Sie haben's geschafft ...
... ich höhne wieder! Lach mich schlapp, wenn die deutsche Nationalmannschaft binnen kurzem 0 zu 2 zurückliegt. Aber Leute wie mich hat man ja früher eh als "vaterlandslose Gesellen" bezeichnet, und einer der schlimmsten, politischen Momente in meinem Leben war, als mein heiß geliebter und hoch verehrter Willy Brandt neben Kohl die Nationalhymne zum Einheitstag einst sang ...
Sie haben's geschafft, u.a., weil das Auftreten von Frings und Borowski (den ich, glaube ich, immer falsch schreibe) am Millerntor so unsäglich war. Diese Diven ohne jeden Stolz mit ihren sauteuren Beinen, die dann unsere Spieler immer schlechtgelaunt und beleidigt umtreten wollten, wenn's weder Schiedsrichter noch Kameras gerade sehen konnten. Dieses arrogante Naserüffeln in den Gesichtern, auf so einem Platz gegen diesen billigen Sozialschrott - unsere Mannschaft - überhaupt antreten zu müssen. Diese Sprüche von Schaaf und Allofs: "Stellen sie sich vor, ein Spieler verletzt sich, und wir werden deshalb nicht Weltmeister!"
HAR,HAR,HAR! Alle standen gestern auf dem Platz und haben gezeigt, wie sie Weltmeister werden wollen. Das Ganze war ja so dermaßen langweilig, daß ich freiiwillig zu Britney Spears umgeschaltet habe ... weil ich bei diesen Neue Deutsche Welle-Trikots mit dem schwarzen Ärmel sowieso nur noch an Sponsoren-Karten und chinaeske "Sicherheits"-Gesetze denken kann. Und nichts würde ich mir mehr wünschen, als daß irgendeine afrikanische Underdog-Mannschaft Weltmeister würde ...
Es gab eine Phase in der Völler - und frühen Klinsmann-Ära, da habe ich wirklich wieder mitgefiebert. Da saß ich bibbernd vorm Fernseher. Da fand ich die Mannschaft sympathisch und wollte, daß sie gewinnen, da war ich geradezu versöhnt und habe nur bei der Nationahymne weggezappt.
Jetzt höre ich mich um, und immer mehr Leuten geht's so, daß ihnen die WM auch gestohlen bleiben kann und sie mit Klinsi und seinen Jungs nicht mehr jubeln können ... kann mal jemand erklären, wie das jenseits von Pokalspiel-Erlebnissen dazu kam? Das sind nicht nur Niederlagen oder Schlechtspielen ... wahrscheinlich ist's die System-Lebenswelt-Differenz nach Habermas. Einmal schlaumeiern pro Eintrag muß ich. Damit nicht aus Versehen ix hier liest.
Viel schlimmer in Sachen Fußball als die Niederlage der Nationalflaschen gestern ist somit, daß Holstein Kiel das Nachholspiel gegen Leverkusen II gewonnen hat und wir nicht mehr Zweiter in der dritten Liga Nord sind. Ich will raus aus dieser Drecksliga! Und bei uns wird wenigstens noch Fußball gelebt und nicht nur noch verkauft ...

Kommentare
Erfolgsfan!
Verfasst von: Platzwart | 02.03.06 13:47
@platzwart: Und das sagst Du jemanden, der seit Jahren mit seinem Verein durch die Regionalliga dümpelt, zwei Abstiege hintereinander mitgemacht hat und trotzdem immer wieder 'ne Dauerkarte kauft?
Verfasst von: MomoRules | 02.03.06 15:54
. Ja, das wünsche ich mir immer.
Ich freue mich immer, wenn eine bisher unbekannte Mannschaft weit nach vorn kommt.
Wisst Ihr Fußballfans, weshalb mir Eure "Fußballbegeisterung" so unglaubwürdig vorkommt? Wenn ich höre "Euch kann die WM gestohlen bleiben, weil die deutsche Mannschaft so schlecht ist"! Ihr interessiert Euch also nicht für den Fußball, sondern seid ganz einfach nur Nationalisten. Vor Jahren während einer Reise gingen wir während des WM-Endspiels Argentinien-Frankreich in eine Gaststätte - im Hinterzimmer, wo der Fernseher war, saßen nur wir beide. Keiner interessierte sich für das Endspiel - weil Deutschland nicht mehr dabei war. Das soll Sportbegeisterung sein? Ich finde das kümmerlich.
Verfasst von: eule70 | 02.03.06 23:00
Wo ist am Anfang meines obigen Kommentars das Zitat geblieben? "Nichts würde ich mir mehr wünschen, als dass eine afrikanische Underdog-Mannschaft Weltmeister würde".
Verfasst von: eule70 | 02.03.06 23:03
@eule70: Keine Ahnung, was die Software hier so alles treibt - die beherrscht eindeutig mich, nicht ich sie ...
"Ihr Fußballfans" - da bitte ich doch zu differenzieren.
