Gewinnen kann doch jeder ...

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Foto: Alte Bäume erleben

"Eines Tages lagen die Apfelbäume entwurzelt auf der Wiese. Sie waren alt und brachten keinen Ertrag mehr. Sie lagen dort ein paar Wochen. Sie fingen an zu blühen. Jedes mal wenn ich auf meinem Spaziergang an diesen entwurzelten Bäumen vorbei kam, bewunderte ich ihre Lebenskraft und mich erfaßte Trauer, weil sie keine Chance zum überleben mehr hatten."

Schöne Seite, diese Alte Bäume erleben-Seite. Nun haben wir ja eigentlich eine junge Mannschaft, insofern ist das Bild schief und trotzdem schön. Eine, die so vortreffllich erblühte, um jetzt doch nicht dier erhofften Früchte zu tragen. Aber man muß es den Italienern, dieser unsympathischten Mannschaft (nicht Nation!) des Turniers, zugestehen: Die haben die Säge schon ziemlich zielsicher angesetzt. 120 Minuten gegen den Sturm anlaufen führt dann eben doch zur Entwurzelung, wenn man's nicht packt, auf diesem mitzusegeln. Die deutsche Mannschaft hat gegen die Logik dieses Spiels angespielt. Das geht schief.

Der gestrige Abend schien mir ...

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04.07.06

Birkenwundersiegheutebitte!

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Foto:Birgittaneubert

Endlich Schluß mit der "deutschen Eiche"! Ich plädiere für die Birke als Baum-Symbol zumindest dieser Nationalmannschaft. Die ist geschmeidig, elegant und bescheiden. Ihr Name heißt so viel wie "glänzend, schimmernd" - dank ihrer ersetzte man plumpe Wucht durch Biegsamkeit und Reaktion statt aktivem Sonnen in der eigenen Pracht und dabei doch nur dumpf rumstehen. Die Birke ist der Göttin Freya geweiht, einer offensichtlich außerordentlich lustvollen Gott-Person:

Da es keine südgermanische (z. B. deutsche, englische) Überlieferungen zu Freya gibt, wird angenommen, dass sie eine wikingerzeitliche Loslösung der Aspekte Liebe, Liebesmagie und Promiskuität der Göttin Frigg ist. Die literarischen Ausgestaltung Freyas während der isländischen Renaissance des 13.-14. Jh.s haben die heidnische Gestalt der Göttin allerdings überwuchert. In der Neuzeit hat sie die Göttin Frigg in der isländischen Aufarbeitung des Heidentums vollkommen verdrängt. Freya selbst erscheint in diesem Zusammenhang (einer Illumination in einer Papierhandschrift des 17. Jh.s) allerdings nur noch als biedere Familienmutter.

Quelle: Wikipedia

Womit der historische Weg der negativen Aspekte des Christentums auf den Punkt gebracht wäre. Nein, ich kokettiere keineswegs mit die faschistoiden Varianten neuheidnischen Denkens, sondern mit Nornirs Aett (Danke, Martin!).

Und die aktuell personifizierten, negativen Aspekte des Christentums hausen ja derzeit mitten in Rom. Gut, als eigener Gottesstaat, aber allein das ist schon Grund genug, die Italiener heute zu schlagen. Wobei ich Pinien und Akazien eigentlich auch sehr schön finde. Aber wahrscheinlich haben die Jungs vom Stiefel vor lauter Katholizismus den Kontakt zur Natur ein wenig verloren. Da ist Schweini im Planschbecken schon näher an der Freya.

Oha, gefährliches Terrain, auf dem ich mir bewege. Deshalb noch ein guter Tipp für unsere italienischen Freunde: Birkenhaarwasser. Womit mir einmal jetzt auch so ein latent homophober Witz Haarfrisuren passiert wäre (Saniti sagte gestern z.B., dann solle Cristiano Ronaldo doch lieber in Opern singen, autsch, da kommt's dann durch, das ist die Ebene des Frisuren-Witzes, liebes Telegehirn, Danke für die Verteidigung des Braunen Mobs übrigens!!!) - ich find's ja schade, daß Totti das gar nicht mehr so gut brauchen könnte, das Haarwasser ... noch ein Grund für eine italienische Niederlage heute. Also: Finale wir gegen Frankreich, das wär schon schön ... Versailles gegen Planten und Bloomen, sozusagen ...

03.07.06

Scheiße am Fuß

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Bei Spielen der englischen Mannschaft schlägt es laut, mein ambivalentes Herz. Eine Kammer ist dann immer aufgeregt, fiebert mit den Gazzas, Rooneys und Scrouches dieser großen Fußballnation. Die andere Kammer erspäht im Spiel der Engländer auch immer einen komisch eingebauten Anspruch auf den Sieg, auf ein großes Turnier, eine Überheblichkeit, die dort auf dem Platz nichts zu suchen hat.

Eigentlich war es dann ganz Fußballweise. Wer vier Großchancen nicht versenkt und mit drei Löwen auf der Brust spielt, der darf sich nicht wundern, wenn er im Elfmeterschießen ausscheidet. Gäbe es Doping, um die Elfmeterschussgenauigkeit zu erhöhen, meinetwegen müssten dann alle englischen Spieler zur Urinprobenabgabe. Gibt es aber nicht.

Zum Glück, denn es gibt einen Fußballgott, der jeder Nation eine spezielle Fähigkeit geschenkt hat. Ghana das Mittelfeld, Beckham das Freistoßtor aus Halblinks und Deutschland überragende Torwächter.

Die KO-Runde. ist übrigens ein toller Ort, um wahrhaftig auf die Seelen der sonst so maskierten Millionarios zu schauen.

