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Zur Relevanz moralischer Gefühle

Trendy ist es mittlerweile wieder, "Erregungs-" oder "Empörungs-""Kultur" als irgendwas Unsittliches zu klassifizieren. Hier von "Kultur" zu sprechen macht Sinn, weil ein Teilbereich von "Kultur" der Umgang mit den eigenen Gefühlen ist. Wilheminische Geister wie Wolfgang Schäuble, coole Strategen der gezielten Repression und Diskreditierung des politischen Gegners, arbeiten gerne und häufig damit, anderen das "Aufgeregtsein" zuzuschreiben und sich selbst das "Abgeklärtsein". Damit suggerieren sie, sie seien "vernünftiger" und tarnen strategische Operationen als begründete.

Auch bei Autoren quasi-befreundeter Blogs ist dieser Gestus jüngst mal wieder zur Entfaltung gekommen. Ein anderes Blog, das zumeist politisch ganz woanders steht als ich, aktuell aber gerade nicht, aktuell sind wir uns sehr einig, ein Blog, dessen Einträge ich regelmäßig sehr gerne lese und als Bereicherung meines Denkens empfinde, nimmt hingegen regelmäßig das Gefühl "Empörung" sehr ernst, z.B., wenn es darum geht, daß mancher hierzulande die von der Hamas für "gut" befundenen Selbstmordattentate als legitimen Akt der Selbstverteidigung mißdeuten will. Das empört mich auch, nachhaltig.

Drum versuch ich einfach mal einen kurzen ...

... Abriß über die Relevanz moralischer Gefühle. Tugendhat nennt in seinen "Vorlesungen über Ethik", Frankfurt/M. 1993, "Empörung", "Groll", "Schuldgefühle" und "Scham" als solche. Am zweiten Begriffspaar klebt etwas Altertümliches, christlich-repressives. Es ist typisch für Autoren wie Ernst Tugendhat, damit zu spielen, um einen bestimmten Leser- und Studententypus zu provozieren.

Wichtiger als die Provokation ist: Moralische Gefühle sind solche, die sich sowohl auf etwas in der Welt richten können als auch einen Selbstbezug zu dem, der fühlt, darstellen. Während kritisch-postmoderne Autoren Empörung und Groll in der Regel unproblematisch finden, also das, was sich auf Sachverhalte und Andere bezieht, sehen sie Moral insofern als etwas repressives an, daß sie über die Erzeugung von Schuld und Scham, dem berühmten schlechten Gewissen, Individuen unzulässig forme. Klassisches Beispiel ist die Sexualmoral der christlichen Kirche, die dann ein schlechtes Gewissen z.B. im Falle der Onanie produziere. Ich behaupte im Gegensatz dazu, daß Moral etwas viel zu wichtiges ist, als daß ein solches Argument sie im Namen der Freiheit entkräften könnte.

Aber wie geht das, das Moral einen Menschen auf der Ebene der Emotionen prägen und formen kann? Gefühle werden ja auch oft als natürliche Triebkräfte, das Irrationale, das "Andere der Vernunft" betrachtet, und das finden die einen dann gut, die anderen nicht.

Da helfen wie so oft die alten Griechen weiter - hier erläutert von Ernst Tugendhat:


"Für alle Affekte überhaupt gilt, was schon Aristoteles in einer für die ganze Tradition maßgebenden Klarheit gezeigt hat (...), daß es sich bei dem, was man Affekt nennt, immer um positive oder negative Gefühle handelt (Lust oder Unlust), die sich ihrem eigenen Sinn nach auf ein Urteil aufbauen, und zwar ein Werturteil. (...) Die moralischen Gefühle sind (...) dadurch definiert, daß sie Unlustgefühle sind, die sich auf das Urteil über den moralischen Unwert aufbauen: wir empfinden Empörung, wenn wir negativ gefühlsmäßig auf die nach unserem Urteil schlechte Handlung eines anderen reagieren(...)." Ebd., S. 20

Trivial ist das nicht: Da daß Urteil, die Aussage über einen Sachverhalt, den man bewertet, zumindest im besten Falle auch anhand rationaler Kriterien gefällt wurde, gibt es bei allen Affekten immer schon einen notwendigen, internen Zusammenhang zwischen Vernunft und Emotionen. Empörung mal eben als das "Andere der Vernunft" abzuqualifizieren oder aufzuwerten, je nachdem, ist sachlich falsch.

Moral hat zudem den Sinn, a priori verletzliche, weil immer schon in interpersonalen Zusammenhängen sich vorfindende Wesen zu schützen. Sie ist als Reaktionsweise auf sich selbst und auf Welt eine Facette personaler Identität, die nicht als "Identisch-Sein" mit sich selbst zu verstehen ist, sondern als ein Bündel von Dispositionen zu Aktions- und Reaktionsweisen, Einstellungen, Weltsichten, emotionalen Formen der Welterschließung etc. . Bei vielen Personen, nicht bei allen, stellt Moral auch einen wesentliches Element der persönlichen Integrität dar.

Insofern sei jedem zugestanden, daß seine Empörung immer auch a.) der Rationalität zugänglich ist, ja, sich auch rationalen Strukturen verdankt, auf ihnen aufbaut und b.) sich auf je spezifische Moralkonzepte stützt und c.) auch einen Bereich persönlicher Empfindsamkeit darstellt.

Das ist ja dieses so abgrundtief widerwärtige an dieser "Gutmensch"-Rhetorik: Keine der genannten Dimensionen ist sie bereit, anzuerkennen. Meiner Ansicht nach ist sie deshalb im engeren Sinne menschen-verachtend.

Ebenso perfide ist es, den Punkt c.) dahingehend zu verdrehen, daß Empörung so eine Art psychologischer Masturbation sei, die sich auf die Funktion der Selbstaufwertung reduzieren ließe. Das würde ich noch nicht mal einem Herrn Schönbohm unterschieben. Das mag es auch geben, das jedoch bei jeder emotionalen Reaktion, die auf moralischen Urteilen gründet, nun gleich zu unterstellen, ist boshaft und zynisch. Ich kann auch nicht Schlimmes an dem Versuch finden, "ein guter Mensch" sein zu wollen. Das macht zwar nicht wirtschaftlich erfolgreich, ist aber auch im Sinne der Anderen gut.

Micha Brumlik hat neulich in der FR versucht, z.B. die Begründung der Menschenrechte aus emotionalen Reaktionen auf Sachverhalte zu begründen. Diesem Projekt haben schon viele Moralphilosophen sich gewidmet, auch Adam Smith z.B.. Man muß jedoch auch die Urteile selbst, auf denen Emotionen aufbauen, zur Disposition zu stellen bereit sein. Das gebietet die prinzipielle Offenheit für den Anderen.

Es ist ja z.B. auch Empörung als Reaktion denkbar, wenn jemand im Bible Belt Sex vor der Ehe hat. Daß diese empörte Reaktion ein zunächst zu der Person gehöriges, sie in ihrem Person-Sein-als-solchem definierendes Gefühl ist, hat man das im Rahmen einer Moral der universellen Achtung zunächst zuzugestehen. Und dann hilft nur das Überzeugen-Wollen, daß die Moral, auf dem dieses Urteil fußt, eben die Falsche ist. Genau das ist ja der historische Prozeß der Aufklärung.

Nun ist's neuerdings wieder angesagt, wie schon einmal als Reaktion auf den Prozeß der Aufklärung geschehen, Partikular-Moralen an die Stelle des universellen Konzeptes, das die Aufklärung vertrat, zu setzen: Christentum, Kultur, das Nationale. Letzteres ist dann halt blond und blauäugig und hat Vorrang. Das sei in einem eigenen Eintrag beschrieben, wie das funktioniert: Das Nationale als Ersatz-Moral.