Die WM '90 habe ich - nicht, daß das irgendwelche Relevanz gehabt hätte - boykottiert. Weil damals im Zuge der Wiedervereinigung wirklich ein außerdordentlich scheußlicher Natioanlismus sich breit machte (und bis heute ja nicht wieder weg ist). Ging beim Endspiel durch menschenleere Straßen - die füllten sich aber sehr schnell kurz nach dem Abpfiff mit wehenden Reichkriegsflaggen und zum Massaker bereiten Glatzen. "Massaker" war nicht übertrieben; auf St. Pauli wurde z.B. eine Post-Punk-Kneipe gestürmt, hätte diese keinen Hinterausgang gehabt, wären die Eisen-Pfeiler auf Schädel und in Zähne gerammt worden. Die Polizei wies den Schlägern in U-Bahn-Stationen noch den Weg zu zu verprügelnden Punks.
'96: Da habe ich mich aufrichtig dafür geschämt, in der Tat gerührt gewesen zu sein, als ausgerechnet dieser Berti Voigts, der für alles steht, was ich an Deutschland gar nicht mag, auf die Kurve mit Deutschlandflaggen zuging.
Unter Völler fand ich vieles einfach anders. Die Jungs sahen nicht nur besser aus als die davor, da hielt auch eine neue Bescheidenheit, Lockerheit, ein "den Ball flach halten" ohne Arroganz Einzug auch in die Spielweise. Kam da nicht auch Asamoah in den Kader? Hat mich auch gefreut. Mit denen habe ich gelitten, auch wenn sie verloren, die waren mir einfach sympathisch. Da hätte ich nicht gehöhnt. War ganz bei denen.
Anfänglich bei Klinsmann hatte ich auch das Gefühl, daß Leidenschaft, Engagement und Teamgeist - Eigenschaften, die ich mag - erhalten blieben.
Langsam zeigt sich da aber die Fratze der fiesen Seiten des "Managements", dieses "Menschen auf ihre Funktion reduzieren", einem System unterordnen, sie öffentlich vorführen, nicht mit ihnen arbeiten.
Und die Heinis da auf dem Platz sind zum Teil zu aufgeblasenen Ich-AGs auf hohem finanziellen Niveau mutiert, zu Selbst-Marketing-Leinwänden. Das Auftreten der hehren Millionäre am Millerntor, dieses "Meine Beine sind aber viel mehr wert als die von diesen Regionalliga-Kickern", so wirkten sie zumindest, hat mir einfach den Rest gegeben, schlimm war das.
Was hat das alles nun mit nur an Erfolgen orientiert sein oder gar Nationalismus zu tun? Fan bin ich eh nur vom FC St. Pauli, und mit dem bin ich nun wirklich durch allerlei Tiefen gegangen, war immer wieder da, immer wieder ... und werde immer wieder da sein, ganz egal, was kommt.
Verfasst von: MomoRules | 03.03.06 20:10
Das macht mich jetzt so richtig nachdenklich. Ich habe immer geglaubt, die Hauptsache am Sport sei die Freude an der körperlichen Betätigung, auch körperlichen Anstrengung. Vielleicht lag das daran, dass ich selber in Sport immer bei Fünf bis Sechs stand, körperlich völlig ungelenk bin und deshalb alle Sportskanonen bewunderte (oder auch verachtete, so "Turnen Eins, Deutsch Fünf").
Jetzt stelle ich aber fest, dass Sportbegeisterung sich nur zur Hälfte aus dem Körpergefühl, zur anderen Hälfte, möglicherweise zum größeren Teil aus "Wir-Gefühl" speist, sei es für die Nation oder für den eigenen Verein. Oder gilt das mehr für die Zuschauer als für die Sportler selber? Darüber gäbe es wohl noch einiges zu sagen, aber nicht heute.
Verfasst von: eule70 | 07.03.06 01:45
@Eule70: Für die Zuschauer ist wohl u.a. ein "Wir"-Gefühl zentral, meine Mutter beispielsweise findet meine Berichte aus dem Stadion deshalb per se verdächtig und das alles potenziell faschistoid ... finde ich etwas übertrieben, "Wir"-Gefühle sind ja nicht immer was Schlechtes ... es spielen aber auch politische Fragen mit hinein, wirtschaftliche noch mehr, (sub-)kulturelle Selbstverständisse, Mentalitäten, "Szenen" (der FC St. Pauli zehrt heute noch vom Hafenstraßen-Mythos, trotz allem, was sich seitdem verändert hat) und eben im Rahmen des "Wir"-Gefühls bei uns auch wirklich tief emotionales, fast schon therapeutisch ist das. So'n Spiel ist im besten Falle 90 Minuten Spannung, Höhen, Tiefen, Wut, Trauer, Euphorie, Begeisterung -und das alles in der relativen emotionalen Sicherheit eines Rahmens, wie sie eine therapeutische Sitzung ja auch bietet.
Deshalb knallt's aber auch so oft rund um Fußball, weil's eben einer der wenigen, gesellschaftlichen Bereiche ist, wo Emotionen überhaupt noch gezeigt werden - für Aggressionen beispielsweise bildet ja unsere Kultur sonst gar keinen Raum (was jetzt einfach nur erklären soll, keineswegs eklige Hools etc. rechtfertigen, bloß nicht).
Sport treiben ist da freilich was ganz anderes ...
Verfasst von: MomoRules | 07.03.06 07:55
Finale Deutschland-Frankreich
Verfasst von: vaterlandslose-gesellen | 25.05.06 09:40