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Mein Pakt mit dem Bestehenden - über mein affirmatives Verhältnis zum FC St. Pauli und die Regression der Spielweise unserer Mannschaft

Ja, ich liebe sie trotzdem!

Eigentlich noch viel mehr.

Gibt ja diese wundervolle Textzeile "Nach Auswärtsniederlagen fall ich immer in ein tiefes Loch, wach am nächsten morgen auf und denk: Ich lieb sie doch!" Gut, gestern passierte das dann Zuhause.

Wie wir sie trotz Deklassierung durch einen schier unglaublich und in jeder Hinsicht überlegenen Gegner noch zur Ehrenrunde sangen und sie wie die begossenen Pudel da über den Platz trabten ... seufz ... hinreißend ... charming ... als Felgen-Ralle alias Ralph Gunesch heute mittag im O-Feuer auflief, guckte der immer noch so ... ach, wer will schon ungebrochene Helden sehen, Gladbacher vielleicht, ich finde unsere Truppe einfach viel toller als diese Maschine von Mannschaft da gestern, die uns überrollte.

Kurzfristig hatte ich ja das Gefühl, daß sie so spielen würden, die "Fohlen", wie die politische Philosophie mancher ihrer Anhänger: Eben reintreten in die, die eh schon am Boden liegen und sich auf Kosten (im Falle der politischen Philosophie füge man ein "sozial" oder "ökonomisch" ein) Schwächerer amüsieren, aber gegen Ende waren sie doch gnädig und ersparten uns das durchaus mögliche 0:8.

Also, wenn Gladbach nicht aufsteigt, dann würde mich das doch arg wundern. Die Fans, die mir über den Weg lifen, sahen zwar alle aus wie De Höhner (ätsch!), wieso da am Rhein diese Mode mit den gedrechselten Schnurrbärten herrscht, werde ich ja auch nie verstehen. Hoffentlich habe ich's aber richtig verstanden, daß dieses Spiel gestern ein Dämpfer zu richtigen Zeitpunkt war und wir bitte auch nicht den Rest der Saison damit verbringen werden, immer ganz toll zu spielen und dann doch zu verlieren. Lieber umgekehrt. Na, okay, toll spielen und dann gewinnen, damit könnte schon auch leben ...

Das Schöne ist ja, das man als St. Pauli-Fan sich notfalls immer auf die Position des moralisch Überlegenen begeben kann, wenn's mal wieder weh tut, was auf dem Platz passiert, und natürlich tat das gestern enorm weh, weil ja selbst die BILD-Zeitung schreibt "Kult verliert gegen Kapital". Und wenn ich auch die Kult-Phrase so gar nicht mag, so stimmt die andere Hälfte natürlich (6 gegen 38 Millionen oder so).

Und wenn dann noch dieses unerträgliche Pokerspiel in der Halbzeitpause niedergepfiffen wird, vor dem Spiel ds Transparent vom "Terror gegen die Fans!" wegen dieser unverschämten Anpfiff-Zeit 17.30 h gehisst wird und später eines folgt mit der ewigen Wahrheit "Wer das Geld hat die Macht, und wer die Macht hat, erhält Rechte" oder so ähnlich, dann fühle ich mich eben zu Hause. Und paktiere auch nach Niederlagen voller Wonne mit dem Bestehen des FC St. Pauli.

Kommentare

hey, wir sind aufsteiger! das heisst für mich, wir spielen nicht um den aufstieg in dieser saison, wir spielen auch nicht ums mittelfeld, sondern wir spielen gegen den wiederabstieg. und das konnte man am dienstag (leider) zum ersten mal in dieser saison ganz heftig beobachten!
ansonsten: toller text! ich weiss auf jeden fall, auch die nächsten 25 jahre werde ich in der gegengrade stehen und heulen, fluchen und lachen... egal, in welcher liga unser verein dann spielt!

Das Spiel so ohne Ton und ohne am Millerntor zu sein war wirklich brutal anzuschauen.

Das mit der Ehrenrunde habe ich nicht mehr gesehen. Macht aber eben den Unterschied. Das nur die Punkte fahren lassen, aber nicht den Geist. Die Liebe bleibt dann hier. Immer.

@Carlos:

Irgendwie wollte ich ähnliches eigentlich auch gemeint haben ;-) ... und Danke für's Kompliment!

@Erik:

Ja ... das Spiel war echt grausam, aber ansonsten war ich verknallt wie immer ;-) ...

Das lese ich doch soo gerne bei Dir. Deine Liebes(v)erklärungen.

Du müsstest jetzt nur noch den Schritt machen, die affirmative Pauli-Begeisterung mit dem Nichtidentischen zu verbinden, Bayern-München als das Identisdhe und die negativste Form, in der Fußball zu sich selbst kommt zu entlarven und Dich als Antibayer neu zu erfinden. Dann gründest Du ein Magazin, das, sagen wir mal, Bermudas heißt und scharst einen Fanclub um Dich.

"Oberlautern" wäre doch ein schöner Titel.
Oder "Oberst Lautern", oder "Unter by Ern".

-- Ich mach da mit (hab ich ja auch schon bei sr gesagt ;) --

@Che:

Ob Du's glaubst oder nicht - neulich bei den Antideutschen hat tasächlich jemand die These aufgetellt, daß, wer die Bayern nicht mag, strukturell antisemitisch sei ;-) ... aber wenn das bei mir beruflich so weitergeht, da sind alle irre, komplett irre, erfinde ich wirklich so 'ne Doktrin, um mit Jüngern mein Geld zu verdienen, das wäre dann infolge über ein paar dialektische Zwischenschritte wirklich noch rational im Vergleich ...

@Erik:

Oberlautern?

Abgesehen davon, jetzt ganz im Ernst: Als ich drüben bei Dir die 60er-Euphorie las, wußte ich sowas von genau, was kommen würde gegen Gladbach und jetzt in Osnabrück, das ist immer so bei uns nach euphorischen Höhenflügen, ganz dalektisch, dann schlägt alles in sein Gegenteil um .... das war nach den Pokalsiegen auch so, und da hatten wir wenigstens noch gewonnen ...

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