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      <title>Metalust &amp; Subdiskurse</title>
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      <language>de</language>
      <copyright>Copyright 2007</copyright>
      <lastBuildDate>Thu, 18 Oct 2007 09:05:51 +0100</lastBuildDate>
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         <title>Mach&apos;s wie Knopp &apos;97!</title>
         <description><![CDATA[<p>"In der Befreiung der Form, wie alle genuin neue Kunst sie will, verschlüsselt sich vor allem anderen die Befreiung der Gesellschaft, denn Form, der ästhetische Zusammenhang alles Einzelnen, vertritt im Kunstwerk  das soziale Verhältnis; darum ist die befreite Form dem Bestehenden anstößig. Gestützt wird das von der Psychoanalyse. Ihr zufolge begehrt alle Kunst, Negation des Realitätsprinzips, gegen das Vaterprinzip auf und ist insofern revolutionär. Das impliziert objektiv politische Teilnahme des Unpolitischen. (...) Heute ist das sozialkritische Moment der Kunstwerke zur Opposition gegen die empirische Realität als solche geworden, weil diese zur verdoppelten Ideologie, zum Inbegriff von Herrschaft wurde."</p>

<p><em><br />
Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, Frankfurt/M. 1995 (13. Auflage), S. 379 </em></p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/10/machs_wie_knopp_97.html</link>
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         <category>Twin Peaks</category>
         <pubDate>Thu, 18 Oct 2007 09:05:51 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Was ich nicht verstehe ...</title>
         <description><![CDATA[<p>Es gibt verschiedene Formen des Sprachgebrauchs und unterschiedliche Bedeutungebenen. </p>

<p>1.) Es gibt Aussagesätze - "es ist der Fall, daß p". Es gibt Sätze, die eine moralische Regel als richtig oder falsch bezeichnen - "Es ist richtig, jemandem zuzuhören". Es gibt evaluative Sätze "Donna Summer finde ich super", "MomoRules finde ich bräsig". </p>

<p>Das enstpricht, ganz stark vereinfacht, den 3 Kritiken Kants: Erkenntnistheorie, Moral, Ästhetik, wobei letztere immer schon einen am schwersten zu fassenden, eigenen Sprachbereich für sich in Anspruch nehmen konnte. Auf evaluativen Sprachgebrauch ist sie nicht zu reduzieren, da fängt sie aber gewissermaßen an. </p>

<p>Diese Bereiche sind wechselseitig aufeinander beziehbar, man kann auch moralische Fakten konstatieren, ästhetisch zu Erkenntnissen gelangen oder Kunst moralisieren; Kant hatte gute Gründe, so dicke Bücher dazu zu schreiben, um dergleichen auseinander zu dröseln.</p>

<p>Das sind 3 Rationalitätstypen, die man wohl als die Basis-Typen begreifen kann. Rationalitätstypen sind das deshalb, weil sich jeweils Gründe dafür angeben lassen, warum etwas richtig, wahr oder gut ist. </p>

<p>"Gut" ist freilich insofern ein Problem, weil viele es als Ausgangspunkt für Moral begreifen. Das halte ich für falsch und begründe das hier mal nicht, weil das zu weit führte. Rationalität ist auch nicht auf Begründung reduzierbar, aber Begründung gehört schon mit dazu.</p>

<p>2.) Es gibt den expressiven Sprachgebrauch "Arschloch", "Aua!", "Ich liebe Dich". Das Expressive selbst läßt sich nicht im selben Sinne begründen, wie man eine Regel begründet; man kann aber begründen, <em>warum</em> man wütend, traurig, verstimmt oder bester Laune ist. Nicht immer, aber oft.</p>

<p>3.) Es gibt Befehle, Versprechungen und Beschimpfungen, also das, was man als "performativ" zu begreifen gelernt hat, wenn man sich damit beschäftigt hat. </p>

<p>Einen Sonderstatus dieses Appellativen haben "Soll"-Sätze, die nicht immer, aber oft, sich aus der moralischen Begründung von Handlungsregeln ergeben: "Du sollst nicht töten". </p>

<p>Ebenso können aber aus den anderen Rationalitätstypen solche Imperative abgeleitet werden: "Du sollst eine Hypothese formulieren, bevor Du losforscht", "Du sollst zeichnen lernen, bevor Du mit Ölfarben malst" usw. </p>

<p>Häufig sind diese Imperative auch mit Sanktionsdrohungen verknüpft; als moralisch relevant können primär jene bezeichnet werden, bei denen es um das Verhalten anderen Menschen und wohl auch Tieren gegenüber geht.</p>

<p>Solche Imperative sind auch als Konventionen begreifbar, die ggf. daraufhin abgeklopft werden können, ob sie begründbar sind oder auch nicht und machen wohl einen Teil dessen aus, was wir Kultur nennen.</p>

<p>4.) Es gibt neben dem "reinen" Sprachgebrauch ein weites Feld von "Mischfomen": Metaphern, Allegorien, Ironie; das jetzt alles aufzuführen, das führte zu weit. </p>

<p>Die alltägliche Sprachverwendung nutzt diese nicht minder intensiv als literarische Techniken; "Heulsuse" ist ja nur teilweise buchstäblich konstatierend gemeint, sondern immer auch expressiv und  metaphorisch, als Sprach-Bild.</p>

<p>5.) Es gibt neben der eingangs erwähnten Begründung eines Satzes, einer Regel, einer ästhetischen Vorstellung noch den Typus dessen, was Max Weber "Zweckrationalität" nennt. Bei Habermas ist das die strategische Rationalität, bei Horkheimer/Adorno die instrumentelle Vernunft. </p>