02.07.06

Cogito Interruptus

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Foto: Wolfgang Hawerkamp

Mmmmmh ... solch ein Foto ist ein Beleg für die Verknüpfung der Sinne. Man sieht's, und man riecht den Lavendel und fühlt sich gleich frischer. Ob Zinedine Zidane aus solchen Anblicken einst seine Virtuosität zog, ob dieser Duft ihm seine ungeheure Leichtigkeit und Eleganz verliehen hat? Oder ist er nie aus dem "Problemviertel" La Castellane herausgekommen in seiner Kindheit, um ein wenig weiter nördlich die so unglaubliche Landschaft der Provence mit all ihren Düften einzuatmen, um Bilder wie jenes oben als zen-hafte Meditationen, als Kraftquelle inmitten des Straßenstraubs der wirklich heftigen Hafenstadt Marseille in sich zu tragen? Als ich dort war, in Marseille, Ostern 1987, da habe ich mich nachhaltig gegruselt auf dem Weg durch die Gassen hinauf zu jenem Haus, in dessen Garten am Morgen nach dem Bier wir Ostereier suchten. Weil eine Freundin von mir dort als Au Pair-Mädchen arbeitete.

Es gibt Spiele, da setzt dann das "Ich denke" kurzzeitig aus ...


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01.07.06

Phonologie und Phonetik zum Trotze: Leidenschaft, schaff neue Lieder!

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Foto: Der kleine Garten

Tja, da muß man erst mal rüberkommen. Das 1:1 war schon saucool. Tja, da muß man erst mal durchkommen. Lehmann hat schon die Qualität einer liebevoll gehegten Hecke wie jener dort oben auf dem Bild. Die Ukrainer hingegen - schade!!! - wußten trotz Zwischenhoch keine Schneisen in das italienische Stellungsspiel-Labyrinth zu schlagen. So'n Barock-Garten ist schon ein gutes Bild für Spiele, die von Defensiv-Taktiken leben.

Ich frage mich ja auch heute noch, wieso Herr Peckermann oderwiederheißt seine besten Spieler vom Platz genommen hat. Empfehlen kann ich jedoch jedem, ...

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28.06.06

Natural Mystic

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Foto: Naturklinik Michelrieth


"Pflanzen haben vielerlei Gesprächsstoff. Häufig unterhalten sie sich z.B. über die Attacken von Insekten."

Spiegel 26.06.06, S. 114

So sagt's Ian Baldwin. Der hat den multiplen Überwachungsmöglichkeiten des ganz alltäglichen Lebens eine neue Variante hinzugefügt: Er belauscht Gewächse. Im Dienste der Wissenschaft. Am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena. Die Pointe: Alles ist Infomation. Auch der Duft der Rose. Ob's stimmt?


"Die Sprache des Grünzeugs: Reine Chemie. Das Vokabular: ein Sammelsurium giftiger Wirksubstanzen und hochpotenter Duftstoffe. Sogar Selbstgespräche führen die grünen Schwatzmäuler. Erstaunt ist der Forscher drüber kaum: "Versetzen Sie sich einmal in eine Pflanze: Sie sind festgewachsen, Sie sind die Basis der Nahrungskette, und alle um sie herum will sie auffressen."

Ebd.

Schön ist das nicht. Wie man sich wohl als Feldsalat fühlt? Die Lima-Bohne immerhin ist pfiffig genug, z.B. bei Spinnmilben-Befall - die fiesen Viecher kenne ich nur allzu gut! - per Duftstoff Ameisen und andere animalische Feinschmecker herbeizurufen. Die ekligen, winzigen, gelben Spinninsekten werden dann genüßlich vertilgt. Der soeben erwhnte Feldsalat hat's hingegen schwer: Feldfrüchte seien in dieser Hinsicht ziemlich dumm. Weil die Kompetenz zur Selbstverteidigung nie Zuchtziel war, so Baldwin.

Hallelujah, wenn solche Texte in die falschen Hände fallen, dann landet man auf diesem Wege wieder ratzfatz in den eliminatorischen Biologismen des 19. Jahrhunderts. Wahrscheinlich bringt wie üblich die Fragestellung die falschen Antworten hervor - ...


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27.06.06

"Steht auf, wenn ihr Ghana seid" ...

... schallt es durch das Rund des Westfalenstadions in Dortmund. Und viele, sehr viele stehen. Ovatieren stehend der besseren Mannschaft.
Wie so oft bei afrikanischen Mannschaften, scheitern die ghanesischen Spieler an sich selbst.
Engländer können keine Torhüter, Ghanesen anscheinend keine Knipser.
Was nicht ist, kann ja noch werden. Seaman, fand ich schon die richtige Richtung.

Ödnis, Ödnis, Ödnis, geschenkte Elfmeter, Ödnis, Ödnis, Ödnis und nach 0:0 trotz Elfmeterschießen immer noch kein Tor (kicher)

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Na, zum gestrigen Spieltag läßt sich im Kontext der floraphilen Abhandlungen in diesem Blog hinsichtlich der fußballerischen Künste und spielerischen Dramarturgie nicht mehr sagen als jenes Foto oben ...

26.06.06

Ja, ja, die Liebe ...

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Wie kommt die Journaille eigentlich dazu, einem allenfalls übermäßig rustikalen Fußball-Spieler den Spitznamen "Kannibale" einzubrennen, so, wie man das auch bei Kälbern im Western sehen kann? Der hat gestern schließlich nicht ein Stück der Schenkel des Cristiano Ronaldo abgebissen, sondern nur außerordentlich fies zugetreten.