Das ist aber die ungleich wichtigere Frage als jene, ob Herr Nehm nun zu Recht oder zu Unrecht die Ermittlungsarbeit im Falle eines auf die Intensivstation geprügelten schwarzen Deutschen übernommen hat. Und so etwas ekliges wie die Unterstellung, daß man diesen Menschen auf der Intensivstation instrumentalisieren würde, wenn man sich massiv gegen Rassismus wendet, habe ich tatsächlich seit Jahren nicht gelesen ...

Kommentare

Ich fürchte, da lässt du dich auf die Art von Schwarz-Weiß-Malerei ein, die du anderen vorwirfst, indem du jenen, die zu Abgeklärtheit und Vernunft aufrufen, "strategische Operationen" unterstellst. Beabsichtigt?

Es gilt, "moralische Empörung" weder per se zu diskreditieren noch sie grundsätzlich heilig zu sprechen. Wer darüber hinwegsieht, dass sie nur allzu gerne als Mittel zur Selbstvergewisserung und -erhöhung eingesetzt wird, würde wohl etwas zu blauäugig durch die Welt laufen.

Ich versuche, diesen Unterschied zwischen Gutmenschen und guten Menschen zu erkennen und zu bewerten. Die einen befolgen Rituale, bei den anderen wird sozusagen Innerstes berührt.

Gerade weil unterschiedliche Menschen auch moralisch unterschiedlich empfinden, ist der Rechtsstaat ein wunderbares Konstrukt, dessen Bedeutung man in einer freien Gesellschaft gar nicht überschätzen kann. Sonst regieren nämlich irgendwann wieder Dinge wie das "gesunde Volksempfinden". Deshalb halte ich es in der Tat für sehr wichtig, mit Augenmaß zu handeln und zu urteilen, und sich statt an Emotionen an Verfahren zu halten. Wohin medial potenzierte Aufgeregtheit führen kann, haben wir mal in Sebnitz gesehen, und auch jetzt ist es äußerst schwer, zwischen den Extremen "rechtsradikale Verschwörung" und "linksradikale Inszenierung" Gehör zu finden und auf das Eigentliche hinzuweisen: eine Straftat, ein Opfer, zwei mutmaßliche Täter, mutmaßliche Motive (darunter ziemlich unwiderlegbar Rassismus).

Und so etwas ekliges wie die Unterstellung, daß man diesen Menschen auf der Intensivstation instrumentalisieren würde, wenn man sich massiv gegen Rassismus wendet, habe ich tatsächlich seit Jahren nicht gelesen

Und doch findet *auch* genau das, nämlich die Instrumentalisierung, statt. Es gelingt dir, jeden Hinweis darauf zu diskreditieren, indem du aus einer Variante eine zwingende Bedingung machst, aber sorry: Arschlöcher mit eigener Agenda gibt es auf allen Seiten.

Im Übrigen: no worries, mate, ich bin mir darüber im Klaren, dass sich jeder, der versucht, in diesem Gewirr eine differenzierende Position zu finden und nicht auf eine der aus allen Seiten herbeigetriebenen Säue zu springen, aus der Sicht der Überzeugten prinzipiell auf der "anderen Seite" befindet. Ich kann einfach nicht anders.

@Rayson:

Deine Differenzierungsversuche in Ehren, die ich auch im konkreten Fall ja prinzipiell gut finde - auf euer Blog gehe ich derzeit nicht mehr, solange sich da Typen wie dieser Klaus rumtreiben, aber bei Statler und dem Antibürokratieteam habe überhaupt kein Problem mit dem, was Du schreibst - , aber schon diese Lagerkonstruktionen, die sich ja auch beim Antibürokratieteam in einem ansonsten guten Eintrag auch findet, halte ich beim konkreten Thema für völlig absurd.

Das Ächten des Rassismus sollte eigentlich keine Frage der politischen Lager im normalen, demokratischen Spektrum sein.

Daß Schäuble und Schönbohm (mit Abstrichen) dessen Existenz leugnen bzw. die Dramatik des Problems und das Thema verniedlichen und relativieren, da kann ich doch nix für.

Du liest das schon wieder so, als sei das der Kommentar aus irgendeinen linken Ecke: Nein, ist es nicht. Es geht da um Fragen der Menschlichkeit.

Mit deren Hinweis: "Leute, wartet mal ab, was genaus sich da abgespielt hat, wenn's Rassismus war, der "Scheiß-Nigger" spricht dafür, ist das schlimm", hätte ich doch gar kein Problem gehabt. Die haben sich aber ganz anders geäußert, und Schäuble hat noch jede völlig berechtigte Empörung über ein "SWcheiß Nigger" zu diskreditieren versucht. Das war Thema des obigen Eintrages.

Dort ging's mir zunächst darum, die Empörung mal zu ihrem Recht kommen zu lassen. Das muß auch mal sein, ohne daß das wieder als Äußerung eines politisches Lagers gedeutet wird. Das gilt doch generell.

Heilig sprechen will ich die moralischen Gefühle nicht, ich seh's aber auch nicht ein, daß sowas wie Empörung per se diskreditiert wird und Menschen abgesprochen wird, daß ihnen das wirklich weh tut, wenn ihre Freunde von Busfahrern (!!!)als "Negersau" beschimpft werden und seit dem Vorfall in Potsdam an Kiosken von wildfremden Leuten "Negerwitze" erzählt bekommen und Menschen, die ähnlich leben wie jene Freunde, aktuell auf Intensivstationen rumliegen.

Und ich will, daß man das als Problem ernst nimmt (was bei Dir ja zweifelsohne der Fall ist)und nicht ständig so tut, als gäbe es gar keinen Rassismus (was Du ja zweifelsohne nie behaupten würdest).

Noch schöner fände ich's, wenn Du auch die beteiligten Emotionen Leuten mal zugestehen würdest, anstatt sie in irgendwelche strategisch-selbstbezüglichen Akte umzudeuten.


Daß Du als "Staatsfeind" Dich so vehement für den Rechtsstaat einsetzt, das finde ich ebenfalls gut und richtig. Ist ja sonst immer meine Rolle. Es gibt aber Differenzen zwischen realer Rechtpraxis und den Prinzipien, auf denen der Rechtsstaat beruht. Das war unser anderer Streit. Und es gehört mich zu einer Demokratie, daß man auch reale Rechtspraxis kritisieren darf.

Was Herrn Schäuble betrifft: Ich stecke den überhaupt nicht in eine "rechtsradikale Verschwörungsecke".

Ich sehe aber schon Strategien in CDU/CSU, die in Richtung einer "konservativen revolution" nach US-Vorbild weisen, die ich schlicht inakzeptabel finde. Da tobt zudem ein Kampf darum, was als "deutsch" gilt.

Aber das attackiere ich nicht aus einer SPD-Mitgliedschaft heraus, bin nirgends Mitglied, sondern weil ich's ethisch-moralisch nicht richtig finde und zudem deskriptiv unhaltbar. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Das Verfechten einer universellen Moral ist nicht selbst parteiisch, meine Güte. Die gründet sich auf dem Standpunkt der Unparteilichkeit. Und Rassismus widerspricht dieser. Und im Sinne dieses Landes werde ich auch weiterhin gegen diesen anzuwettern. Da machst Du auch eifrig mit, darüber freue ich mich.