<p>Diese formuliert Mittel, um bestimmte Zwecke zu erreichen, die berühmte Mittel-Zweck-Relation, der Kant dann den Mensch als Zweck an sich selbst in moralischer Hinsicht entgegenstellte. </p>

<p>Man sagt also nicht etwa etwas, weil man das begründet für richtig oder wahr hält, was man sagt, sondern weil man etwas ganz anderes damit erreichen will: Mitarbeiter motivieren, andere Blogger in die Pfanne hauen, Wahlen gewinnen. Man kann die Wahl des Mittels natürlich auch begründen, die Aussage selbst verfolgt aber jenen instrumentellen Zweck (ja, doppelt gemoppelt), der auch wieder begründungsfähig ist.</p>

<p>Das ist zugleich, über Sprache hinausgehend, das Modell des "homo oeconomicus", der Nutzenkalküle anstellt und sich dann fragt, wie er sein Ziel am besten erreicht. </p>

<p>Der also z.B. den Kuchen fair aufteilt, weil er eine bestimmte Reaktion des Gegenübers gedanklich antizipiert - und nicht, wie 1.) folgend, darüber diskutiert, welche Teilungsregel mit guten Gründen, z.B. dem "Leistungsprinzip", also: "wer hat zum Backen am meisten beigetragen," denn nun die richtige sei. </p>

<p>Habermas hat auf dieser natürlich eleganter und komplexer begründeten und ausgearbeiten Unterscheidung seine ganze Gesellschaftstheorie aufgebaut. Seiner Ansicht nach ist 5.) genetisch sekundär zu 1.) zu verstehen, und wie er all das nun mit 3.) verknüpft, das lasse ich hier mal offen.</p>

<p>Weil, was ich nicht verstehe, ist z.B., wie man 1.) anhand von 5.) interpretieren kann, wenn man mit jemandem kommuniziert.</p>

<p>Das muß irgendwas mit den Theorien, die man sonst so im Kopf hat, zu tun haben. "Es ist der Fall, daß p" bewegt sich ja noch gar nicht in einer Mittel-Zweck-Relation, man will zunächst nur konstatieren und nicht gleich irgendetwas damit erreichen, daß man etwas konstatiert, man hat einfach nur gute Gründe, es für wahr zu halten.</p>

<p>Für bestimmte, moderne Zeitgenossen scheint das so dermaßen unbegreiflich, daß es sowas gibt, daß sie ganze Abfolgen von Blogeinträgen verfassen um zu belegen, was EIGENTLICH gesagt wird, indem sie irgendwelche Strategien hineininterpretieren. Ich meine, mal ganz im Ernst, das ist doch schrecklich für denjenigen, wenn der schon gar nicht mehr glaubt, daß Andere wirklich das für wahr und richtig halten, was sie sagen und schreiben! </p>

<p>T.Albert hat das jüngst folgendermaßen zusammengefaßt:</p>

<blockquote>“Wie verfangen im eigenen Sprachgebrauch muss man eigentlich sein, bis man im eigenen Kopfe nur noch damit beschäftigt ist, das vermutete Eigentliche herauszufinden, nicht nur bei anderen, sondern sogar bei sich selbst?”</blockquote>

<p>Weil, wenn man auch noch mit sich selbst so umgeht, daß man also ständig die Strategien, denen man eigentlich folgt, während man was sagt, analysiert, dann ist man verdammt nahe an der Psychoanalyse. Das ist ziemlich scheußlich, ich kenne das noch von früher, wenn man so mit sich umgeht.</p>

<p>Man hat zwar sehr viel mehr Probleme, wenn man z.B. expressiv durch die Gegend spaziert, in unseren Kulturen wird das gar nicht gern gesehen, aber das kann man ja begründet völlig falsch finden. </p>

<p>Wenn man nicht aufpaßt, dann ist es allerdings tatsächlich im freien Wirtschaftsleben so, daß man nur noch strategisch denkt, das macht den Kapitalismus ja so Scheiße. Im Umgang mit der Staatsmacht in der DDR wird das aber noch arg verschäft der Fall gewesen sein. </p>

<p>Genau so grotesk ist es übrigens, 2.). 3.) und 4.) wie 1.) zu interpretieren (um dann am besten  das wiederum im Sinne von 5.) zu deuten, Hallejuha; manche machen das den ganzen Tag in Kommunikationen und glauben dann sogar, sie betrieben Metakommunikation; natürlich halten sie für wahr, was sie schreiben, das ist es aber nicht), wie jüngst geschehen. </p>

<p>Z.B. die berühmten Nazi-Vergleiche werden häufig auch im Sinne von 2.), 3.) und 4.) verwendet: Als Beschimpfung, als Metapher oder auch als reiner Gefühlsausdruck. </p>

<p>Im Falle von Beschimpfungen fallen ja oft auch 2.) und 3.) zusammen, weil man z.B. auch wirklich jemanden verletzen will, deshalb sind die ja auch oben schon doppelt aufgeführt. Und häufig, nicht immer, fallen dann auch 3.) und 5.) zusammen. </p>

<p>Bei Imperativen erscheint 5.) auch immer der Fall zu sein, da muß man aber schon noch schauen, ob nun 1.) dem nicht vorgängig ist, das Sollen also selbst begründet ist. Bei 5.) ist die Begründung nicht die eines Satzes, sondern immer die, wie ein Ziel zu erreichen ist. </p>