Ist wohl Neues aus dem Exotismus-Paradigma, und das alles nur, weil Columbus, der Depp, dachte, er sei in Asien unterwegs. Kaum hat jemand 'nen Marokkaner als Vater, schlägt das Archaische im Europäer gnadenlos zu mittels des Blicks auf den Anderen. Eben so gnadenlos, wie die beiden christlich-europäischen Mannschaften da gestern zutraten, zuschlugen und zeigten, daß sie's mißverstanden haben, diese Sache mit dem Fußball als Kampfsport.

Hat der Khalid Boulahrouz das eigentlich an der Müllverbrennungsanlange gelernt? Da sollen ja tatsächlich archaische Riten gang und gäbe sein, außer im Langnese-Familieneck. Van der Vaart hat sich so dermaßen für das geschämt, was er dort alles gelernt hat, daß er lieber völlig untergetaucht ist - Boulahrouz hingegen hat so gespielt, wie sich das anhört, wenn die da in Stellingen das seit Jahrzehnten falsche "Wer wird deutscher Meister? anstimmen. Völler (wie fühlt man sich wohl, wenn man morgens in den Spiegel guckt und das Gesicht von Rudi Völler sieht?) und Jauch hatten wohl recht, daß dieses Neid-Foul an dem Jungen, der die "geileren Weiber" (Fußballersprech, Worte wie das Gesicht von Rooney) abkriegt, der Knackpunkt zur Eskalation war. Aber wenigstens ...

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25.06.06

Geil. Stimmung ist gut.

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Ich werde es ihr nie verzeihen, daß sie ausgerechnet an meinem Geburstag vor die Wand fuhr. Nicht, daß sie etwas dafür konnte. Sie ist ja noch nicht mal selbst gefahren. Aber jedes Jahr am eigenen Jubeltag in den Nachrichten den Jahrestags ihres Ablebens zelebriert zu sehen und zu hören, nee, das ist nicht schön. David Austin hat damals sogar eine Rose (die oben wohnt auf meinem Balkon, ich weiß aber nicht ganz genau, ob das nun Yellow Charles Austin ist oder nicht) nach ihr benannt, an english rose namens England's Rose. Den Namen mußte er zurückziehen. Ist mir entfallen, warum. Vielleicht hat das englische Königshaus das ja als Marke schützen lassen? Keine Ahnung. Zuzutrauen wär's ihm. Und Austin, dieser neureiche Aufsteiger unter den Rosenzüchtern, ein einfacher Bauer, und dann am symbolischen Kapital des Adels sich nähren - nee, nix da.

Ich glaube ja, daß, wer heute mit England jubelt - falls es da überhaupt was zu jubeln geben wird -, insgeheim davon träumt, ein Adliger zu sein. Statt im Unterhaus die Mühen der Ebene zu bewältigen, im Oberhaus edle Marken süppeln, das wär geil. Dann wär ...

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24.06.06

Zur Phänomenologie des gelebten Fußballs: Frankreisch, Frankreisch Teil 2

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Irre wie ich blättern ja beim Spiel Frankreich-Togo in Bernhard Waldenfels' "Phänomenologie in Frankreich". Da geht's um Leute wie Sartre, der den Literatur-Nobelpreis einst zurückgewiesen hat und auch sonst bei allen politischen Irrtümern einfach ein verdammt cooler Typ war, um Paul Ricoeur, neben dem Michel Foucault nicht im Flugzeug sitzen wollte, was als Geschichte nur für jene interessant ist, die sich für Klatsch und Tratsch im Yellow-Press-Style auch rund um Philosophen begeistern können, also für solche wie mich mich.

Und um Maurice Merleau-Ponty, dessen Philosophie so ziemlich das exakte Gegenteil der Spielweise der französischen Mannschaft gestern war. Obwohl ... dazu später mehr. Ich fand die ja richtig gut gestern, die Blauen. Natürlich zeigten sich auf Seiten der Linienrichter antifranzösische Ressentiments, und ebenso natürlich schmettert ich zu akuten Verwirrung meines Hundes jene Textfetzen, die mir aus der Marseillaises geläufig sind, lautstark mit, was mir bei der deutschen Nationalhymne bei aller Lust am allgemeinen Flaggen-Mix dann doch nicht passieren würde.

Was hat uns dieses Sechseck, L'Hexagone, Großartiges geschenkt! Nicht nur Fußballgötter wie Thierry Henry oder Patrick Vierra, auch eine Edith Piaf, einen Jean Genet, und dann natürlich diese so unglaublichen, so unerreichten, so immer wieder neu verblüffenden Maler des 19. Jahrhunderts. Jene, die ...

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23.06.06

Positiver Patriotismus

... am türkischen Obststand an der S-Bahn Sternschanzen (Hamburg).

Passend dazu ein Text von Herrn Martenstein im heutigen Tagesspiegel.<

Ghaaaaaaaanaaaaaaa!!!!!!!!!!!!!

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Foto: Bruehlmeier Info

Erstmals sah ich dieses traumhafte Gewächs bei einem Sardinienurlaub. Die Terasse war mit diesen Kunstwerken zugerankt - erst Jahre später erfuhr ich, daß das die Maracuja-Pflanze ist. Noch viel später, daß sie Passions-Blume heißt, weil Missionare in Südamerika sie so nannten. Sie enthält die Elemente der Passions-Geschichte: Ein Kreuz als Stempel, der Fünfer-Stern darunter der Körper des Messias, und noch anderes, was ich in meiner Home-Bibliothek jetzt gerade nicht finde.