Aber, noch mal das über diesen Empörungs-Eintrag hier hinausgehende Faß kurz aufmachend:

Für mich sind die Aussagen Schäubles und Schöhnbohms ganz unabhängig von den konkreten Vorgängen in Postdam empörend. Du ziehts Dich in dem mir bekannten Äußerungen auf die rechtliche Ebene zurück, was man ja machen kann, solange man auf der Ebene des Falls selbst bleibt.

Das ist gar nicht die Ebene auf der ich hier die ganze Zeit diskutiere - von dem einen Punkt, auf den Du in einem Eintrag reagiert hast, mal abgesehen. Und abgesehen davon, daß - da sind wir uns ja einig - ein Scheiß-Nigger schon ein ziemlich eindeutiger Hinweis auf Rassismus ist.

Das Frappierende sind dennoch die Antworten, die man so erhält die ganze Zeit (Statler ja noch viel heftiger). Wenn man's Scheiße und moralisch falsch findet, daß Schwarze angepöbelt und angegriffen werden, weil sie Schwarze sind, was ja nachweislich häufig vorkommt, behauptet man nunmehr angeblich:

- Daß alle Deutschen Nazis sind
- Daß alle Ostdeutschen Nazis sind
- Ist linksideologisch verblendet

Und:

- leidet unter Verfolgungswahn
- findet es super, wenn türkische Streetgangs "richtige Deutsche" verprügeln

Was is'n das für'n Quatsch alles, bitte? Keine dieser Behauptungen habe ich jemals aufgestellt. Die lesen die Leute da rein.

Den Kontext, wie solche Reaktion zustande kommen und, wie's mir scheint, zumindest von Schäuble, vielleicht auch von Schönbohm geschürt werden, kann man doch nicht einfach ausblenden ...

Das ist hier eigentlich mein Thema. Da geht's mir aber in der Tat um die Sache und die Schicksale von Menschen ... und daß einem das abgesprochen wird, finde ich wirklich unglaublich und unerträglich verletzend.

Nur noch mal zur Klarstellung meinerseits: Wenn ich dich meine, spreche ich dich auch direkt an ;-) Was ich als Gegenposition auf der "linken" Seite aufbaue, ist exemplarisch zu verstehen und nicht konkret auf dich bezogen. Ich weiß ja auch um Noah und kann mir sehr gut vorstellen, dass jemand, der viel näher dran ist am alltäglichen Rassismus, da besonders sensibel reagiert. Es ist ja sehr wohl ein Unterschied, ob man akademisch mit Begriffen jongliert oder tatsächliche Situationen erlebt hat.

(Auch daher) völlig einverstanden, was du zu berechtigter Empörung schreibst. Die ist mir allemal lieber als Verharmlosungsreflexe. Ich möchte bitte auch nicht so verstanden werde, dass ich bei allen, die sich jetzt entsprechend äußern, zunächst mal Unaufrichtigkeit annehme - gerade bei stinknormalen Bloggern, wie wir beide welche sind, nicht. Bei manchen Politikern meine ich die aber zu sehen, und diese - sorry - Instrumentalisierung nervt mich genug, um mich auch ihr zu widmen.

Auch, weil sie die Sache selbst zu diskreditieren droht. Das war ja mein eigentliches Thema: Die Idealisierung des Opfers und die Ausmalung des Tathergangs werden, sobald die Realität mit ihren Grautönen daherkommt, schnell als Beweis dafür verwendet, dass eigentlich gar nichts passiert sei. Das sehen wir gerade bei Statler, wo sogar schon der Begriff "Notwehr" fällt. Übrigens bin ich den von dir zuletzt so kritisierten FdoG wirklich sehr dankbar für die Klarstellung, wer da wen provoziert hat und warum man an Rassismus als Motiv nicht vorbeikommt.

Bei Schäuble kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass der auf das abzielt, was du zu sehen meinst. Aber genauer hinschauen werde ich schon.

Übrigens: Es gibt natürlich keinen Gegensatz zwischen meiner (latenten und prinzipiellen) "Staatsfeindschaft" und der konkreten Forderung, dass der Staat da, wo es ihn nunmal gibt oder sogar geben muss, gefälligst im Gewand eines Rechtsstaats daherzukommen hat.

Na, die Unterscheidung zwischen Politikern und normalen Menschen kann ich schon akzeptieren - wobei ich selbst einer Claudia Roth, die mir persönlich auch zu platt daherredet, zugestehe, daß die Betroffenheit nicht immer nur gespielt ist ... andere, die aus der Karrieristen-Ecke, erscheinen mir manchmal auch wie Aliens.

Den FDOG-Text fand ich hervorragend! Bei allem, was mich bei denen sonst ärgert, da habe ich innerlich applaudiert!

Ja, die Sache mit der Notwehr. Interessant finde ich in dem Zusammenhang die Asymmetrie der Reaktionen. Geht es um die mutmaßlichen Täter, dann heißt es in manchen Kreisen, daß man deren rechtsradikale Gesinnung doch erstmal beweisen müsse und sie auf gar keinen Fall vorschnell verurteilen dürfe.

Aber sobald das Gerücht aufkommt, das Opfer hätte die Täter zuerst beleidigt und angegriffen -- da wird DIESES Gerücht natürlich bereitwillig und sofort geglaubt. Auch eine Art von Selbstentlarvung.

Habe diese Konstruktion mit der Notwehr gerade erst gelesen - das ist wirklich haarsträubend ... und in der Tat selbstentlarvend ... meine Güte ...

@Rayson

Auch ein "Mangel an Empörung" bzw. ein unangemessenes Versachlichen kann problematisch sein.

@MomoRules

Wann ist Empörung repressiv?

Das hängt m.E. von vielen Faktoren ab, u.a.

a) worüber empört wird

b) ob ein redlicher Umgang mit dem Gegenstand der Empörung stattfindet

c) welchen Zweck die Empörung verfolgt

d) wieviel Einsichtsfähigkeit und Dialogbereitschaft damit verbunden ist

ad a)Man kann durchaus illegitime Ziele von Empörung angeben. Ein Beispiel: Eine "Empörung", weil irgendeine zweitrangige Ansicht des Papstes nicht veröffentlicht wurde: machbar, aber illegitim.

Darüber hinaus sollte man im Auge behalten, dass Emotionen eine manipulative Wirkung entfalten können, umso vorsichtiger sollten sie daher m.E. eingesetzt werden. Oft meint der Leser, dass die Empörung (gerade dann, wenn sie umsichtig und eher selten eingesetzt wird), dass die Empörung von subjektiver Redlichkeit geprägt sein kann. Es ist, nicht immer erkennbar, auch möglich, dass Empörung ein lediglich taktisches Mittel ist.

ad b) Das ist der entscheidende Punkt, meine ich. Wird beispielsweise der Gegenstand der Empörung verdreht oder absichtsvoll etwas Wesentliches fortgelassen, dann handelt es sich um eine unredliche Empörung, also vergleichbar mit einem auf Verschweigen beruhenden Betrug in einem Kaufvertrag.

Das aktuelle Beispiel, z.B. beim Blog des Herrn S. ist dies geradezu idealtypisch der Fall. Die entscheidende Passage des von ihm angefeindeten Gegners wurde einfach fortgelassen. Unredlich.

ad c) Wenn die Empörung dazu dient, jemand anderen die Wahrnehmung legitimer Freiheit zu nehmen (z.B. im Bereich der Sexualität) oder dazu, jemand zu stigmatisieren, oder dazu, eine bloße Meinungsäußerung zu delegitimisieren, dann ist seitens von *Liberalen* höchste Aufmerksamkeit geboten.