<p>Ja, und so entstehen dann diverse Dilemmata, gerade in Blog-Diskussionen, wo seltsamerweise Identitätsfragen so dominant sind; wie man aber konstant 1.) und 5.) durcheinander bringen kann und 4.) sowieso nicht zu lesen vermag, das verstehe ich wirklich nicht ... </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/10/was_ich_nicht_verstehe.html</link>
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         <category>Foucault</category>
         <pubDate>Mon, 15 Oct 2007 15:23:49 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Über Form und Verständlichkeit oder wie man neue Erfahrungen macht</title>
         <description><![CDATA[<blockquote>"Das gelungene Werk führt die Erfahrenden nicht aus der Welt ihrer Erfahrung heraus oder setzt sie von dieser frei: es gibt ihnen die Freiheit, sich zu ihrer Erfahrung erfahrend zu verhalten."
</blockquote><blockquote>
<em>Martin Seel</em></blockquote>

<p>Was jetzt freilich nur der Rezeption betrifft. </p>

<p>Auf Seiten jeglicher Form von Produktion, sei es nun Kunst,. Wissenschaft. Rechnungswesen oder Rasen harken, <em>ist</em> ja diese regulierte oder freie Tätigkeit jene Erfahrung, zu der ich mich in der Kunstrezeption dann erfahrend verhalte.Insofern trete ich auch nicht aus der Welt heraus, klar, aber ich erkunde sie erfahrend permanent, und wenn ich irgendwas bin, dann eben meine Erfahrungen. </p>

<p>Einige Erfahrungen vergesse ich, andere nicht, einige wollte ich machen, andere nicht, und Medien meiner Erfahrung sind notwendig Sprache, Licht, Stofflichkeit, Luft etc., Vorraussetzung ist Sinnlichkeit. </p>

<p>Es braucht kein konstituierendes Subjekt, kein Ich, um Erfahrungen zu machen, sondern das, was man Selbst oder Ich nennen kann, ist selbst ein Mich-zu-mir-und-meinen-Erfahrungen-Verhalten (Heidegger, Tugendhat usw.). Und Handlungsdispositionen, aber das führte jetzt zu weit.</p>

<p>Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Wixen, mich schick anziehen, Zukunftspläne schmieden, über mich grübeln - so oder so ist die Struktur dann reflexiv, ja, auch beim Wixen. Wenn ich aber malend ein Gesicht, eine Figur, eine Fläche, eine Farbe erkunde, dann kann ich das geplant, reflexiv tun, oder eben einfach so. Bei Sartre, Merleau-Ponty und anderen wird dieses "immer schon" des In-der-Welt-Seins (Heidegger) das Präreflexive genannt. Medium der Erfahrung im Beispiel ist dann der Umgang mit Farbe in Relation zu einem Gegenüber. </p>

<p>Wenn ich potenziell, nicht faktisch, anderen diese Erfahrung erklären kann, dann ist sie rational. Wenn nicht, dann irgendetwas anderes. Was ja auch nicht schlimm ist. Ein-Mich-Einlassen auf den 2. Akt von "Tristan und Isolde" kann zu echten Auflösungserscheinungen <em>in</em> dieser Erfahrung führen; ebenso ein LSD-Trip, und der eine oder andere kam ja auch nicht zurück. </p>

<p>Generell ist es aber möglich, sich verstehend zu dem zweiten Akt von "Tristan und Isolde" zu verhalten. Ich glaube mit Herbert Schnädelbach, daß es möglich ist, Rationalität ganz generell als "Verständlichkeit" zu explizieren.</p>

<p>Das heißt nun aber nicht "unmittelbar für jeden gleich und sofort verständlich". Manchmal muß man sich halt auch anstrengen. Etwas als rational begreifen heißt, die prinzipielle MÖGLICHKEIT des Verständlichwerdens einzuräumen.</p>

<p>Verstehe ich vielleicht in konkreten, materialen Analysen von Milton Friedman in Sachen Ökonomie am Anfang kein Wort, so kann kann ich mir dieses Verständnis erarbeiten. Dann wandelt sich für mich die Vielfalt möglicher Erfahrung, und das kann ich verwirrend, toll, bereichernd, wie auch immer finden; an dem, was Herr Friedman beschreibt, ändert sich aber nix.</p>

<p>Mit anderen Worten: Kein Verstehen ohne Vorverständnis. So entstehen auch die meisten Mißverständisse, und Vorverständnisse prägen die Wahrnehmung. Wenn ich glaube, daß alle Menschen anhand von Nutzenkalkülen agieren, dann interpretiere ich deren Handeln eben im Rahmen eines Vorverständnisses von Nutzenkalkülen. Zum Beispiel. </p>

<p>Manchmal stelle ich mir vor, wie das wäre, wenn ich mit Burka durch die Gegend laufen würde. Ich, in meiner sozialen Position, würde das wahrscheinlich einerseits als befreiend erfahren: Keiner stiert mehr auf meinen Bauch (macht eh keiner, aber es gibt Tage, da glaubt man das), ich springe auf einmal in eine andere Geschlechtsidentität, kann gucken, aber nicht wirklich gesehen werden, und quälend wären wohl vor  allem jene, die mich voller Hass anstarren und glauben, ich hätte 'ne Bombe unter der Bekleidung versteckt. Auch, wenn ich flirten wollen würde, fiele mir das schwer. Egal: Die Erfahung wäre für mich neu, weil ich eine neue Form wählen würde.</p>

<p>Es gibt ja in der ansonsten von mir verhaßten Neurosenlehre die These, daß Neurosen eine permanent Inszenierung des immer gleichen Scheiterns wären. Ein Wiederholungszwang, der einen auch eigentlich neue Situationen, bezogen auf alte Erfahrungen, als bekannt erscheinen läßt. Die aus dem Vorverständnis erwachsende Situationswahrnehmung führt dazu, daß man gar nicht auf sie, sondern auf vorformulierte Schemata reagiert.</p>

