" /> Metalust & Subdiskurse: April 2007 Archive

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29.04.07

Eventkultur

Manchmal wacht man morgens unfreiwillig auf und fragt sich, ob gleich auch noch der Wallkürenritt einsetzt. Zum Hubschrauber-Sound, meine ich. Der sich Stunden nur unerheblich von meiner Wohnung entfernt festgesetzt hat, der TV-Hubschrauber, vielleicht auch der Verkehrsüberwachungshubschrauber, und Krach macht. Hanse-Marathon! Auch eines dieser Drecks-Events, um die Leute von der Revolution abzuhalten. Ist eh so ein Sport für Joschka-Fischer-Typen, die erst mal 40 km laufen müssen, bevor sie dann irgendwas finden, was sie für sich selbst halten. Berauschen kann man sich nun wirklich auch einfacher und spaßiger. Kommt mir immer vor, als sei diese "Durstrecken überwinden", "ausdauernd sein" usw., was in diesem Treiben für Ausgemergelte als Moral dann mitläuft, einer dieser ekligen Ideologieträger. Einsam in der Masse mitlaufen, und das nennt man dann neuerdings Individualismus, wenn das Zehntausende tun. Da lob ich mir doch gute alte Mannschaftsportarten, bei denen man sich, zusehend, kräftig besaufen kann, um den Bierbauch zu hegen und zu pflegen. Diese Marathonläufer haben auch weder stramme Waden noch Leichtathleten-Bodies und gucken stumpf, während sie sich einbilden, gerade eine tolle Erfahrung zu machen. Irgendwie sieht ein Marathonlauf immer aus, wie der Arbeitsmarkt aussehen würde, wenn er denn aussehen würde. Auch wenn da natürlich längere Beschäftigungsstrecken mittlerweile out sind. Trotzdem: Ähnlich unsexy halt.

Und jetzt stürmen gleich wieder debile Touristenhorden meinen Park, um den herum diese Nacktschneckenbande sich geschleimt hat, wobei in solchen Fällen Touristenhorden mit lauter komischen Dingen Geräusche machen, nur weil da gerade lauter Leute vorbeilaufen, und ich kann meinen Hund nicht laufen lassen. Dabei macht der's richtig: Ein paar Minuten wilde Runden drehen, explodieren, und dann lieber in den Schatten legen und einfach nur gucken. Ich liebe meinen Hund.

28.04.07

Spizznreida, Spizznreida, hey, hey: Hallelujah, sing a Song! Und der heißt: You'll never walk alone ...

Es gibt ja so Spiele, da singt und ruft und feuert an auch das Haupttribünenpublikum, als hinge das je eigene Leben davon ab. Das gestern war so eines. Da waren mehr Emotionen im Stadion, als andere Menschen sie in 20 Jahren Eheleben so erleben. Die wollen dann einfach nur sitzen - wir sind aufgesprungen! Immer wieder!

Wat ein starker Gegner in Halbzeit 1! Rot-Weiß-Ahlen, entparfümierte Provinztruppe - clever, aggressiv. gemeingefährlich. Respekt, das beste Team, das ich bisher so als Gast in dieser Saison am Millerntor gesehen habe.

Aber dann kam in Halbzeit 2 der Olymp - unsere Fußballgötter Takyi und Sako: Merkur und Herkules, sozusagen. Wie in Pokalduellen Stimmung und Spiel: Dauerdruck, und der Heber von 2,85m-Sako über den Ahlener Torhüter hinweg brach deren Mannschaft mitten hindurch. Das war so'n Tor mit Performance Art-Charakter. Die waren platt, geschockt, wie hypnotisiert, die Ahlener (deren Nr. 7: Unbedingt kaufen!!!) - und wieso man "an die Wand spielen" sagt, das sah man auch: Über die Mittellinie kamen sie kaum noch hinaus und wurden von der Energie unserer Jungs an ihre Grundlinie geschoben.

Hallelujah, was sind wir alle explodiert beim 1:0, Sex ist ein Witz dagegen, und bei den beiden weiteren Toren - noch mal Sako, und Meggle, der die Diva in den Schrank gestellt hat und jetzt kämpft - waren alle nur noch dabei, lautstark und euphorisiert sich selbst als Konfetti zu versprühen.

Hallelujah, was für ein geiler Fußball-Abend! Das Millerntor lebt und pulsiert - als unsere Mannschaft zur Ehrenrunde antrat, wollten die Ahlener Spieler gar nicht vom Platz und genossen klammheimlich mit. Weil an solchen Abenden die 15.000 St. Paulianer mit der Elf plus Auswechselspieler auf dem Platz jenes Erlebnis zelebrieren, das es auch in Bundesliga-Stadien nur selten gibt: Den puren Fußballzauber. Magie. Voodoo. Ein Zeitsprung im Dasein - in eine andere Dimension, in der nur pure Emotion und Intensität dann Funken sprühen und das je eigene Leben für einen Abend lang in ein Licht tauchen, das man noch nicht mal malen könnte .... na gut., Turner vielleicht. Aber sonst niemand. St. Pauli!

PS: Hier gibt's auch was zu gucken - echte Videokunst: Mittendrin statt nur dabei! Und der Siebener fiel auch der Nordkurve auf!

25.04.07

"Die sehen ja alle gleich aus!"

"Die einzig gesicherte Erkenntnis lautet: Amokläufer sind Selbstmörder. Wenn sie nicht systematisch indoktriniert und manipuliert werden, wie zum Beispiel die Selbstmord-Attentäter der Hamas, geben kulturelle, politische oder soziologische Theorien nichts her. Der Einzeltäter ist ein Einzeltäter, und die einzelne Tat erfordert eine individualpsychologische Erklärung. Nur der Massenselbstmord kann durch generelle Theorien erhellt werden. Ansonsten bleibt das Unfassbare unfassbar."
Stand neulich in Die Zeit, habe ich bei den B.L.O.G.s gefunden. Dabei habe ich die im Abo. In letzter Zeit male ich allerdings lieber abends, als Zeitung zu lesen, und da fallen einem die dollsten Sachen auf.

Wie man so wahrnimmt, z.B.. Sitze neulich auf unserer Haupttribüne, und ein Schwarzer mit absoluter Traumfigur agiert da so rum. Den hatte ich schon häufiger gesehen, da ich endlich wieder eine Sonnenbrille hatte, konnte ich mal genauer hinschauen, Und das nicht nur auf Arsch und Oberkörper, wie Weiße das üblicherweise bei Schwarzen so machen, sondern auf die Mimik.

Und da fiel mir auf einmal auf, wie schwer mir das fällt, dessen Mimik zu lesen, Das ist ganz außerordentlich dramatisch, ich wurde knallrot, während ich das feststellte. Sonst habe ich eher schwarze Freunde, die so getönt sind wie brasilianische Nationalspieler, der hier nun war 'ne Ecke dunkler, und in ernsthafter Erschütterung stellte ich fest, daß ich dessen Kopf im Grunde genommen eher als sowas wie eine Billiard-Kugel mit süßem Lächeln wahrgenommen hatte, monatelang.

Und dann stand er da im Smalltalk mit Leuten wie Stefan Schnoor und so, und erst nach und nach sah ich, daß er ein normales Understatement-Smalltalk-Gesicht aufgesetzt hatte, so eines, wie ich das aus Meetings, Empfängen und Aftershow-Parties in- und auswendig kenne. Hatte der Schnoor nicht drauf, der guckte prollig. Ganz analog dazu fragt Frührentner-Fred links neben mir jedes Mal, wenn ein Schwarzer durch unsere Reihen geht, ob das auch einer unserer Spieler wäre.

Das alles erschütterte mich in der Tat: Das sind Wahrnehmungsweisen, die defintiv zu den Wurzeln des Rassismus dazugehören, und wenn man sowas bei sich feststellt, dann ist da ja nicht lustig.

Erzähle das Erlebnis dann meinem schwarzen Kollegen beim Mittag, und der guckt immer böser. Bekomme einen Schreck, wollte ja eigentlich nur meine neue Entdeckungen im Zuge der Rassismus-Forschung kundtuen, ganz stolz auf mich - das rührte aber an etwas, was so dermaßen tief sitzt. Das tat ihm weh, als ich das so erzählte.

Und wie immer im Leben lief mir dann das richtige Buch über den Weg, "Haß spricht (Hate Speech)" von Judith Butler. Konnte bisher nur querlesen, aber das kann ich gerade Bloggern nur empfehlen. Gerade jenen, die in Lager-Streitigkeiten sich verzetteln. Konnte ich gestern nur querlesen, aber das haut schon rein, wenn man das liest, was diese ganzen Beschimpfungen insbesondere mit Schwarzen in den USA machen, aber hier ja ebenso. Sie zitiert diesbezüglich sehr viel Literatur, u.a. Mari J. Matsuda, Mitherausgeberin des Bandes "Words that wound: Critical Race Theory, Assaultive Speech and the First Amendment", Boulder 1993, S. 23:

"Matsuda beschreibt die "tödliche Gewalt, die die ständige verbale Erniedrigung der Unterworfenen begleitet (...). Die rassistischen Botschaften des Hasses, die Drohungen, Beleidigungen, Schimpfnamen und Herabsetzungen treffen die Mitglieder der Zielpgrupe in die Eingeweide"."
Judith Butler, Haß spricht, Frankfurt/M. 2006, S. 13 Fußnote

Da kann man dann auch gut rumhöhnen, daß Feuilletons gerade diskutierten, daß in den USA diskutiert würde, ob Obama Barrack denn ein richtiger Schwarzer sei - diskutiert wird meines Wissens, ob er denn die gleichen Erfahrungen hat machen können wie die Mehrzahl der Schwarzen in den USA in jenen gesellschaftlichen Sphären, die früher man "Unterschicht" nannte, Rassismus ist ja in dieser Hinsicht immer auch eine Form der Zuweisung ökonomischer Rollen. Und ob der potenzielle Präsidentschaftskandidat nicht als "Aufsteiger" dann ähnlich wie Frau Rice dafür benutzt würde, wieder so zu tun, als sei das für alle Amerikaner gleichermaßen jederzeit möglich. Weil's eben schwer ist für Schwarze, von der Dominanzgesellschaft überhaupt als individuiert wahrgenommen zu werden - nicht umsonst ist der Unterschied zwischen Haddaway und Roberto Blanco so groß nicht. Scheinbar.

