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Bio-Macht: Alles nur eine Frage der Evolution ...

Die gesamte Hamburger Presse berichtet heute über die ekligen, kleinen und großen Nazis aus Chemnitz am Samstag am Millerntor. Am tiefsten hinab in die Logik des braunen Sumpfes steigt die taz hinab.

"Auch aus Rostock und Cottbus waren sie angereist, um das "rote" Hamburg aufzumischen. Und, wie es schon vorher in der Szene hieß, um den "Kiez von Punks, Zecken und Türken zu säubern"."

Wieso fällt mir dazu ...

... vor allem und als allererstes das Blog der selbsernannten Freunde der offenen Gesellschaft ein? Das muß biologisch bedingt sein. Eine Verformung irgendwelcher Synapsen nach Jahrzehnten der falschen Lektüre verursacht in mir solche Assoziationen. Ist ja alles bewiesen, was die da so vor sich hinschrieben im FDOG-Blog; und was sie da und daß sie das schreiben, dafür können sie auch nix. Das ist einfach das übliche, überschießende Jungmänner-Hormon-Gebräu, über das sie und ihre Kumpels im Geiste sich so gerne auslassen, wenn's um Araber geht.

Wie man Araber gegen Türken ausspielt, das kann man jetzt sogar bei Alan Posenerhttp://www.wams.de/z/plog/blog.php/apocalypso/schulstunden/2006/03/31/der_ruetli-schwur nachlesen in einem ansonsten sehr vernünftigen und guten Text. Aber so erklärt sich dann auch das "Türken raus!" der Faschos, da oben im taz-Artikel beschrieben. Das rufen die Chemnitzer dann auch primär aus (biologisch bedingtem) Antiamerikanismus, weil die Türkei ja auch immer mit "dem Westen" bündelt. Aber auch da können sie nix für, denn:

"Es gibt einen erfolgversprechenden und einfachen Weg, die Linke mit all ihren Spleens zu verstehen: Betrachten Sie sie einmal als ein gigantisches Projekt zur Rettung eines rousseauistischen Menschenbildes. Wo immer Menschen sich Gewalt oder Gemeinheiten antun, kommt eine Rettungstruppe linker Intellektueller herbeigeeilt und erklärt lautstark, welche gesellschaftlichen Umstände zu diesem Unglück geführt haben.."

So steht's bei den FDOG, deshalb haben sich ja die St. Paulianer auch auf der Budapester Straße versammelt. Die wollten die Chemnitzer retten und bekehren! In einer Art aktiver Sozialarbeit! Mehr dazu lesen kann man hier und hier.

"Diese Erklärungen werden grundsätzlich nicht bewiesen."

Man beweise mir die Notwendigkeit einer offenen Gesellschaft. Für die bin ich abgesehen davon auch. Wird wahrscheinlich nix draus. Zumindest dann nicht, wenn das Volk beginnen sollte, die FDOG zu lesen - die tun ja mit ihren Texten alles, wirklich alles dafür, diese zu verhindern. Und merken's wahrscheinlich noch nicht mal ...


"(...) das ist auch gar nicht möglich."

Ach so.

" Natürlich gibt es menschliche Konflikte, die sich weitgehend aus gesellschaftlichen Verhältnissen erklären lassen."
Wie jetzt? Dann doch?
"Weitgehend! "

Ach so.

"Die Biologie spielt immer und überall und meist eine ebenso wichtige Rolle wie die Gesellschaft. Und das lässt sich nicht nur beweisen. Es ist bewiesen."

Apropos: Schon mal was von der Popperschen Falsifikationslehre gehört? Und: War's Gobineau, der das auch bewiesen haben wollte? Oder war's Lamarque (über den ich gerade nix finde)? Manche blieben ja damals im 19. Jahrhundert auch bei der reinen Kulturtheorie stehen, wenn sie gegen Juden hetzten. Andere taten das mittels biologischer Beweise menschlichen Verhaltens. Auch Slaverei und Kolonialismus ließ sich mit dem primitiven Geist der Neger vortrefflich begründen. Ebenso Elektroschocktherapie an Schwulen und Schlimmeres gründete im Glauben biologischer Beweisführung.


