" /> Metalust & Subdiskurse: August 2007 Archive

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28.08.07

Sich-Einlassen - auf Inder, auf Dich und auf das Licht im Park!

Gerade ich als gruseliges Gewohnheitstier muß das folgende schreiben.

Gerade ich.

Ist wohl Wunsch.

Macht ja nix.

Gab ja Denker, die Menschen als "Wunschmaschinen" bezeichneten, ekliges Wort. Maschine will ja keiner sein. Auch nicht Motor seiner selbst, in dessen Getriebe dann keiner Sand schütten dürfte. Diese Modelle "negativer Freiheit" halt. Wer will die schon wirklich LEBEN?

Habe keine Ahnung, ob Motor und Getriebe das gleiche sind, so als einer, der sich selbst aus Gründen der Hans-guck-in-die-Luftigkeit den Führerschein entzogen hat - womit ich beim Thema wäre: Auch diese antike Slapstick-Nummer, war's Thales?, vom Philosophen, der so intensiv zum Himmel schaut, daß er stolpert und in's Wasser fällt, die IST ja eine Form des Sich-Einlassens. Auf Gedanken halt. Und das kann ganz wundervoll sein, wenn man nicht mehr aufhören kann zu grübeln, sich im Denken verliert, auflöst, so, wie wenn man einen Krimi liest und ganz eins wird mit der Handlung - im Imaginären, versteht sich.

Mein Philosophie Prüfer, der Martin Seel, der hat mir ja mittels Buch zwei Brocken hingeworfen, die mich seitdem gar nicht mehr loslassen.

Das Buch hat er "Sich bestimmen lassen" genannt, erschienen ist das 2002, und was er darin in diversen Aufsätzen ausformuliert, das ist eben dieses Motiv im Titel, ergänzt durch die Ansätze einer "medialen Erkenntnistheorie". Die, viel zu kurz gefaßt, besagt, daß man in der Reflektion auf die je eigene Erkenntnismöglchkeit erst mal die Medien der Erkenntnis, Licht. Sprache etc., zu analysieren habe, kurz, die Erscheinunungsweise der Dinge und Menschen für uns. Ist eine gute, alte, Kantische Figur, die im Alltag dennoch allseits vergessen sich findet: Wir glotzen und lesen und riechen und schmecken und thematisieren die Akte des Glotzens und Lesens und Riechens und Schmeckens selbst allenfalls in Randbereichen: "Das schmeckt gut", z.B..

Was uns vor allem an einem hindert: Dem Sich-Einlassen. Die Programmatiker der "negativen Freiheit" wettern ja gegen nix mehr an als gegen Sich-Einlassen, weil sie eben Grundsätzliches mit Politischem sowieso konstant vermengen.

Mügeln ist ja auch ein Akt negativer Freiheit: Frei-Sein von Indern, sozusagen. Und diese ganzen Ironisierer gegen "Kulturbereicherung" in der rechten Mitte der Blogosphäre sind eben Nicht-Einlasser und sonst nix: Tupper-Party-Politik wird dort gefordert, Vakuum erzeugt.

Da stimmt dieses alte Lustigmachen über die Teneriffa-Urlauber, die dort nur Filterkaffee trinken und als letztes Moment des Sich-Einlassens wie im Nuala-Song von einst "Sieh mal da - ein Pferdegespann! Daß es sowas heute noch gibt!" ausrufen. "Eleganz von Fiorucci, Seidenscheitel im Haar" haben die damals auch gesungen, Nuala, und das Sich-Einlassen auf das Zerwuscheln von Seidenscheiteln kann ja auch schön sein - dann bin ganz ich bestimmt vom Gefühl der Hände im fremden Haar, und das können ggf. beide genießen.

Diese Art des Sich-Bestimmen-Lassens von dem Anderen oder auch dem Bild von Cézanne und dem Lcht im Park, das könnte ja so richtig bestimmend werden für's je eigene Leben, wenn man nicht ständig damit beschäftigt wäre, anderen Leuten die Taschen voll zu machen ...

"Die Grundbedeutung des Lassens, das alle Vollzüge meines Tuns muß begleiten können, ist daher die eines Sicheinlassens-auf. Wer sich auf etwas einläßt, lässt etwas zu; er lässt zu, nicht mit Bestimmtheit zu wissen, was ihn im Verlauf seines Handelns geschehen wird. darüber kann er sich täuschen, nicht aber erheben. Jedes Sicheinlassen enthält eine Affirmation des Unbestimmbaren in der Bestimmtheit des Denkens und Handelns. Sich wachen Sinnes auf etwas einzulassen verlangt entsprechend die Fähigkeit, sich in noch unbestimmter Absicht und Erwartung in eine noch offene Situation zu begeben, Es bedeutet, sich in einer offenen Situation aufzuhalten, ohne die Offenheit der Situation ausräumen zu wollen, ob das nun die zu gewinnenden Einsichten, die zu verfolgenden Ziele oder die zu erfüllenden Wünsche betrifft. Es bedeutet, sich unter den Einfluss von Möglichkeiten zu begeben, die einen unwillkürlich bestimmen können. Es bedeutet, sich im eigenen Wüschen und Wollen weiterhin bestimmbar zu halten."
Martin Seel, Kleine Phänomenologie des Lassens, in der.s: Sich bestimmen lassen, Frankfurt/M. 2002, S. 275 Na, wenn das kein Tagesmotto ist! Wohlan, Glückauf! Manchmal muß man sich darauf einlassen, sich selbst zu beschwören. Vielleicht klappt's ja.

26.08.07

Dank zurück!

Na, schlechtes, aber schnelles Spiel beider Mannschaften, und zum Glück blieben die 3 Punkte dann bei uns - und Phillip Trojan und René Schnitzler haben auch gezeigt, daß man sich für sie so richtig begeistern können kann.

Alles aber eigentlich kein Grund für einen Spielbericht, Vorbericht gab's ja hier drüben, aber erwähnenswert dann doch das Transparent der Gästefans:"Freiheit für Fankultur! Fussballfreude pur - Danke 1. FCSP!".

Wir sind zwar nur der FC St. Pauli und nicht dessen Erster, aber so nette Gesten erlebt man ja auch nicht alle Tage. Deshalb Dank zurück nach Koblenz!!!

Und pure Freude, nach dem 3. Spieltag auf Platz 6 zu stehen und wieder 3 Punkte gegen den Abstieg gesammelt zu haben!

25.08.07

Noch lieber gegen "Ringelreihen mit Kerzen" als gegen Nazis, so scheint es ...

"Bei den Biologen hier gab es die alle nicht. Und selbst die bei Erdbeertee auf Bastmatten diskutierende Birkenstock-Fraktion war (vielleicht wegen Technischer Hochschule) nicht vertreten."

Schreibt Marc.

Es gibt ja so Sätze, die lassen einen nicht mehr los.

Der da oben ist so einer.

Eben, weil er einmal mehr klar macht, wie Teile des liberalen Lagers sich im wesentlichen über die Abgrenzung zu einem bestimmten Milieu definieren und viel mehr auch nicht zu sagen haben.

Verstehe nicht, warum Statler da mitbloggt. Das hat der doch eigentlich nicht nötig. Das ist doch eigentlich unter dessen Würde, sich mit Leuten gemein zu machen, die behaupten, gegen Nazis anzuschreiben und das dann einfach nur dazu nutzen, ihrer Aversion gegen "Ringelreihen mit Kerzen" freien Lauf zu lassen. Die sie vermutlich mit den Nazis teilen.