Im konkreten Fall dient die bewusst verkürzte Darstellung dem Zweck, eine Empörung künstlich herbei zu führen, und die Position des Kritisierten sogar auf den Kopf zu stellen, um den Betreffenden (der offenbar als unangenehm oder villeicht sogar als Bedrohung empfunden wird) damit gezielt zu stigmatisieren.

Das ist pikant, wenn man darüber nachdenkt, wie viel (!) Herrn S. daran liegt, dass seine private und berufliche Identität als Blogbetreiber geschützt und nicht verbreitet wird. Es ist schon ziemlich ungewöhnlich, dass man denjenigen, von dem man sich Rücksicht erhofft, gezielt unfair angeht.

ad d) Auch dieser Punkt ist nicht ohne. Wer sich über jemanden empört, der muss dies mit besonderer Sorgfalt und (!) Fairness tun. Dazu zählt, z.B., wenn dem Ziel der Empörung die Möglichkeit zur Stellungnahme oder Richtigstellung eingeräumt wird.

Herr S. aus B. löscht aber gezielt jede Stellungnahme aus sein Blog! Genauso verhält sich Herr Achim Hecht (übrigens mit dem gleichen Parteibuch), der den monierten Text sogar nochmals gezielt sinnentstellt.

Das ist kein sauberes Fechten mit Argumenten mehr, und auch keine Auseinandersetzung darüber, ob der angesprochene Zusammenhang aus Dialogverweigerung Israels mit dem Verhalten der Gegenseite nun bestehen könnte oder nicht, sondern es ist ausgesprochen unfair.

Als echter Liberaler verdrehe ich nicht gezielt eine Aussage eines politischen Gegners, um dann umso wirkungsvoller darüber herfallen zu können, während ich den Betroffenen keine Möglichkeit der Stellungnahme einräumte.

Das sind vielmehr kommunistische Kampfmethoden, wie sie - in größeren Maßstab - typisch sind z.B. den Umgang von totalitären Regimen mit Kritikern. Empörung wird hier zur taktischen Show, zur gezielten Unredlichkeit, zum politischen Kampfmittel.

Der Liberale erweist sich hingegen gerade im fairen Umgang abweichenden Ansichten und Kritik!

Die Formulierung "daß Empörung so eine Art psychologischer Masturbation" passt auf das konkrete Beispiel und zeigt eine weitere Dimension:

e) inwieweit Empörung einer Selbstbestätigung dient.

Das hängt wiederum mit d) zusammen, meine ich. Das heißt, Empörung ohne Dialogbereitschaft deutet ggf. auf den eventuell **masturbierenden Charakter** von Empörung hin, jedenfalls dann, wenn ein Dialog prinzipiell und leicht möglich wäre, jedoch abgewiesen wird.

@momoRules & Rayson
Rayson hat an dieser Stelle m.E. auch völlig recht, wenn er im Zusammenhang mit klassisch radikallinker Empörungskultur den Begriff "Inszenierung" verwendet.

Nur täuscht sich Rayson m.E. gewaltig, wenn er meint oder vermutet, dass dieses Manipulative bzw. Papageienartige einer Empörungskultur auf bestimmte Gruppen beschränkt ist, z.B. auf Radikallinke oder auf die ihm verhassten "Gutmenschen" (wer auch immer das konkret sein soll).

Übrigens: Auch im Begriff "Gutmensch" steckt bereits ein Moment der Empörung drin, die Empörung über "die" Gutmenschen.

Anders gesagt und hier parallel laufend mit der mir gut vertrauten Bibel: Man sollte wohl dort, wo man wertet, ganz besonders sorgfältig vorgehen, auch dann, wenn man mit sprachlichen Begriffen wertet (pejorativ oder euphemistisch). Je stärker dieser Wertungsaspekt ist, je intensiver die implizite Wertung Empörungsniveau erreicht, umso bedächtiger und präziser sollte man Begriffe einsetzen.

Das betrifft natürlch erst recht Begriffe wie "Rassist". Bei den Brandenburger Vorgängen kommt man daran leider nicht vorbei (oder hören Nicht-Rassisten die inzwischen verbotene Musikband Landser?)

P.S.
Schlussinfo: Ich habe an keiner Stelle ein Selbstmordattentat als **legitimen Akt der Selbstverteidigung** dargestellt. Im Gegenteil.

Ich halte diese rechtsliberale Inszenierung für niederträchtig. Würde ich von dieser Seite anständiges Verhalten erwarten, müsste ich wohl empört sein...

@Dean

Was ist denn "unangemessenes Versachlichen"? Für mich klingt das nach einem Oxymoron.

Übrigens: Ich empfinde keinen Hass. Auch nicht gegenüber "Gutmenschen". Es ist nur nützlich, dieses Verhalten als solches identifizieren zu können, wo es auftritt.

Ach ja, und andere als "Rechtsliberale" in die Nähe Hitlers zu rücken und zu deren "Bekämpfung" aufzurufen, das würde dir als Liberalem, der "ganz besonders sorgfältig vorgeht", natürlich nie in den Sinn kommen. Schon klar. Aber denk dran: Selbstheiligsprechungen gibt es leider nicht - die einen brauchen dazu den Papst, die anderen kennen keine Heiligen. Dumm gelaufen.

Ach ja, Dean, der alter Stalker, droht mal wieder damit, die zivile Identität anderer Blogger zu veröffentlichen. So kennen wir ihn. Selbst für sich völlige Anonymität beanspruchen, aber anderen auch mal mit Kampagnen gegen ihre Karrieren drohen. Beim Fonzi in der Kommentarsektion. Wenn man glaubt, unser seinesgleichen zu sein.

Sie sind schon eine ziemlich arme Sau, Dean.

Ach ja: Tut mir leid, MomoRules, daß ich jetzt gewissermaßen auf Deinen virtuellen Teppich erbrochen habe.

Aber manche Dinge müssen halt geschrieben werden.

Wenn ich die tiefe historische Schuld des Rechtsliberalismus beschreibe sowie seine Mängel für Gegenwart und Zukunft, dann wäre ich erstaunt, wenn mir Rayson darin folgen würde.

Was die historische Bewertung angeht, bin ich mir recht sicher, dass hier akkurat geurteilt wurde. Denn unter den Steigbügelhaltern Hitlers befanden sich nun wirklich auffällig viele Rechtsliberale.

Das lässt sich nicht schön reden, Rayson.

Das lässt sich nicht schön reden, Rayson.

Brauche ich auch nicht. Ich gehe aber komischerweise davon aus, dass außer der SPD auch noch andere Parteien und Bekenntnisse auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Auch wenn du gerne etwas anderes suggerieren möchtest. Wie ich sowas finde, sage ich aus Rücksicht auf den Gastgeber lieber nicht.

Hier war ja noch richtig was los gestern abend ...

@Dr. Dean:

- Zur Empörung: Wie oben auseinandergenommen, bezieht sich - bzw. Tugendhat schreibt "baut auf auf" - Empörung auf ein moralisches Urteil, das prinzipiell der rationalen Diskussion zugänglich ist. Wenn einem ein bestimmter Typus von Moral nicht paßt, z.B. die päpstliche Sexualmoral, von mir aus auch "nationales Ehrgefühl" oder wasweißich, dann kann man da mit guten Gründen gegen angehen und in diesem konkreten Fall auch selbst über diese empört sein.