Beim Anblick dieses Blütentraums müßte man also eigentlich die Passionen von Bach hören ... ebenso, wie es spannend wäre, ein ganzes Argentinien-Spiel statt mit stumpfen Kommentatoren-Texten zugesabbelt mit "Evita" unterlegt zu sehen. Das wäre innovative Fußballberichterstattung! An welcher Stelle wohl die berühmte Balkon-Szene, das "Don't cry for me, Argentina!", aufbranden würde? Bei einem laschen Fehlpaß in's Aus, bei einem Elfmeter, bei einer Blutgrätsche oder einem Übersteiger? Es würde ...

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21.06.06

"Wir gegen Ecuador"

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Nach dem Spiel, das ich im "Goldfisch" in der Susannenstraße sah, gings zum auschillen in den Strandklub „central park“ an der Max-Brauer-Allee.

Überall entspannte Menschen.

Fachsimpeln, tippen auf die Schweden. Wen möchte man lieber im 8telFinale spielen, lieber England, weil die immer eine gehörige Portion Paranoia mitbringen, wenn es gegen Deutschland geht, oder doch lieber die Schweden und dafür die Engländer im Finale?

Herrlich warm noch, so gegen 21:00 Uhr.

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Götter und wieso das mit damals im Schnee zu tun hat ...

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Foto: http://pss.uvm.edu/ppp/gardens/holland1.jpg

Was'n das für 'ne Flagge da oben? Auf jeden Fall ist's ein Beleg dafür, daß die industrielle Fertigung von Natur nicht in jedem Fall das Naturschöne hervorbringt, sondern oft auch nur militärische Ordnung.

Hat man ja gestern abend auch auf dem Platz gesehen - das Spiel da in Köln war ja ungleich spannender und auch schöner als das am Nachmittag. Weil beide Mannschaften von Ordnung so viel nicht hielten und von Zuordnung schon gar nicht ... dennoch bin ich eben mit einem tief empfundenen "Hendrik Larsson, Fußballgott!" die Straße entlangspaziert, wat habe ich mich gefreut, als das 2 zu 2 fiel!

Wobei mich die gelegentlich aufbrandenenden Chöre der britischen Fans schon ernsthaft beeindruckten - kaum singen die gar traumhaft pathetisch ihr "God Save the Queen!", schon köpft der Gerrard ein. Auch deren Fußball in der ersten Hälfte, ich fand das schon beeindruckend, und Michael Owen tat mir bei aller Aversion gegen diese ...

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20.06.06

... und er plant schon den nächsten Coup!

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Die US-Hardboiled-Tradition mit schmierigen Detektiven, die schwitzend und Whiskey saufend um sich ballern, Gliedmaßen fast verlieren und mit zwielichtigen, reichen Damen unselige Affären eigehen, in denen sie nur ausgenutzt werden, bis irgendein Hausangestellter sie rauswirft und blutig prügelt - nee, war nie mein Ding. Das sind Bücher wie das Spiel Italien gegen die USA, und als Buch muß sowas ja nicht sein. Mochte immer eher das klassische Whodunit, die britische Tradition einer Agatha Christie, in denen erst minutiös und vollgestopft mit roten Heringen ...

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19.06.06

Jane Birkin hören!

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"Komm, das Lied reicht für uns zwei, es ist nicht mehr ganz neu und heißt "La vie en rose"" - setzt man "Allez les Bleues" da ein als Titel des Chansons, dann paßt die Knef-Version des rosigen Evergreens wohl auch zum Spiel gestern abend. Komm, wir sind nicht mehr ganz neu, aber das schaukeln wir schon irgendwie nach Hause.

Denkste! Quel drâme! "Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei", noch so'n Knef-Text, der da paßte - auch die koreanischen Fischer-Chörse, die wirklich unglaublich imposanten da als Soundtrack des Spiels, können mir das Ergebnis gestern abend nicht schönsingen.

Ich trauer um die französische Mannschaft von einst, ich will keinen solchen Abgang eines Gottes wie Zinedine Zidane, und der wohl eleganteste Stürmer der Welt, Thierry Henry, hat das auch nicht verdient, mit einem 1 zu 1 schon jetzt fast abzusaufen. Alleine schon wegen dieser widerwärtigen Gelästers ...

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18.06.06

Verwenden Sie im Titel die Worte "Finsternis" oder "Safari" ...

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War das ein Fest! Dummerweise mußte der Hund zur zweiten Halbzeit raus - hörte die "Ghana, Ghana"-Rufe vom Heiligengeistfeld in den Park hinüberwehen, da war Leidenschaft inmitten der Stadt, die Sound-Kulisse beeindruckend!

Was haben die noch für Chancen versemmelt, alleine jene, die noch nach dem verschossenen Elfmeter (als der gepfiffen wurde, kreischten tschechische Teenies draußen vorm Fernseher beim Italiener sitzend so laut, daß noch zwischen Rosen und Storchschnabel Hunderte Meter entfernt ich's hören konnte) nach meiner Rückkehr auf's Sofa am Tor vorbei oder in die Arme des Torwarts gingen - unglaublich. Und sie haben doch so verdient und souverän gesiegt. Ich liebe die tschechische Mannschaft, wenn sie richtig aufdreht und Traumfußball spielt; das hinderte mich freilich nicht daran, mich geradezu wegzufreuen über den Sieg der Ghanaer.

Erinnerte mich daran, wie ich zum Eröffnungsspiel der EM 1976 auf dem grünen Sofa meines Vaters hockte - ein lockere Runde war ...