Die dann mal neben bei das Engagement von den wenigen, die da vor Ort seit Jahren sich aufreiben und dafür auch Geld brauchen, in den Dreck reden. Das hier meine ich:

"Die Betroffenheitsadressen aus Politik und Medien beginnen bereits wieder, von der Empörung zur Fördermittelakquise Ost zu changieren."

Würde mich ja mal interessieren, ob der Herr Autor auch nur einmal mit einer der Opferhilfeinitiativen, denen jüngst die Gelder gestrichen wurden, geredet hat.

Es ist eklig, wie dieses Abgewerte von allem, was nicht dem je eigenen Milieu entspricht, noch nicht mal dann bleiben lassen können, wenn irgendwo Inder durch Dörfer gehetzt werden .

Hatte mich zuächst über Statlers Ausführungen drüben beim A-Team gefreut und wieder dieses Gefühl gehabt, daß man wenigstens in dieser Hinsicht Bündnispartner hätte. Jo@chim ist's jetzt prächtig gelungen, mir dieses Gefühl wieder auszutreiben. Loellie, Du hast recht.

Natürlich gibt's bei Herrn Hecht erst mal Sottisen gegen vermeindliche Anitfa-Folklore, als sei es nicht genau diese, die gerade in den späten 80ern und frühen 90ern mir ein körperlich unversehrtes Leben in innerstädtischen Bereichen Hamburgs gesichert hat. Manche Polizisten haben, diversen Zeugenaussagen damals zufolge, den Glatzen noch den Weg zum SPA gewiesen, als dieses gestürmt wurde, damals, nach dem Sieg zur WM 1990.

Ansonsten haben die sich aber gar nicht in die City getraut; in Harburg hingegen wurde man auch gerne mal von irgendwelchen Stiefeln angesprungen, wegen der halbwegs bunten Haare.

Insofern gilt Zero Tolerance zugleich mal jenen gegenüber, die über lustige Vehikel wie "Preisbildung" die flächendeckende Entwertung von Menschen fördern und predigen, die also kulturell einen menschenverachtenden Ökonomismus predigen und so dabei helfen, Selbstwertmuster zu generieren, "Elitenförderung", "Leistungsträger", auf den alle Nationalismen dieser Welt dann reagieren, schlimm genug, schrecklich, hängt aber beides zusammen.

Das Menschenbild von Leuten wie Jo@chim wird ja überdeutlich in Klammer-Einschüben: "die Dummen, Feigen, Zurückgebliebenen", bei den "Zurückgeblieben" wird Sprache einmal mehr verräterisch.Das ist nämlich anders konnotiert als "ewig gestrig".

Und mit hehrem Moralismus fordern sie ergänzend dann den Abbau sozialstaatlicher Strukturen, als sei's nicht genau diese Lücke, die dann von der NPD gefüllt wird - dann generiert eben diese jenen öffentlichen Sektor, dessen Notwendigkeit von liberalen Stimmen so nachhaltig attackiert wird.

Wüßten sie auch nur im Ansatz, was sie reden, dann hätten sie sich wenigstens mal ein ganz klein wenig mit dem Hintergrund ihrer eigenen Kampfbegriffe beschäftigt, und z.B. genau diesen Zusammenbruch frei flotterender Öffentlichkeit in Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" studiert.

An dem Punkt, wo reine Interessen diesen - metaphorischen und faktischen - öffentlichen Raum bestimmen, seien's nun Wirtschafts- oder Parteinteressen, das ist schnurz, bricht er zusammen.

Und wenn nur lang genug gepredigt wird, Demokratie sei die Herschaft der Mehrheit über die Minderheit und nicht ein Verfahren zum Interessenausgleich, dann glauben das die, die sich für die Mehrheit halten, auch irgendwann. Das geht nicht gut aus für die Minderheiten ...

Und dieser ganze Quatsch mit den Jahrzehnten des Sozialismus, der die Menschen deformiert habe - es sind einfach genau die gleichen Schichten, die '85 in Hannover Nazis wurden und die seit Jahrzehnten hier in Hamburg Schill und Konsorten wählen, die auch im Osten dann losprügeln. Also jene, die dem Zusammenbruch industrieller Kerne und zunehmender Rationalisierung der Arbeitswelt zum Opfer fielen und die dann in Welten, wo nix wert ist, wer kein Geld hat, eben auf andere Art ihr Selbstbewußtsein generieren. SO entsteht Gewalt. Im Osten tritt noch einiges hinzu, die Basis bildet jedoch genau das.

Und würde man die Lichterketten von damals, die immerhin noch irgendein Signal der Verständigung und des wechselseitigen Respekts darstellten, tatsächlich durch dieses Stahlgehäuse des nur Verwetungslogiken folgenden, liberalen Diskurses ersetzen, dann hallelujah, dann dürfen gerade dessen Apologten sich nun wirklich nicht wundern, wenn's bald nur noch knallt.

Da kann noch so schöne Bürgerrechtsrhetorik auch nix dran ändern - der alte Gegensatz von Citoyen und Bourgois, der gilt halt auch weiterhin.

Kein Wunder, daß entsetzlicherweise immer mehr Leute die Forderung nach Einhaltung der Menschenrechte nur noch als ideologisches Vehikel zu Kulturimperialismus und Durchsetzung von Wirtchaftsinteressen wahrnehmen,. Ich halte diese Position für grundfalsch, aber Jo@chim und seine Freunde werden schon dafür sorgen, daß das irgendwann alle außer mir glauben. Jeder hat die Kommentatoren, die er verdient ...

Und wer dann, was er nicht mag, ausgerechnet auf Bastmatten platziert, der ist auf Stühlen tatsächlich am besten aufgehoben - es lebe die Zivilisation. Die Mügelner glaubten wahrscheinlich, diese zu verteidigen gegen diese auf Kissen sitzenden Inder .... wird ihnen ja auch die ganze eingeredet, daß Türken, Inder und andere "Kanacken" Träger vormoderner Kulturen seien. Sie haben's einfach nur geglaubt, wahrscheinlich ...

22.08.07

Von Hollyood lernen heißt leben lernen!

Na, Frau Brunotte, haben Sie eine Schwester namens Svea?

Das waren Zeiten, als wir zusammen Rommé spielten, die Svea, der Karsten und ich .... unsere Helden hießen damals Marc Almond und Georgette Dee und Jacques Brel, tatsächlich trafen wir uns Samstags immer zum "Alles nichts, oder?" gucken in einer Wohnung unweit des Kiez, wo aufgrund gelegentlichen Kakerlakeneinfalls dann "Rent to Kill" geordert werden mußte.

Ja, "Alles nichts oder?", Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder waren einfach großartig damals, und auch wenn ich Frau von Sinnen jetzt jahrelang nur schwer erträglich fand, seit der Broder immer über die herfällt, mag ich sie wieder und finde sie toll.

"Rent to Kill" war eigentlich das Überleitungsstichwort; in der gestrigen FR fand sich nämlich ein ganz spannender Text von Ulrike Brunotte. Spannend deshalb, weil die das Thema des "Helden" nicht einfach in islamische Lebenswelten externalisiert, sondern ZUGLEICH auch dort verortet, wo es am erfolgreichsten ist: In Hollywood.

Da macht jeder Drehbuch-Autor das ja ganz explizit, seitdem irgendein "Skript-Doktor" aus Versehen C.G. Jung las und dessen Konzept der "Heldenreise" als universal-mythisches Skript dann allen Plots implementieren half.