Da ist dann nicht die Empörung selbst repressiv, sondern ggf. die Moral als solche, in diesem Fall die päpstliche, nicht die liberale, was für letztere spricht und schon mal ein Unterschied zwischen modern und vormodern ist.

Das alles ist aber kein Grund, die Gefühle anderer Leute nicht zu respektieren oder sie zu mißachten, ja, gar auf strategische Operationen zu reduzieren. Selbst so Irre wie dieser Luc, der überall nur noch Ossi-Haß wittert und deshalb jeden Rassismus-Hinweis als Ossi-Diffamierung interpretiert, hat man doch in ihrer Empörung ernst zu nehmen, allerdings auch wirklich nur in dieser. Das sagt nämlich viel über den Umgang mit Ossis aus, gerade auch auf linker Seite, und da ist noch was zu tun. Selbst diese rassistischen Drecksäcke da in Statlers Kommentaren - wenn man anfängt, rumzugrübeln, woraus deren Empörung sich speist, findet man ja vielleicht irgendwann Antworten in politischer Hinsicht, die zwar mit Sicherheit nicht in deren Sinne sind (alle ausweisen!), aber dieses groteske Gefühl der Benachteiligung vielleicht mal ein wenig mindern.

- Zu dem Hamas-Beispiel: Ich meinte damit nicht Deinen Kommentar bei Che, sondern eine Diskussion rund um legitime und illegtime Gewalt, die ich mit Statler mal geführt habe. Irgendwann hat er dann sinngemäß nur noch gesagt: "Mich empören die Appeaser aber!", was ich als Reaktion zwar so nicht in allen Fälle teile, was ich aber völlig respektabel finde. Es hat doch jeder gleichermaßen das Recht auf Empörung, meine Güte.

Ist mir lieber als diese Inszenierung rationaler Abgeklärtheit bei Schäuble z.B. . ES GEHT UM WAS, das signalisiert Empörung. Statler schreibt bei moralischen Fragen oft sehr emotional, ich finde das gut, solange man die begleitende, rationale Diskussion über die zugrunde liegen, moralischen Beurteilungsstandards nicht außen vor läßt und den anderen nur noch moralisch zu diskreditieren versucht mit Mitteln der moralisierenden Empörung. Das passiert uns aber allen ständig, aber solange man's noch merkt ...

- Die Frage der Anonymität: Ich finde es völlig daneben, diese mittels blöder Anspielungen überhaupt in eine Diskussion einzubringen. Die steht hier im Netz jedem, der parallel eine e-mail-Adresse angibt, schlicht zu. Diese "Ich weiß, wer Du bist!"-Nummer ist ganz üble Machtrhetorik und im klassischen Sinne denunziatorisch.

- Die Frage, ob Kommentare gelöscht werden: Keine Ahnung.

- Die Frage nach der "historischen Schuld der Rechtsliberalen": Man kann da historisch sehr viel zu sagen, ich habe ja auch dezidiert andere Positionen als eine Reduktion des Liberalismus auf "Mehr Markt, weniger Demokratie".

Aber so, wie Du das Argument aufbereitest, ist's doch strukturell analog zu diesem dämlichen Vorwurf, daß jeder, der linkspolitische Positionen vertritt, sich dann erst mal für Mao und Stalin rechtfertigen muß.Nee, muß er nicht. Er sollte nur versuchen, aus der Hsotorie zu lernen und so möglichst jene Elemente, die Mao und Stalin zu Massenmördern werden ließ, nicht vertreten (KULTURREVOLUTION, Herr Lammert).

Ich finde es außerordentlich wichtig, gerade den Beitrag von Großindustriellen, Rechts- und Nationalliberalen etc. zum 3. Reich immer wieder zu betonen, allein schon, um diese sachlich falsche Gleichsetzung von links und rechts mal wieder gerade zu rücken.

Deshalb lastet jedoch noch lange nicht irgendeine "historische Schuld" auf den Schultern von Rayson, Statler oder Jo@chim, das ist nun echt Blödsinn. Ich finde, die müssen sich der Debatte stellen, was denn für eine Gesellschaft dabei rauskäme, wenn man ihre politischen Vorstellungen denn umsetzen würde. Meiner Ansicht nach ist das Ergebnis ja auch ein totalitäres Modell, nur daß dann eben Großinstitutionen das Sagen haben, die wahrscheinlich niemand in Lager sperren, sondern stattdessen in Favellas verhungern lassen. Und evtl. käme wie in den USA eine rege, privatisierte Knast-Kultur dabei raus. Dieser wirtschaftsliberale Idealismus, daß alles automatisch gut würde, ist meiner Ansicht nach falsch - aber gerade Rayson und Statler stellen sich dieser Diskussion

Ebenso ist Diskussionsfeld, wieso sie in bestimmten Feldern eine Moral in Anspruch nehmen, die in wirtschaftlichen Feldern dann plötzlich nicht mehr gelten soll. Die können Assymetrie nur in der Staat-Indiduum-relation denken, und das ist eben engstirnig.

Aber gerade die aktuelle Rassismus -Debatte zeigt doch, daß die in die rechten Ecke im klassischen Sinne nun wirklich nicht zu stellen sind.

Selbst Raysons gelegentlich zu Tage tretenden, konservativen Untertöne sind nun wirklich außerordentlich moderat, und im Gegensatz zu wirklich Rechten ist er der rationalen Diskussion von kurzen Wutanfällen gegenüber dem Islam mal abgesehen, nun wirklich immer zugänglich.

Und das alleine ist ein Gegensatz um's Ganze und das Gegenteil des brachialen Konservatismus, der Traditionen in repressiver und ausgrenzender Absicht absolut setzt.

Also, bleib mal auf dem Teppich und hau lieber denen auf die Glocke, die's wirklich verdient haben. In bestimmten Hinsichten sind wir uns alle sehr einig, und das sind Hinsichten, die ich persönlich aktuell für politisch ungeheuer wichtig halte.

Wieso Jo@achim allerdings die Debatte um die "Liberals" einfach abgebrochen hat, das frage ich mich dann auch ...

Danke für die gnädige Behandlung :-)

Aber wieso "Wutanfälle gegenüber dem Islam"? Wütend machen kann mich höchstens eine Kombination von Dummheit, Arroganz und vor allem Machtanspruch.

@Rayson: Ich erinnere mich nur an einen Anfall, als ich wagte, den Islam als ein spirituelles Angebot unter anderen zu behaupten. Da wurde ich dann für Todesstrafe und wasweißichnochallesbösegemeineundverwerfliche verantwortlich gemacht ...

Abgesehen davon: Dann hast den ollen Kohl genau so verabscheut wie ich?

Kann mich an den von dir zitierten Anfall nicht erinnern. Wäre auch nicht typisch für meine Ansicht, da ich gegen den Islam als "spirituelles Angebot" überhaupt nichts habe, wohl aber was gegen dessen (macht)politischen Anspruch. Muslimische Reformer pflege ich lobend, aber mit wenig Hoffnung zu erwähnen.

Kohl war nicht dumm (kann jemand, der Kanzler wird, auch gar nicht sein), nur ein wenig größenwahnsinnig in der letzten Hälfte seiner Amtszeit. Seine ökonomische Blindheit hat mich zwar immer genervt, aber so wird und bleibt man bei uns eben oben.

1. "Inszenierung rationaler Abgeklärtheit"

Eine schöne 3-Wort-Kombination.

Insofern sind wir uns einig, dass Authentizität der Empörung wichtig ist. Wobei mir gerade auffällt, dass ein fanatisches oder vorschnelles "ich-empöre-mich" trotz aller Authentizität auch nicht unbedingt von großem Wert ist.