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17.06.06

Bye, bye Drogba: Rosen drücken auf's Herz

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Es gibt diesen Roman von Boris Vian - "L'ecume des jours", "Der Schaum der Tage". Da ist nicht nur diese sensationelle Sequenz drin, in der Jean-Sol Partre - na, wer damit wohl gemeint ist - einem Popstar, Philosophenkönig, Patriarchen gleich zu einem Vortrag vor hysterisierten Studenten einreitet:

"Chick, eine der Hauptpersonen, ist ein fanatischer Bewunderer von „Jean- Sol Partre". Es geht ihm aber nicht um den Inhalt seiner Bücher, sondern darum, alle möglichen Ausgaben und Reliquien zu besitzen - wie zum Beispiel die in Stinktier gebundene Ausgabe von „Moder oder Erbrechen". Besonders komisch ist die Schilderung des berühmten Vortrags „Der Existentialismus ist ein Humanismus", den Sartre am 29. Oktober 1945 gehalten hatte, und der zu einem Massenereignis geworden war. Sartre erscheint dabei auf einem Elefanten, umringt von Scharfschützen. Die draußen wartenden Massen werden von dem Elefanten niedergetrampelt, während sich drinnen Sartre mit einem Beil den Weg zum Podium freischlägt, wo er dann ausgestopfte Exemplare von Erbrochenem vorführt. „Für mich gibt es keine Essenz."

Quelle: Wienerzeitung



Zentrum der Geschichte ist eine Blume. Eine Seerose. Sie wächst in der Lunge von Chloé. Diese leidet schwer unter dem Gewächs ....

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16.06.06

Fantasien auf Sofas in Doppelhaushälften bei Ahrensburg zum Thema Last-Minute-Giftbaskets

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Foto: Gifts-Flowers-Giftbaskets.comhttp://www.gifts-flowers-giftbaskets.com/index.cfm/Last_Minute_Gifts

Der Trend geht zum Last-Minute-Tor. Ökonomisch WM gucken hieße, immer erst ab der 80.Minute einzuschalten. Um diese unerträglich öden Vorspiele sich zu ersparen - gut, die Nummer in Dortmund war durchgängig dramarturgisch spitze, aber diese Kicks gestern hatten ja nix mit quick & dirty zu tun. Mal abgesehen von Ecuador - ich sach' nur: Vorsicht, Favoriten! Denkt an Griechenland!

Wahrscheinlich hat der Fußballgott das alles nur inszeniert, um diese unsäglichen "Ich verlasse das Stadion früher"-Existenzen, die Ehrenrunden und Endlos-Jubel nicht genießen wollen, genießen können, ja, für die Genuß an sich schon Lethargie nur noch bedeutet, die Schranken ihres entsagungsvolllen Lebens so richtig deftig und schmerzhaft spüren zu lassen. So Leute wie Beckenbauer halt - er und Klinsi ...

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14.06.06

weltläufig

Deutschlandhut

Das Hamburger Abendblatt macht heute mit ausländischen Korrespondenten auf, die erstaunt feststellen, dass ihre Vorstellungen und Klischees von Deutschland nicht bestätigt wurden. Anstatt dessen italienische Lebensfreude auf den Straßen, nordafrikanische Gelassenheit bei Polizisten und Busfahrern. Eine Flaggenparade, wie sonst nur in skandinavischen Küstendörfern üblich. Was ist da los?

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Was Deutschland nicht ist ...

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"Schön und kaffeebraun sind alle Frauen in Kingston Town" sang der Vico Toriani einst vor sich hin. Gut, Kingston Town ist nicht in Brasilien, aber er meinte das, was Deutsche denken, wenn sie über Brasilien reden. Ein wenig Gauguin halt. Deshalb ist es auch kein Zufall, wenn Beckmann den alten, schimmeligen, fiesen und garstig gemeinen Hut vom "Farbigen" sich aufsetzt, während er sich ernsthaft einbildet, er würde gerade Spiele kommentieren.

Es ist nicht erstaunlich, daß neben so viel deutschen Flaggen an Hamburger Balkonen derzeit die brasilianische weht. Deren Nationalmannschaft ist einfach das Positiv zum Negativ des Selbstbildes vieler Deutscher - Exotismus in Reinform. Da brauchte man sich gestern nur diesen Waldi-Talk im Ersten anschauen - ...

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13.06.06

Das Leben – ein Spiegelbild des Fussballs?