Der Held, der den "Ruf" hört, sich erst weigert, dann doch loszieht (ja, so ging's mir damals auch - wollte gar nicht da hin, wo ich jetzt noch bin, nö, wollte ja Philosophie-Professor werden, und dann nervte dieser Kumpel immer rum, komm, nur ein Praktikum, und ich folgte außerordentlich widerstrebend dem Ruf), auf den "Hüter der Schwelle" trifft (war die Sekretärin, damals, bei mir, die hat mich eingestellt) , den weisen, alten Lehmeister an seiner Seite (dem habe ich gestern immer zugeredet, er solle doch 'ne Stiftung gründen ;-) ... im Gegensatz zu Investoren sind Alt-Gesellschafter manchmal ja schon ganz schön großartige Typen), der Gestaltwandlern über den Weg läuft (allerlei Kollegen, die dann, wenn's um Konkurrieren ging, auf einmal Seiten zeigten, mit denen ich nie gerechnet hatte) und final dann vom Schwächling zum Helden reift (ja, tatsächlich, anfänglich überangepaßt und ängstlich, reifte meine große Klappe und die Lust zum Fight doch außerordentlich) , das vereint "Star Wars" mit "Spiderman" und noch ganz anderen Filme (und so manches Leben auch).

Frau Brunotte setzt den Akzent alleridings woanders:

"Der Entwürdigung mit Kampf zu begegnen, bildet, wie der Religionssoziologe Mark Jürgensmeyer festgestellt hat, immer häufiger den Hintergrund von Fällen religiöser Gewalt. Es geht um eine Art "symbolischen Machtgewinn von Männern", so Jürgensmeyers Resumée, "deren traditionelle sexuelle Rolle, ihre Männlichkeit, als gefährdet erscheint."
Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das paßt nämlich, sieht man jetzt mal von den im Text gewählten Extrembeispielen und der "religiösen" und auch ganz allgemeinen Gewalt ab und läßt das Ganze in ganz "normale" Sphären sacken, sowohl auf diese so imposant auftretenden Jungdeutschtürken zu (Stolz ist sexy!) als auch auf das, was der Che über seine subkulturelle Verortung schreibt:
"In den 1990ern adaptierte man den Tarantinio-Schwarzenegger-Look, und es gab Plakate, die Arnie mit Pumpgun zeigten und dazu die Parole “Terminiert die herrschende Klasse”. So martialisch waren wir aber in der Realität nicht, eher eine abenteuerlichere Caritas."

Die Bissigen Liberalen sind leider gerade down, aber wenn ich mich richtig entsinne, wählt Rayson in seiner Antwort auf Che den ebenfalls typisch männlichen Individuierungs-Plot als seine Version der Heldenreise. Meine ich ganz unironisch, ist eben auch ein kollektives Skript, und so ganz ohne kommt man halt nicht aus - von nix kommt nix, und wer sich nicht bestimmen läßt, bestimmt sich auch nicht selbst.

"Der Entwürdigung mit Kampf zu begegnen" - das ist ja eine ganz gewaltige Formulierung. Da ist man wieder beim zentralen Thema, das wir drüben auch schon hatten: Das ist schon ganz schön gewichtig auch für übergreifende soziale Entwicklungen, diese Struktur.

Und "Kampf" hießt ja in aller Regel nicht diese extremistisch-terroristische Variante, die Frau Brunotte da beschreibt.

Mein ganze Berufsleben würde ich genau so auch zusammenfassen - in ekligen, teils menschenverachtenden Medienwelten den Objekten der Berichterstattung wie auch mir selbst als Akteur trotz alledem, trotz Kommerz und Macht und Hierarchien und all den Regeln des "Populären" eben die Würde wahren und stolz darauf zu sein.

Schade, daß diese Themen, wenn sie denn diskutiert werden, immer gleich diesen Terrorismus-Kontext aufmachen.

Auch so'n blödes, journalistisches Prinzip: Die Ausnahme beschreiben, das Andere, weil die Regel vermeindlich keinen Nachrichtenwert beinhalten würde. Völliger Quatsch: Von Hollywood lernen, das kann auch leben lernen heißen.

Und Männer auf Heldenreisen sind halt more sexy als jene, die den Kampf dann aufgegeben haben ... (so, und jetzt dürfen völlig zu Recht all jene in der Kommentarsektion sich aufregen, die mir dann zu recht erzählen wollen, das ich sonst immer das Gegenteil behaupte. Habe aber gestern schlicht und ergreifend mal wieder einen kleinen Sieg errungen ;-) ....).

"Gay Church Folk Musik"

"Fußball und schwul? Das passt eigentlich nicht zusammen. Schwule finden Fußball langweilig, und Fußball ist eine der letzten vermeintlich Homo-freien Bastionen dieser Gesellschaft."
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,500238,00.html Von wegen. Blödsinn. Meine These ist ja eher, daß der männliche Durchschnittszuschauer da auf den Tribünen endlich mal ausleben kann, was er sich sonst verwehrt. Und daß gerade darin dieses vermeindliche Tabu begründet liegt.

Mehmet Scholl hat's begriffen, und über den könnte ich ja sowieso seitenlange Hymnen schreiben. Nicht, weil ich an dem nun gerade irgendwas fände in erotischer Hinsicht; nö, der ist als Fußballer, als Typ einfach drei Nummern größer als der Rest. Die zwei Male waren's, glaube ich, da er am Millerntor auflief, verfiel das Publikum in Ehrfrucht. Weiß nicht mehr, ob's Szenen-Appläuse gab, verdient hätte er's.

Und dann macht der sowas. Super! It zwar jetzt schon eine Woche her oder so, aber wer dem Druck der Aktualität sich beugt, der hat ja eh schon verloren.

Kann mir ja mir ja selbstbewußt auf die Schulter klopfen, zur Steigerung des Bekanntheitsgrad der Hidden Cameras hierzulande eine ganz kleinen Beitrag geleistet zu haben. Daß er nun diese wirklich coole Band dem bayrischen Establishment vor die Nase setzt - Respekt! Vermute mal, daß die Sportfreunde Stiller da ganz schön alt daneben ausgesehen haben ....

20.08.07

"Für einen Traum könnte ich fliegen, für ein Lied zugrunde gehen ... "

"

Doch mit den Jahren kam die Klugheit
mit der Zeit kam die Vernunft
und Tag um Tag verblassten meine Bilder.
Weil doch nichts blieb als Einsamkeit
nahm ich mein letztes Kunterbunt
ging auf den Markt der Schwerter und der Schilder.
Da sprachen Narren wie Gelehrte, Idioten wie Genies
von Wahrheit und von kolossalen Pflichten.
Und um nicht ganz allein zu sein
bot ich mein Kinderparadies
als wenn es gar nicht wär - als wenn es gar nichts wär ..."

Klaus Hoffmann

Einer der Gründe, warum ich diese Sweat-Shirts so gerne trage, ist, daß es für Fans steht, die eine Werbebande finanzierten, auf der ganz ausdrücklich stand: "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen".

Und heute ist einer dieser Tage, wo's mir nahe geht, das überhaupt zitieren zu müssen.


19.08.07

Jau! Yepp! Jaaaaaaa! Auswärtssieg

Kapuzen-SweaterTotenkopfIfront0916.jpg

Unser Ost-Fluch ist ja auch nicht mehr das, was er mal war .... zum Glück!!!!!!!!! 1 zu 0 für uns in Jena!

Invertiertes Köln-Spiel laut Ticker: Der Gegner hat Chance über Chance und spielt klar besser, aber wir machen das entscheidende Tor!

