Sich-Einlassen - auf Inder, auf Dich und auf das Licht im Park!
Gerade ich als gruseliges Gewohnheitstier muß das folgende schreiben.
Gerade ich.
Ist wohl Wunsch.
Macht ja nix.
Gab ja Denker, die Menschen als "Wunschmaschinen" bezeichneten, ekliges Wort. Maschine will ja keiner sein. Auch nicht Motor seiner selbst, in dessen Getriebe dann keiner Sand schütten dürfte. Diese Modelle "negativer Freiheit" halt. Wer will die schon wirklich LEBEN?
Habe keine Ahnung, ob Motor und Getriebe das gleiche sind, so als einer, der sich selbst aus Gründen der Hans-guck-in-die-Luftigkeit den Führerschein entzogen hat - womit ich beim Thema wäre: Auch diese antike Slapstick-Nummer, war's Thales?, vom Philosophen, der so intensiv zum Himmel schaut, daß er stolpert und in's Wasser fällt, die IST ja eine Form des Sich-Einlassens. Auf Gedanken halt. Und das kann ganz wundervoll sein, wenn man nicht mehr aufhören kann zu grübeln, sich im Denken verliert, auflöst, so, wie wenn man einen Krimi liest und ganz eins wird mit der Handlung - im Imaginären, versteht sich.
Mein Philosophie Prüfer, der Martin Seel, der hat mir ja mittels Buch zwei Brocken hingeworfen, die mich seitdem gar nicht mehr loslassen.
Das Buch hat er "Sich bestimmen lassen" genannt, erschienen ist das 2002, und was er darin in diversen Aufsätzen ausformuliert, das ist eben dieses Motiv im Titel, ergänzt durch die Ansätze einer "medialen Erkenntnistheorie". Die, viel zu kurz gefaßt, besagt, daß man in der Reflektion auf die je eigene Erkenntnismöglchkeit erst mal die Medien der Erkenntnis, Licht. Sprache etc., zu analysieren habe, kurz, die Erscheinunungsweise der Dinge und Menschen für uns. Ist eine gute, alte, Kantische Figur, die im Alltag dennoch allseits vergessen sich findet: Wir glotzen und lesen und riechen und schmecken und thematisieren die Akte des Glotzens und Lesens und Riechens und Schmeckens selbst allenfalls in Randbereichen: "Das schmeckt gut", z.B..
Was uns vor allem an einem hindert: Dem Sich-Einlassen. Die Programmatiker der "negativen Freiheit" wettern ja gegen nix mehr an als gegen Sich-Einlassen, weil sie eben Grundsätzliches mit Politischem sowieso konstant vermengen.
Mügeln ist ja auch ein Akt negativer Freiheit: Frei-Sein von Indern, sozusagen. Und diese ganzen Ironisierer gegen "Kulturbereicherung" in der rechten Mitte der Blogosphäre sind eben Nicht-Einlasser und sonst nix: Tupper-Party-Politik wird dort gefordert, Vakuum erzeugt.
Da stimmt dieses alte Lustigmachen über die Teneriffa-Urlauber, die dort nur Filterkaffee trinken und als letztes Moment des Sich-Einlassens wie im Nuala-Song von einst "Sieh mal da - ein Pferdegespann! Daß es sowas heute noch gibt!" ausrufen. "Eleganz von Fiorucci, Seidenscheitel im Haar" haben die damals auch gesungen, Nuala, und das Sich-Einlassen auf das Zerwuscheln von Seidenscheiteln kann ja auch schön sein - dann bin ganz ich bestimmt vom Gefühl der Hände im fremden Haar, und das können ggf. beide genießen.
Diese Art des Sich-Bestimmen-Lassens von dem Anderen oder auch dem Bild von Cézanne und dem Lcht im Park, das könnte ja so richtig bestimmend werden für's je eigene Leben, wenn man nicht ständig damit beschäftigt wäre, anderen Leuten die Taschen voll zu machen ...
"Die Grundbedeutung des Lassens, das alle Vollzüge meines Tuns muß begleiten können, ist daher die eines Sicheinlassens-auf. Wer sich auf etwas einläßt, lässt etwas zu; er lässt zu, nicht mit Bestimmtheit zu wissen, was ihn im Verlauf seines Handelns geschehen wird. darüber kann er sich täuschen, nicht aber erheben. Jedes Sicheinlassen enthält eine Affirmation des Unbestimmbaren in der Bestimmtheit des Denkens und Handelns. Sich wachen Sinnes auf etwas einzulassen verlangt entsprechend die Fähigkeit, sich in noch unbestimmter Absicht und Erwartung in eine noch offene Situation zu begeben, Es bedeutet, sich in einer offenen Situation aufzuhalten, ohne die Offenheit der Situation ausräumen zu wollen, ob das nun die zu gewinnenden Einsichten, die zu verfolgenden Ziele oder die zu erfüllenden Wünsche betrifft. Es bedeutet, sich unter den Einfluss von Möglichkeiten zu begeben, die einen unwillkürlich bestimmen können. Es bedeutet, sich im eigenen Wüschen und Wollen weiterhin bestimmbar zu halten."Martin Seel, Kleine Phänomenologie des Lassens, in der.s: Sich bestimmen lassen, Frankfurt/M. 2002, S. 275 Na, wenn das kein Tagesmotto ist! Wohlan, Glückauf! Manchmal muß man sich darauf einlassen, sich selbst zu beschwören. Vielleicht klappt's ja.