Und normalerweise ist die Empörung bei dem vollends aufgeklärten "Westler" riesig, wenn dieser Gedanke überhaupt ausgesprochen wird, und das in Deutschland mit Sicherheit noch ungleich mehr als in den USA, gereinigt, wie man sich hier fühlt dank Nationalsozialismus und dessen vermeindlicher Bewältigung. Hey, Mann, alle Menschen sind doch gleich! Insofern fragt Judith Butler zu recht:

"Wenn wir nun die nun die Regulierung rechtsverletzender Rede auf der Grundlage "universal" anerkannter Vorraussetzungen fordern, wiederholen wir dann nicht die ausschließenden und erniedrigenden Praktiken? Wie ist eine Gemeinschaft gebildet, daß sie legitimerweise Universalität diskutiert und sich über sie verständigt? Wenn sich diese Gemeinschaft über rassistische Auschließungspraktiken konstituiert, wie soll man dann darauf vertrauen, daß sie über die Frage des rassistischen Sprechens vernünftig urteilen kann?"
Judith Butler, a.a.O., S. 144

Kann ich jetzt auch nicht beantworten, strukturell ist das wichtig. Weil in allen pro-westlichen Diskursen und deren Umfeld derzeit einfach im Namen des Universalismus von ihren Positionen abweichenden Einstellungen pauschal die Individuation abgsprochen wird. Grundsätzlich. Muslime alle gleich, Westler Individuen. Linke und Rechte alle gleich und kollektivistisch, Liberale Individuen. Usw.

Das ist die alte Nummer mit den Barbaren, deren Kauderwelsch man nicht versteht, das ist aber trotzdem schlimm. Alles Kollektive, nur wir nicht. Nun ist es halb so schlimm, sich als neuerdings Ortloser, ehemals Linker mit dieser Scheiße, mit der man beworfen wird, herumzuschlagen, für Schwarze ist das natürlich ungleich unausweichlicher und existentieller.

Aber als jemand, der inmitten seines Coming Outs dann als Antwort sofort eine AIDS-Debatte aufgedrückt bekam, habe ich zumindest eine entfernte Ahnung davon, was das mit jenen macht, die täglich Rassismen begegnet, deren Existenz zugleich geleugnet wird: Das macht irre. Homophobie gibt's ja angeblich auch nur in Polen und im Iran. Und wie üblich schreibt Perry die besten Sachen dazu ...

24.04.07

Tabellenführung !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Yeah! 2:0 in Bremen für uns - vor 8000 St. Paulianern! Yiiiiiiiiiiiiiiiipiiiiiiiiiiiiieh! Walk on, walk on, with hope in you're heart ...

Scheitern dürfen sollen!

Gestern abend in irgendeiner Nachrichtensendung einen Beitrag über eine Emil Nolde-Ausstellung in Bremen gesehen.

Dessen Bilder kannte ich ja, Schande über mein Haupt, daß ich gar nicht wußte, daß der ganz heftig mit Nazis schmuste, miese antisemitische Motive in seine Bilder einbaute, in die Partei eintrat und sogar Ämter innehatte oder innehaben sollte - um dann doch aufgrund seines mangelnden Heroismus und Realismus der Entartung bezichtigt zu werden und ziemlich verstört am Strand zu verbleiben.

Für mich war das ja, naiv und unbelehrt, wie Moralphilosophen auf solchen Gebieten völlig zu Unrecht sind und in einem Umfeld verortet, in dem bis zu dieser Explosion des Kunstmarktes "Kunstkacke" gängiges Totschlargument zur Kritik audiovisueller Medienproduktion war - jetzt habe ich gerade einen Kaffee geholt und weiß auch nicht, wie ich diesen Satz zuende bringen soll, ich fange einfach mal einen neuen an.

Also: Unwissend, wie ich bin, wußte ich Details im Umgang mit russischen, deutschen und anderen Avantgarden nicht, insbesondere war mir auch die "Formalismus"-, na, Diskussion kann man das ja schlecht nennen, -Hatz unter Stalin entgangen. Klar, auch ich wußte um die Unterdrückung all dessen, was von sozialistisch-realistischer Darstellung abwich, aber daß im Begriff "Formalismus" als Attacke gegen Abstraktion sich das bündelte, das ist mir erst jetzt als altem Sack über den Weg gelaufen. Obwohl T. Albert hier in den Kommentaren immer wieder darauf hinwies. Wer als "Formalist" gebrandmarkt wurde, hatte schlicht verloren.

Und was sagt Guido Westerwelle dazu?

""Die von mir sehr geschätzten Neo Rauch, Norbert Bisky, Tim Eitel oder Ulf Puder sind auch international hoch angesehen, eben weil in ihren Werken etwas spezifisch Deutsches erkannt wird: Ihr neuer Realismus fürchtet sich nicht vor der Ästhetik des Gegenständlichen,. Heute ist das Gegenständliche als die Zuwendung zur realen Welt zu verstehen. Gegenständliche deutsche Malerei ist nicht Flucht vor der Realität."
In der aktuellen art läßt er das veröffentlichen, auf S. 56. Dann schiebt er noch die Auseinandersetzung mit "totalitären" Regimes der Künstler hinterher und merkt wie üblich nicht, was er da, willkommen auf der Erfolgsschiene, gerade sagt. Anpacken! Rauf auf'n Trecker und auf Kombinatsfeldern - wie hieß das noch unter Stalin? Kolchosen oder so? - Realität beackern.

Bazon Brock, bei dem ich gar nicht weiß, was ich von dem halten soll, aber Lars wollte mir das gestern abend auch nicht mehr erläutern, vielleicht berufe ich mich gerade auf was ganz Übles, dann weise man mich zurecht, hat viel Interessanteres zum Thema zu sagen:

"Bad painting als Strategie des Scheiterns im Gelingen ist etwa das, was Cézanne praktiziert hat: er versuchte sein ganzes Leben lang, nicht "gut" im akademischen Sinne malen zu können, um zu einer neuen Malerei zu kommen. 20 Jahre lang bemühte er sich, einige Äpfel, ein paar Zitronen auf einem Tisch zu fixieren, und es ist ihm bekanntermaßen bis zu seinem Lebensende nicht gelungen, das zu meistern. Cézanne ist als Maler gescheitert, und darin lag seine Bedeutung."

Bazon Brock, Hoppla, Heilsversprecher. Scheitern als Gelingen – durch Erfolg zerstört

Ja! Scheitern als Chance liest sich ja ein wenig nach Thorwald Dethlefsen oder wie der sich schreibt und solchen Heinis, aber das ist nun mal wirklich was Vernünftiges, es zum Programm zu erheben! Zudem dieser Opposition "figurativ" versus "Abstraktoion" eben das Wie derselben entgegengestellt wird, anstatt jetzt den "Eskapismus" vermeindlich weltfremder Künstler zu geißeln.

Wird doch nix mehr attackiert aktuell als das Scheitern, ist halt nicht profitabel - scheiternde Ehen, Versager am Arbeitsmarkt, im Bett und sonstwo, dieses ganze "ERFOLG!"-Geschreie ist irgendwie auch antiformalistisch. Ich weiß schon, warum ich Cézannes Äpfel so liebe.
Insofern ist's völlig korrekt, daß Isabelle Graw und André Rottmann von der Zeitschrifft "Texte zur Kunst" den Westerwelle gleich links daneben in der art zusammenrüffeln:


""Deutsch" ist keine analytische Kategorie, sondern die immer schon fehlgeleitete - nicht etwa erst durch die Globalsierung überholte - Zuschreibung eines Nationalcharakters inklusive problematischer Klischees wie "tiefsinnig" oder "schwermütig". Eine solche Zuweisung vermeintlicher nationaler Eigenschaften findet auf dem Kunstmarkt hingegen ungebrochene Verwendung: beispielsweise wenn die "neue deutsche Malerei" oder die "deutsche Fotografie" eben national eingeordnet und dadurch marktförmig gemacht wird. Oftmals liegt hier nichts weiter als die Beobachtung zugrunde, dass "deutsch" in bestimmten Marktsegmenten immer wieder eine konjunktur erlebt (...)."

Na, dann behaupte noch mal jemand, Markt und Nation seien Gegensätze. Was nun, Christoph Tannert?

23.04.07

Lisa Stansfield hören!

Von solchen Texten fühle ich mich, wohl biographisch verständlich (man gut, daß hier nur wenige meine Biographie wirklich kennen), immer irgendwie angepißt.