"Das Gewicht der einzelnen Faktoren variiert natürlich stark. Und nicht selten lassen sie sich gar nicht eindeutig isolieren. "

Ich habe mich schon immer gefragt, wie man wissenschaftlich strikt belegt, beweist. Jetzt habe ich's endlich gelernt. Man behauptet die Variation von Faktoren, die sich nicht eindeutig isolieren lassen. That's it!

"Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass alle Erklärungsmodelle die von den biologischen Grundlagen des Menschen nichts wissen wollen, ebenso grundfalsch und absurd sind wie die (heute nur noch selten vertretenen) Erklärungsmodelle, in denen das menschliche Verhalten allein aus den Gesetzen der Biologie abgeleitet wird."

Ja, Baby-Blue, aber dann erzähl mir doch, anhand welcher Kriterien Du das unterscheiden willst, die biologische Verhaltenserklärung von einer - ja, wie denn eigentlich? - begründeten, anderen Erklärung menschlichen Handelns. Wortreich nix sagen gilt nix. Und wieso Du meinst, nicht-biologisch "verursachtes" Verhalten überhaupt sinnvoll beschreiben zu können, wenn das doch alles gar nicht beweisbar ist.

"Falsche Erklärungen führen aber zu falschen Lösungsansätzen."

Ja. Stimmt.

"Noch das beeindruckendste linke Theoriegebäude fällt lautlos in sich zusammen, wo wir es mit den harten Fakten der Soziobiologie konfrontieren."

Über's 19. und frühe 20. Jahrhundert habe ich mich ja schon ausgelassen. Der Satz findet sich bestimmt auch irgendwo in Schriften des

Alldeutschen Verbandes
. Alles schlimm genug, aber die neue Rechte setzt noch eins drauf und zitiert dann ein Essay über die evolutionären Grundlagen von Grausamkeit und Intoleranz. Womit dann ja klar wäre, wie's zu den Geschehnissen in der Chemnitzer Fankurve kam: Alles eine Frage der Evolution ...

Was für ein Dreck! Sorry, aber wer auf solche Leute in seiner Blogroll linkt, der muß sich schon gut überlegen, welches Denken er da befördern will ...

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Die folgenden Weblogs beziehen sich auf diesen Eintrag Bio-Macht: Alles nur eine Frage der Evolution ...:

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Hamburg ist das neue Tal der Ahnungslosen, zumindest was die Journalie angeht. Wer heute die Springerpresse liest, der gewinnt den Eindruck, dass in HH wieder Randalierer unterwegs sind, alte Hafenstraßenzeiten wieder anbrechen. Vor dem Stadion bewarf... [Weiter lesen]

» Milton Friedmans Botschaft an jüngere Generationen von B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade
Ein paar Kerngedanken möchte ich an jüngere Generationen weitergeben: Man sollte sich immer genau ansehen, was im wirklichen Leben funktioniert und was nicht. Man sollte Ideen als solche respektieren - ohne Ansehen der Person, die sie vertrit... [Weiter lesen]

» Das Problem der Willensfreiheit, Teil 1 von Metalust & Subdiskurse
Ach, den Gedanken übernehme ich jetzt einfach mal und starte hier in loser Folge eine Eintragsreihe zum Thema "Freiheit". Kann's ja nicht hinnehmen, daß es Positionen gibt, die das Denken hierüber Leuten wie Milton Friedmann überlassen wollen und g... [Weiter lesen]

Kommentare

Eins werde ich ganz sicher nicht tun: Mir von anderen, und sei es auch noch so indirekt, vorschreiben lassen, wen ich verlinke. Mag ja sein, dass bei einer gewissen politischen Richtung das Wort Ver"linke"n einen beschwörerischen Klang hat - bei mir hat es den nicht. Momentan wird bei B.L.O.G. verlinkt, was interessant erscheint, und wenn das die Neuauflage von Iblis sein sollte (auf die ich nicht scharf bin). Ich habe schon mit Karsten bei der "Liberalen Stimme" wegen eines anderen Falls in dieser Frage eine kleine Diskussion gehabt, wobei der aber immerhin noch, typisch liberal, nur von einer eigenen Entscheidung berichtet hatte und nicht gleich eine Regel für andere aufstellen wollte.

