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Karl Marx, Fußball und der 1. April

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"Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose "bare Zahlung". Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt."

Seufz! Der olle Kalle und sein Kumpel aus Wuppertal und ihr "Kommunistisches Manifest", was haben die darin doch für wundervolle Sachen geschrieben! Allein schon deshalb steht Chemnitz in der Tabelle zu Recht genau da, wo sie stehen. Wer benennt denn bitte eine Stadt wieder um, die nach so einem Koloß des Denkens benannt wurde? Wie der Kapitalismus als solcher ...

... Freundschaftsbande und Teamwork angreift, aushöhlt und in Einzelinteressen auflöst, das kann man ja bei unserem Team derzeit ganz gut beobachten. Das steht der Luz kaum 2 Meter vor dem Tor, der Torwart bestimmt 3, vielleicht 4 Meter rechts von ihm, und er schießt den Torwart an - und das alles nur, weil diese hochsubventionierte Hertha-Tante in der Hamburger Lokalpresse verlauten ließ, den Luz wollten sie gerne kaufen. Dabei geschah's bestimmt nur aus Niedertracht und Rache, dies zu lancieren, weil deren Pokalniederlage bei uns am Millerntor eben auch das obige Zitat belegte - hat der Hoeneß-Dieter dann ja sogar zugegeben, daß da eine Mannschaft, unsere, gegen Individualisten gespielt habe, hoch bezahlte, versteht sich. Ja, und neidisch, wie der Kapitalist als solcher nun mal ist, will er natürlich, daß es anderen genau so schlecht geht wie ihm selbst und seufzt noch zynisch "Geld allein macht ja auch nicht glücklich ..."

Glaube trotzdem an unser Team! Auch an Luz! Da kann er noch so sehr bei Videodrehs befreundeter Bloggerinnen beim Durchgang durch den Spielertunnel verächtlich "Pah, Kultclub!" zischelnd gegen Wände treten, der liebt das schon, dem lustvollen St. Pauli-Volk den nackten Oberkörper zu präsentieren und nach dem Spiel zum T-Shirt-Tausch von süßlich grinsenden Haupttribünen-Girlies gefordert zu werden. Der liebt den Torjubel, die Pose, den St. Pauli-Kampf. Und gerade als Schwabe weiß er gelebte Solidarität bestimmt auch zu schätzen ...

Man muß ja nur einmal auf eine St. Pauli-Jahreshauptversammlung gehen, und man hat den Widerspruch von Solidarität und Individualinteresse in einer dialektischen Bewegung der Wirklichkeit um sich herum wabern. Da gibt's immer die kampfbereiten Selbstdarsteller, die mit der Satzung wedelnd zum Angriff übergehen und Claquere um sich versammeln. Und da gibt's - Widerspruch! - diese magische Milieuverschwisterung: Wenn eine Horde älterer Herren z.B. auf mich und meinen Fußballkumpel und auch sonst besten Freund zurauschen, man kennt sich von der Haupttribüne, smalltalkt alle zwei Wochen prächtig und freut sich, einander zu sehen und zudem, daß man da in diesem Verein versammelt ist. Unter ihnen einer, ganzkörpertätowiert, sogar die Platte inmitten des verbliebenen Haarkranzes glänzte in bunten Farben und fantasievollen Motiven, ebenso der mittlerweile als Faltenwurf sich präsentierende Hals: Ein Kunstwerk. Der Mann ist bestimmt noch so zur See gefahren, wie B. Travens Tottenschiff es beschreibt - und da sitzt er dann mit uns, zwei Kulturen, eine Idee, ein Glauben, eine Leidenschaft: Der FC St. Pauli.

Man lauscht gemeinsam dem schwulen Präsidenten, der für die Homo-Bewegung so unendlich viel erreicht hat und in dessen Theater ich einige der schönsten und intensivsten Momente meines Lebens erlebte. Gäbe es da nicht diese üblichen, linken Sektierergrüppchen, die Marx definitiv weder gelesen noch verstanden haben, die ständig Littmann stürzen wollen, obwohl sie selbst nicht wissen, was sie eigentlich stattdessen wollen: Dieses kleine Stück gelebter Utopie, das der Verein trotz allem darstellt, wäre wieder präsent - diese so seltsame Wesenheit, die alle verbindet und immer wieder neu in's Stadion treibt. Und da fallen die Sektierer dann auch nicht mehr groß auf, weil man säuft, leidet, jubelt und singt. Und spürt, daß Leidenschaft nur gemeinsam möglich ist ...

Heute also gegen Karl-Marx-Stadt, ist unser Didi da eigentlich noch Trainer? Unser "Man muß den Gegner durch permanentes Toreschießen zermürben"-Didi, unser "in Demuth nach oben"-Didi? Dessen Motti soll heute bitte unsere Mannschaft ernst nehmen, vom letzten Spiel gegen den Mann mit der Maske namens Maly haben wir noch ein paar Tore gut ...

Und ich warte auf den Moment, wo der Schiedsrichter einen Elfmeter pfeifft, der Spieler welcher Mannschaft auch immer diesen versenkt, der Schiri dümmlich gackernd, wie Schiris das so tun, zusammenbricht und ausruft: "April, April!"

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Habe mich dazu entschieden, als mir der erste Aprilscherz des Tages über den Weg gelaufen ist. Angeblich wechselt der Scobalizer zu Google - nice try. Nachtrag: Kein Aprilscherz sondern wundervolle Wahrheit: FC St. Pauli 3, Chemnitz 2 - Der einzige... [Weiter lesen]

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