"Jede Generation hat natürlich ihr Recht auf das Ausprobieren der eigenen Lebensentwürfe, und dazu gehört Distinktion durch Kleidung."

Na, dankeschön! Aus was für einer Perspektive formuliert man denn eigentlich sowas?

In den "Pop-Bewegungen" der 60er z.B. war genau das ja zentrales Thema, so einen Gedanken überhaupt erst mal duchzusetzen. Bis dahin galt das nicht. Schon "Auseinandertanzen", 'ne Pony-Frisur ("Die Stirn muß frei sein!") usw. galten als unsittlich, womit auch klar wäre, auf was für einer Ebene Pop-Bewegungen Wirkung entfalten können: Auf jener der konkreten Sittlichkeit, der Lebensstile, des "guten Lebens". Und da oft auch nur als eine Art "Kunst am Bau", je nachdem, wie scharf der Gegenwind weht.

Insofern ist Pop im Iran oder China, Ländern, in denen traditionelle Sittlichkeit noch außerordentlich nachhaltig wirkt, derzeit eine ziemlich gewaltige, progressive Kraft, für den Bible Belt würde das ähnlich gelten.

Das ist auch schon die ganze Wahrheit, mehr gibt's da nicht.

Ansonsten fungiert Pop als Ausdruck und Katalysator übergreifender sozialer Entwicklungen, diese rigide Nachkriegs-Mentalität in den USA und Westdeutschland (ja, in Ostdeutschland auch, das ist aber die gleiche, kleinbürgerliche Ästhetik, die sich da in andere Strukturen einschrub) war so erdrückend, daß in neuen Formen dann dagegen opponiert wurde.

Das war u.a. möglich, weil Teenies ab den späten Fünfzigern auf einmal Geld in der Tasche hatten und zudem die Erfindung des Vinyls, insbesondere der Single, ganz andere Distributionsmöglichkeiten eröffnete. Die Verbreitung des Fensehens tat ein übriges: Elvis ist da wohl die Zäsur, da er, anders als James Dean oder andere, bis heute paradigmatische Figuren, eben auch durch die Fernseh-Auftritte zu dem wurde, was er dann war. Übrigens schon in den 50ern als Symptom für das, was dann rund um Martin Luther King in den 60ern so alles stattfand, weil er Motive der Black Music zu kommerzialisieren ermöglichte und sie somit depotenzierte, ihnen zugleich jedoch Breitenwirkung und Akzeptanz verschaffte. Das kann man jetzt Dialektik der Popkultur nennen, dieses Depotenzieren durch Kommerzialsierung, man landet dann aber bei einem ganz anderen Problem: Verbliebe der Blues im marginalisierten Raum, würde er denn dann etwas bewirken?

Das ist implizit das große Thema von Denkern wie Horkdorno, irgendwie war's halt auch bequem, sich in quasi-subkulturelle Räume zurückzuziehen und dann die einsame Rezeption des Kunstwerkes, möglichst zwölftönig, als letzten Akt des Widerstandes zu zelebrieren und so die reine Lehre wenigstens im Ansatz zu leben.

Wenn ich mir so Debatten in meinem FC St. Pauli anschaue, dann taucht das strukturell ganz ähnlich auf, allerdings nicht einsam Musik hörend: Da wird ein Purismus dessen, was da so auf der Gegengeraden unter widerständig verstanden wird, als absolut gesetzt und alles, was sich nicht dem fügt, als Verrätertum gebrandmarkt. Wenn ich mir auf der Jahreshauptversammlung diese wütende Horde anschaute, wie sie ausgerechnet eine Persönlichkeit wie Corny Littmann am liebsten ansprucken möchte, dann wird mir ganz übel. Was der Mann so gelebt und auf die Beine gestellt hat, nicht nur für die Homo-Bewegung, haut mich schon nachhaltig vom Hocker - nichtsdestotrotz muß er dann als Projektionsfläche für alles Böse dieser Welt herhalten.

Was das jetzt alles mit Pop zu tun hat, das ist gar nicht so unkompliziert. Weil da eben die berühmten, Bourdieuschen Distinsktionsgewinne sich koppeln mit Entwürfen des "guten Lebens" und diversen inhaltlichen, im konkreten Fall auch konkret-politischen Fragen.

Wie gehe ich z.B. um mit einem Senat um, der eine ziemlich üble Variante des Polizeistaates durchsetzt, wenn ich zugleich ein neues Stadion bauen will? Wie gehe ich mit Sponsoren um, wenn doch zugleich die "Eventisierung" und Kommerzialisierung des Sports mich ankotzt? Und dann gibt es noch ästhetisch-immanente Zonen, es gibt ja auch gute Gründe, Hardcore oder Punkrock oder Hip Hop oder Jazz DJ Ötzi und den No Angels vorzuziehen. Ebenso, wie eine Präferenz für Daniel Richter der für Neo Rauch ganz objektiv vorzuziehen ist.

Problematisch wird's immer dann, wenn diese Fragen nicht mehr unterschieden werden, sondern sich zu einer ggf. außerordentlich unangenehmen Gemengelage zusammenfügen.

Und da hat sich "Die Linke" gerade im 68er-Gefolge, aber auch in den 80ern nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Weil sie, irgendwie implizit immer durch's "Kulturindustrie"-Kapitel inspiriert (das ich, by the way, hervorragend finde), aber auch diesem ganzen "Autorität und Familie"-Zyklus folgend, selbst dazu neigte, Lebensentwürfe zu totalisieren.

Daß Leute dann mit schlechtem Gewissen Familien gründeten - wer's mag, warum denn nicht? Mit schlechtem Gewissen Rick Astley hörten und sich in viel Schimmmeres wie Grönemeyer dann flüchteten, sich durch Diamanda Galas quälten auch dann, wenn sie sie unerträglich fanden, und das kleine Schwarze gegen Säcke tauschten, um nicht als "Sexobjekt" sich zu zeigen. Lange Rede, kurzer Sinn: Weil eben einfach eine Form der Sittlichkeit durch eine andere ersetzt wurde. Grauenhaft. Ganz Ähnliches kann man derzeit z.B. im jamaicanischen Reggae beobachten ...

Die eigentliche Dialektik der Popkultur ist, daß sie dann, wenn es um die Diversifzierung von Lebensentwürfen in nicht-diversifizierten Gesellschaften geht, ganz außerordentlich progressiv wirkt. Und wenn sie erfolgreich war, Diversifizierung möglich wurde, gibt es einerseits das Kommerzialisierungs- und Depotenzierungs-Phänomen (Sofa-Muster sehen ja auch nicht umsonst oft aus wie abstrakte Kunst), ebenso jedoch -im Namen der reinen Lehre - Fundamentalismen und Purismen, die nicht zwischen Moral und Sittlichkeit, zwischen Politik und Lebensstil, zwischen ästhetischem Urteil und dessen sozialer Einbettung unterscheiden wollen. Und die sind auch nicht lustig, diese Leute. Weil sie im Grunde genommen die Kritik der politischen Ökonomie in eine Kulturkritik überführen, und daran sind auch Horkdorno schuld. Zum Glück kam dann Foucault.

Ganz anders verhält es sich mit dem Scond-Hand-Laden-Beispiel drüben beim Che, ebenso übrigens mit der Indie-Kultur der frühen NDW, z.B. Da ging's nun wirklich um neue Formen der Ökonomie und nicht um Stilfragen oder jene zu präferierender Lebensformen. Wenn man diese ökonomischen Fragen jedoch primär ästhetisch deutet, dann hat man schon verloren ... und so nahm die Historie ihren Lauf. Deshalb höre ich hier gerade alte Lisa Stansfiled-Alben. In meiner Welt ist das sowas wie Dissidenz ...

22.04.07

You'll never walk alone!

Oh ja Seufz. Tränen der Rührung. Schön! Soooooo schön! Gestern den ganzen späten nachmittag Liza Stansfields "If I could change ..." gehört. Und jeweils das Neueste von Patti Smith, Bright Eyes und Coco Rosie geholt - alles ganz außerordentlich empfehlenswert, das nebenbei. Aber anstatt im Bökelberg-Ersatzstadion mitzusingen und zu saufen - vielleicht fahren wir da ja nächste Saison wieder hin? - dann eben Sonntags um 6 h aufstehen, um arbeiten zu dürfen. Lieber Arbitsmarkt-Gott, Danke! Danke, daß ich so flexibel sein darf! Ich fühle mich so frei! Soooooooooo frei!

20.04.07

Hätte ich doch einfach weitergeschlafen ...

Da wache ich auf und denke, ich träum noch schlecht. Lasse mich von "Klassik Radio" wecken, weil ich keine Lust habe, gleich morgens penetrant angebrüllt zu werden - manches Morgenshow-Geschrei belegt ja die These, daß diese zwangsverordnete Amüsierlichkeit in der schönen, neuen Wirtschaftswelt nicht allzu weit entfernt ist vom Feldwebel, der "MARSCHIERE!" brüllt.