<p>Das gleiche gilt meiner Ansicht nah für Sozial- und Wirtschafstwissenschaften wie auch für Humanwissenschaften: daß man deduktiv anhand bisheriger Begriffsmuster vorgeht, und daß die dann auch nur bestimmte Ergebnisse erlauben. Wie in einer Neurose. Weil der Vorteil der Neurose ja ist, daß sie vor neuen Erfahrungen schützt. Neurosen geben Sicherheit. Man erlebt keine unangenehmen Überraschungen. Und die perfektesten Neurosen sind jene, die reproduzierbare Erfahrungen hervorbringen ... sozusagen die Bestätigung im Experiment. In all den Ausführungen steckt übrigens das platonische Menon-Paradox, für die, die's interessiert,</p>

<p>Schon Freud wußte: Da hilft nur eines Nämlich das freie Assoziieren. Das kann ein Verständlich-Werden sein. Das hat eine andere Logik, weil es Erfahrungen anders verknüpft.</p>

<p>Das kenne ich auch aus der Arbeit so: Man reproduziert irgendwann nur noch etablierte Erzählformen und Darstellungweisen und dadurch auch sehr ähnliche Ergebnisse hinsichtlich dessen, was man erzählt. Irgendwann determiniert dann die Form die Darstellung und somit auch das Dargestellte, und man wird so richtig falsch. Gibt ja dieses Bonmot, daß ein Künstler, der seinen Stil gefunden habe, diesen verloren habe, so ungefähr ist das, und deshalb sprach Adorno davon, daß die Kulturindustrie nur noch Stil hervorbringe.</p>

<p>Das Prinzip alles Boulevardesken ist die wertende und klischeebehaftete Personalisierung, und alle Erzählformen, die "menscheln" wollen, sind drum stets in Gefahr, boulevardesk zu sein. Und Kontext und Relationen zu eliminieren. Aus startegischen Gründen: Um zu unterhalten, zu diffamieren, weil das unterhält, usw..</p>

<p>Raus kommt man da nur und ausschließlich über das freie Assoziieren zu dieser Person, die man darstellen will, weil man so Klischees umschifft. Auch, indem man kontextualisiert und Relationen herstellt. Der berühmte Regenschrim auf dem OP-Tisch und der Flaschenständer im Museum sind ja Möglichkeiten, etablierte Erkennntnisweisen aufzubrechen.</p>

<p>Das wußte schon Kafka, dessen Talent habe ich nicht; Neues erfahren will ich trotzdem. Auch schreibend. </p>

<p>Und wenn Anderen das als Verwirrung erscheint, dann habe ich alles richtig gemacht ... dann haben die die Wahl, ihre formalen Klischees sich zu bewahren und in ihren magischen Kreisen stehen zu bleiben oder auch nicht. Und ich bin einen ganz kleinen Schritt weiter  ... wer will das Leben schon nur konsumieren? Ich zumindest nicht.   </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/10/uber_form_und_verstandlichkeit.html</link>
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         <category>Cézanne</category>
         <pubDate>Sat, 13 Oct 2007 19:59:51 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Angst essen Seele</title>
         <description><![CDATA[<p>Irgendjemand witzlte ja schon vor dem Spiel drüben im Fan-Fourm, daß wir sowieso wieder so spielen wie Dortmund. Vom Ergebnis her. War dann ja wirklich so, erstaunlich.Wie eigentlich das ganze Spiel erstaunlich war. </p>

<p>In der ersten Halbzeit hätten wir 5  bis 10 zu 0 führen und eigentlich nicht nur einen, sondern 3 Elfmeter erhalten müssen, Charles Takyi gab den Verteiler-Gott und Kuru ergänzend den Chancentod, Marvin Braun war Mann des Spiels, und glaubt man Bernd Heiser, was schon Tschechow wußte, daß nämlich Slapstick, das inszenierte Scheitern am eigenen Unvermögen, das Stolpern und so, der Entkunstung der Kunst flieht, dann haben unsere Jungs da eine Mega-Performance hingelegt.</p>

<p>Weil nach 35 Minuten aus unerfindlichen Gründen die Angst Seele auffraß, und was vorher tatsächlich noch lustig war, wurde sooo kläglich. </p>

<p>Da aber wahrer Kunst die Bedürftigkeit inhärent ist, war das eine wirklich außerordentlich ausgefeilte, soziale Plastik am Millerntor. Auch die Dummheit und Willkür der Macht war der Dramarturgie bestens integriert: Der Linienrichter da vor unserer Haupttribüne versagte völlig, und so einen Heimschiedsrichter habe ich in all den Jahren auch noch nicht gesehen: Wie der den Paderborner Kader dezimierte, da war schon erstaunlich, insbeondere, weil deren Nummer 9 von uns gar nicht zu zähmen war, daß er nun ausgerechnet den vom Platz stellte, das erstaunte in der Tat. </p>

<p>Die Rettung war's trotzdem nicht, je weniger die Paderborner wurden, desto besser spielten sie, und unsere Helden mutierten zum mobilen Elendhaufen - zwei mehr und doch doppelt so schlecht. </p>

<p>Wie kommt sowas? Gruppenpsychologie ist ja eigentlich ein ganz spannendes Thema, wie Triebsubblimierung des sozialen Systems kam mir das auch nicht vor, eher gegenteilig, also, Jungs, wen Furcht vor dem Verlieren prägt, der tut das zumeist auch, wenn nicht zufällig ein Schiedsrichter hilft, und wer nix mehr zu verlieren ha, so wie die Paderborner gestern, wird wahr und gut und schön. Völlig verdient haben die sich unserern Applaus vor dem Clubhaus, als deren Bus von dannen fuhr, und irgendwie hätte man denen ja schon noch 'nen Punkt gegönnt.Nicht beim Blick auf die Tabelle, aber so ganz grundsätzlich.  </p>

