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Schildbürgerstreich im neuen Altonaer Bahnhof

Wiedererstarken des Schildbürgertums in Hamburg-Altona. LIDL, die Bahn und die Betreibergruppe um das Ottenser Mercado haben jüngst den umgebauten Altonaer Bahnhof eröffnet. Leider ist ihnen ähnlich schön dilettantisch, wie ihren mittelalterlichen Vorbildern aus Schilda ein Streich am Kunden gelungen.
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Ein Lidl oder Aldi oder so hatte in Ottensen noch gefehlt. Einer, der gut erreichbar ist, wie in einem modernen Einkaufzentrum.
Im neuen Altonaer Bahnhof hat nun ein hypermodernes Dienstleistungs-Erlebnis-Reise-Einkaufzentrum eröffnet, das die Bausünden der 70er Jahre ein wenig zu relativieren versucht.

Fein. Ab mit dem Auto ins nigelnagelneue Parkhaus. So neu, dass der Parkhauswächter noch die Schranken überwacht. Testphase.
Im Nachhinein betrachtet, war es schon ein Fehler in der zweiten Ebene zu parken. Zu Lidl, im ersten Untergeschoss des Bahnhofs gelegen, kommt man nämlich nur über eine Labyrinthbrücke im 5.ten Geschoss, via Mediamarkt und Rolltreppe. Puh ganz schön weit.

Lidl. Hier ist alles groß. Großzügige Ladenfläche. Große Packungen und große Einkaufwagen. Ist ja billig, also nix wie rein in den Wagen den Großeinkauf.

Erst an der Kasse dann der Schock!

Den Einkaufwagen darf man nicht mit zum Auto ins einkaufzentrumeigene Parkhaus nehmen. Die Reifen blockieren, wenn man versucht den Zaun des Zauberschlosses Boden des Discountmarktes zu verlassen.
Die Lidl-Marktleiterin, eine freundliche Endzwanzigerin wirkt überfordert. Ja, das Problem sei bekannt. Schuld hat die Bahn. Die erlaubt aus Sicherheitsgründen keine Einkaufswagen in Schienenähe.
Auf die Frage, wie ich denn den Megaeinkauf zu meinem Auto schaffen soll, hat sie auch keine Antwort. Hilflos zeigt sie auf die ausrangierten Tomatenkartonagen, die sie als Notpflaster bereitstellt. „Der Markt ist voll, ich kann Ihnen leider nicht mehr weiterhelfen“.

Notgedrungen wuchte ich mir den Megaeinkauf auf meine Schultern und mache mich auf den hügeligen Weg zurück zum Stellplatz meines Wagens.
Unterwegs muss ich mehrmals abstellen und werde von den Mediamarktkunden scheel angesehen, weil ich anstatt der tollen Eröffnungsangebote, wie faxende Bügeleisen oder Handykameravideorekorder Frischkäse, Getränke und Brot in einem Tomatenkarton durch den Mediamarkteingang trage.

Mein Rücken schmerzt. Ah. Der Bundesgrenzschutz hat hier auch eine Filiale. Ich stelle meine Einkäufe ab und frage den wachhabenden (tolles Wort ;) Beamten nach der Nummer des Centermanagements. Nach kurzer Rückfrage beim Kollegen habe ich, so glaube ich, die Nummer desjenigen, der mir diesen Streich erklären kann.

„Ja. Das Problem ist bekannt“, flötet der Dienst habende Callcenterstudent und lacht sich ob meiner Situation fast scheckig. Die Frage, ob es nicht möglich sei die Kunden bereits bei der Einfahrt darüber zu informieren, dass sie ihre Einkäufe besser mit einem Scherpa erledigen, bleibt genauso unbeantwortet, wie die Frage, wie denn in Zukunft an dem Problem gearbeitet wird.
Allein die Bahn sei schuld. „Die hat später, während der Bauphase alle Beteiligten mit der Verordnung überrascht“. Böse Bahn. Und das, obwohl sie doch so vorzüglich mit Lidl zusammenarbeitet.
Immerhin meine Ausfahrt aus dem Bahnhof wollte man kostenfrei gestalten und dem zuständigen Schergen bescheid geben. Ach ja die Testphase.

Die zweite Hälfte meines Abstiegs in das zweite Parkdeck verläuft ereignislos. Allein bei der Ausfahrt, erhasche ich noch einen losen Blick auf den sich verdünnisierenden Schrankenschergen. Ich zahle die 1,50 EUR für das Parkhaus und schwöre mir nächstes Mal wieder zu Aldi zu gehen.

Bahnfahren kann man ja manchmal nicht vermeiden. (Siehe Nicos Erlebnisse)


Mit freundlicher Unterstützung durch:
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