Ich Trottel habe mal wieder auf die afrikanischen Teams gewettet.
Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Der Fussball soll ja ein Spiegelbild des Lebens sein– so oder ähnlich kann man es häufig lesen. Und im Falle der afrikanischen WM Teilnehmer bestätigt sich diese Binsenweißheit leider immer wieder. Die Elfenbeinküste, allen voran ihr Kapitän Didier Drogba, hat zwar ein begeisterndes Spiel geboten. Sie haben gekämpft, versucht das Spiel offen zu gestalten. Letztendlich waren die hoch gehandelten Ivorer gegen zynisch agierende und abgeklärt spielende Argentinier aber chancenlos unterlegen. Nie hatte man das Gefühl, die Ivorer könnten das Schicksal aus eigener Kraft zu ihren Gunsten wenden. Fast wie im wirklichen Leben. Da ist die wichtigste Einfallstrasse Abidjans bezeichnenderweise bis heute nach dem ehem. französischen Präsidenten Giscard d´Estaing benannt. Die Bevölkerung ist leidet unter ausbeuterischen Diktatoren, Korruption und postkolonialer Fremdbestimmung. Droht das land im Bürgerkrieg zu versinken, wie zuletzt vor zwei Jahren, als auch europäische Staatsbürger zum Ziel der allgemeinen Frustration wurden, dann die lässt die französische Armee die Muskeln spielen, zeigt wer wirklich im Lande regiert. Halt so, wie die Argentinier auf dem Platz.
Haben die Ivorer trotz der Niederlage begeisternden Fussball gespielt, so haben die Angolaner und die Ghanaer auf ganzer Linie enttäuscht. Als devot muss man die Spielweise der Angolaner gegen ihren ehemaligen Kolonialherren Portuqual bezeichnen. Ein läppischer Torschuss in der zweiten Halbzeit. Kein Kampf, kein Wille war da zu erkennen. Kein Wunder nach fast 40 Jahren Bürgerkrieg. Das Spiel wirkte streckenweise so lethargisch, als hätte jeder einzelne Spieler den dicken UNITA-Rebellführer Jonas Savimbi auf seinen Schultern tragen müssen. Jenen bösen Schlächter, der im Auftrag Süd-Afrikanischer und US-Amerikanischer Interessen jahrzehntelang die Bevölkerung terrorisierte. Und die vom Staatspräsidenten Eduardo dos Santos für Anfang dieses Jahres angekündigten freien Wahlen werden wohl auf das nächste Jahr verschoben. Hat ja Zeit, der ist erst seit 25 Jhren im Amt.
Ganz anders dagegen Ghana. Das Land scheint so etwas wie die Ausnahme zu sein, die die Regel bestätigt.: Eine Republik mit einem Mehrparteiensystem und hoher Rechtssicherheit. Wirtschaftlich steht Ghana vergleichsweise gut da und selbst der Präsident John Agyekum Kufur ist durch freie, faire Wahlen legitimiert. Weniger fair dagegen Ghanas Abwehrchef Sammy Kufuor. Der holt seinen Gegenspieler brutal von den Füssen, obwohl das Spiel schon lang unterbrochen ist. Um wenig später einen Rückpass genau in den Lauf des gerade gefoulten Spielers zu spielen, der den Ball nur noch zum 0:2 einschieben muss. Schön dumm!
Meine letzte kümmerliche Hoffnung heißt also Togo. Und die haben sich mit Prämiendiskussionen und Trainersuche bereits vor dem ersten Spiel bis auf die Knochen blamiert. Die Verantwortungsträger der Nationalmannschaft Togos scheinen ähnlich selbstsüchtig wie die politische Elite des Landes. Die besteht vor allem aus der brutalen Diktatorendynastie Gnassingbé. Vater Eyadema gehört zu den besten Freunden Jacques Chriac´s, Sohn Fauré folgte ihm nach, unter Missachtung der Verfassung, versteht siiiiiiich. Jaaaa! Sorry, aber während ich diese Zeilen Schreibe schießt Togo doch glatt das 1:0 gegen den Favoriten Südkorea. Jaaaa! Der Fussball – ein Spilegelbild des Lebens ? Oder doch: das Leben - ein Spiegelbild des Fussballs? Dann hieße Daumen drücken!! Togo wird Weltmeister und die Gnassingbé´s und ihre Unterstützer werden zur Rechenschaft gezogen. Schön wär´s!! Also weiterhin die Daumen drücken, noch steht es 1:0 für Togo! Die WM ist noch jung! Und die Hoffnung stirbt zuletzt!

Kontingenz, Krisenbewältigung, Kunst

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Konnte zwar das erste Spiel gestern nicht sehen, vom zweiten Spiel nur die Tore, aber trotz chronischer Harmlosigkeit Ghanas war das dritte Spiel wenigstens ein wenig weniger langweilig als Portugal gegen Angola.

Wobei's natürlich ärgerlich ist, die Schlußphase Japan - Australien verpaßt zu haben und noch ärgerlicher, daß es die Japaner nicht geschafft haben. Habe an sie geglaubt. Die sind Pop, die Australier nicht.

Dafür waren die Rosicky-Tore selbst in der Zusammenfassung ein Traum,wahrhaftig. Und das Ergebnis hatte ich auf's Tor genau getippt, kann hier nachlesen.

Heute prognostiziere ich wagemutig drei Unentschieden - glaube, daß weder Brasilien noch Frankreich gleich im ersten Spiel groß auftrumpfen werden. Und nach diesem ganzen Pogo in Togo werden diese entfesselt aufspielen, um sich dann dumme Gegentore zu fangen: 2:2.

Dieser Kuffour-Fehler gestern war so dermaßen kurios, daß man ihn dafür knuddeln möchte, den Sammy - ja, beim Fußball geht's halt um Kontingenz. Zufall, Geworfensein sein in die Situation ...

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12.06.06

Im deutschen Fahnenmeer

140840546_0575943fb5_m.jpgMehr als 100 Deutschland Fahnen haben meine Tochter und ich am Sonntag auf einer Fahrt quer durch die Stadt gezählt.

Wir selbst hatten keine dran. Um Gottes Willen! Da halten wir es mit Thomas Hüetlin, der heute auf Spiegel Online schreibt, dass er jederzeit lieber zu Fuß gehen würde als mit einer Deutschland Fahne am Auto durch die Gegend zu fahren. Ich kann ihn gut verstehen und Teile seine Argumente…teilweise!

Natürlich, „dass wir im letzten Jahrhundert gleich zwei Mal total versagt haben und uns feige in die Kolonnenprojekte des Kleinbürgertums einreihten anstatt uns für die Freiheit zu entscheiden“ lastet warnend und zu Recht bis heute auf dem Bewusstsein der deutschen Nation.
Im Überschwang nationaler Glückseeligkeit die Deutschland Fahne zu schwenken - Damit tun sich viele Deutsche glücklicherweise schwer.