<p>Daß unsere Mannschaft das alles dann wenigstens ganz ähnlich sah und wohlweislich auf die Welle verzichtete, das versteht sich von selbst. Ebenso die ganzen Che-Flaggen auf der Gegengeraden. In Mönchengladbach schwenkt man wahrscheinlich Batista ... </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/10/angst_essen_seele.html</link>
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         <category>St. Pauli</category>
         <pubDate>Mon, 08 Oct 2007 08:28:30 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Das Gerede des &quot;Man,&quot;, Treu und Glaube: Der Hai von Damien Hirst</title>
         <description><![CDATA[<p><img alt="14455_ori.jpg" src="http://www.blogfrei.de/metalust/14455_ori.jpg" width="800" height="600" /><br />
<a href="http://www.reclaimyourcity.net/content/detail.php?im=14455&ord=2"><br />
Quelle</a> (via <a href="http://www.rebelart.net/diary/?p=335">rebelart</a>)</p>

<p>Wie der Verwirrung Herr werden? Oder warum eigentlich?</p>

<p>Manchmal verbringt man Tage, die wie die Weißwäsche im Schleudergang dann einfach weiter rotieren im eigenen Hirn und nicht zueinander finden. </p>

<p>Total unproduktiv. </p>

<p>Weil man Subkulturen durchforstete und im Zentrum der Stadt auch alle Restaurants dicht hatten. Weil Sonntag war. Das ist wohl so in Zürich, daß nur Steakhäuser offen haben am Sonntag. Zürich ist eine sonntagstote Stadt, und im Steakhaus gucken die Kellner zwischen verschnupft und arrogant, als seien sie Kontrolleure für Integrationskurse in's gehobene Kleinbürgertum. Schon deshalb, weil da lauter Schönlinge wie aus der Ski-Anzug-Werbung ihre stumpfen Tussen ausführen und man dazwischensitzt und Status nicht zu signalisieren bereit ist.</p>

<p>In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zug_(Stadt)">Steueroasen der Superreichen</a>, Briefkasten-Firmen-Anballungen mit traumhaft kitschigem Seeblick hat man derlei Distinktionsgehabe nicht mehr nötig. Da ist man fast schon liebevoll freundlich zum underdressten Freak aus dem hohen Norden, druckt ihm noch die Zugverbindungen nach Zürich zurück aus und amüsiert sich darüber, daß er mit Schweizer Franken wie mit Geld überhaupt nicht umgehen kann, während er ständig Münzen mit falschen Wertigkeiten  auf dem Thresen verteilt und so die richtige Summe nicht trifft. </p>

<p>Dann lauscht man ehmaligen kapitalstarken Ex-Kulturstiftungsvorsitzenden, höchstrangigen Ex-Siemens-Managern, Personalumsattelungsunternehmern und einem Pfarrer, während sie über <a href="http://www.kunsthauszug.ch/">"Kultur - Spiritualität - Kapitalismus" diskutieren</a> und wähnt sich inmitten der Blogosphäre. Kaum ein Argument, das nicht in irgendeiner Form hier im verbalen Gerangel mit den Liberalen irgendwann erwähnt  worden wäre, wird dort im schnieken Kunsthaus ausgestoßen. </p>

<p>Der Pfarrer witzelt darüber, daß eine Marketingagentur als sein "Produkt" die Stille identifiziert habe und verteidigt den <a href="http://www.vorarlberg-tourism.at/scms/media.php/4180/Damien_Hirst_Hai.jpg">Hai von Damien Hirst</a>: Er habe davor gestanden und den als erhaben empfunden. Der ehemalige Kulturstiftungsvorsitzende kann diese Perspektve nicht teilen, findet den Hai von Damien Hirst doof und erläutert ansonsten plausibel, wie das Hire & Fire kontraproduktiv sei aus all den Gründen - Indentifikation mit dem Unternehmen usw. -, die ich ich hier auch immer schilder. </p>

<p><br />
Am pfiffigsten, natürlich, der Ex-Siemens-Manager; er lobt den Personalumsattelungssunternehmer für dessen spirituelle Tätigkeit, weil er ja anderen helfe; fordert das Ersetzen von "Kapitalismus" durch "Marktwirtschaft" im Diskussionsthema, weil alles andere ja ideologisch belegt sei, "Marktwirtschaft" hingegen nicht. </p>

<p>Er hat vorher Definitionen nachgeschlagen, außer für Kultur, was sich rächt, weil konstant "Kunst" und "Kultur" im folgenden durcheinander gewürfelt werden. Einer aus dem Publikum merkt das auch an, viel zu spät im Gerangel der Aussagen, die so allgemein sind, daß sie weder wahr noch falsch sein können; in der Tat ist's wieder Heinz Felsner, Ex-Siemens, der Thesen ausgräbt, mit denen man in der Tat was anfngen kann, ob man sie nun teilt oder nicht: Daß nämlich das Führen eines Unternhemers der Arbeit eines Künstlers gleiche, und daß er in der konkreten, verlinkten Ausstellung etwas über die Betonung des Prozessualen in der Kunst gelernt habe. </p>