Aberglauben hat ja die Tendenz, sich selbst zu bestätigen: Immer, wenn ich einfach nur so auf den Ticker glotze und hysterisch warte, bis er sich aktualisiert, dann geht's schief. Wenn ich aber wie ein Bekloppter parallel Blog-Einträge verfasse und nervositätsgetränkt die Wohnung aufräume und auch wirklich nicht damit aufhöre bis zum Schlußpfiff, rumrödel bis zu schweren Schweißausbrüchen, dann geht's gut aus. Juuuuchhu! Danke, Herr Schnitzler! Noch nach dem Testspiel gegen PAOK Athen hatte ich ja gar kein gutes Gefühl Ihnen gegenüber - jetzt nehme ich alles zurück!

Na, und dieses hübsche Kapuzen.Teil da oben, das lade ich natürlich exklusiv für meinen neuen Freund "Objektivisten", den potenziellen Verehrer des unter ähnlichem Slogan auftrumpfenden Sozialistischen Realismus, hoch! Ja, Schatz, sowas zieht man bei uns sogar an! Und Jung- und Nicht-ganz-so-Jung-Männer sehen darin ziemlich schnuckelig aus, was ich gar nicht weiter erwähneswert fände, wenn nicht die im Pluaral bloggenden Subjekte da am anderen Ende der Blogosphäre so eine exklusive Blogroll hätten, bei der man's dann eben doch erwähnenswert findet.

Na, jetzt mal weiterputzen - und, liebe Mannschaft: Danke!!!

17.08.07

Ein Aufsatz mit fast vergessener Wirkungsgeschichte

Wo Wordpress gerade zickt: Dann eben hier!

"Max Weber hat die kulturelle Moderne dadurch charakterisiert, daß die in religiösen und metaphysischen Weltbildern ausgedrückte substantielle Vernunft in drei Momente auseinandertritt, die nur noch formal (durch die Form argumentativer Begründung) zuammengehalten werden. Indem die Weltbilder zerfallen und die überlieferten Probleme unter den spezifischen Gesichtspunkten der Wahrheit, der normativen Richtigkeit, der Authentizität oder Schönheit aufgespalten, jeweils als Erkenntnis-, als Gerechtigkeits-, als Geschmacksfragen behandelt werden können, kommt es in der Neuzeit zu einer Ausdifferenzierung der Wertsphären Wissenschaft, Moral und Kunst. In den enstprechenden kulturellen Handlungssystemen werden wissenschaftliche Diskurse, moral- und rechtstheoretische Untersuchungen, werden Kunstproduktion und Kunstkritik als Angelegnheit von Fachleuten institutionalisiert."

Habermas Jürgen,Die Moderne - eine unvollendetes Projekt (1980), in ders.: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-Politische Aufsätze 1977-1990, Leipzig 1990, S. 41

"Eine differenzierte Rückkoppelung der modernen Kultur mit einer auf vitale Überlieferungen angewiesenen, durch bloßen Traditionalismus aber verarmten Alltagspraxis wird freilich nur gelingen, wenn auch die gesellschaftliche Modernisierung in andere nichtkapitalistische Bahnen gelenkt werden kann, wenn die Lebenswelt aus sich Institutionen entwickeln kann, die die systemische Eigendynamik des wirtschaftlichen und des administrativen Handlungssystems begrenzt."

Ebd., S. 51

16.08.07

The First Prisoner of Rock'n'Roll

Als Damon Albarn damals zu mir sagte (ha! heute mal auf die Kacke hauen!), "Late Elvis is influencial", habe ich das ja erst nicht verstanden.

Das geht nämlich allen am Anfang so, daß sie glauben, es sei der frühe, knackige Rock'nRoller, an den anzulknüpfen sei.

Pop- und Rockhistorisch war's der natürlich auch, der ästhetisch schwarz/weiß Dichotomien auflöste, der Musik gegen alle Schnulzen dieser Welt den Sex zurück gab und der als "White Trash" der eigentliche "Working Class Heroe" wurde, nicht etwa John Lennon, der sich dieses Label dann überstülpte. Aber der Lennon wußte ja auch, wem er ALLES verdankt.

Oder sie steigen ein, indem sie die legendäre, unerreichte, überrragende, nicht zu toppende Session ganz in Leder zum Comeback-Special '68 umwerfend finden, jene, die gestern auch auf Kabel 1 lief.

Aber wenn man den Elvis-Weg weiter beschreitet, dann ist einfach der fast clownesk gestylete Comic-Held Elivis, der Las Vegas-Elvis, der "Elvis On Tour"-King, dem die faltigen Muttis mit Strick-Mützen zujubelten, der lehrt, was Pop und Spiriitualität zusammenführt.

Viel intensiver, als jedes seiner nicht minder überragenden Gospel-Alben das je konnte (die er ja dennoch, ganz kurz vor Schluß auch, sich selbst transzendierend, auf die Bühne brachte - wer da noch Atheist bleibt, hat sie doch nicht alle). Als er langsam aus dem Leim ging, Banana Splits in sich hineinstopfte, sich mit Medikamenten derart zudröhnte, daß der Inbegriff des Homo Oeconomicus, sein Manager Colonel Parker, ihn mit dem Kopf in Eimer voller Eiswasser tunken mußte, damit er überhaupt in Fahrt kam- da war er zugleich auf rätselhafte Art über sich hinausgewachsen. Als er diese überdimensionierten Sonnenbrillen trug, Priscilla mit dem Karate-Lehrer durchgebrannt war und Elvis Musik über sich hinaus zu treiben vermochte, indem Kitsch er Sinn verlieh.

Er hat sich für uns geopfert. Ich habe zu ihm gebetet (kein Witz!), zu ihm geweint, zu ihm geschwelgt und stimme Madonna vorbehaltlos zu: Ohne Elvis bist Du nichts!

"He was the first Prisoner of Rock'n'Roll", ja, da, hat Jon Bon Jovi mal was Schlaues gesagt.Und hat als Inhaftierter Sinn gestiftet und mit Sinnlichkeit versehen .... Danke, Elvis, daß es Dich gab. Hätte Rick Rubin noch die Chance gehabt, mit Dir ein Spätwerk aufzunehmen - da hätte selbst Johnny Cash einpacken können.

In diesem Sinne: It's now or never! Wer sich dagegen wehrt, hat nicht gelebt.

14.08.07

Nicht nur in der Kunst ...

"Gegen eine zünftige Künstlerlore ist im Prinzip nichts einzuwenden. Her mit den Geschichten von Anmaßung und Stumpfsinn, Askese und Delirium. Solange man sich nicht darüber hinwegtäuschen lässt, daß Kunst sich trotz aller Legenbildungen grundsätzlicher als alle anderen Kultursparten - darin ähnelt sie den Naturwissenschften - entfernt hat von der Aufgabe, Geschichten zu erzählen, ob diese nun das Einschlafen erleichtern oder das Fürchten lehren."
Jörg Heiser, Plötzlich diese Übersicht, Berlin 2007, S. 17
Der Herr Heiser hat ein Buch geschrieben. Ein sehr anregendes und informatives, wie ich finde. Was aktuell so diskutiert wird an Künstlermaterial und was als prägend gilt, das taucht eher additiv da auf, zusammengehalten von einem Konzept des "Slapsticks".

Irritierend ist, daß 2 der ganz großen Fragen der Kunstgeschichte, Kunstproduktion und Kunstreflektion dort nicht auftauchen (vielleicht habe ich's auch überlesen): Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kunst und Leben und jene, wie denn die verschiedenen Formen der Kunst zusammenhängen.