Neben der historischen Dimension führt Hüetlin auch eine untergeordnete, ästhetische an, um seine schwarz-rot-goldene Abneigung zu erklären. Für ihn ist „…Schwarz-Rot-Gold eine Farbkombination für Gartenzwerge, in der wahrscheinlich nicht einmal Naomi Campbell gut aussehen würde.“ Hmmm? Stimmt doch gar nicht! Naomi Campbell sieht immer gut aus. Und eine hübsche Angolanerin in ihren schwarz-rot-goldenen Landesfarben kann ich mir auch ganz ansehnlich vorstellen. Also muss es eine Frage der Perspektive sein. Und aus deutscher Perspektive liegt das Problem wohl daran, dass man sich eine schöne, schwarze Frau als Repräsentantin der deutschen Farben derzeit noch gar nicht vorstellen kann.
Leider, denn wer würde bei diesem Anblick an Gartenzwerge denken?
Höchstens diejenigen, die selbst welche im Garten stehen haben, die gedankenlos ihren völkischen Rassismus ausleben und schwarze Nationalspieler wie Asamoah, Odonkor und Owomoyela allein aufgrund ihrer Hautfarbe in Frage stellen. Und davon, so konnte man sich in den Wochen vor der WM überzeugen, gibt es leider noch immer zu Viele. Das Problem beim Fahneschwenken liegt nicht nur in der deutschen Geschichte sondern auch in der Gegenwart. Vor allem der ewig Gestrigen.

Doch von denen lassen wir uns die WM nicht versauen. Nicht nach dem Eröffnungsspiel. Da haben mich meine Kinder (haben einen Großvater aus Burundi) und ihre Freunde (ein Deutsch-Ungar, ein Deutsch-Südafrikaner und ein Deutsch-Deutscher) mich in Nationalmannschaftstrikots und Fanschals empfangen. Ein Asamoah Trikot in XL hatten sie mir übergestreift, bevor ich mich setzen konnte.

Bei der Nationalhymne standen alle grinsend auf und sangen aus voller Kehle mit. Ich hab sie zuletzt gesungen, als ich von meiner Grundschullehrerin, Typ Eva Braun, dazu genötigt wurde. Alle Strophen.Traumatische Erinnerungen. Aber jetzt: „Einigkeit und Recht und Freiheit…“. Woher kennen die den Text? Eigentlich ist der gar nicht so schlecht. Na gut, über Begriff „Vaterland“ könnte man sich ereifern, aber…ich stehe ja bereits und singe mit bzw. lasse mir die Textlücken nicht anmerken. Beim 1:0 wackelt das Ganze Haus. Ich bin bei Länderspielen ja auch recht impulsiv, aber das Fenster aufreißen und die Freude lauthals mit der ganzen Strasse teilen? Albtraum! Hochnot peinlich! Reaktionär! Noch vor 4 Jahren hätte ich mit solchen Leuten nichts zu tun haben wollen. Und jetzt machen es meine eigenen Kinder und ihre Freunde. Meckern, Fenster schließen, erklären, Stimmung abwürgen? Nein! Einfach lassen? Warum eigentlich nicht?

Schwarze + Weisse Deutsche Kids in Deutschlandtrikots, die in deutschen Clubs kicken und ihre Nationalmannschaft anfeuern. Ohne übertriebenen Patriotismus, ohne jeden völkischen Chauvinismus… Davon brauchen wir mehr. Ich werde mein DFB-AsamoahTrikot jetzt bei jedem WM Auftritt UNSERER Mannschaft tragen.
Eine Deutschland-Fahne kommt mir dennoch nicht ans Auto.

Winnie Schäfer: Der weiße Löwe von Togo

"Wer einmal in Afrika war, der kommt davon nicht los", bestätigte mir meine Großmutter oft das als Allgemeingut gehandelte Bonmot. Dass Winnie nicht von afrikanischen Mannschaften lassen kann, oder umgekehrt, ist eine nette Nachricht.

Für die meuternden und trainerlosen Spieler von Togo wäre eine schnelle Trainerlösung wichtig. Immerhin geht es scho morgen gegen Südkorea.
MoMo, welche Blume könnte denn diese Entwicklung am Besten beschreiben?

Das Naturschöne

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"Das zaghafte Ziel des "Public Happiness", gerade unter dem Aspekt seiner Öffentlichkeit, fiel den reichgewordenen "armen Leuten" zum Opfer, die entschlossen für nichts anderes leben als für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ihrer nun in's Gigantische gestiegenen Bedürfnisse."

(Hannah Arendt, Über die Revolution, München 1963, S.180, zitiert nach: Heuer, Wolfgang, Hannah Arendt, 1987 Reinbek bei Hamburg, S.105)

So schrieb Hannah Arendt über Zeit nach der Revolution - der amerikanischen. In tiefer Ehrfurcht vor dem Geist der US-Verfassungsväter, deren Umsicht und deren Behauptung des prinzipiellen Vorrangs des Prozeduralen vor dem Prinzipiellen, kontrastierte sie in ihrem Werk über die Revolutionen den schaurigen Verlauf der jakobinischen Herrschaft mit jenem der Befreiuung vom Kolonialherren in Nordamerika.

War zwar auch nicht alles richtig, was sie dort schrub - nichtsdestotrotz ist's schon spooky, daß einige nun wieder so tun, als sei das Konkret-Historische, was auf den Sturm auf die Bastille folgte, nunmehr, im Jahre 2006 endlich von ihnen als "totalitär", na, was sonst, alle totalitär, nur wir nicht, entdeckt worden, das am Rande. Ebenso spooky ist's, setzt man das obige Zitat in Beziehung zu einem weiteren Text aus dem taz-Sonderheft, das ich ...