<p>Dann sitzt man nach Ende der Veranstaltung mit dem Künstler, der dies alles hochinspirierend als soziale Plastik begreift, diese Diskussion im Museum als solche, in einer holzvertäfelten Kneipe inmitten des Schweizer Kleinstadtidylls; ja, es ist reine Subkultur, dieses Milliardärs-Städtchen, allerreintse "Parallelgesellschaft", zur Integration fordert die jeodch keiner auf; die Barhocker sind mit Kuhfell bezogen, und weiß auch nicht mehr, wie das zum Morgen des selben Tages in Bezug zu setzen ist. Bis es dämmert: Komischerweise wurde  bei der Veranstaltung nur über Funktionsbestimmungen von Kultur und Spiritualität und Kapitalismus geredet, aber nicht über Kunstwahrheit, Gott oder Herrschaft. Abgesehen von dem Hai von Damien Hirst und dem Einwurf des Künstlers im Rahmen der Diskussion, daß doch das Anbeten und Beindrucktsein vom gigantischen Preis mancher Kuntwerke fast selbst wie Spiritualität erschiene. Was ja auch als Funktionsbestimmung lesbar ist.</p>

<p>Das war morgens noch anders, im ehemaligen Weintank der Stadt Zürich unweit der Sihlbahnstation Manegg. Da ging man nicht durch perfekt renovierte, Schweizer Stätdchen, sondern schritt selbstgezimmerte Holztreppchen hinab; feucht war's, ist ja klar, im kathedralenhaften Weintank, wo die Ausstellung gerade abgeräumt werden sollte. </p>

<p>Da ging's dann um Bedeutung und die Unmöglichkeit, keine zu stiften, weil Bedeutung immer schon überall ist; um die Möglichkeit der Annäherung an das Absolute in der Kunst, ob das denn möglich sei und ob's das überhaupt gäbe. Über die Schaffung von Tiefe ohne Perspektive im Bild, aber ohne den Kontrast warmer ud kalter Farben, wie Cézanne das dann machte; auch darum, wohin man eigentlich schaut, während man auf die Leinwand sieht - weil sie doch eigentlich nur den Blick auf die Wand dahinter versperrt. Was machen Künstler dazu motivierte, verzweifelt in sie hineinzuschneiden.</p>

<p>Wieso nun der "Off"-Bereich der Künste sowas fragt, während im Kunsthaus eine halbe Stunde weiter weg, man die Funktionsbestimmung umkreiste, das frage ich mich heute morgen noch und wohl auch noch in zwei Jahren. Weil mir die nörgelnden Adorniten da auch nicht weiter helfen. </p>

<p>Und weil eine der Milliardärinnen in ihrem die Runde in Zug prägenden Statement sagte, daß Treu und Glaube doch einfach unverzichtbar seien in "unserer Kultur". Und da ich diese Formulierung seit den 70ern nicht mehr gehört habe, läßt die mich nicht mehr los. Aus rein ästhetischen Gründen. Zunächst. Und ohne jeden Klassenkämpfergeist.</p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/10/das_gerede_des_man_treu_und_gl.html</link>
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         <category>Cézanne</category>
         <pubDate>Thu, 04 Oct 2007 08:29:17 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Imperative, systemisch und bildungsbürgerlich und Raum schaffen für das Empfinden der Bedürftigkeit in der Kunst</title>
         <description><![CDATA[<p></p>

<p><br />
    “Klaus Hoffmann: Wenn ich sing’</p>

<p>    Und du hast Pferde gekauft oben im Norden Bamiyans</p>

<p>    Hast die Mädchen aus Frankfurt geseh’n,</p>

<p>    die ihre Wünsche in die staubige Straße spuckten</p>

<p>    Die wollten weiter zu den Gurus nach Goa</p>

<p>    Und du warst viele Joints unterwegs von Pantcho nach Tschadscha</p>

<p>    Und bist dir kein Stück näher gekommen</p>

<p>    Und du hast in dir gesessen viele Nächte im klaren Frost</p>

<p>    Den Ochsen in dir gesucht bis er oft greifbar nah war</p>

<p>    Warst auf den Märkten von Istanbul und in den Kneipen von Ivano</p>

<p>    Mal vegetarisch, mal steakversessen</p>

<p>    Und bist dir kein Stück näher gekommen</p>

<p>    Und hattes Träume von Castaneda und Bloch</p>

<p>    Hast dich in den Nächten wie’s trunkene Schiff durch Sehnsüchte gewälzt</p>

<p>    Mit fremden Körpern die Scham bekämpft, die suchten in dir, was du suchtest</p>

<p>    Und du hattest am nächsten Morgen den faden Geschmack von Kastanien</p>

<p>    Und bist dir kein Stück näher gekommen</p>

<p>    Und stand’s so oft an der Wand mit dem hochmütigen Blick des Richters</p>

<p>    Du wärst so gern beteiligt gewesen an der Spontaneität der ander’n</p>

<p>    Hattest immer ein ABER bereit</p>

<p>    Sprangst dann doch mitten hinein, ohne zu denken</p>

<p>    Erlebtest ein paar Momente des Glücks</p>

<p>    Und warst Minuten lang DU …</p>

<p>    Wenn ich sing’, ist ein Mantra in mir</p>

<p>    Wenn ich sing’, dann sing’ ich mit dir</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich mir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, ist die Angst nicht mehr da</p>

<p>    Wenn ich sing’, wird ein Augenblick wahr</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, singt alles heraus,</p>

<p>    was kaputt, verboten, zerschlagen, im Aus</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, singt mein Kopf, mein Schwanz und mein Herz</p>

<p>    Wenn ich sing’, singt die Hoffnung, der Krampf, mein Schmerz</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, fliegt ein Stück Unterdrückung heraus</p>

<p>    Wenn ich sing’, werden Stimme und Worte zur Faust</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, sing’ ich mit Papa Vignon,</p>

<p>    mit Bibi und Robert und mit Rimbaud</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, weiß ich noch immer nicht warum</p>