Der Avantgarde von einst wie den Situationisten und auch Beuys und seiner "sozialen Plastik" wurde ja vorgeworfen, die Differenz zwischen Kunst und Leben aufheben zu wollen. Und selbst den Neuen Wilden haute man um die Ohren, daß das Abbild der je eigenen Gefühlsintensität im Großstadt- und Popkulturerleben doch zu sehr im Einfangen des subjektiven je eigenen Empfindens gefangen bliebe und nur dieses zum Ausdruck brächte, was ja doch ein bißchen wenig sei.

Umgekehrt sind Schlagworte wie Foucaults "Ästhetik der Existenz" oder auch die Produktion und Rezeption des Kunstwerkes bei Adorno etwas, was was mit dem je eigenen Leben macht. Bei Foucault über Stilitisk sehr direkt, bei Adorno über den Umgang mit Material dann vermittelt.

Und warum soll ich durch Museen latschen und mir französische Impressionisten angucken, wenn ich nicht dabei irgendetwas mitnehme, was vorher nicht mit mir war? Gut, ich kann auch eventbetont einfach mitlaufen, damit ich hinterher sagen kann, ich war dabei!, und irgendwas muß man ja mit seiner Zeit anfangen, aber ein wenig ernst nehmen sollte man den Degas und seine Begierde angesichts von Ballett-Tänzerinnen dann schon:

Ein Bild muß mit demselben Gefühl gemacht werden,
mit dem ein Verbrecher seine Tat ausführt.

Edgar Degas, (1834 - 1917)
französischer Maler, Graphiker und Bildhauer

Heiser gibt da folgende Antwort:


"Beim Kunstwerk geht es nicht so sehr um das Was als um das Wie. Nicht um die Geschichte selbst, sondern um das, was diese in Gang setzt oder unterbricht, rhythmisiert oder was aus dieser Geschichte heraushüpft wie ein Frosch aus dem Teich.

All das hat großes Frustpotenzial. Da haben wir gedacht, zeitgenössische Kunst wäre diese Sorte Kultur, die uns eine Story erzählen könnte über das bessere Leben oder wenigstens die schönere Wohnungsausstattung, und dann das. Was wird uns hier nahegelegt? Nichts als ein schwarzes Loch, nichts als peinliche Pausen, komische Stolpersteine, stumme Zwischenstücke.

(....)

Es geht Slapstick als Methode. Slapstick als Technik, Haltung, Vorgehensweise, als etwas, was ins Herz - oder ist es die schwarze, zentrale Leere? - des Kunstmachens und Kunstanschauens selbst vordringt: Slapstick ist nicht Pausenclown, (...) sondern ein zentraler Kippmechanismus, überlegter Trick und spontaner Einfall zugleich (....), der Kunst erst hervorbringt und weiterbringt."

Jörg Heiser, ebd., S. 17-18

Die Geschichte nimmt ihren Lauf: Der Held startet durch, um der Liebsten den Heiratsantrag zu machen, und stolpert auf dem Weg zu ihr über die Teppichkante. So ungefähr meint das der Autor: Die Aussage entsteht druch den Bruch im Plot.

Was natürlich auch eine Antwort zur Relation von Kunst und Leben ist. Nicht, daß man sich zum Affen macht (was man aber stets riskieren sollte), sondern:Wie kriege ich den Stolperer hin, der mich aus meinem bisherigen Trott reißt?

Seltsamerweise führt Herr Heiser genau das nicht aus, wahrscheinlich, weil er befürchtet, sich dann wie in einem billigen Psycho-Ratgeber zum Affen zu machen. Was das eigentlich Irritierende an dem Buch ist: Das, was von der Kunst gefordert wird, nimmt der Autor selbst weder stilitisch noch formal für sich und sein Schreiben in Anspruch.

Dabei würde es da doch gerade spannend. Weil man diesen Slaptsick-Gedanken ganz alltäglich schon mal ernst nehmen sollte, ernster noch, als der Autor das tut - und das muß ja nicht beim Wickeln eines Babys geschehen.

Traurig ist, daß, durch dieses Slapstick-Raster gesehen, dann auch nur ganz bestimmte Formen von Kunst Eingang in die Abhandlung finden. Von Duchamps bis Kippenberger und Albert Oehlen, sozusagen - bei Richter oder Rauch überzeugt es mich nicht mehr so ganz und wirklich, was er schreibt.

Obgleich beide natürlich auch fast zwanghaft sich genötigt sehen, noch irgendwo dann Ironie einzuspeisen - aber warum denn eigentlich?

Was zur zweiten Frage übereitet: Wenn Heiser Kunst schreibt, dann meint er bildende Kunst - Malerei, Video, Installation, Skulptur.

Wenn man dann so an den ollen Hegel und seine Hierarchie der Kunstgattungen zurückdenkt, dann ist das doch etwas dünne.

Literatur z.B.: Er wird ja nicht- und würde das auch nicht, weil der Vergleich fies ist - jetzt Morgenstern oder Heinz Erhardt als gelungener als Paul Celan einordnen. Oder Gottlieb Wendehals doller finden als "Tristan und Isolde". Natürlich geht er kunstimmanent auf guten und schlechten Slapstick ein und nimmt diesen Unterschied auch sehr ernst und nimmt das alles nicht so wörtlich wie ich und würde wahrscheinlich statt Erhardt dann Kurt Schwitters oder Beckett nennen, aber warum denn eigentlich? Erhardt war ein Virtuose des Wie und oft auch viel lustiger als Kippenberger.

Scheint doch nicht nur auf's WIE anzukommen, sondern eben auch auf's WAS.

Und, noch eins drauf:Diese ganze lustige und dabei nachdenklich stimmende Ironie, die Herr Heiser da ausbreitet, wirklich superinteressant ausbreitet, ist die nicht selbst schon viel zu eingeübt, als daß sie noch den gewollten Bruch erzeugen könnte? Kommt da nicht notwendig sowas wie "Bad taste" hinten raus?

Wirklich peinlich berührt ist doch kein Mensch mehr mehr bei Guildo Horn, da weiß man, wo man lacht.

Richtig reinhauen würde es doch viel mehr, wenn man seiner Ex-Geliebten auf y-beliebigen Tonträgern "Könntest Du doch wieder bei mir sein" aus dem "Phantom der Oper" aufnehmen würde und ihr zukommen ließe. Und 'ne Form von Splastick wäre das ja sogar auch.

Und ich werde das Gefühl nicht los, daß es eigentlich darum geht derzeit - nicht nur in der Kunst, und auch nicht nur bei mir ... das Schlimme ist, daß dieses auch die Redakteure des großen "TV Romans" auf SAT 1 behaupten würden.

Womit das Thema unauflöslich wahr geworden wäre. Und geradezu erschütternd lebensnah.

12.08.07

Hooray, Hooray, Hooray ...

welovestpauli.jpg

Quelle: Rantanplan/Tapeterecords

So, da nutze ich doch prompt die Gelegenheit, über dem blöden Geißbock da unten wieder das richtige Wappen zu platzieren.

Und mache hier mal Werbung, bekomme keinen Pfenning dafür:

Nicht nur für St. Pauli-Fans ist der klasse, der Sampler da oben!

Nicht nur wegen der Mitschnitte der Aufstiegs-Reportagen auf NDR 90,3, nee, zwischen einigem Geschrammel - das zum FC St. Pauli dazu gehört wie das Astra und die Klugschießer aus Block 10 - sind echte Perlen zu finden.