Und bekomme halbnochschlafend zu hören, daß die wackeren Verbal-Kämpfer gegen den "Islamofaschismus", die Guantanamo-Verteidiger und Folter-Androhungs-Promoter, ganze Arbeit geleistet haben: Das, was ich gestern noch im Vorbeigehen für eine der üblichen, na, nicht immer eleganten Zuspitzungen von Boche gelesen habe, scheint tatsächlich wahr zu sein: Schäuble möchte im Fall der "Terrorbekämpfung" die Unschuldsvermutung abschaffen. Zwischenspeicher weiß zu zitieren (via Boche):

"Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen, als einen Unschuldigen bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach meiner Auffassung wäre das falsch."
So Schäuble laut jener Quelle, habe ich anderswo aber auch schon gelesen, das Zitat. Lese sich jeder noch mal genau durch, der glaubt, der Utilitarismus sei vertretbar: Das ist analog zu diesem Beispiel, wo im Falle des Schiffbruchs 6 der Rettungsbootsinsassen dann befugt wären, den siebten zu verspeisen. Über "Das Floß der Medusa" schreibe ich jetzt nix, zu betonen ist, daß in der Rechtspraxis wie im Fall der Boulevardmedien die Unschuldsvermutung eh nicht immer so und in dem Sinne gilt, wie der naive Staatsbürger das glaubt: Faßt ein Staatsanwalt die Schuldvermutung, dann ist die Sache zumeist eh gelaufen. Der einzige Prozess, dem ich beiwohne, na, nicht durfte, eher wollte, war nix andres als der scheiternde Versuch, die Unschuld des Angeklagten zu beweisen. Und das Urteil bestand nicht aus der Beweisführung hinsichtlich der Schuld, sondern aus der Zurückweisung jener Argumente, die für die Unschuld sprechen könnten. Von vielen Juristen wurde mir dies als üblich bestätigt - selbst mein Amtsrichter-Onkel meinte telefonisch, er ginge schon davon aus, daß da "schon was dran sei", wenn der Staatsanwalt was vor Gericht brächte. Das erwähnte Urteil empfand er dennoch als unmöglich, der Bundesgerichtshof ließ jedoch keine Revision zu. Die funktionalen Subsysteme entfalten halt ein reges Eigenleben.

Nun dürfte außerordentlich klar sein, daß Schäuble sich im Paradigma des eigentumsschützenden Staates bewegt, und dafür müsse man dann wohl auch das eine oder andere Individualrecht punktuell und pragmatisch mal kippen. Und bei aller Freude darüber, daß in der Tat die liberalen Mitdiskutanten von gegenüber die einzigen zu sein scheinen, die da noch massiv gegenwettern, das finde ich gut - was ist denn die Antwort auf Herrn Schäuble? Reformstaub merkt süffisant an:

"Wie so oft in der Geschichte war die Theorie der Realität jedoch so weit voraus, dass beim Eintreffen der Realität die Theorie längst in Vergessenheit geraten war. So kommt es, dass die relativ harmlosen Überwachungsversuche der 70er und 80er Jahre von riesigen Protesten begleitet wurden, während die jüngsten massiven Eingriffe in die Privatsphäre bei den Bürgern kaum mehr als ein Achselzucken hervorrufen - eine Ungleichzeitigkeit von Problembewusstsein und problematischer Realität, die möglicherweise ein grundsätzliches Strukturprinzip moderner Gesellschaften darstellt. Jedenfalls führt diese Ungleichzeitigkeit zu der Paradoxie, dass ausgerechnet die frühzeitige Warnung vor riskanten Entwicklungen Gewöhnungseffekte erzeugt, die den Eintritt dieser Risiken Jahrzehnte später erst ermöglicht."
Wohl wahr. Ich sach ja, Foucault lesen. Wobei: Daß das komplette Ausbleiben von Protestbewegungen sich auch fortwährenden Attacken gegen Demokratie als solche verdankt und eine Bevölkerung, der 3 Jahrzehnte lang erzählt wurde, politisch sei eh nix zu machen, nur Wirtschaft zähle, dann nicht dazu neigt, sich zu engagieren, das sei mal ausgespart.

In der Tat haben wir Deppen damals ja noch daran gegelaubt, daß Willy Brandts Motto "Mehr Demokratie wagen" eben richtig sei. Nun wird völlig zu Recht entgegenet werden, daß Schäuble doch mit seinen totalitären - hier paßt das Wort mal wirklich - Plänen ohne weiteres Mehrheiten gewinnen könne, aber auch das ist nicht nur, aber auch, Folge dessen, daß ein bürgerrechtsorientierter Liberalismus den Projektionen von politischen Freiheiten in eigendynamisches Wirtschaftsgeschehen geopfert wurde. Und nach der Komplett-Verarsche der DDR-Bürgerrechtsbewegung ist halt die Änderung des Asylrechtsparagraphen dann doch das Ereignis zur Wende zu einer neuen Politik geworden. Und so schreibt dann ausgerechnet Frau Lengsfeld, eigentlich eine tolle Frau, heute bei der Achse des Guten - armes Deutschland.

Wenn ich mich an die FDP von '79 erinner, dann war das aber ein ganz anderer Diskurs als heute. Bis sie auf Kohl einschwenkten, fand ich die richtig gut, die waren wichtig - Schäubles Attacken auf die Verfassung wäre damals doch außerordentlich massiver Gegenwind entgegengeweht, obgleich zuvor im Zuge der RAF-Bekämpfung man oft auch nicht so recht wußte, was da eigentlich noch verteidigt wird und ob's wirklich Demokratie und Grundgesetz sind. "Der Verfassungsschutz ist dazu da, die Büger vor der Verfassung zu schützen" war ein gängiges Bonmot. Schäuble verhilft ihm zur Aktualität. Was jetzt bitte nicht Pro-RAF verstanden werden soll, aber die Reaktionen des Staates damals werden ja vor lauter Reue-Debattten und versuchtem Linken-Bashing ständig unter den Teppich gekehrt. Dachte ja auch, bis ich in die Blogosphäre trat, ich würde liberale Positionen vertreten ...

Auf jeden Fall sollte dieses Diktum, Demokratie sei dazu da, aktuelle Machthaber schnellstmöglich wieder loszuwerden, mal schleunigst auf Herrn Schäuble Anwendung finden.

Daß Herr Seehofer nach der Raucher-Hatz nunmehr die auf Dicke eröffnet hat und dies u.a. auch, laut Klassik-Radio, mit Bierkonsum, jedoch ebenso jenem von Süßigkeiten begründet, das paßt ja in konservative Volkserziehungskonzepte. Wer mit denen bündelt, mit den Konservativen, muß schon wissen, was er tut. Aber bei dem, was die wollen, weiß man ja wenigstens, daß es schon mal funktioniert hat. Die Kids sollen halt wieder hart wie Windhunde und schnell wie Kruppstahl werden oder so.

So als übergewichtiger, rauchender, hundebesitzender, dem Alkohol nicht abgeneigter schwuler Philosoph in kantischer Tradition fühle ich mich allmählich schon als Inkarnation des Dissidenten ...

19.04.07

Kunst und Moral

"Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert war die Geschichte einer strittigen Autonomie der Kunst. Sobald die Kunst das Spannungsfeld einer geforderten Identität mit dem Leben aufgibt, drohte sie Dekoration zu werden, sobald sie sich mit dem Leben vereinte, verlor sie sich selbst."
Heinrich Klotz, Kunst im 20. Jahrhundert, München 1999, S.191

Nun ist es - gruselig! - durchaus möglich, Amokläufe als soziale Skulptur zu betrachten. Bevor Stürme der Entrüstung sich erheben: Nein, ich vertrete das überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Für mich ist das eher ein Beleg dafür, daß eine totale Autonomie der Kunst, z.B. im Sinne der Unabhängigkeit von allen moralischen Kriterien, nicht denkmöglich ist, wenn man weiterdenkt, über die reine Anschauung hinaus.

Dann ist schon der eingangs formulierte Gedanke einer, wo einfach nur der Atem stockt und Empörung, wohl auch Wut als Gefühl höchst treffsicher bewertet. Tarrantino hätte ja auch keiner dolle gefunden, wenn nicht alle genau wüßten, daß das Fiktion ist, was der zeigt - und doch verweist er ja auf was, wie auch die "Natural Born Killers".

Dann stellt sich jedoch die Anschlußfrage, wieso manche glauben, Kriege seien moralisch vertretbar und in der Wirtschaftstheorie oder Politik hätten Fragen der Moralität keine Rolle zu spielen. Was ich jetzt nicht schreibe, um mal mal nebenbei irgendwem an's Bein zu pissen, sondern weil mich die Frage aufrichtig beschäftigt, wie verschiedene Rationalitäten aufeinander beziehbar bleiben, ohne daß letztlich die Welt wie von einem schwarzem Loch von einem einem gigantischen, moralischen Ausrufezeichen aufgesogen werden könnte. Ohne jedoch ebenso dem totalen Funktionalismus Raum gewähren zu wollen. Ich habe da keine Antwort, aber die Frage wird man ja stellen dürfen.

Moralinsaure Bilder sind ja ungeheuer nervtötend und können trotzdem Kunst sein. Kann man z.B. am Picasso der frühen Jahre beobachten. Sein früher Entwurf, da war er 13 oder so, über "Wissenschaft und Barmherzigkeit" ist, na, schwer nur erträglich in seiner Bedeutungsschwangerschaft - ein moralisches Statement ist's definitiv.

Die Armutsbilder der "blauen Periode" hingegen sind so unglaublich umwerfend gemalt, daß mir zumindest der Atem stockt - und sie berühren mich zutiefst. Kann man aber sowas wie Armut so schön malen dürfen? Zudem da der Geruch von "Sozialkitsch" schon drüber schwebt, wobei ich, während ich schreibe, mich dann schon frage, was zum Teufel mich reitet, einen Begriff wie "Sozialkitsch" zu verwenden. Als hätte ich dann doch diesen unerträglichen Zynismus der 90er aufgesogen.