<p>    ich sing’, ich weiß nicht, vielleicht</p>

<p>    Wenn ich sing’, wenn ich sing’, wenn ich sing’, dann bin ich dir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, dann bin ich mir nah</p>

<p>    Wenn ich sing’, singst DU!”</p>

<p>    <a href="http://www.tu-harburg.de/rzt/rzt/it/raus/node2.html">Quelle</a></p>

<p>Wie kommt man “sich nah”, und indem man “sich nah” kommt, wird man handelnd die Stimme des Du?</p>

<p>In Zeiten totalisierter Tauschbeziehungen, flächendeckender Agitation gegen Emphathie und programmatischer Instrumentalierung seiner selbst  als einziger, noch verbliebener Pflicht gegen sich selbst neben dem flankierenden “Habe Spaß!”, das in “Konsumiere!” mündet, steht sowas wie das oben dann wohl unter Kitsch-Verdacht.</p>

<p>Und trifft’s doch, was zumindest in mir, der ich weder durch den Orient reiste  noch kiffe noch Castaneda und Bloch träume, auch vorgeht, wenn ich sie kurz mal los bin: Die ganztägigen Imperativfolgen, fugengleich, die kannibalistisch an einem saugen und zerren und in handelnder Auflösung in Regelwerken jedes Gefühl für’s eigene Wollen, Wahrnehmen und Fühlen durchdringen, neu organisieren und letztlich nix als ‘nen Zombie zurücklassen. Als untotes Echo der Interessen der Imperative selbst hängt man dann in den Seilen und will wenigsten singen wie der Klaus Hoffmann da oben, weil man beim Anderen eh schon lange nicht mehr angekommen ist …</p>

<p>Ein Luxusproblem, verglichen mit Birma und anderswo, klar, aber da wirkt doch die gleiche Geschichte hinter der Geschichte, bringt sie hervor als historisch-transzendental. Neulich fragte hier ein Adornit, was an Habermas denn kritisch sei; ich glaube, das was ich oben geschrieben habe, ist dessen Antwort auf Adorno.  Eben die Kolonisierung der Lebenswelt als Versuch des Fortschreibens der Verdinglichungskritik. Wenn also ökonomische Systemimperative wie “Wir müssen viel  verkaufen!”, “Maximiere Gewinne!”, “Erfolg hat man nur, wen x” fast schon das Körperinnere durchziehen, als seien es Blutbahnen. Und ergänzend dann die bürokratischen Regeln - “Füllle Reisenaträge aus, die brauchen wir für’s Finanzamt und für die Versicherung!”, “Rauche nicht in Kneipen!”, “Weise nach, daß Dein Hund versteuert wird!” ganztägig Handlungen produzieren und eigentlich nix mehr bleibt, als zum Trost dann ‘ne CD kaufen zu gehen.</p>

<p>Da auch in Birma die Regeln der Macht die Toten produzieren, nix anderes ist das ja. Und da liegt übrigens auch die Verknüpfung von Foucault und Habermas und irgendwie wohl auch Luhmann, und in der Hinsicht ist diese Kritik wohl anknüpfungsfähig - und spannend ist, daß Klaus Hoffmann dem die ganzkörperliche, ästhetische Praxis entgegenstellt. Ja, naiv, lächerlich, zurückschießen, einmarschieren, niedermetzeln, alles effektiver, aber manchmal rede auch ich von Utopie …</p>

<p>Da nämlich hat Habermas, im Zusammenhäng von Ästhetik und Utopie als zu umspielende Versöhnung,  dann so gar nix mehr zu bieten gehabt, und laut Adorno Klaus Hofmann auch nicht, meiner Ansicht nach ja schon - wie der die zweckfreie Suche im Gesang selbst dann beim Du enden  läßt und nicht an fremden Orten, das ist zwar nicht die Kontemplation, aber wenn man ihn hört, dann eben doch.</p>

<p>Das hat auch Foucault mit seiner “Ästhetik der Existenz” beileibe nicht zu durchdringen vermocht Dank seiner Akzentuierung auf Stilistik und Diätik statt auf Sinnlichkeit und Wahrnehmung,  aber das ist das normative Fundament der Kritik an den Systemimperativen, daß dieses möglich sein SOLLE, und das nicht nur des abends beim Volkshochschulen Tai-Chi, das erneut nur fit macht für die Interessen Anderer auf dem Arbeitsmarkt.</p>

<p>Aber wieso ist dann eigentlich nicht <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5p9E17DVchA">sowas</a> die Antwort, rein musikalisch, nicht das Event, nein, das “Feeling”, wenn man’s denn ernst nehmen würde, statt “Nur Samstags nachts!” es zu fühlen?  Hab bei Adorno neulich sinngemäß gelesen, daß Kunstwerke, die keine Sehnsucht in sich trügen, keine seien; und daß nur da, wo wirkliche Bedürftigkeit in ihnen sich zeige, die des Kindes, das schreit, weil gerade weder Nähe noch Nahrung da sind, des Obdachlosen, der sich in den Eingang zwängt, um dort zu übernachten,  sie keine Entkunstung seien.</p>

<p>Diese buchtstäblichen Schilderungen, die ich hier vornehme, wären ihm so nicht als Vorbild  der Kunst dienlich, und genau da frage ich mich, wieso denn eigentlich? Mag mein verkitschter Geschmack sein, sowas in der Disco-Hymne noch rauszuhören; glaube jedoch nicht, daß darauf es sich reduzieren ließe, Frau Summer singt da ja auch “Meine Seele brennt!”, nur anders. Denke ich, so ganz naiv. Solange man sich die bewahrt, hat man gegen die Controller nämlich noch nicht verloren …</p>