"Morgen sind wir raus" z.B. von SPORT, toller Gitarrenpöp mit lustig-stimmigem Georgel. Nee, auf die zweite Liga bezieht sich der Refrain nicht und wenn, dann nach oben. Ocker mag ich ja eh, Tocotronic auch, Rocko Schamoni sowieso, aber a schönsten ist "Das hier ist Fußball!" von Thees Uhlmann:

"Hooray, Hooray, Hooray, FC St. Pauli!
Würde es gehen, würde ich Dich umarmen,
das hier ist Fußball, das ist hier sind Dramen.

Bayern besiegt und in Chemnitz verloren"

- gut, schon eine Weile her, das mit den Bayern, macht nix, man ist halt die Summe der je eigenen Erfahrungen, und die mit dem FC St. Pauli gehören zu den besten, weil man die nicht alleine macht -

"man hört noch die Chöre in seinen Ohren.
Meine Schulter ist naß durch des Nebenmanns Tränen,
kann es etwas Schöneres geben"

Ach seufz, herrlich kitschig, echt deutsche Reime, ist auch sehr getragen gesungen, aber bei solchen Songs bestätigt sich meine Lieblingsthese: Guter Pop ist, was man in bierseliger Melancholie nachts um 3 oder 4 oder 5 lauthals mitsingen wollen würde.

So Sachen wie "Tränen lügen nicht" halt, oder wie "Creep" von Radiohead oder "Suspicious Minds" von Elvis und die Häflte von dem, was die Red Hot Chili Peppers so machen. Da kann das mithalten. Und "Für das es sich lohnt zu leben" von Darlo direkt danach auch. Beinahe Schön. Kaufen!

PS: Keine Angst, das wird hier nicht zum Fussball-Blog. Aber politische Texte sind nunmehr zu Shifting Reality ausgelagert.

Nachtrag: Gegen Bremen II im Pokal ist ja völlig absurd, das ist ja definitiv die High-Class-Spitzenpaarung des Pokalspieltages ;-) .... und wieder ein B ... na ja, das wird ein heimspiel da in Bremen.

Wobei ja, von einer Ausnahme mal abgesehen, die Vereine der Stammleser hier auch nicht gerade die großen Lose gezogen haben. Sorry, Rayson, aber an Maly ist einfach kein Vorbeikommen. Der kann hexen.

10.08.07

We love St. Pauli, we do!

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Na gut, Wetten muß man einlösen.

Für uns war das heute sehr bitter. Und ein gleichzeitig ein kolossaler Triumph.

Daß man gegen so eine zusammengekaufte Millionärstruppe ohne Engagement - Ausnahme: Die Nummer 21 und Mathias Scherz, der das 0:3 nicht machen wollte, weil er ja weiß, was St. Pauli bedeutet - dannn tatsächlich verliert, weil die in den entscheidenden Situationen die bessere Einzelleistung bringen, Gott, that's life.

Die mit dem Geld siegen halt, und manch Blogger - nicht der, mit dem ich gewettet habe - findet das auch noch gut. Bitteschön. Es sei euch gegönnt.

Herrscht, siegt, lamentiert: Wir sind St. Pauli. Und damit fühl ich mich wohler.

Ich würde das nicht wollen, so welchen zuzujubeln, die da für Köln auf dem Platz standen. Oder gekauftem Erfolg dann die Welle zu schenken: Nein, Danke.

Unkt nicht, genau das ist mein lebensweltliches Thema derzeit: Von dem Geld, das man mir derzeit anbietet, will ich wirklich nix haben. Ich will keine Workshops in London und keine internationale Vermarktung über Prviate Equity Fonds und deren Ableger. Nee.

Ich will St. Paulianer sein - und heute wußte ich wieder verdammt genau, warum.

Was war ich eben stolz auf unsere Kämpfertruppe!

Und auf jeden einzelnen da im Stadion, der nach dem Schlußpfiff "You'll never walk alone" und "We love St. Pauli, we do!" gesungen hat (außer dieser Sponsoren-Horde da vor uns, die amüsiert und bestens unterhalten guckte, wenn wir sangen. Nee, von euch will ich nicht länger konsumiert werden. Bleibt weg. Lest von Mises oder sonstwas, aber laßt uns bitte in Ruhe. Dann lieber das Littmann-Loch.).

Kein Wunder, daß diese Luftballon-Truppe da im gegnerischen Fanblock noch versammelt stehen blieb, um zu gucken und zu lauschen, wie man das macht: Eben der besseren MANNSCHAFT zuzujubeln. Und das war definitiv die unsere heute.

Zu den liberalen Mythen gehört ja, es käme auf den Einzelnen an und nicht auf das Zusammenspiel zwischen Einzelnen, nicht auf das Zusammenspiel zwischen echten Charakteren und tollen Typen.

Heute hat dieser Mythos sich sogar bewährt.Scheinbar.

Aber wenn ich Thimo Schultz und Björn Brunnemann und Thomas Meggle und Charles Takyi und Marcel Eger und Fabio Morena und die anderen beklatsche, dann weiß ich, daß das selbst dann noch Lüge ist, wenn die ANDEREN gewinnen. Sollen sie doch, wir haben diese Jungs. Und das ist allemal besser.

Mal ehrlich: Ich möchte mal die Börse sehen, wo Kursverluste bejubelt werden. Einfach, weil man weiß, daß da kolossale gute Typen da auf dem Platz waren, die einfach alles gegeben haben und 80 Minuten auch klar besser spielten.

Gut, an der Börse bekäme der Verlierer dann den nächsten, gut dotierten Job, während Belegschaften gefeuert würden. Bitteschön. Nehmt ihn doch, den nächsten, gut dotierten Job. Unsere Spieler wissen, daß es wichtiger ist, zusammen Karaoke zu singen ...

Bei uns passiert genau das: Weil's bei uns eben auch um Liebe geht, nicht nur um Erfolg.

Viel Erfolg auch weiterhin, Köln.

04.08.07

Freude schöner Fußballzauber: Auf zum Pillenknicken!

"Bayer 04 wird in Packungsgrößen von 11 Stück à 71 bis 83 Kilogramm ausgeliefert, die unter freiem Himmel oder auf der Couch (dann unter Zuhilfenahme eines Bildröhrengerätes) über einen Zeitraum von i.d.R. 90 Minuten eingenommen werden. Während die visuelle Einnahme durch Betrachtung gemeinhin als gut verträglich für Säuglinge, Kinder und Erwachsene gilt, kann die alternative Verabreichungsform per Direktbegegnung zu Atemnot, Blutergüssen oder anderen Blessuren führen. Sie findet daher meist unter medizinischer Begleitung auf weichem Rasen statt."
Na, haben unsere Stadionszeitungsautoren aber mal stilistisch so richtig gekonnt 'ne Idee durchgespielt. Wenn unsere Jungs heute so spielen, wie dieser Text geschrieben ist, dann gewinnen wir haushoch. Auch wenn Bayer nicht zu den großen Charismatikern unter den Fußballvereinen zählt, trotz Rheinland sind die gar nicht so großkotzig wie die anderen da unten (drücke auch Werder II alle Daumen! War schließlich das Schlüsselspiel zum Aufstieg gegen die!), da in der "Bucht", wo's immer schwül und stickig ist. Der Rudi - also jener, der vor Klinsi der Gefeierte war und den's nur einmal gibt - hat auch schon die ihm eigenen Expertisen in Demut vorausgeschickt:
"WELT ONLINE: Herr Völler, den FC St. Pauli sehen Sie heute sicher nicht als großen Stolperstein, oder?

Rudi Völler: Für uns kann es nur darum gehen, weiterzukommen. Aber es wird schwer, zumal wir um die Pokal-Historie von St. Pauli wissen, die schon die Bayern oder Bremen rausgeworfen haben."


