Angesichts der Diskussion drüben beim Che grübelt man ja weiter. Wieso kommen Leute eigentlich auf die Idee, die Intelligenz von "Schwarzen" in Relation zu "Weißen" zu untersuchen?
Bei Chinesen, Juden oder Indern käme man auf die Idee wahrscheinlich gar nicht. Sind ja auch "Hochkulturen", nicht wahr, lieber Zettel? Ist mir zumindest nicht bekannt, daß hinsichtlich jener Gruppen jemand solche Frage stellt. Klar, damals vor Adolf gab's auch Schädelvermessungen bei Juden, ist ja aus erschreckend guten Gründen out seitdem.
Dabei ist der Hautton von Indern so weit weg nun auch nicht von jenen aus manchen Regionen Afrikas. Bei Indianern wird es sowas auch gegeben haben, solche Untersuchungen über deren mindere Intelligenz. Warum also immer auf die Schwatten?
Kam ja neulich mal auf die wahrscheinlich falsche, aber vielleicht doch bedenkenswerte Idee, daß es an der Linse liegt.
Also nicht dem natürlichen Auge, das Farbnunancen sehr genau wahrnehmen kann, sondern daran, daß irgendwelche alten Meister irgendwann anfingen, durch Linsen Personen zu projizieren, um deren Umrisse bestens zeichnen zu können.
Camera Obscura nannte sich das. Dazu braucht es sehr viel Licht, um solche Projektionen zu erzeugen; was dabei rauskommt, kann man allerbestens bei Caravaggio betrachten: Dieses tiefe Schwarz, aus dem die hellen Körper sich dann erheben als Sieger über das Dunkel.
Hell-Dunkel-Malerei nannte man das nicht umsonst, Rembrandt war deren Meister, und bis die Impressionisten und Cézanne dann Bilder aus Farbe aufbauten, galt diese Weise der Darstellung als das Wahre, Gute und Schöne.
Man möge mich technisch korrigieren, aber Film und Fotografie basieren auf eben den gleichen Prinzipien wie die Hell-Dunkel-Malerei. Und in der Tat ist es schwierig, einen Schwarzen gut auszuleuchten beim Fernsehen - die Haut spiegelt stärker, und wenn man nicht ordentlich Stoff gibt, suppt das Gegenüber weg.
Macht man das richtig, sind die "Lichter", also die Reflexe auf der Haut, zugleich stärker, je dunkler die Haut ist. Setzt man beispielweise rotes Licht, so löst sich die Konttur fast auf; bei "Weißen" hingegen wird einfach nur "Weichgezeichnet".
Bei weißem Licht wirkt der Kontrast der Lichter zur Hautfarbe "unnatürlich", wenn man ihn nicht per Linse, sondern per Augenschein malt.
Modelliert man malend sehr stark mit weiß, um Volumen zu erzeugen, wird das Dargestellte im Falle schwarzer Gesichter und Körper zu hell - dann also, wenn man mit der Suggestion von Licht, durch eine Linse betrachte, mit weichen Übergängen, wie die Projektion sie erzeugt, arbeitet.
Unsere gesamte Wahrnehmung ist durch und druch von dem Prinzip der Linse geprägt; ich behaupte einfach mal, daß Feld- Wald und Wiesen-Warhrheitsbegriffe im Grunde genommen an dieser Version des Abbildes, wie es bei Caravaggio, Ingres und anderen findet, sich orientiert. Nicht umsonst halten viele Fernsehbilder für realer als das, was sie sehen, wenn sie Bus fahren, und im Bus muß man richtig "umschalten", um sich Gesichter genau anzugucken, weil man meistens sieht, was man weiß oder zu wissen glaubt - z.B. aus dem Fernsehen.
Vergleicht man mit dieser europäischen Tradition afrikanische Kunst, so fällt auf, daß deren Darstellungstraditionen eher am Stoff und an der Skulptur, auch an der Performance orientiert sind, somit am Raum - nicht jedoch am Licht.
Und am belebten Raum orientiert, die Maske setzt man auf und bewegt sich mit ihr. Die statische Zentralperspektive, bis heute als heroischer Durchbruch gefeiert zu Zeiten der Renaissance gefeiert, findet im gelebten Raum, auf Leiblichkeit verweisend, keine Entsprechung.
Und nicht am Abbild sich reibend, sondern auf die "Verdichtung von Zeichen" zielend arbeitet afrikanische Kunst : Der Elefant auf der Stoffdecke bedeutet dann sehr viel, nicht einfach nur "Elefant". Da wird eine in Relation viel höhere Abstraktionsleistung vollbracht als bei der Linse, die Kunst ist aktiver, eingewobener in den Alltag. Lediglich Kunst als Statussymbol, da treffen sich der "der Westen" und "Afrika".
Interessant wäre der Vergleich zwischen afrikanischen Weisen der Verdichtung von Zeichen und jener in einer wissenschaftlichen Formel. Ich vermute mal, daß die "Afrikaner" uns da schon immer ein paar Schritte voraus waren.
Die Licht-Metapher zieht sich durch alles, was "uns" heilig ist. Man bedenke nur, was "Aufklärung" heißen kann. Auch Wasser, daß "klar" wird, klar; die Licht-Metapher steckt auch da mit drin.
Ergänzt durch diesen Platonismus, der, ob im Renaissance-Gemälde oder beim Claudia-Schiffer-Portraitauf RTL, die Idealiserung erschafft, ist man in all diesen Wahrnehmungs- und Darstellungsweisen mittendrin in jener Logik, die Rassismus erzeugt und so blödsinnige Fragen wie jene, ob denn "Schwarze" dümmer seien, hervorbringt.
Boticelli prachtweiße Geburt der Venus - zum Glück haben dann Derain, Matisse, Picasso und andere mal genau hingesehen und uns anderes Wahrnehmen gelehrt. Natürlich schauen die meisten da einfach weg, aber eine Kultur, die "Zentralperspektiven" an den "Ursprung" ihrer "Größe" setzte, ist eben vor allem eines: Bräsig und ignorant.