Allerdings haben wir auch Blogs, die wir tatsächlich empfehlen, und die stehen in den "Blogfavoriten". Wenn wir nach der Stimme aufgeregter linker selbsternannter Tugendwächter gingen, würden da wohl nur die persönlichen Blogs Marians und Stefanolix' übrigbleiben. In dieser Liste finden sich tatsächlich auch die "Freunde der offenen Gesellschaft" - also im konkreten Fall doch eine Art Empfehlung.

Bei der bleibt es auch. Mir geht zwar die durch die Erweiterung des Autorenteams zunehmende foxnewsartige Irakkrieg-Bejubelung auf den Senkel, aber da sind wir uns bei B.L.O.G. ja selbst nicht so einig. Es scheint mir nur so, dass all das, was du in diesen Text jetzt hineinliest, mehr über dich, deine jüngsten Erlebnisse und deine Einstellung sagt als über den Text selbst, den du mir etwas zu reflexartig in die passende Ecke stellst. Diese Assoziationskette Biologie-Vererbung-Rassismus-Nationalsozialismus liegt mir zu beliebig bereit, auch wenn du strenggenommen freundlicherweise beim Rassismus Halt machst und die normalerweise mit vernichtender Absicht geschwungene Keule nur in einer Art Pöseldorfer Variante vorzeigst ("Alldeutscher Verband").

Anders als in unserer Auseinandersetzung über den Begriff "Rasse" geht es hier ja gar nicht um Unterschiede zwischen Menschen, sondern der Autor will uns nahebringen, dass der Hang zum Killen nicht irgendwie durch besonders verachtenswerte gesellschaftliche Verhältnisse entsteht, sondern im vererbten menschlichen Verhaltensarsenal enthalten ist. Nicht bei den einen mehr als bei den anderen, sondern generell. Den Versuch, die in der Welt unterschiedlich stark ausbrechende Gewalt auf genetische Unterschiede der Menschen zurückzuführen, die in solchen Gebieten leben, musst du dem Autor schon unterstellen. Dem geht es, so wie ich ihn verstehe, vor allem darum, dass man mit noch so viel Herumbasteln an gesellschaftlichen Verhältnissen aus der Spezies Homo Sapiens keine Gandhis zu klonen in der Lage ist.

Darüber können wir jetzt noch stundenlang dilettieren und die Einflüsse des sozialen Umfelds gegen die genetischen ausspielen, bis für jeden Glaubenssatz der Seelenfrieden gerettet ist - im Prinzip ist es witzlos, weil wir das eine (in engen Grenzen) verändern können, das andere nicht. So ziehe ich für mich daraus die Konsequenz, bei versprochenen segensreichen Veränderungen durch Ideologien skeptisch zu bleiben.

Und die Blogroll zu lassen, wie sie ist.

P.S. Ich hasse solche Stellvertreter-Diskussionen eigentlich. Besser wäre es, du würdest Michael Holmes selbst mit deiner Kritik konfrontieren.

@Rayson: Ich bekenne gerne, daß die Verve meiner Ausführungen durch jüngste Erlebnisse, die wirklich nicht witzig waren und sich eben auch ganz außerordentlich dezidiert gegen links richteten, mit begründet ist.

Bei einer Biologisierung gesellschaftlicher oder menschlicher Phänomene - zu denen übrigens auch und gerade der Rousseauismus, nicht Rousseau selbst, neigt - gehe ich aber tatsächlich solange ich denken kann auf die Barrikaden.

Ich will euch auch nix für eure Blogroll vorschreiben, wat'n Quatsch.

Habe nur manchmal das Gefühl, daß auf liberaler Seite oft nicht allzu sensibel darauf geachtet wird, auf wen oder was man sich bezieht, wenn's gegen die verhaßte Linke geht. Und dieser Hinweis eines "selbsternannten Tugendwächters" sei ja wohl gestattet. Was Du damit machst, ist ja nicht meine Sache.