Betrachtet man hingegen "Guernica", kann man nur noch verstummen. Um dann auch nicht zu wissen, wie man noch mit seinen Gefühlen umgehen können soll, wenn einen beim Anschauen dieses unsägliche "Gutmenschen"-Wort in den Ohren klingelt wie ein Echo aus dem Alltag.

In keinem Fall ist Kunst autonom: Sie verbleibt beim Gegenstand und verbleibt beim Gefühl des Kunstschaffenden wie auch bei dem des Betrachters, und sie ist verortet inmitten eines moralischen Raums. "Guernica" thematisiert auch die Undarstellbarkeit dessen, was da geschah, bildet insofern nicht ab - verbleibt doch aber nichtsdestotrotz inmitten des Lebens, indem es so und in dieser Form auf dessen brutalstmögliches Ende zeigt.

Wohin mit Gefühlen? Gerade da scheint mir doch Kunst der Weg zu sein. Das ist mit Sicherheit eine kunstkonservative Position, aber wär's nicht besser gewesen, der Amokläufer hätte seine Wut und Frustration gemalt, anstatt komplett befreit von jeder Emphatie so zu agieren und auch noch ein Medienereignis daraus machen zu wollen? Aber wenn das so ist - wieso soll dann in allerlei anderen Bereichen Emphatie auf einmal nur noch dysfunktionales "Gutmenschengetue" sein und nicht etwa handlungsleitend? Ich frag ja nur ...

17.04.07

Tanzen lernen!

"Sag mir, wo Du stehst" sang der Oktoberclub in der Ex-DDR so vor sich hin. Gab's später auch 'ne dolle Punk-Version von. Eigentlich war der Oktoberclub, wenn ich mich recht entsinne, ein Gegenprojekt der FDJ zu Beat und "Progressive Rock". Hat ja Tradition in Deutschland, dieses "Hier stehe ich und kann nicht anders!".

Der Foucault der "Archäologie des Wissens", der ausrief "Ihr wollt wissen, wo ich stehe?", der dann in seitenlanges Hohngelächter ausbrach und sich bestmöglich versteckte, der war mir, seitdem ich ihn kennenlernen durfte, immer schon ganz schön sympathisch.

Der wußte schon, warum er sich Zuschreibungen entzog, und hat im Grunde genommen ein wissenschaftsbewegendes Werk auf genau dieser Attitude dann aufgebaut.

Insofern muß ich jetzt loswerden, daß es mir weh tut, wenn solche, mit denen ich mich befreundet fühle, andere Diskussionsfreunde von gegenüber in anderen Blogs in die rechte Ecke stellen wollen, bei allem Verständnis für die Gründe, die dazu führen.

In Blogs, mit denen ich mich überhaupt nicht befreundet fühle, wird das Spiel noch ungleich schlimmer getrieben - dort, wo der Maoismus duchschimmert, wird die Welt halt zum Tribunal. Tat mir auch weh, das zu lesen, bei allen Differenzen in der Sache. Sind aber bestimmt trotzdem süße Jungs dabei, da im drüben Westen.

Insofern halte man sich vielleicht doch lieber an andere Goethe-Passagen, z.B. diese Nummer mit dem "verweile doch, es ist so schön!", aber bitte ohne zugrunde zu gehen. Und statt irgendwo zu stehen, dann vielleicht doch lieber gleich tanzen. Und ordentlich mit dem Arsch wackeln dabei ... und auch nicht der Ecke bleiben, Andere könnten meinen, man stünde da, weil man sich schämen sollte. Ein Hüftschwung, und die Sache dürfte erledigt sein ...

16.04.07

Kulturindustrie und Stil

"Bis zu Schönberg und Picasso haben die großen Künstler sich das Mißtrauen gegen den Stil bewahrt und im Entscheidenden sich weniger an diesen als an die Logik der Sache gehalten. (...) Indem das Ausgedrückte durch Stil in die herrschenden Formen der Allgemeinheit, die musikalische, malerische, verbale Sprache eingeht, soll es mit der Idee der richtigen Allgemeinheit sich versöhnen. Dies Versprechen des Kunstwerks, durch Einprägung der Gestalt in die gesellschaftlich tradierten Formen Wahrheit zu stiften, ist so notwendig wie gleißnerisch. Es setzt die realen Formen des Bestehenden abolut, indem es vorgibt, in ihren ästhetischen Derivaten die Erfüllung vorwegzunehmen. Insofern ist der Anspruch der Kunst stets auch Ideologie. Auf keine andere Weise jedoch als in jener Auseinandersetzung mit der Tradition, die im Stil sich niederschlägt, findet Kunst Ausdruck für das Leiden. Das Moment des Kunstwerks, durch das es über die Wirklichkeit hinausgeht, ist in der Tat vom Stil nicht abzulösen; doch es besteht nicht in der geleisteten Harmonie, der fragwürdigen Einheit von Form und Inhalt, Innen und Außen, Individuum und Gesellschaft, sondern in jenen Zügen, in denen Diskrepanz erscheint, im notwendigen Scheitern der leidenschaftlichen Anstrengung zur Identität. Anstatt diesem Scheitern sich auszusetzen, in dem der Stil des großen Kunstwerks seit je sich negierte, hat das schwache immer an die Ähnlichkeit mit anderen sich gehalten, an das Surrogat der Identität. Kulturindustrie endlich setzt Imitation absolut. Nur noch Stil, gibt sie dessen Geheimnis preis, den Gehorsam gegen die gesellschaftliche Hierarchie."
Max Horkheimer / Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt/M. 2004 (15. Auflage)

13.04.07

Korbstuhl und Grafffittti

"Viele Kunstwerke mögen in ihrer Heimat kraftvoll wirken. Sobald man sie aber in ein westliches Museum schafft, erscheinen sie nicht selten als purer Ethno-Kitsch. Dieser Falle wollten Buergel und Noack entgehen. Um nicht nach großen Namen fahnden zu müssen und auch nicht nach landestypischen Merkmalen, besannen sie sich auf das, was die Kunst ausmacht: auf ihren Formen. Auf die unendlichen Beipiele, wie sich diese Formen fortpflanzen, wie sie die Grenzen überspringen und noch die unterschiedlichsten Kulturen für sich einnehmen."
Hanno Rauterberg, Revolte in Kassel, Die Zeit 12.4. 2007, S. 49 - Buergel und Noack sind die Kuratoren der kommenden Documenta

Säulendiagramm, Tabelle, Törtchen-Grafik: Ich sach mal, Erkenntnis , die den Inhalt will, will die Utopie.

Als ich neulich Adornos Text über die Hotelbildmaler las, die ohne Van Gogh, Miro und Monet ja auch nicht wüßten, was sie pinseln sollten, wußte ich's kaum noch zu unterscheiden, das Säulendiagramm von der Klimmt-Parodie.

In einer Ausgabe der Lettre International wies Nadine Gordimer Kunst neulich die Aufgabe der Zeugenschaft zu. Und auch wenn ich mich auf Neo Rauch und all die Leipziger als Feindbild gedanklich eingeschossen habe - wenn man sich das hier zitierte "Lösung" so anguckt, dann ist das vermutlich schon Zeugnis der Datscha-Kultur der Ex-DDR. Und die Amis mögen das als deutschen Ethno-Kitsch, wenn so auf der einen Seite der Rauch an der Wand hängt und "Rätsel!" brüllt, während auf der anderen Seite die Sonne Kaliforniens im Meer versinkt, bella, bella, bella Marie, Herr Lanza.

Und wenn das so ist; daß es da um Datschen geht, dann ist es eine Karrikatur. Wie man sowieso das Gefühl hat, daß das, was derzeit so an Malerei in Bildbänden zu finden ist, sehr oft den Geist der Karrikatur atmet - weil das Formenrepertoire "des Westens" erschöpft zu sein scheint, und das ja spätestens seit den 60ern, uralte Diskussion. Und trotzdem bezieht sich kaum jemand auf Van Gogh oder Kirchner, alle eher auf die neue Sachlichkeit der 20er, auf Otto Dix und so. Als wäre die Kraft zu gering, die neuen, totalen Formen, sei's Anzug, Hochhaus oder Säulendiagramm, noch einmal zu durchbrechen. Die Traningsjacke von Herrn Meese ist ja auch nur das Kreativen-Äquivalent zum Anzug.

Und weltweit machen fast alle mit bei der durchgesetzten und zuende gebrachten Neu-Formatierung, die sich's leisten können und nicht gerade durch Favellas toben: Wenn auf diesen Gruppenbildern von Staatschefs neben 'nem Anzug auch mal ein afrikanisches Gewand auftaucht, dann nimmt man es wahr als Einbruch des wahlweise positiv oder negativ konnotierten Wilden, pittoresk!, in die Zivilisation, der Folklore in funktionale Sachlichkeit.

Die Fortschreibung der Datscha-Kultur in's heute hat Odo Marquard einst als Theorie der Kompensation formuliert: Weil all die moderne Kultur so schröcklich überfordere, seien dann Geisteswissenschaften und Künste zur Kompensation dieser Überforderung da. So hängt sich ggf. der Datscha-Besitzer im Geiste auch mal einen Druck von ein paar Nutten aus Avignon an die Wand, die Demoiselles d'Avignon von Picasso halt, die das Wilde formal sich einverleibt haben, weil da afrikanische Masken zitiert werden.