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11.06.06

Hoffnung auf die Desert Rose

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Unter politischen Gesichtspunkten mag man den heutigen Spieltag gar nicht betrachten. Iran, Serbien - da pfeifft's dann in Demokratenohren wie 'n ganz schwerer Hörsturz. Holland - da hat's die neue Rechte geschafft, daß sofort Assoziationen an jene, die auf "Multikulti" sich stürzen wie durchgeknallte Jack Russel-Terrier auf's Karnickel, im eigenen Hirn sich breit machen.

Dann spielt da noch eine ehemalige Kolonie gegen ihre Unterdrücker von einst, und wiederum bildet sich ein dumpfes Echo in der eigenen Schädeldecke, eines, das weh tut wie pochender Schmerz. Weil's ja schon wieder trendy ist, den Kolonialismus retrospektiv zu legitimieren, zu relativieren, zu verharmlosen. Weil ja der Wohlstand der westlichen Nationen sich dem Kolononialismus nur peripher verdanke, so wird behauptet, und außerdem hätte man denen ja die Eisenbahnen gebaut.

Der Topos vom "zu zivilisierenden Wilden" verhält sich spiegelbildlich zu jenem des "edlen", aber das war's nicht, was mich gestern abend am Spiel der Elfenbeinküste so begeistert hat. Das war einfach toller Fußball, gegen den die Cleverness der Argentinier ...


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10.06.06

Kaffee statt Tee!

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Foto: David Austin Roses

So weit ist's schon: Des morgens singe ich meinen Hund an "Ohne Sonnenbrille geh ich nicht hinaus, ohne Sonnenbrille geh ich nicht hinaus ...". Ist schließlich Kaiserwetter.

Wahrscheinlich kommunziere ich dann innerhalb der nächsten Wochen nur noch in Formen des Fan-Gesangs. Begrüße im Büro mein Team mit einem tief empfundenen "You have to walk alone!", im Sinne der Eigenverantwortung und des auf individuellen Vertragsverhältnissen basierenden Miteinanders, meine ich, und beginne Meetings mit "Hört mir zu, wenn ihr bleiben wollt!". Weil Vertreter des Aufweichens des Kündigungsschutzes ja in dieser Form Anreize durch Angst schaffen wollen, weil: Daß man mit Ansgt vortrefflich regieren kann, hat die Geschichte schon oft genug gezeigt. Im konkreten Fall jene um Verlust des Arbeitsplatzes, die motivieren soll.

Das einzige Arbeitsrechtsseminar, daß ich mal durchleiden durfte, erläuterte mir Middle-Management-Vertreter dann auch primär, wie man richtig kündigt. "Zieht dem Pöbel das Selbstbewußtsein aus", na, nicht ganz auf den Punkt, okay. Aber vielleicht klappt's besser, wenn wir Arbeitsplatzbesitzer dann "Service-Agenturen" entern und all den Geknechteten, die dort freiwillig Eigenverantwortung negieren und nur auf "unsere" Kosten leben, ein Becksches "Anstand's coming home!" entgegenschmettern und dabei Fahnen mit dem Emblem der Deutschen Bank schwenken, Euro-Zeichen auf die Wangen gemalt?

Ja, Fußball wird unser aller Leben verändern, und wie Angstfreiheit zu Niederlagen führt, das hat man ja gestern bei den Polen gesehen: Die waren eine Halbzeit vollkommen überzeugt davon, daß sie das überlegene Team sind. So, daß sie zunächst gar nicht merkten, daß das gar nicht stimmt, sondern allenfalls, daß da was nicht stimmt. Etwas sinnentleert verteilten sie sich auf dem Platz und weigerten sich inständig, die Realität anzuerkennen und einfach mal gegenzuhalten. Na, und dann war's auch schon zu spät. Fast schwant mir, daß Ecuador zu einer Mannschaft werden könnte, wie's Griechenland bei der EM war ... aber nur fast, das Spiel Ecuadors gefiel mir deutlich besser als das von König Ottos ....

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09.06.06

So oder so ist das Leben

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"Die Fülle der Pflanzenarten Costa Ricas ist dermaßen groß, dass man sich die Zahl der bisher nachgewiesenen Arten nur schwer vorstellen kann. Bislang sind in dem vergleichsweise kleinen Land rund 12.000 Pflanzenarten aufgespürt worden, das entspricht nahezu vier Prozent der in aller Welt vorkommenden Pflanzenspezies. Auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent kommen knapp 300 Hartholzarten vor, in Costa Rica sind es in etwa zehn Mal so viele. Und nicht nur im Bereich der Harthölzer hat das Land viel zu bieten: etwa 800 Farnarten, mehr als 1.400 Orchideenarten und an die 150 Helikonienarten sind nur einige der Superlative, mit denen die Pflanzenwelt des Tropenlandes auftrumpft." (Foto und Text: Fotoreiseberichte)


Na sowas! Habe ja gestern schon festgestellt, daß eine mögliche Zugangsweise zum Fußball der Eintritt in die bunte Welt der Flora ist - und in Costa Rica ist in dieser Hinsicht schwer was los! Wat bei Omma auf der Fensterbank steht, kommt vielleicht aus dem Lande des heutigen Auftaktspielgegners - schön musses da sein! Ob das Hartholzvorkommen was über die Abwehrleistung aussagt? Die Vielfalt der Orchideen etwas über die Ästhetik des Spiels? Und was für eine ...

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