Daß bei den FDOGs keine Tracksbacks ankommen, da kann ich auch nix für.

Das, was die im kommentierten Eintrag wirklich in einer mich empörenden oberflächlichen Art schreiben, ist aber alles andere trivial: Da geht's nämlich um's Ganze, genau um unser gemeinsames Thema, Freiheit.

Diese Biologisierung des Denkens hebelt menschliche Freiheit aus. Und das ist keine ideologische, sondern eine Wahrheitsfrage. Da kann man meiner Ansicht nach auch gar nicht stundenlang diskutieren. Wenn man sich auf die von der FDOG angedeutete Schiene einläßt, gibt man Freiheit und Verantwortung auf, Punkt.

"Der Hang zum Killen nicht irgendwie durch besonders verachtenswerte gesellschaftliche Verhältnisse entsteht, sondern im vererbten menschlichen Verhaltensarsenal enthalten ist."

1. bestreite ich das
2. inwiefern ist das relevant für die Beschreibung gesellschaftlicher Verhältnisse und
3. was sind denn da wohl die Konsequenzen draus? Gesellschaftlich regulierte Killhang-Unterdrückung? Mörder nicht verurteilen, weil's ja den Hang zum Killen gibt? Diese antropologischen Modelle sind einfach nur haarsträubend und führen immer in die Irre.


Und ein paar Richtungen, in die es sich historisch dann weiterentwickelt hat, habe ich halt beschrieben. Da ist's mir auch völlig egal, was die da eigentlich mit ihrem noch nicht einmal studentischen Geschreibsel meinen könnten. Dann sollen sie's doch auch schreiben, wenn sie was anderes meinen, meine Güte. So, wie sie's schreiben, teilen sie die Prämissen der Denker von einst.

Und es regt mich maßlos auf, wenn ein aktuell ja geradezu brisantes Thema wie Freiheit - ich sehe die auch auf allerhand Ebenen ernsthaft gefährdet - von diesen Schlechtschreibern und Demagogen verhunzt wird. Diese nun wirklich eindeutig suggestive Art der Biologisierung des Denkens bei beiläufiger Diffamierung des politischen Gegners ist nachweislich in die Geschichte des Präfaschismus einzuordnen. Vielleicht nicht nur da, aber eben auch da. Lies mal "Der moderne Antisemitismus" von Helmut Berding.

Ich bin auch offen für alle Kritik an linken Dummheiten und mache da fröhlich mit, aber nicht, wenn diese auf Prämissen fußt, die tatsächlich die Ereignisse vom Samstag wie ein Schatten begleitet. Noah hat mir gerade einen Kommentar, der in ihrem Blog gepostet wurde und den sie gelöscht hat, zugemailt, hallelujah!

Wenn Herr Holmes denn unbedingt Verhaltensbiologie betreiben möchte, dann aber bitte unter Nennung der oben breits geforderten Kriterien der Abgrenzung zwischen Natur, Gesellschaft und Kultur.

Wie gesagt: Es geht mir um nix anderes als Freiheit. Statler, Posener (von Halbsätzen mal abgesehen, die ich einem originellen Kopf wie ihm jederzeit verzeihe, übrigens auch dann, wenn er Linken-Bashing betreibt) oder Du, ihr würdet in so eine Grütze nicht hineingreifen, deshalb habe ich höchsten Respekt vor euch.

Aber da diese ganze FDOGetc.-Rhetorik (die ja originär auch gar nicht von denen stammt, die plappern ja viel nach, wenn ich's richtig sehe) mittlerweile bis in das Heute Journal vorgedrungen ist, kann man doch nicht mehr die Klappe halten.

Und wer selbst ständig und bei wirklich jeder sich bietenden Gelegenheit mit Nazi-Vergleichen und Antisemitismus-Vorwürfen um sich wirft wie nix Gutes, den muß man in ja vergleichsweise viel weniger scharfer Form auch mal darauf hinweisen, in wessen Fußstapfen er da mit solchen Sprüchen tritt. Da ist für mich wirklich eine Grenze erreicht.