Darüber denke ich so vor mich hin, während zugleich der Satz "deutsche Vorstädte haben Schuppen" mir im ICE sitzend durch den Kopf schießt. "Wenn ein Ruck durch unser Land geht und Du sitzt im ICE" hat Funny van Dannen das so schön besungen, und gestern fuhr ich dann verlangsamt mal mitten durch durch Falkensee hindurch kurz vor Berlin - sonst rauscht man nur dran vorbei, gestern Baustelle.

Diese Formenvielfalt teils verrottender Gartenschuppen hat mich schon beeindruckt. Da standen dann Frauen im blauen Kittel und starrten auf's Unkraut, die bläulich getönte Dauerwelle-ab-60 auf dem Kopf und die Hand in die schmerzende Hüffte gestützt, dicke Jungs in roten Trikots dribbelten mit kleinen Brüdern um die Wette, und überall diese schwarzbraunen Schuppen.

Auf den Punkt brachte das ganze dann der einsame Korbstuhl zwischen vielen Linien leerer Gleise, unkrautdurchwuchert waren die, stillgelegt; und, mit einen gaaaaanz langen Schuppen dahinter, ein Korbstuhl mit ganz viel Platz um sich herum, und auf diesem glomm freundlich ein rotes Grafitti.

Würde man darauf basierend Säulendiagramme für Powerpoint-Präsentationen in China erstellen, die billiges Personal für Luxustaschenproduktion werben wollen (der Reinerlös der Post-Maoisten würde dann in Afrika re-investiert): Wäre das Zeugenschaft und formale Innovation? Oder lauter kleine, verrotende Schuppen als Form der Pixel von Röntgen-Bildern? Und das Grafitti zeigt den Lungenkrebs-Flecken, "Guck mal!" steht da gesprüht? Rattan-Gestänge als Linie der Tabelle des Anteils alleinerziehender Mütter an der der Gesamtbevölkerung? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem gilt, was gestern ich nur überflog:

"In der Medizin wird die Bedeutung der Bilder, die unsere Geräte erzeugen, nicht mehr hinterfragt."


Sagt Ernst Pöppel, Hirnforscher und Psychologe, in der Zeitschrift "Der blaue Reiter - Journal für Philosophie" auf S. 41. Was immerhin ein Schritt in eine mögliche Richtung ist, die ewige Karrikatur, das ewige Zitat und die ewige Parodie mal zu transzendieren.

Denn erstaunlicherweise hinterfragt sogar das Fernsehen seine Bilder, man glaubt es kaum, wenn auch anhand oft seltsamer Kriterien - warum macht das nicht z.B. auch die Volkswirtschaft oder das Bundesamt für Statistik?

Es spricht viell für eine mediale Erkenntnistheorie. Ich bin dabei, Herr Seel. Und jene, die ihren eigen Darstellungsmittel nicht hinterfragen, sind schlicht prä-modern.

10.04.07

Children of the Eighties: Diana Ross!

Ostern hat man damit zu verbringen, die Bachschen Passionen zu hören und dabei Fenster zu putzen. Dieses Eier-Gesuche erzieht die Kinder doch eh nur dazu, sich nicht um ihr eigenes Glück zu kümmern, sondern darauf zu warten, daß Andere es ihnen verstecken.

Ich persönlich mag die Johannes- ja ungleich lieber als die Matthäus-Passion (rein musikalisch, nicht daß mir jetzt jemand mit der Wirkungsgeschichte des Johannes-Evangeliums um die Ecke kommt). Die ist ungleich expressiver, leidenschaftlicher, geht eher in die Spitzen als in die Breite - der pure Horror des Fensterputzens, der bei mir den Charakter eines intensiven Wutanfalls hat, der wird dadurch gewissermaßen spirituell unterfüttert.

Ja, und da putzt man da so vor sich hin und kommt zunehmend zur Überzeugung, daß bei einer Bestimmung sinnvoller Denk- und Handlungsrahmen, die der Aktualität und damit zusammenhängend Virtualität gerecht werden könnten, man langsam einfach mal da weitermachen sollte, wo so um '81/'82 herum aufgehört wurde.

Weil Kohl/Thatcher/Reagan alles plattgesessen, niedergefackelt und abgebrannt haben. Musikalisch ist ja sogar der eine oder Liberale noch dort verortet, ob Punk oder Jazz, war ja beides trendy damals - wobei man doch konstatieren muß, daß bei dem einen dann die Toten Hosen, bei dem anderen Matt Bianco bei raus kamen, sozusagen Kohlsche und Thatchereske Varianten eigentlich toller Sachen. Die Expression ausgetrieben und durch Dummheit, Arroganz und Affirmation zur Klassengesellschaft ersetzt - man gut, daß meine Diskussionsfreunde von gegenüber bei den Originalen ansetzen und nicht bei den Wirkungen! Meine ich ganz ernst!

Weil: Im Falle wohlverstandenem Punkrocks und richtig gutem Jazz landet man auch bei ziemlich cooler Malerei. Punkrock treibt's wohl eher figurativ, intendiert genial dilletantisch, na nicht nur, aber möglich ist das; beim Jazz kommt wohl eher Abstraktes dabei raus (ich liebe Feuilletonismus, wenn ich selbst ihn betreibe!). Der Farbrhythmus in späten Cèzanne-Bildern der Provence oder auch ein cooler Kandinsky hat den Jazz ja sozusagen vorweggenommen, deshalb gehören Dizzy Gillespie und der abstrakte Expressionismus ja auch untrennbar zusammen.

Aus diesem Grunde verstehe ich's nicht, wieso alle aktuell auf den "Neuen Wilden" der späten 70er so rumhacken - die vom Moritzplatz, Fetting und Salomé und so. Egal, welches Buch man aufschlägt, mit wem man redet: Deren Preisverfall, mangelnde Technik ("bad painting"), Opulenz, Suche nach reinem Selbstausdruck etc. wird Handwerksgewixe, neuer Beschiedenheit und dem fortwährenden Lob, daß Leute Illustriertenfotos abmalen und darin die Beziehungs- und Orientierungslosigkeit darstellen würden, geopfert (Schachtel!). Andere feiern "Neofolk" als supertolle Ignoranz des Medialen, als wären Bilderfunde auf dem Flohmarkt nicht ebenso medial - da finde ich ja jeden Fettingschen Indianer utopischer. Nix gegen all die neuen Figurativen als solche, schlimm ist der Diskurs, der sich um sie rankt und die Leute zum Verharren und zur verrätselten Ratlosigkeit verdammen soll. Also: Im Gegenzug neu aufbrechen! Jazz und Punk machen! Und Diedrich Diedrichsen ernst nehmen, der 1982 schrub:

"Dennoch: Tränen sind nicht genug! Humanismus ist ein Euphemismus für Polizeistaat und Verbrüderung, die Mausefalle, in die Linke, Hippies und Alternative vor zehn Jahren stapften. Diana Ross leuchtet aber über solche Lügen hinweg. Seelenkitzel und Bewußtseinsvollspüllung, Intensitäten, die sich der Namensgebung entziehen. Soul erhebt sich mitten im allerkonventionellsten Rahmen wie ein Hubschraber oder die fliegenden Menschen in de Sicas "Wunder von Mailand" über alle Rahmen und Konventionen."
Diedrich Diedrichsen, Diana, Documenta und all die Anderen, in: Kerstin Gleba, Eckhard Schumacher (Hg.), Pop seit 1964, Köln 2007, S. 98-99 Aus der Perspektive von Punkrock und Jazz Diana Ross hören und Soul lieben - laß uns doch da einfach weitermachen! Ungeachtet all dessen, was daraus wurde ....

09.04.07

Endlich frei!

Der Park wurde gekauft. Endlich!!! Jener, in dem ich jeden Tag mit meinem Hund spazieren ging. Damals. Wie alle anderen Grünflächen und Strände der Stadt wurde der jetzt endlich in wohlmeinende Hände gegeben. Eine Inititiative der BILD begleitete das große Verkaufsprojekt: Alleine schon, um die letzten Penner dort von den Bänken zu vertreiben, sei das nötig gewesen. Seltsam - diese ungewaschene Relikte aus grauer Vorzeit hier mitten in der Stadt haben doch richtig Touristenströme gezogen. Aber das widersprach wohl der Präferenz der Finanziers dieser Stadt. Schicksal. Flankiert und finanziert wurde die Kampagne von Investoren, na, und deren Präferenzen sind ja deren gutes Recht..

Der Weg zum Park war eh schon viel zu schwierig, seitdem ich den Bürgersteig-Maut (die Maut?) an diese Baufirma entrichten muß. Den Hund habe ich natürlich erschossen, sowas wollte keiner der Investoren haben auf seinen Bürgersteigen haben, sowas, was Dreck macht. Und zum Park tragen wurde dann auch verboten.

Es haben sich zwar zwei, drei Park-Investoren im Osten der Stadt auf Hundebesitzer spezialisiert, aber da komme ich gar nicht hin, wegen des Bauunternehmers, der eben keine Hunde auf den Bürgersteigern duldet. 'Nen Auto kann ich nicht mehr bezahlen.

Das ist der gleiche, der die neue Stadtmauer gebaut hat, der Bürgersteigbesitzer. Diese Drücker-Kolonnen, die die Kohle für die Stadtmauer eingetrieben haben, die waren schon nervig, aber Polizeieinsätze kann ich mir einfach nicht mehr leisten. Und die Konkurrenz des Bürgersteigbesitzers war halt so naiv zu glauben, sie hätten noch die Zeit, die Polizei zu rufen .... Dummerchen.