Vergleicht man, so kann man bei "inzenierter rationaler Abgeklärtheit" fragen, inwieweit tatsächlich Rationalität dahinter steht, oder nur eine bestimmte Verkaufe.

Trotzdem ist mir inszenierte Abgeklärtheit oft lieber als z.B. teilinszenierte Aufgeregtheit (was ich übrigens als "typisch links" empfinde), wobei ich die Bewertung davon abhängig mache, inwieweit der "Empörte" bzw. der "Rationale" am Ende Rationalität und im Fall eines echten Konflikts einem Ausgleich zugänglich ist.

Anders gesagt: Wäre der "inszeniert rational Abgeklärte" letzlich borniert bzw. handelt er strategisch-manipulativ, dann ist mir jemand deutlich lieber, der vorschnell Anzeichen von Aufgeregtheit und Empörung zeigt, dafür dann aber "eine ehrliche Haut" ist und überdies auch noch zugänglich ist.

Im politischen Meinungskampf dürfte Letzteres meist nur ein frommer Wunsch sein.

2. "üble Machtrhetorik"

Guter Hieb, aber zweischneidig, nicht nur, weil darin ein Stück weit die implizite Annahme steht, dass ein Zustand völliger Machtlosigkeit besser wäre. Das könnte man bestreiten.

Zur Sache: Ich meine, mein Argument ist gut nachvollziehbar, dass ich allgemein erwarte, im konkreten Fall auch wirklich erwarten darf, dass man meine Äußerungen nicht zugleich

a) sinnentstellend (!) und zum Zweck einer Stigmatisierung wiedergibt

und

b) mir keinen Raum zur Richtigstellung einräumt.

Das ist schuftig.

Und es ist in meinen Augen keine unanständige "Machtrhetorik", wenn ich den edlen Herren darauf hinweise, dass er von mir Fairness erwartet.

3. "historische Schuld"

Ich finde fast schon lustig, wenn sich einige *heutige* Rechtsliberale davon intim angesprochen fühlen. Eigentlich ist das ganz gut so. Das werde ich noch begründen. Davon ab, Rayson ist für mich ein Halbrechtsliberaler, und Statler ein Dreiviertelrechtsliberaler...

Aber es steckt nun einmal ein wahrer Kern im Vorwurf historischer Schuld, sofern dieser sich gegen den Rechtsliberalismus richtet. Es ist notwendig und überfällig, dass sich Rechtsliberale mit dieser historschen Schuld auseinandersetzen.

Überfällig.

=>Zumal in einer historischen Situation, wo der Rechtsliberalismus erneut in Richtung Sozialdarwinismus abzugleiten droht.<=

Und im Fall von Linken (z.B.: "Stalinismus"), da erwarte ich ja auch, sofern sie ernst genommen werden möchten, eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Im Fall von Hardcore-Linken erwarte ich ein intensives "Verdauen" der historischen Schuld an verschieden totalitären Erscheinugen, ein erfolgreiches Bewältigen und Auseinandersetzen mit der Schuld, die z.B. mit bestimmten politischen Kampf- und Herrschaftsformen verbunden ist.

Ein Hardcore-Linker, der das nicht zu leisten in der Lage ist, der ist in seiner Ideologie eine lächerliche Person. Meine ich.

4. "Selbst Raysons gelegentlich zu Tage tretenden, konservativen Untertöne sind nun wirklich außerordentlich moderat, und im Gegensatz zu wirklich Rechten ist er der rationalen Diskussion von kurzen Wutanfällen gegenüber dem Islam mal abgesehen, nun wirklich immer zugänglich."

Richtig.

Rayson kann man nicht genug loben, z.B. für seine Diskussionsbereitschaft, und auch für seine geistige Offenheit.

5. "Die können Assymetrie nur in der Staat-Indiduum-relation denken, und das ist eben engstirnig."

Genau.

Ich halte es sogar für gefährlich (sobald es soziales/staatliches Handeln bestimmt), wenn jegliche Gedanken abgewehrt werden, dass es auch andere wichtige Assymetrien bzw. Quellen von Unfreiheit gibt.

(Randbemerkung: Hier haben wir es mit dem Abwehrcharakter von Ideologien zu tun.)

Auf diese verkürzende Weise deformiert sich ein scheinbar konsequenter Wirtschaftsliberalismus in eine unfreiheitliche Ideologie, in eine Ideologie, welche in erster Linie für die Durchsetzung elitärer Interessen steht, und sich m.E. in und aus dieser Perspektive verzerrt.

6. "Aber gerade die aktuelle Rassismus -Debatte zeigt doch, daß die in die rechten Ecke im klassischen Sinne nun wirklich nicht zu stellen sind."

Ich war von Statlers Statement hier positiv überrascht.

Rechtsliberalismus ist indes nicht unbedingt deshalb rechts, weil er klassische rechte Positionen einnimmt. Sobald ein Liberalismus sich zum Instrument von Besserverdienenden oder reinen Wirtschaftsinteressen macht, fehlt diesem Liberalismus Entscheidendes.

Er ist dann nicht nur gesellschaftlich und sozial ent-kernt, sondern auch sein eigentlicher Kern ist ausgehöhlt, nämlich der Begriff der Freiheit.

Rechtsliberale sind keine Rechtsextremisten (mitunter gibt es sogar das), aber sie verstehen sich selbst zumeist als dezidiert "anti-links", und praktizieren einen gegen linken Positionen pauschal feindseligen Liberalismus bzw. "Liberalismus", welcher die wesentliche Inhalte des Freiheitsbegriffes und sogar die Mehrheit der Bevölkerung aus dam Auge verliert, teils sogar so weit, dass von einem Primat des Privateigentums z.B. gegenüber jeglicher Demokratie gesprochen wird.

Das wird in rechtsliberalen Diskursen tatsächlich diskutiert.

Geht es um klassische Positionen wie z.B. zur Meinungsfreiheit, wenn diese z.B. durch Wirtschaftsinteressen bedroht wird (Stichwort Abmahnunwesen), dann zeichnen sich typische Rechtsliberale in diesen Fragen i.d.R. mit auffälligen Desinteresse (!) aus.

Auch Sympathien für extremistische Konservative (z.B. Nähe zu PI) zeigen m.E. relativ klar, wo sie ihre Bündnisgenossen vermuten und daher auch, dass diese Rechtsliberalen "rechts" sind.

Im Rahmen des liberalen Spektrums sind sie rechts.

@Rayson: Ich fand Kohl immer eher bauernschlau und instinktsicher ... aber unerträglich arrogant dabei ...

@Dr. Dean:

Ich glaube, das meiste kann man so als Statements stehen lassen? In unserer Kritik eines auf "Wirtschaft" verengten Liberalismus sowie auch hinsichtlich der Kritik spezifischer Weisen des linken Denkens haben wir auch wirklich kaum Differenzen ... und diese braune Sauce in Blogs wie PI und wie sie alle heißen, daß man sich damit auseinander setzen mag, das verstehe ich ja auch immer nicht. Ich geh da alle 2 Monate mal drauf und krieg mich dann gar nicht mehr ein.

Aber da sind aktuell die Differenzen zwischen dem liberalen Lager im allgemeinen und denen da am ganz rechten Rand zum Glück geradezu überdeutlich geworden ... habe mich über die Einträge bei den FDOG, die ich teilweise sehr problematisch finde, bei Statler, beim Antibürokratieteam und auch bei Rayson, weil da letztlich die gleiche Intention dahinter stand und Differenzierungen immher sehr wohl tun, wirklich richtig gefreut.