Bei den Neocons macht ja diskutieren eh keinen Sinn, aber die zählen sich immerhin zum liberalen Lager. Das ich, wie Du weißt, sehr schätze. Wenn inmitten dessen auf einmal so was sich findet, dann beunruhigt mich das nachhaltig.

Vielleicht noch mal zur Klarstellung:

Auch die Antwort auf deinen Beitrag hat etwas mit dem Verhalten Dritter zu tun. Den "Tugendwächter" zum Beispiel wollte ich nicht dir ans Bein kleben.

Ich bin aber der (natürlich ganz privaten) Meinung, dass deine Wut ebenso über das Ziel hinausschießt wie der FdoG-Text im Grunde überflüssig ist.

"3. was sind denn da wohl die Konsequenzen draus? Gesellschaftlich regulierte Killhang-Unterdrückung? "

Klar doch. Finden wir doch überall in Begriffen wie Moral, Ethik, Recht und Zivilisation. Oder?

"Biologisierung des Denkens" kann ich nicht erkennen - zumindest fehlt es mir da an einer positiven Ausformulierung, denn die einzige Konsequenz, die da gezogen wird, ist ja die Ablehnung linker Theorien (was als hinreichende Logik zugegebenermaßen so platt ist, dass ich keine Sekunde ans Ernstnehmen gedacht habe).

Natürlich nehmen wir für uns in Anspruch, zusätzlich zum Rückenmark auch noch über beträchtlich Großhirn zu verfügen und daraus Alternativen zum triebgesteuerten Verhalten entwickeln zu können, aber nur allzu viele Beispiele zeigen ja, dass sich die Rationalität nur über den Trieb gelegt hat, ihn sozusagen ausschmückt und verfeinert. Und wenn man den Hirnforschern glauben will, läuft all das auch noch programmiert ab...

So wie dich das Stichwort "Biologie" nervt, ist es bei Holmes wohl das Stichwort "Gesellschaft" - in beiden Fällen als wesentlicher Parameter. Beide Begriffe sind im Extrem gedacht fatal. Eben weil es um die Freiheit geht, müssen wir bei Versuchen, menschlichem Verhalten eine Determiniertheit zu unterstellen, sehr aufpassen, da gebe ich dir Recht. Das betrifft aber auch das Bild des Menschen als Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Aber mehr werde ich einen Text, den ich nicht so geschrieben hätte, jetzt auch nicht verteidigen.