Na, einen Hang zu Halbwahrheiten würde ich dem Ex-Bundes-Rudi aber sonst eigentlich nicht unterstellen wollen ...

Ist auf jeden Fall suuuuuuuper, daß es wieder losgeht! Ganz schlicht, ganz platt, ganz simpel: Dieses Kribbeln im Bauch, das man nie mehr vergißt .... ja, Pe Werner hat mein FC St. Pauli eigentlich nicht verdient, aber irgendwie trifft's das ja, und außerdem fiel mir nix anderes ein.

Das Testspiel gegen diesen außerordentlich gut gewachsenen Griechen letzte Woche, das dank dieses sensationellen Gesinges, das bei deren Toren dann eingspielt wurde, irgendwie trotzdem Spaß, wenn auch nicht unbedingt Mut machte, das war bestimmt nur eine gleungene Finte unseres "Funktionsteams". Da saß ja einer von den rechtsrheinischen Pillenknickern mit auf der Tribüne der Adolf-Jäger-Kampfbahn, blöde Sitze haben die da, da kann man gar kein Bier drauf abstellen, und den haben sie so richtig verarscht. Haben fortwährend suggeriert, daß unsere Abwehr nach all den Verletzungen erschütternd löcherig sei, im überfüllten Mittelfeld sich alle wechselseitig die Füße platttreten und vorne auch keiner so richtig treffsicher ist - und all das nur, um Leverkusen in Sicherheit zu wiegen. Ganz schön raffiniert.

So daß wir heute natürlich mit dem einzigartigen Millerntor-RAR, pardon, Roar im Rücken die aus dem Stadion fegen werden. Um dann zum eigentlichen Saisonauftakt nächste Woche die nach einem 3:1 gegen die B-Elf der Bayern zum gefühlten Champions-Teilnehmer mutierten Kölner recht locker auszukontern.

Das wird das einfachere Spiel. Die scheitern eh immer an ihrer eigenen Überheblichkeit ...

02.08.07

Er ist besonders widerlich ...

"Wenn wir unsere Augen in einer bestimmten Absicht gebrauchen, dann antizipieren wir, achten wir auf bestimmte Dinge, treffen wir Unterscheidungen und wählen aus. Wir finden Informationen nicht einfach so vor. Das Großartige am Begriff der Information ist ja, daß er einen aktive Formgebung impliziert. Informationen befinden sich nur in einem höchst zwiespältigen Sinne irgendwo dort draußen. Wir finden, was wir zu suchen gelernt haben - oder wir finden es nicht. Ohne gezielten Antrieb, der der Aktivität eine Richtung gibt, erkennen wir nur, was sich am leichtesten ausmachen läßt, d.h. nur das, was wir zu finden prädisponiert sind. Unglücklicherweise ist es so, daß das, was sich am leichtesten finden läßt, gerne als das aufgefaßt wird, was wir natürlicherweise wahrnehmen. Und von der Vorstellung, etwas in der Natur zu finden, ist es nicht mehr weit zu der Vorstellung, daß die Information, fein säuberlich verpackt, von vornherein dort draußen liegt, unabhängig von zielgerichteten Unterscheidungen. So beginnen wir, an priviligierte Zugänge zu reiner Information zu glauben. Zweifellos aber besteht eine Übereinstimmung zwischen dem, was wir suchen, und dem, was wir finden: Zielgerichtetetes Sehen ist antizipatorisch."

Joel Snyder, das Bild des Sehens, in: Herta Wolf (Hg.): Paradigma Fotografie, Frankfurt/M. 2002, S. 35

So sieht mancher Zeitgenosse auch bei hübschen Jungs mit langen Wimpern und dunklem Teint sofort EINE KULTUR, die Handlungen verursacht, ganz wie ein Gen. Und das, was er über sie zu wissen glaubt, gleich mit: Als potenzielle "Gefährder"mutieren die ratzfatz zu "Bestien".

Die Visualität ist eben mit Vor-"Wissen" verknüpft, ganz billig. So sucht der eine auf dem Bild von Neo Rauch den Sozialistischen Realismus, der nächste den Comic, je nachdem, was man vorher darüber gelesen hat.

Und wehe dem, der auffällt! Der wird dann untersucht.

Da muß es einen Zusammhang geben zwischen den Blütenfotografierern, der sozialen Ausgrenzung und Pop-Prinzipien.

Bei mir durch den Park spazieren ja erstaunlich viele Leute, die da die ganze Zeit Blüten fotografieren. Und sie fotografieren immer die größte, die roteste, die exotischte. Nehmen gar nicht mehr viel wahr vom Park, sind so mit der Selektion des Besonderen beschäftigt, daß manche, ganz wenige von ihnen, wahrscheinlich jene, die "Political Correctnes" als "Denkverbot" empfinden, dann u.U. auch die ersten gewesen wären, die bei Völkerschauen in Hagenbeck den größten Schwarzen völlig fasziniert begafft und fotografiert hätten.Und auf dem Schild vorm Gitter stünde dann irgendwas über einen höheren Tetesteronspiegel der männlichen Schwarzen. Aber heutzutage würden die ja auch gut dafür bezahlt, die Schwatten ...aber nur, solange es nicht zu viele davon gibt hier. Sonst bricht die Nachfrage ein, wegen des Überangebots.

Gar nicht ertragen können solche Leute, die Ausnahme-Begaffer und - Untersucher, in der Regel die Umkehrung des Blicks. Altes, Sartresches Schema: Bloß nicht selbst Objekt sein.

Würde man hinter den Blütenfotografierern herrennen und sie fortwährend knipsen, würde sie das schon beunruhigen. Gut, wenn man sagte, daß man vom Hamburger Abendblatt kommt, dann würde ihnen der Status, der mit massenmedialer Aufmerksamkeit einhergeht, schon schmeicheln.

Als jedoch irgendeine Afrkanierin mal eine Reportage über ein bayrisches Dorf genau so drehte, wie man Stammessitten in Polynesien dokumentieren würde, fanden das die Dorfbewohner gar nicht komisch. Die Selektionweise paßte denen nicht. Und die Dominanzkultur wird immer harsch reagieren, wenn man sie so zum Objekt macht, so, wie sie es so bei Anderen gewöhnt sind. Sie wollen ihr Wissen über die Andersartigen kultivieren, nicht das Wisen der Andersartigen über sie selbst..

Und das tarnt sich ja traditionell als Wissenschaft. Und das liest sich dann so:

"Dieser Y, nacheinander oder gleichzeitig Liebhaber und Tunte von X, das weiß man nicht so genau, machte einen mißtrauisch, und man ist angewidert. X liebt Z. Man muß die weibische Art des einen und des anderen gesehen haben, um verstehen zu können, daß ein solches Wort angebracht ist, zur Bezeichnung zweier derart weibischer Männer, die nicht mehr nach Sodom, sondern nach Gomorrah gehört hätten."
Frau Kelek hätte dem vermutlich zugestimmt.
"Aber sein bezeichnendster Charakterzug scheint Faulheit zu sein, deren Ausmaß jeder Beschreibung spottet. Es ist natürlich weniger anstrengend, in einem Nachtclub Schallplatten aufzulegen und dort Gäste zu animieren, als wirklich zu arbeiten. Er gibt im übrigen zu, daß er aus materieller Not und aus Gewinnsucht homosexuell geworden ist und daß er, da ihn das Geld auf den Geschmack gebracht hat, diese Verhaltensweise weitertreibt." Schlußfolgerung: "Er ist besonders widerlich."