Der Sozialbau gegenüber steht derweil leer - in den Kasten wollte keiner mehr investieren, und der Abriß lohnt auch nicht wirklich. Deshalb war ja die neue Stadtmauer nötig: Die, die vorher drin wohnten, hausen jetzt halt in der Lüneburger Heide. Die brauchte aber eh keiner mehr. Ist ein bißchen beklemmend, jetzt auf dem Wilseder Berg spazieren zu gehen, so stacheldrahtumzäunt, mit all den ausgemergelten Gestalten dahinter. Aber immer noch besser als damals, zur Zeit der Moorsoldaten! Damals durften die nicht raus, jetzt dürfen sie nicht rein! Klar, jede Stadt hat jetzt ihr Teneriffa. Aber seitdem diese ganzen Gutmenschengesetzgebungen endlich verschwunden sind, läßt sich dieses Problem ja verhältnismäßig einfach lösen.

Endlich fühle ich mich richtig freii! In einer Demokratie (Social Choice Function), damals, sagten die Wähler nur etwas darüber, welche Alternativen sie besser finden, nicht aber um WIEVIEL . Es gab keinen Preis, mit dem man die eine Alternative gegen die andere aufwiegen konnte. In der Marktwirtschaft jetzt ist dies selbstredend anders. Darüber bin so froh!

Ich konnte sogar schon in Zyonkali-Kapseln anlegen! Seitdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen eingestampft ist und Philosophen ja auch keiner mehr braucht, brauchte man eh nie wirklich, nutzlose Esser, konnte ich mir ein kleines Geschäft als Hotelbildmaler aufbauen. Reicht immerhin für ein wenig Essen, die paar Luxus-Hotels, die sich sowas leisten und nicht einfach Drucke an die Wände nageln, die sind ja immer rarer gesät. Na, und so ohne Kinder bleibt halt nix übrig für den Arzt oder die Rente. Der Preis für Zyonkali-Kapseln ist seitdem enorm gestiegen, mußte lange dafür schuften. Soll aber immer noch das sicherste Mittel sein, wenn die Schmerzen dann unerträglich werden ... aber ich fühle mich so frei! Das Primat der Politik wurde abgeschafft! Endlich! War ja eh nur ein Begriff aus der Staatsrechtslehre, daß die Exekutive sich der Legislative zu beugen habe. Und Legislative als Verfahren zu begreifen daß die Leute einfach fragt, welche Rahmenbedingungen für ihr ganz konkretes, je eigenes Leben sie richtig finden, so als Kern des Politischen, das ist ja eh ein Mythos.

Es gibt schließlich nur einerseits DAS KOLLEKTIV und DIE GESELLSCHAFT (die ja schon in den späten 70ern an allem schuld war), und auf der anderen Seite die Individuen. Früher gab's noch DIE GESCHICHTE und DAS SUBJEKT und bei Platon halt DIE IDEEN, Personen waren ja ab einem gewissen Abstraktionsniveau immer schon out, wenn's um DAS DENKEN ging und darum, Pläne zu entwerfen, welche Rahmenbedingungen denn nun sachlich richtig seien, anstatt die Leute einfach zu fragen, was sie wollen.

Deshalb ging das auch einst so ab, daß DIE GESELLSCHAFT gleich als ganze sich politischen Beschlüsse unterzuordnen hatte (wer oder was da DIE GESELLSCHAFT war, die dann in Unterwerfungsgeste dem politischen Beschluß gegenüber stand, das wurde ja nie so recht geklärt). Aber dann kam ja zum Glück DER MARKT, und der Marxsche historische Materialismus war endlich von der Dialektik befreit .... auch diese anstrengende Nummer mit den verschiedenen Büchern ist endlich weg vom Fenster. Bestimmte Bücher entstehen zum Glück gar nicht mehr, weil es sich keiner mehr leisten kann, diese zu schreiben.

Form und Inhalt, Verfahren, deren Vorrausetzung und deren Inhalt mühsam zu unterscheiden, all diese unsinnigen Differenzierungen sind endlich gleichgeschaltet und nivelliert - die Welt ist so schön einfach geworden! Eine wunderschön eindimensionale Erlebnissphäre - aber jetzt muß ich schnell den Neo Rauch kopieren gehen, "Der Vorhang", das "Vier Jahreszeiten" will 'ne überdimensionale Kopie für seine Eingangshalle ....

05.04.07

Stempel

Da mantsche ich zwei Wochen lang in rot, orange und blau, lasiere mir einen (schlug teils fehl), ziehe mich auf's Motto der "genialen Dilletanten" zurück, um Würde zu wahren (habe lebenslang den Fehler gemacht, nur das weiter auszubauen, was ich eh schon konnte, damit muß langsam mal Schluß sein), verhunze "Dolce & Gabbana"-Werbung ganz wie die doofen Leipziger und schäme mich dafür, grübel Tag für Tag, wie ich dieses Rechteck mit Farbe drauf nun nennen soll, fange neue Bilder an, die technisch ein ganz klein wenig "besser" wirken, frage mich, ob ich's nicht noch expressiv garnieren soll mit allerlei die Form aufweichenden Linien und Wischern und entscheide mich, das Bruchstückhafte, Kindliche zu wahren - und da passiert's: Ich schreibe den nunmehr ergrübelten Namen auf's Bild "Verrutscht (Jagd 1)" und signiere, und prompt wirkt's autorisiert. Wie auf eine andere Ebene gehoben. Mit "ich" macht man sich allenfalls identifizierbar, aber so eine Signatur und ein Titel unten links, die adeln (obwohl man Titel ja eigentlich nicht auf Bilder schreibt - oder?). Der Effekt ist erstaunlich, wie ein Stempel auf dem Amt. So'n Eigenname entspannt, läßt Fragen ungestellt - und deshalb muß er einfach falsch und unwahr sein. Ja, auch im Fall der "Getreidemutter", auch wenn der Name natürlich viel besser ist dank Staatshermetik ...

03.04.07

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Da startet man verpennt seine morgendliche Blogrunde (warum läuft "Queer as Folk" eigentlich zu einer so saublöden Uhrzeit? Ich wünsche mir da mehr Minderheitenschutz!) und schreckt prompt auf beim Che: Watzlawick ist jetzt auch tot!

Es gibt ja so Denker, die viel tiefer prägen als vieles, was man theoretisch so vor sich hin vertritt, die wirklich Lebensweisheit ins eigene Dasein einfließen ließen und so richtig HALFEN. Paul Watzlawick ist so einer für mich. "Menschliche Kommunikation", "Lösungen" und "Anleitung zum Unglücklichsein" sind für mich schon fast Tugendlehren im positiven Sinne, irrwitzig komische, tiefgründige und faszinierende Bücher, die im wesentlichen von ihrem Humor leben und einfach brüllendkomisch-erschütternd treffsicher sind (weg mit den Adjektiven!).

Und er konnte ja nicht wirklich was dafür, daß die Sozialpädagoginnen der 70er Jahre ihn sich einverleibten (Freudianer werden an dieser Formulierung ihre Freude haben) und auf dem Höhepunkt der Scheidungswelle ihre zukünftigen Ex-Gatten mit dessen Axiomen malträtierten. Da bin ich sozusagen Zeitzeuge. Waren aber nicht nur Frauen, die ihn adaptieren. Telefonierte neulich mit einer Kundin/Kollegin, und wagte lediglich, den Namen Watzlawick zu erwähnen, da bekam sie einen Schreikrampf. Irgendein Ex-Lebensgefährte gehörte wohl auch zu jenen, die Sätze begannen mit Worten wie "Aber liebe X, Du weißt doch, jede Kommunikation hat einen Beziehungs- und einen Inhaltsaspekt, und der Beziehungsaspekt prägt den Inhaltsaspekt, und deshalb...".

Diese Experimente, die er veranstaltete, völlig "gesunde" Menschen in die Psychiatrie einzuschleusen, wo diese dann, für komplett irre erklärt, nicht wieder raussollen durften, die haben mein "Wahrheitsverständnis" doch nachhaltig hin zu einem gemäßigten Konstruktivismus verschoben. Meine erste Begegnung mit einer Systemtheorie war er zudem; ich fand die systemischen Ansätze in der Psychoanalyse immer plausibler als dieses freudianische Tiefgegründel.

Auch die tragikomische Geschichten in seinen populären Büchern - Frau schenkt Mann 2 Krawatten, Mann bindet begeistert eine um, Frau entsetzt: "Wie, gefällt Dir die andere nicht????" - waren Balsam für meine Adoleszenten-Seelen, für die Double Binds sowas wie eine unfreiwillige Nahrungsergänzung darstellten. Ganz zu schweigen von der Geschichte mit dem Hammer ..... wie oft habe ich die durchlebt, um den Psycho-Strip hier mal fortzuführen. Ach, Watzlawick, Du warst echt ein ganz Großer! Ziemlich lustig ist es auch, bezieht man die in "Menschliche Kommunikation" beschriebenen Mechanismen auf Diskussionen in der Blogosphäre:

"Entwertung. B könnte sich auch mittels einer wichtigen Technik schützen, die darin besteht, die eigenen Aussagen oder die des Partners zu entwerten, d.h. sie - absichtlich oder unabsichtlich - einer klaren Bedeutung berauben. Hierfür giibt es eine ganze Reihe semantischer Möglichkeiten, wie Widersprüchlichkeit, Ungereimtheiten, Themawechsel, unvollständige Sätze, absichtliches Mißverstehen, unklare oder idiosynkratische Sprachformen, Konkretisierung von Metaphern oder metaphorische Auslegung konkret gemeinter Bemerkungen und dergleichen mehr. Ein glänzendes Beispiel dieser Kommunikationsform findet sich in der Eingangsszene des Films Lolita, wo Quilty von Humbert mit der Pistole bedroht wird und ein derartiges Feuerwerk von Unsinn von sich gibt, daß der andere mit seiner Todesdrohung einfach nicht ankommt. Oder nehmen wir das reizende Beispiel logischen Unsinns, das Gedicht des Weißen Kaninchens in Alice im Wunderland:

"Er schrieb, du warst bei ihr zuhaus.
Und gabst von mir Bericht.
Und sprachst: "Mit dem kommt jeder aus,
Nur schwimmen kann er nicht".

