Kein Mercedes, nur Deutschland!
Rätselhaft. Gut, die Idee vom Spreeblick, selbst aktiv zu werden und die wirklich in fast allen Blogs, auf die man so stößt, diskutierte "Du bist Deutschland"-Kampagne zu persiflieren ist so super wie auch die Ergebnisse. Aber was zum Teufel ist an dieser Kampagne, sei sie auch noch so eklig, schleimig und dumpf, eigentlich so wichtig?
Fände es viel spannender, wenn mal alle diskutieren würden, wieso es rentabler ist, Millionen von Euro in Abfindungen zu investieren, wie's bei Mercedes ja gerade geschieht, anstatt die Leute von der selben Kohle weiter zu beschäftigen.
Wieso das metayphysische Diktum, Angebot & Nachfrage würden alles und Jeden bestimmen, weiter so unhinterfragt durch die Gegend geistert wie der erste unbewegte Beweger bei Aristoteles, ist mir schlicht unverständlich.
Spielt es doch in der Planung der Automobilriesen ganz offenkundig auch keine Rolle, sonst würden sie doch auf den Überproduktionen ihrer Luxusschlitten nicht sitzen bleiben.
Nein, diskutiert wird nur, daß Arbeit hierzulande zu teuer sei und deshalb keine Nachfrage bestünde.
Dann kommt die Lafontainsche Gegenlinke und argumentiert auch ganz richtig, daß man bei sinkenden Löhnen die Binnennachfrage nur noch mehr schwäche und genau davon Arbeitsplätze gefressen würden, mit der Folge, daß dann die Lohnnebenkosten eben stiegen, weil die Arbeitslosen eben auch Geld bekommen müßten.
Wieso stellt dann nicht lieber irgendjemand mal ganz radikal die Angebot- und Nachfrage-Metaphysik in Frage? Von Watzlawick und anderen kann man ja so herrlich lernen, daß Probleme eben nicht auf der Ebene des Problems selbst gelöst werden können. Wenn ich's richtig verstehe, versuchen das aber alle mit den gleichermaßen von Watzlawick bekannten "Mehr desselben"-Lösungen, die zu Paradoxien führen. Da kann man dann vielleicht noch als FDP kommen und sagen: Dann geben wir denen und den Alten und Kranken doch einfach nichts mehr und alles wird gut! Wer fragt schon nach denen? Und prompt ist man aus dem Begriffgrund herausgekrochen, atmet Wahrheit und reibt sich die Augen ...
Da braucht man doch eine Foucaultsche Diskurskritik, die eben jene begrifflichen Strukturen auf der Ebene des Problems selbst analysiert, indem es sich diese von außen betrachtet und sie gegen den Strich bürstet, einen Metadiskurs zur totaliserten Betriebswirtschaftslehre also, dieser jedoch nicht einfach eine schöne, neue Welt entgegenstellend, sondern sie ernst nehmend. Führt den jemand jenseits der "Empire"-Lyrik eigentlich derzeit? Ich hätte sooooooooo gerne die Zeit dazu. Eine neue Metakritik der politischen Ökonomie tut bitter Not... gut, und "Du bist Deutschland" soll wahrscheinlich davon ablenken. Vor allem Blogger ....