Mir schmeckt der Beitrag auf FDOG auch nicht (die übrigens auch auf meiner Blogroll stehen, nicht, weil ich mit ihnen einer Meinung wäre, sondern weil ich das Blog "interessant" finge). Zumal ich mir darüber im Klaren bin, dass Biologismus erfahrungsgemäß ganz schnell in totalitäre "Lösungsansätze" umschlägt, selbst in demokratisch verfassten Gesellschaften. (Beispiele: Rassengesetzgebung in den USA in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, oder die bis zu massenhaften Zwangssterisierungen gehende schwedisch Eugenik bis weit nach dem 2. Weltkrieg.) Auch würmt es mich ganz gewaltig, dass Leute, die sich auf Popper berufen, offensichtlich das Wort "Falsifikation" nicht in ihrem Wortschatz haben.
Aber so ganz falsch liegen sie m. E. nicht: Nach dem derzeitigem Stand(!) der (ich formuliere es mal richtungsübergreifend) biologischen Verhaltensforschung ist tatsächlich das menschliche Verhalten weitgehend durch biologische Mechanismen bestimmt. "Schlimmer" noch: wenn ich die Forschungsergebnisse der Neurobiologie richtig verstehe, dann kann man die Hypothese, wir hätten einen "freien Willen", als bis auf weiteres falsifiziert ansehen. Es ist bitter, aber nicht von der Hand zu weisen: die Hypothes, dass wir "biologische Roboter" mit einem eingebauten Zufallsgenerator sind, den wir in illusionären Innenansicht für "freien Willen" halten, ist (vorläufig) als "wahr" anzusehen.
(Übrigens ist diese Erkenntnis einer der Gründe, weshalb ich es als "kritischer Rationalist" trotzdem mit Mystik & Magie & alten Göttern, also mit einer besonders archaischen und "irrationalen" Form der Metaphysik habe - aber das führt jetzt zu weit.)
Zum Thema: es ist klar, dass rein "gesellschaftsdeterministische" Modelle schnell zu ebenso freiheitswidrigen Ansätzen führen, wie "Biologistische" und sich ebenso leicht mit nahezu beliebigen Ideologien verbinden. Konkretes Beispiel: sexuelle Orientierung - hier die Humangenetiker, die nach ein "Schwulen-Gen" entdeckt haben wollen, dort die "Umerzieher" - beiden gemein die Ideologie, das sexuelle Orientierung eine Art "Krankheit" ist. Zu bekämpfen ist IMO nicht "der Biologismus" oder die "Milieutheorie", sondern a)die "Krankheits"-Ideologie und b)der "Absolutheitsanspruch" der jeweiligen Erklärungsmodelle. Das gilt auch für "vermittelnde" Ansätze: Es ist inzwischen einigermaßen klar, dass die "Intelligenz" eines Menschen sowohl vom Milieu wie von den Genen abhängt, aber es ist lächerlich, Prozentzahlen angeben zu wollen, wie "70% der mathematischen Intelligenz ist ererbt, 30% milieubedingt". Da wird versucht, Suppe mit Gabeln zu essen.
Also: ich akzeptiere, mit dem Wissenschaftpublizisten Hoimar von Ditfurth, den "alten Affen" in mir und uns, achte aber darauf, dass der "innere Urmensch" nicht die Oberhand bekommt. Das Problem ist, wieder mit Ditfurth, dass Nazis (und ähnlich gestrickte Ideologen) offen an die "Neandertalermoral" appelieren. Übrigens appelieren auch Sozialdarwinisten, wenn auch versteckter, an den "alten Affen" tief in der Hirnstruktur - oder an Dawkins gern mißverstandene "egoistische Gene".

Den Beitrag auf FDOG finde ich trotzdem daneben.

@Rayson: Danke auf jeden Fall für die Versachlichung der Debatte, ganz im Ernst!

Einer weiterer Grund dafür, daß ich mich in diesem Fall wirklich maßlos aufregen kann, steht ja im vorherigen Eintrag, also jenem zum Anti-Antirassismus.

Da formiert sich auf Seiten wie jenen der FDOG ein Diskurs, den ich politisch für wirklich gemeingefährlich halte. Alles weitere in der Antwort auf MartinM.

@MartinM: Das ist jetzt eine sachliche Variante dessen, worüber ich mich aufrege, damit kann ich aber gut umgehen. Da braucht man dann auch nicht verbal zu schießen, wenn argumentiert wird.

Es ist nicht der Fall, daß die Willensfreiheit als falsifiziert gelten kann. Auch diese neueren, neurobiologischen Untersuchungen, die sowas wie ein neuronales Unbewußtes behaupten, das der bewußten Entscheidung vorausginge (ich vermute, daß Du die meinst) werden selbst von Neurowissenschaftlern selbst nicht als solcher Beleg aufgefaßt. Dazu wollte ich eh bei Gelegenheit noch mal 'nen Eintrag machen.

Neulich war z.B. in Die Zeit ein Interview mit einem solchen, der die Neurowissenschaften als Sozialwissenschaften begriffen hat. Interessant hierzu ist der Aufsatz von Jan-Philip Reemstma im aktuellen Merkur - dessen Conclusio stimme ich nicht zu, da steht aber viel Gutes drin zu diesem Thema. Auch ein Aufsatz in Habermas' "Zwischen Naturalismus und Religion" zum Thema sammelt allerlei Argumente zusammen.