Sie sagten ihm, ich sei noch hier
(ihr wißt ja, das trifft zu) -
Wenn sie sich nun drauf kaprizier'
Sagt sie, was machst dann Du?

Ich gab ihr eins, sie gab ihm zwei,
Und ihr gabt nur drei Stück;
Doch all das ist jetzt einerlei,
Du hast sie ja zurück."

Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson, Menschliche Kommunikation, Bern Stuttgart Wien 1969, S. 75-76

Bye, Bye, Watzlawick! Und: Danke!!!

02.04.07

Ein Tag

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Die Süße findet im Park gleich einen Spielgefährten, schon morgens auf dem Weg zum Bus: Ein kleiner, weißer Terrier mit braunen Flecken. Sie dreht so heftige Runden, daß sie zur Seite wegrutscht - ganz wie ein Auto aus der Kurve fliegt. Doch sie lacht dabei, strahlt von Schlappohr zu Schlappohr, keinerlei Blechschäden, und flitzt weiter. Das "Frauchen" plaudert über den Leinenzwang - Freilaufverbot. Bloß nicht erwischen lassen. Die Busfahrerin verkauft demonstrativ freundlich den Fahrschein, ganz Frische - die Sonne scheint. Man liest im Netz über Rauchverbote und kommende Alkoholverbote. Ewige Zeilen surren im Kopf "Für immer breit möchte ich sein, für immer breit. Willst Du wirklich immer nüchtern bleiben? Für immer breit!" Lese einen Text von Diedrichsen, daß jede kritische Bewegung immer eine Schleimspur von Irrationalismus nach sich ziehen würde. T.T. aus Köln schaut vorbei - schön ihn zu sehen! Man redet über Fußball und Denk- und Handlungsverbote im alltäglichen Jobgeschehen - und daß Aufträge ausbeiben, wenn man diese nicht befolgt. Daß man aufpassen muß, nicht selbst zum Kompromiß zu werden. Er ist da nicht in Gefahr, ich schon. Danach klaut die Süße eine halbe Tiramisu-Torte vom Tisch, obwohl sie das natürlich nicht dürfte, und ist happy. Alle anderen diskutieren über den "Summer of Love" und daß ein Love In mitten auf dem Rathausmarkt wahrscheinlich verboten würde. Es sei denn, es fände sich ein Sponsor. Dann aber bitte nur sichtdicht eingezäunt, wegen des Jugendschutzes. Ich gehe CDs kaufen, Maximo Park, Coco Rosie und Francoise Hardy. Vor dem Elektronik-Kaufhaus eine Kundgebung - Gewerkschafter? Betriebsräte? Tuba, Gitarre, Gesang und Reden von Männnern um die 50 über den Kuchen, der für Rentner, Angestellte und Arbeiter immer kleiner würde, während andere sich die Taschen vollstopfen. Stimmt ja. Ein Häufchen Menschen steht drumrum; wirkt alles ein wenig, als habe sich eine Künstlergruppe vorgenommen, die 70er Jahre nachzustellen. Irgendwie Retro. Schlimm. Sie haben wirklich gesiegt, die Anderen. Solche Kundgebungen braucht man noch nicht mal mehr zu verbieten. Nehme nicht den Bus nach Hause, sondern komme an Kunsthalle und Museum der Gegenwart vorbei. Da steht er, dieser riesige, schwarze Würfel als Hommage an Kasimir Malewitsch' schwarzes Quadrat, fast so hoch wie das Museum der Gegenwart selbst ist der. Wollten einige Städte nicht aufstellen, weil er an dieses Heiligtum in Mekka erinnern könnte - Kaba? Heißt das so? Kann doch nicht sein. Der Islam ist doch keine Alternative zu Nesquick. In Hamburg hat man einfach mit sämtlichen muslimischen Gemeinden geredet, und die fanden das Ding super. Wirkt der jetzt wirklich erhaben oder ist der einfach nur groß? Der Eindruck ist schon doll - und doch so, als wolle er einschüchtern. Monumental. Als habe der Künstler jedes Vertrauen verloren in die eigene Kraft. Kein Wunder. Ein Effekt ganz wie bei der Elbphilharmonie. Vor dem schwarzen Riesen ziemlich winzig die üblichen Mountainbiker mit Dreiviertelhose und ausrasiertem Nacken - ganz schon sexy. Haben sich nicht vertreiben lassen. Ich gehe über die Alster und genieße Blick und Licht. Ich lebe in der schönsten Stadt der Welt.

01.04.07

Treffpunkt Keller

"Beispielhaft für diese Pop-Nostalgie in der bildenden Kunst sollen hier Arbeiten von Kai Althoff, Mark Leckey und Mathias Poledna behandelt werden. In ihnen gelingt es, zugleich die Prekärität und die Potenzialität vergangener Pop-Momente aufscheinen zu lassen. Ohne sich in das geschützte Pop-Außen der "High Art" zu begeben, markieren sie sehr präzise den für die Nostalgie entscheidenden sozialen Kontext als einen brüchigen. Pop dient hier nicht als Emblem für Hipness, wie das bei manch anderen künstlerischen Arbeiten der Fall ist. Denn anstatt glamouröse "goldene Zeiten" zu erinnern, zeigen einige ihrer Arbeiten prekäre und bedrohte Übergangsmomente und öffnen so den nostalgischen Rückbezug für gleichsam "schwache" Pop-Soziotope. Während nostalgische Marketingstrategien der Popmusik den Rezipienten platzieren und mnemotechnische Soundsignaturen immer häufiger den Wunsch nach "retrogressiver" Selbstvergewisserung des Hörers bedienen - man denke an Electroclash und Achtziger-Synthie-Pop -, führen Althoff, Leckey und Poledna eine emotionale Dissonanz in die Pop-Erinnerung ein, indem sie an die Bedrohtheit kollektiver Aufbrüche erinnern. Diese Unterwanderung einer das Individuum stabilisierenden Nostalgie fällt mit bildgebenden Verfahren ungleich leichter als mit den Mitteln des Sounds allein."
Aram Lintzel, Spiralen der Erinnerung, in: Texte zur Kunst Nr. 60

Langsam wird das hier 'n reiner Zettelkasten, aber wenn irgendwann sowas wie bei Luhmann hinten raus kommt, kann's ja vielleicht nicht schaden ... und mit der im Text formulierten "Programmatik" kann ich mich durchaus anfreunden ...

Malerei "Out of Time"

"Ihre Geisteshaltung (die der 68er, MR) war ein Luxusphänomen. Sie war nur möglich in einer Phase der Prosperität, die sich aus Marshallplan und Aufbauwillen speiste. Sie waren die frühen Wohlstandsverwahrlosten."

Christoph Schwennecke, Mehr geschadet als genützt, in: Cicero April 2007, S.72

""Ulrike Krüger aus Kassel gehört zu den Opfern. Mehrere Polizisten dreschen auf sie ein. "Die hatten doch verzerrte, entfesselte Gesichter", sagte sie später. "Die wußten doch, daß ich weglaufen wollte, und die haben trotzdem geknüppelt". Ich finde sie auf einer Wiese an der Krummen Straße, sie windet sich in Krämpfen, ihr Gesicht ist blutüberströmt, die Kleider sind verschmutzt. Später diagnostizierten sie im Westend-Krankenhaus eine Nierenpürellung. Dort fallen auch Äußerungen wie diese: "Die dreckigen Studentinnen. Denen braucht man nur unter die Röcke zu sehen." Als Ulrike Krüger am nächsten Tag starke spastische Schmerzen bekommt und der ärztliche Notdienst gerufen wird, weigert sich der Bereitschaftsarzt: "Wenn das mit der Prügelei zu tun hat, kann ich aus juristischen Gründen nicht kommen"."

Jürgen Zimmer, Der Plan Füchsejagen, in: DIE ZEIT vom 9.6. 1967, zitiert nachCarsten Seibold (Hg.), Die 68er, München 1988, S. 140-141


"Arno Rink, der ehemalige Leiter der Dresdener Akademie, meinte gegenüber der "Times", in dieser Hinsicht sei die Berliner Mauer ein ästhetischer Vorteil gewesen."Sie erlaubte uns, in der Tradition von Cranach und Beckmann weiterzuarbeiten. Sie bewahrte die Kunst vor dem Einfluß von Josef Beuys."

Graham Bader, Deuttsche Farbe - Amerikanische Augen - Eine Globale Gegenwart, in: Christoph Tannert, New German Painting, Müchen - Berlin - London - New York 2007, S. 54

Mit freundlicher Unterstützung durch:
ringfahndung.de