Schon das erste Wort - Trendy - geht mir auf den Sack. Es suggeriert, dass sich der Gegner auf Handyklingeltonniveau befindet. Wobei der Gegner ohnehin nur ein Strohmann ist, auf den eingedroschen wird. Wer sollte schon Empörung oder Kultur als etwas Unsittliches klassifizieren? In meinen Augen bedeutet der Begriff "Empörungskultur" ein Aktionismus, der ohne wirkliche Empörung auskommt. Woher soll die auch kommen? Eine rein emotionale Empörung bleibt doch nur den unmittelbar Betroffenen, den Verwandten und engen Freudeskreis, vorbehalten. Alle anderen haben i.R. eine zu große Distanz zum Auslöser, sie sind nicht wirklich emotional beteiligt. Auch wenn letzteres nicht absolut gilt, so dürfte das Ausmaß der emotionalen Beteiligung der Ehefrau von Ermyas M. um zig Größenordnungen größer sein als eines x-beliebigen BRD-Bürgers. Daraus folgt für mich, dass noch ganz andere Motive - und nicht nur edle - erheblich zur Empörungskultur beitragen.

Da wäre zum einen natürlich das rationale Kalkül, also grob gesagt die Einschüchterung der Rassisten, indem man ihnen sagt: "Wir verachten euch!". Das ist zwar ehrbar, aber man sollte diese Möglichkeit nicht überschätzen.
Zum zweiten einfach schlicht Mitläufertum, man hat Angst mit "seiner Empörung" zu spät zu kommen und in Fällen wo es gegen das Böse geht - Rassismus - kann mitschreien nicht schaden. Aber das gefällt mir schon weniger und klingt nach dem Witz: "Der Feldwebel brüllt 'Freiwillige einen Schritt vor' und einige machen konzertiert einen Schritt nach hinten. Und die Stehengebliebenen haben den Scheiß an der Backe." - Hiervon sind insbesondere Politiker betroffen.
Als Drittes kommt die politische Agenda, hier trommeln natürlich die Linksextremen am lautesten und treiben die Meute (von links nach rechts) vor sich her. Irgendwo im politischen Spektrum lässt sich die Meute nicht mehr treiben, spätestens bei den Konservativen. Und alle die sich nicht treiben lassen sind natürlich verkappte Rassisten. Damit wird Rassismus zur Frage des politischen Lagers gemacht. Dabei ist doch jeder demokratisch und freiheitlich gesinnte Mensch automatischen gegen Rassismus, und nicht etwas umgekehrt: dass das lauteste Schreien "Ekliger Rassismus" den Demokraten und Freiheitsliebenden ausmacht. Gegen Rassismus zu protestieren nützt den demokratisch und freiheitlich gesinnten Menschen in den Augen der Linksextremen (oder der gar nicht so extremen?) auch nichts, entsprechende Bemühungen werden da gering geschätzt. Wie heißt es so schön in einem Liedtext: "Was nützt uns der Aufstand der Anständigen, was wir brauchen ist ein anständiger Aufstand." (aus dem Kopf zitiert). In dem Augenblick indem 80 Mio. Bürger gegen Rassismus aufstehen, ist das schon nicht mehr gut genug.

Es geht mir also gar nicht darum Empörung abzuqualifizieren oder aufzuwerten. Aber ich behaupte: von wirklicher Empörung wollen wir oft gar nichts wissen. Ein Beispiel: Ein einschlägig vorbestrafter Päderast mißbraucht einen Schuljungen. Die Eltern machen ihrer Empörung Luft und kritisieren die zu lasche Justiz und wünschen allen Schwulen die Hölle. Obwohl wir den Groll der Eltern verstehen können, wollen wir so etwas nicht wirklich hören. Solche Aussagen würden meistens auch nicht durch die Medien wiedergegeben. Braucht es deswegen einer künstlichen, gefilterten, inszenierten, politisch korrekten Empörung?

Im Großen und Ganzen stimme ich ja Rayson (Link) zu, seine Postionen sind für mich akzeptabel, aber seine Kommentare sind zu devot für meinen Geschmack :-) Ich will keinen Krawall hier machen, aber ein bisschen mehr Reibung darf es schon sein ;-)
Link: http://www.bissige-liberale.com/2006/04/23/ein-opfer-die-politik-und-der-rechtsstaat/
P.S.
Ganz kann ich mir doch nicht verkneifen im Potsdamer Fall zu relativieren, auch wenn die "Diskussion" bei Statler etwas ausgeartet ist (Stichwort: Notwehr) und ich es befremdlich finde, dass mancher an Verschwörung glaubt wenn der Staatsanwalt nur einen (angeblich) gekürzten Mitschnitt des Handygesprächs veröffentlicht. Nun zur Relativierung: in den USA scheint das Wort "Nigger" vom rassistischen zum allgemeinen Schimpfwort zu werden - dem Rap sei Dank. Zugegeben: ein Weisser darf einen Weisen Nigger nennen, analog ein Schwarzer einen Schwarzen, aber natürlich nicht der Weisse den Schwarzen. Aber sagt das nicht auch etwas aus? (abseits üblicher Erklärungen)

P.P.S.
Leute die lange Texte schreiben, sollten auch lesen können. Daher meine Bitte: nicht aus dem Kontext reißen (Stichwort: destruktive Linke). Und auch mir fällt es manchmal schwer das alte Wikipedia Motto zu beherzigen: "assume good faith"

@: Klaus, nichts ist mir lieber, als Dir auf den Sack zu gehen oder Deine Zustimmung nicht zu erhalten ...

... und nun schalten wir um zu den Argumenten ...

Wenn ich sehe, wie andere immer wieder versuchen, einen Popanz aufzubauen, dann werden Differenzierungen für mich noch wichtiger.

Gerade bei dir, Dean, erlebe ich immer wieder die seltsame Eigenart, in Diskussionen nicht auf das einzugehen, was vor dir konkret geäußert wurde, sondern über willkürliche Gruppenzuordnungen dir die Meinungen selbst zurechtzubasteln, die du dann "empörend" finden kannst. Die in meinen Augen lächerliche "Rechtsliberale und Wirtschaftsliberale bekämpfen"-Geschichte passt da wunderbar ins Bild.

Ich fühle mich von deiner Nummer mit der "historischen Schuld" allerdings nicht angesprochen. Da reden wir nämlich über das Verhalten ganz konkreter Menschen, das z.T. auch unter Druck herbeigeführt wurde. Beispielsweise hat auch das Zentrum damals zugestimmt, aber trotzdem waren in den erzkatholischen Gebieten vergleichsweise wenig Sympathien für Nazis anzutreffen. Diese Stiegler-Methode hat sowieso einen schlechten, gutmenschlichen Beigeschmack, weil sich da offensichtlich einige Deutsche über das politisch richtige Bekenntnis aus ihrer eigenen historischen Verantwortung stehlen wollen, wie das ja auch schon DDR-Staatsdoktrin war, während sie anderen ein passendes Etikett verpassen und zur Buße in die Ecke stellen möchten. Dean, werde endlich mal konkret und greif konkrete in den von dir angegriffenen Blogs (und bitte nicht PI oder F&F, da bin ich ganz bei MomoRules, das ist wie Bildzeitung blöd finden) geäußerte Positionen auf statt aus irgendeinem Schlagwort eine virtuelle zu kreieren. Sonst bleiben deine Anwürfe reine Luftnummern.

