Von guten und von schlechten Taten
Toller Text! Unbedingt lesen! Und ausgerechnet über die Achse des Guten verbreitet - Danke, Herr Broder! Nach all diesem ganzen Kampfgeschrei endlich eine differenzierte Analyse.
Muhammad Kalisch von der Uni Münster klärt auf - ein paar Zitate aus dieser Stellungnahme stelle ich mal hier rein, aber das muß man sich schon antun, in Zeiten des Focus-Kästchens auf mal tiefer einzudringen und den ganzen Text zu lesen. Bestätigt auch das eine oder andere, was ich hier so vor mich hin vermutete und auch, was Omar dazu kommentierte.
Also, Muhammed Kalisch schreibt:
"Für den Islam bin ich als islamischer Theologe der Auffassung, dass diese demokratischen Regeln und Menschenrechtsstandards aus dem Islam selbst abgeleitet werden können, mithin ihre Einhaltung und damit die Selbstbeschränkung der Religion Teil der Religion selbst ist."
"Es hat nie einen einheitlichen Islam gegeben, weder im Recht, noch in der Theologie. Es gibt im Islam keine Instanz, die für alle Muslime verbindlich ist."
"Wenn die islamische Theologie nicht in einer Liga mit evangelikalen Erweckungspredigern spielen, sondern ernsthaft wissenschaftliche Theologie betreiben möchte, dann muss sie sich den Herausforderungen stellen, die die moderne wissenschaftliche Forschung zur Religionsgeschichte aufwirft. Alttestamentler und Archäologen wie Thomas Thompson, Philip Davies, Niels Peter Lemche oder Israel Finkelstein haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Abraham, Moses und manche anderen biblischen und koranischen Gestalten aus der Liste der real existierenden historischen Personen streichen können. Solche Erkenntnisse fordern eine Weiterentwicklung der Hermeneutik des Koran, eine neue Beschäftigung mit dem Offenbarungsbegriff und neue Ansätze einer islamischen Theologie der Religionen. Hier kann man insbesondere auf Ansätzen der muslimischen Philosophen und Mystiker aufbauen."
"Was die Geschichte des Islam angeht, muss ebenfalls kritisch gedacht werden. Das erste und zweite Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung haben uns nur wenige Quellen hinterlassen. Die Rekonstruktion der Geschichte der ersten beiden islamischen Jahrhunderte erfolgt hauptsächlich durch Quellen aus dem dritten und vierten Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung. Auch hier aber kann man auf eigene, innerislamische kritische Methoden im Umgang mit Überlieferung zurückgreifen, die es weiterzuentwickeln gilt."
Am schönsten aber das hier, direkt aus dem Koran:
„Die gute Tat und die schlechte Tat sind nicht gleich. Wehre mit einer besseren Tat ab, dann wird der, zwischen dem und dir Feindschaft herrscht, wie ein enger Freund“ (Sure 41, Vers 34)