Michel Foucault, Die Anormalen, Frankfurt/M. 2007, S. 18-19

Foucault zitiert hier psychiatrische Gutachten im Rahmen eines Gerichtsprozesses in Frankreich - 1973. Säulen, auf denen die westliche Kultur dann ruht ... man gut, daß wir jetzt wissen, daß es ein Virus war und nicht Gewinnsucht.

01.08.07

Die berühmte Unschärferelation

"Um die künftige Position eines Teilchens vorherzusagen, muß man seine gegenwärtige Position und Geschwindigkeit sehr genau messen können. Ein Verfahren bietet sich an: Man bestrahlt das Teilchen mit Licht; einige Lichtwellen werden von den Teiclhen gestreut, und daran kann man seine Position erkennen. Doch wird man auf diese Weise die Position des Teilchens nicht genauer als den Abstand zwischen den Kämmen der Lichtwellen bestimmen können. Deshalb muß man Licht mit möglichst kurzer Wellenlänge benutzen, um zu exakten Meßergebnissen zu kommen. Nun ist es nach der Planckscen Quantenhypothese nicht möglich, eine beliebige kleine Lichtmenge zu benutzen; man muß mindestens mit einem Quantum arbeiten. Dieses Quantum wird auf das Teilchen einwirken und seine Geschwindigkeit in nicht vorhersagbarer Weise verändern.Ferner gilt: Je genauer man die Position mißt, desto kürzer muß die Wellenlänge des Lichts sein, das man verwendet, und um so höher wird entsprechend auch die Energie eines einzelnen Quantums. Damit verstärkt sich aber zugleich der Störeffekt, der die Geschwindigkeit des Teilchens beeinflußt. Mit anderen Worten: Je genauer man die Position des Teilchens zu messen versucht, desto ungenauer läßt sich seine Geschwindigkeit messen, und umgekehrt. (...) Die Unschärferelation bereitet dem Laplaceschen Traum von einem deterministischen Modell des Universums ein jähes Ende: Man kann künftige Ereignisse nicht exakt voraussagen, wenn man noch nicht mal in der Lage ist, den gegenwärtgen Zustand des Universums genau zu messen! (...) Wir sollten uns lieber an an jenes ökonomische Prinzip halten, das als Ochkams rasiermesser bezeichnet wird, und alle Elemente der Theorie herausschneiden, die sich nicht beobachten lassen."

Stephen Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 76 bis 78

Gut, Hawkings Bestseller ist auch eine Art der populärwissenschaftlichen Lektüre, aber unbestritten ist wohl, daß er sich ganz gut auskannte, als er es schrieb. Diese berühmte "Heisenbergsche Unschärferelation" war die Geburtsstunde der Quantenphysik, und meines Wissens hat auch kein Physiker sie auflösen können. Nach allem, was man so liest, ist die theoretische Physik ja eh hochspekulativ, Teilchenbeschleuniger hin, Teilchenbeschleuniger her; ist ja auch gut so, immerhin müssen einem die Hypothesen, die man experimentell überprüfen will, auch irgendwie einfallen.

Nicht minder revolutionär wohl das Wittengesteinsche Diktum, daß Worte in den meisten, nicht allen Fällen, bestimmt seien durch ihren "Gebrauch in der Sprache". Ein wenig metaphorisch formuliert "Gebrauch in der Sprache"; Pointe ist, daß nicht ein Gegenstand ein Wort gewissermaßen "verursacht" und man den Baum dann eben Baum nennt, weil er so nach Baum aussieht, sondern daß "Baum" immer schon auf eine bestimmte Art verwendet wird, eben anders als "Busch", und "Baum" ohne "das ist so ein Ding mit Wurzeln und Stamm und Ästen und Blättern, das sich nicht von der Stelle bewegt" gar nix aussagt. Um diese Erklärung wiederum zu verstehen, muß man über ein Vorverständnis davon verfügen, was denn nun eine Wurzel, ein Stamm und ein Blatt ist. Man muß auch wissen, daß mit "Blatt" nicht das aus dem Notizblock gemeint ist, sondern eben sowas Grünes, was im herbst rötlich-gold wird und dann abfällt. Ganz egal, was Herr Heisenberg, Herr Hawking oder Herr Pinker beobachten, sie werden nicht umhin kommen, das auf die Sprache, in der sie aufgewachsen sind, zu beziehen.

Weiteres, zentrales Argument von Wittgenstein: Jede Ideal-, also auch Wissenschaftssprache, ist nicht denkbar, ohne auf die Alltagssprache Bezug zu nehmen. Auch Mathematik wird mir beigebracht, indem man mir normalsprachlich erläutert, was z.B. addieren ist. Alles andere ist nicht vorstellbar.

Noch'n Diktum, nunmehr des "frühen Wittgenstein": Die kleinste sinnvolle Einheit ist der Satz. Das wurde zwar später angegriffen, ich halte es jedoch für unabweisbar: "Das ist ein Baum" ist ja auch ein Satz und sagt nix anderes als "Wir verwenden das Wort Baum so, daß dieses Ding damit gemeint ist." Oder mann kann auch sagen "Nee, das ist kein Baum, das ist ein Busch". oder auch auch "Der Baum ist zwei Meter hoch".

Da kommt dann das in's Spiel, was Wisenschaft so treibt: Sie nutzt z.B. ein Messgerät, um die Höhe es Baumes zu bestimmen. Natürlich hat dieser Baum eine Höhe von 2 m nicht an sich, sondern in Relation zum Meßgerät, und die Wahrheit des Satzes "Der Baum ist zwei Meter hoch" veweist auf eine Relation zwischen Sprache, Meßgerät, dem Messenden, der beides verwendet, und dem Baum.

Die Heisenbergsche Unschärferelation hat nun die Pointe, daß eben der Beobachetr auf das Beobachtete einwirkt, er insofern immer auch was macht mit dem Gegenstand. Beim Messen eines Baumes hat das wenig Relevanz, wenn beim Vermessen man Schatten wirft, die. wasweißich, den Photoynthese-Prozess einschränken; ich habe ja Hawkings Ausweg, nämlich eine klare Bestimmung dessen, was ich untersuchen will, berücksichtigt und bin mir insofern im Klaren, nur eine ganz spezifische Aussage über diesen einen Baum zu treffen, und das auch nur hinsichtlich seiner Höhe. Eine durchschnittliche Höhe von Bäumen kann ich aus dieser einen Beobachtung natürlich noch nicht ableiten, und wenn ich als Stichprobe 250 Bäume messe und dann losrechne, dann bin ich von der reinen Beobachtung bereits abgewichen und mache bereits irgendwas anderes. Kann man wohl guten Geissens eine Konstruktion nennen.

Hier ist wohl noch kein Eingriff in Baumhöhen konstatierbar. Anders z.B. im Falle der Annahmen der Wirtschaftstheorie: Ganz wie bei Heisenberg nehmen wirtschaftlich Handelnde in ihrem Handeln bezug auf die Ergebnisse der Wirtschaftsweisen. Das ist dann ähnlich wie die Einwirkung auf Teilchen: Das, was doch eigentlich beobachtet werden sollte, regiert auf die Beobachtung und ändert sein Verhalten. So ist dasbei Human- und Sozialwissenschaften wie der Ökonomie im Allgemeinen: Die erzeugen ein gesellschaftliches Feedback, das dann Prognosen im Grunde unmöglich macht. Manch einer nennt das Freiheit.

Mit freundlicher Unterstützung durch:
ringfahndung.de