Lächerlich an der Sache ist, wie sich gewisse Linke erst ein Zerrbild von den Positionen der Liberalen zusammenzimmern und das dann als Beweis für irgendwelche Zusammenhänge und Allianzen verwenden wollen. Man nennt das wohl Argumentation mit dem zu Beweisenden. Wenn wir auf diesem Niveau unterhalb der Grasnarbe weitermachen wollen, werde ich dann das tun, was auch MomoRules schon als ebenso sinnfrei erkannt hat, nämlich den Linken ihren Stalin vorhalten. Eine Scheinargumentationskette von der Güte "Sozialdarwinismus" kriege ich allemal hin, dank Hayek.

Dass Liberale heute eher "anti-links" sind, hat mit der konkreten Situation zu tun, in der sie leben bzw. aufgewachsen sind. Wer den heutigen Wohlfahrtsstaat für eine Fehlentwicklung im mehrfachen Sinn hält, gerät zwangsläufig in Konflikt zu dem linkem Denken, das diesen hervorgebracht hat. Liberalimus lässt sich übrigens nicht über Mehrheiten definieren, auch wenn ich angesichts der neuesten Umfrage zu "Perspektive Deutschland" den Wunsch der Linken nach der Gültigkeit dieses "Arguments" verstehen kann. Ist vielleicht auch nur ein Denkfehler - während die Linke darauf angewiesen ist, die gesamte Gesellschaft zu erlösen, zu heilen oder zu bekehren, ist der Gipfel des liberalen Widerstands die Bitte nach der Gewährung des Sezessionsrechts.

Ich halte es auch nicht für sinnvoll, Meinungen nach dem einzuordnen, wozu sie sich äußern und wozu nicht, nach dem Motto "Schweigen ist Zustimmung". Sonst wimmelt es bei linken Blogs plötzlich von Völkermördern, wenn ich das Thema "Darfur" zur Sprache bringe.

Ob Dean mich nun einen fünfzehnsechzehntel oder achtsiebzehntel Rechtsliberalen nennt, ist mir sowas von kürbisegal, das finde ich eher belustigend. Schubladen behindern mehr den, der sie braucht.

@MomoRules

Diese Charakterisierung von Kohl würde ich auch unterschreiben. Und Schröder war Rotkohl.

@Klaus

Das vereinfachende Einordnen in die bereitliegenden Feindbilder ist aber eben nicht den Linken vorbehalten. In den Kommentaren zu Statlers Beitrag finden sich ebensolche Versuche von der anderen Seite.

Danke übrigens: zu devotes Verhalten hat mir lange keiner mehr vorgehalten ;-) Gegenüber wem eigentlich?

@ Rayson
Ich habe auch nichts Gegenteiliges behauptet. Mein Fokus lag lediglich auf der Linken und dem Rassismus bzw. Antirassismus/Antifaschismus. Auch wenn mich die Kommentare bei Statler zunächst überrascht haben, so bin ich doch nicht generell überrascht. Diese Argumentationsweise wird von Leuten gespeist, obwohl ich diesen Leuten nicht voreilig das Etikett Faschist/Rassist dranheften würde, die schon in den letzten Jahren oft sagten: "Haltet den Deutschen doch nicht immer die Naziverbrechen vor, lasst mal Gras drüber wachsen", um im nächsten Moment zu sagen: "Die Bombadierung von Dresden vergessen wir nie!".

Der Unterschied liegt, glaube ich, das die Feindbilder der Linken mehr in den Medien vertreten ist und daher erfolgreicher scheint. Auch die Intellektuellen neigen zu einer linken Sicht, dies aber ist weniger Ausdruck von Intelligenz, sondern hat mehr mit sowjetischer Propaganda und Desinformation aus alten Tagen zu tun. Hierin gebe ich ESR recht mit seinen Betrachtungen zum Suizidalismus.

@Klaus: Vorab - den Link fand ich sogar ganz lustig bzw. sogar erhellend.

Wenn Du irgendwann dazu übergehen solltest, z.B. in mir nicht Diskursmechanismen von "die Linke" im Allgemeinen zu wittern, die ich im übrigen auch falsch bzw. halbwahr beschrieben sehe, dann diskutiere ich auch wieder mit.

Ansonsten mußt Du Dir schon 'nen Pseudonym zulegen, dann merke ich's ja nicht, mit wem ich da rede ... wobei in der Tat die Reichweite moralischer Gefühle ein wichtiger Punkt ist. Und glaube mir vielleicht einfach mal, daß mich das eine oder andere wirklich sehr empört, selbst wenn es im Iran, in Postdam oder in Moskau passiert.

@ MomoRules
Ok, ab sofort ist MomoRules ausgenommen wenn ich pauschal von "der Linken" spreche ;-)

Allerdings, wenn man "der Linken" alles wegnimmt, was sie durch falsche Diskursmechanismen aufgebaut hat und zur Kenntnis nimmt, dass ihr ohnehin spätestens seit der Wende alle Felle davongeschwommen sind, bleibt nur noch sehr wenig übrig. Währenddessen wenn man bei Liberalen genauso vorgeht (schließlich haben auch Liberale Vorurteile und ziehen gelegentlich falsche Schlüsse) bleibt immer noch ein solides Gerüst übrig, und dabei kann der Liberalismus noch locker das assimilieren, was oben bei den Linken noch übrig geblieben ist. Deshalb hat der Liberalismus für mich mittlerweile ein größeres Sexappeal.

Was die Reichweite der moralischen Gefühle anbelangt, die ja in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sich vergrößerte, bin ich einerseits pessimistisch, nämlich, dass die im 21. Jahrhundert wieder kollabierenen könnte, andererseits müssen diese zum Großteil rational hergeleitet werden (und somit sind es keine Gefühle) und können daher in Zukunft wieder mit den Religionen kollidieren (und die Kurzweilsche Beschleunigung der Beschleunigung des technologischen Fortschritts und exponentielle Wachstum des Wissens über die Biologie des Menschen wird der Sache zusätzliche Sprengkraft verleihen)

@Klaus: Ich finde, daß es sowohl in der Linken als auch bei Liberalen viele Elemente gibt, die sogar ganz gut zueinander passen.

Diese etwas boshafte Konstruktion "der Linken" auf liberaler Seite haut ja immer nur in Randbereichen hin - ebenso, wie die nicht minder boshafte Kosntruktion auf linker Seite der "raffgierigen Liberalen" entscheidendes ignoriert, nämlich das Konzept starker Individualrechte.

Aber da ist ja seit Jahrzehnten auch viel in Bewegung, die ganze Rawls-Habermas-Schiene baut auf diesem Konzept der Rechte auf, was sich bisher allerdings so richtig nur in Ansätzen bei den Grünen in den Parteien wiederfindet.

Von der WASG bin ich ich schwer enttäuscht, da hatte ich mir was erhofft. Aber das von Dir verlinkte da oben ist ja nicht nur lustig und erhellend, sonder auch ziemlich scheußlich ... das kommt dabei raus, wenn man sich auf "Globalisierungskritik" reduziert.

Zur Empörung: Da habe ich im Eintrag selbst schon beantwortet, was Du zuletzt geschrieben hast. Lies es Dir noch mal durch. Auch, wenn Du den Einstieg nicht magst ...

Jegliche Empörung in strategische Operationen zur Selbstwertgewinnung umzudeuteln - nee, das geht nicht und stimmt nicht. Man hat auch Demonstranten in Postdam Aufrichtigkeit zu unterstellen ... sonst kann man in der Tat jedes Gespräch einstellen und stattdessen dem Militär das Regieren überlassen.

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