Die naturwissenschaftliche Anthropologie folgt doch in den meisten Fällen strukturell Modellen wie jenem von Chomskys (auch 'n Reizname, ich weiß, ich meine jetzt aber den Linguisten, nicht den politisch Denkenden) Generativer Grammatik : Sprache als Vermögen ist angeboren, ob und wie sie sich entwickelt, ist sozial bedingt. Wobei "sozial bedingt" nicht heißt "im Sinne der Kausalität verursacht", sondern eben in Interaktionszusammenhängen und unter instituionellen Rahmenbedingungen erworben. Auch das Homo- oder Verbrecher-Gen hat noch niemand entdeckt, meines Wissens.

Es gibt zwar neurologische Defekte, die bestimmte Verhaltensoptionen verunmöglichen, eben in jenem Sinne, wie man auch schlechter laufen kann, wenn man nur ein Bein hat. Ob bei der Abwesenheit solcher Defekte man aber zum Marathonläufer wird oder nicht, ist natürlich immmer auch eine Konstitutions-, aber ebenso eine Frage der Entscheidung, die man a.) in einen bestimmten, sozialen und auch gesellschaftlichen Umfeld trifft, das diese beeinflußt und b.) für die man vollverantwortlich ist.

Die Frage ist ja nicht der Affe in mir, sondern wie ich mit ihm umgehe, mich-zu-mir und zu-Anderen verhalte.

Wenn ich 1,95 m groß bin, schwarz und in einem armen Viertel von Phoenix aufgewachsen, obliegt es immer noch mir, ob ich z.B. Basketballer werde oder Gangsta. Daß es jedoch zumindest unwahrscheinlich ist, daß ich dann Bankdirektor werde oder in Mexico ein Harem gründe, ist objektiv auch der Fall. Ausgeschlossen ist freilich beides überhaupt nicht.

Ob ich als überzeugter Rationalist gar ein Problem damit habe, täglich meine Tageskarte im Tarot zu ziehen und fest an die Richtgkeit der Astrologie zu glauben (ist bei mir so), hat mit Genetik einfach nix zu tun. Ich halte diese esoterischen Wissenbereiche für einen anderen Diskurstypus als beispielsweise Moral oder Naturwissenschaft.

Daß es jedoch letztlich z.B. in einem bestimmten kulturellen und gesellschaftlichen Rahmen zu verorten ist, welche Fragen die Naturwissenschaften überhaupt stellen, was sie überhaupt problematisieren, das kann man ja bei Foucault so gut lernen.

Und in einem ähnlichen Kontext findet meine Aufregung statt: Auch welche Fragen in der Politik auf die Tagesordnung kommen und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sie aufgreifen oder auch nicht, das ist eben im Falle der Politik oft schlicht und ergreifend von strategischen Motiven abhängig.

Und die Interessen, die Herr Holmes da vertritt: Da sei mir zugestanden, daß ich die in Beziehung setze zu einer akuten, gegen links gerichteten Bedrohungslage, die ich im am Wochenende erfahren durfte ... die Knallkörper sind immerhin auch in meine Richtung geflogen.

Herr Holmes würde keine werfen, und er teilt auch deren Ideologie nicht, allenfalls Teile der Prämissen dieser.

Er nimmt aber zumindest in Kauf, daß Leute einen Biologimsus in seinen Postings lesen, so wie er die schreibt, so scheint es für mich zumindest, kann er mich ja gerne korrigieren, und trägt meiner Ansicht nach auf einer übergreifenden, politischen Ebene dazu bei, wahrscheinlich nicht intendiert, keine Ahnung, daß die Leuchtkörper dann fliegen.

Und dank an Martin, dass er einen Eintrag verfasst hat, der mich MomoRules' Motive besser hat verstehen lassen.

... und wenn wir uns jetzt wieder alle lieb haben, können wir dann nach Chemnitz fahren und der Brut diese unerträglichen Fahnen wegnehmen?

Nicht nur die sollte man denen wegnehmen ... was für ein übles Volk ... waren ja nun wirklich nicht die ersten Nazis, die ich so in meinem Leben gesehen habe, aus Dresden standen organisierte, rechte Kader da rum auf unserer Haupttribüne, aber so ein Mob wie Samstag ist schon ganz schön eklig ...

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