<p>Als nach Horror-Meetings gestern ich meine Mini-Disc zu Reisezwecken mixte, ganz wie die Cassetten früher, Realtime, weil’s ein Weg ist, ein kleines Stück von sich wiederzugewinnen, diese verbrachte Zeit mit dem Musik-Mix, da kam Frau Sommer dann als Antwort auf den Hoffmann direkt dahinter. Weil ich, seitdem ich Musik höre, das Gefühl nicht los werde, daß es gar nicht nur Webern, Schönberg, Free-Jazz und Sonic  Youth - nix gegen irgendwen und irgendwas davon! - sind, die uns die Antwort geben auf die Kolonisierung der Lebenswelt, sondern daß diese manchmal viel, viel näher liegt und man sich nur vor der Angst befreien muß, die Bildunsgdünkel einimpft, nachhaltig und eben auch in Form des Imperativs.</p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/imperative_systemisch_und_bild.html</link>
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         <category>Cézanne</category>
         <pubDate>Sat, 29 Sep 2007 11:05:03 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Mein Pakt mit dem Bestehenden - über mein affirmatives Verhältnis zum FC St. Pauli und die Regression der Spielweise unserer Mannschaft</title>
         <description><![CDATA[<p>Ja, ich liebe sie trotzdem! </p>

<p>Eigentlich noch viel mehr. </p>

<p>Gibt ja diese wundervolle Textzeile "Nach Auswärtsniederlagen fall ich immer in ein tiefes Loch, wach am nächsten morgen auf und denk: Ich lieb sie doch!" Gut, gestern passierte das dann Zuhause. </p>

<p>Wie wir sie trotz Deklassierung durch einen schier unglaublich und in jeder Hinsicht überlegenen Gegner noch zur Ehrenrunde sangen und sie wie die begossenen Pudel da über den Platz trabten ... seufz ... hinreißend ... charming ... als Felgen-Ralle alias Ralph Gunesch heute mittag im O-Feuer auflief, guckte der immer noch so ...  ach, wer will schon ungebrochene Helden sehen, Gladbacher vielleicht, ich finde unsere Truppe einfach viel toller als diese Maschine von Mannschaft da gestern, die uns überrollte. </p>

<p>Kurzfristig hatte ich ja das Gefühl, daß sie so spielen würden, die "Fohlen", wie die politische Philosophie mancher ihrer Anhänger: Eben reintreten in die, die eh schon am Boden liegen und sich auf Kosten (im Falle der politischen Philosophie füge man ein "sozial" oder "ökonomisch" ein) Schwächerer amüsieren, aber gegen Ende waren sie doch gnädig und ersparten uns das durchaus mögliche 0:8. </p>

<p>Also, wenn Gladbach nicht aufsteigt, dann würde mich das doch arg wundern. Die Fans, die mir über den Weg lifen, sahen zwar alle aus wie De Höhner (ätsch!), wieso da am Rhein diese Mode mit den gedrechselten Schnurrbärten herrscht, werde ich ja auch nie verstehen. Hoffentlich habe ich's aber richtig verstanden, daß dieses Spiel gestern ein Dämpfer zu richtigen Zeitpunkt war und wir bitte auch nicht den Rest der Saison damit verbringen werden, immer ganz toll zu spielen und dann doch zu verlieren. Lieber umgekehrt. Na, okay, toll spielen und dann gewinnen, damit könnte schon auch leben ...</p>

<p>Das Schöne ist ja, das man als St. Pauli-Fan sich notfalls immer auf die  Position des moralisch Überlegenen begeben kann, wenn's mal wieder weh tut, was auf dem Platz passiert, und natürlich tat das gestern enorm weh, weil ja selbst die BILD-Zeitung schreibt "Kult verliert gegen Kapital". Und wenn ich auch die Kult-Phrase so gar nicht mag, so stimmt die andere Hälfte natürlich (6 gegen 38 Millionen oder so). </p>

<p>Und wenn dann noch dieses unerträgliche Pokerspiel in der Halbzeitpause niedergepfiffen wird,  vor dem Spiel ds Transparent vom "Terror gegen die Fans!" wegen dieser unverschämten Anpfiff-Zeit 17.30 h gehisst wird und später eines folgt mit der ewigen Wahrheit "Wer das Geld hat die Macht, und wer die Macht hat, erhält Rechte" oder so ähnlich, dann fühle ich mich eben zu Hause. Und paktiere auch nach Niederlagen voller Wonne mit dem Bestehen des FC St. Pauli.</p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/mein_pakt_mit_dem_bestehenden.html</link>
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         <category>St. Pauli</category>
         <pubDate>Wed, 26 Sep 2007 20:46:05 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Flüchtlingsgeschichte</title>
         <description><![CDATA[<p><a href="http://che2001.blogger.de/stories/919012/">Das</a> hat mir kurz 'nen Schlag in die Magengrube versetzt. Primär wegen der Aktualität. </p>

<p>Aber nicht nur.Weil der Zusammenhang "Flüchtling" und "Syke" eben auch meine eigene Familiengeschichte betrifft. Was dann einen seltsamen Ebenenmix erzeugt, wo man sich fragt, ob die Benjaminsche Dialektik, die Vergangenheit in die Gegenwart als Jetzt hineinragen sieht, da zutrifft.</p>

<p>Nein, tut sie nicht. Oder doch? Alleine schon Benjamin, der Walter: Über den und in dessen Texten habe ich heute die ganze Zeit gelesen. Das ergänzte Ches Posting dann. Beim Mittag z.B., bei der gegrillten Forelle. Lecker war die, und dann las ich diese Briefe, die zwischen ihm und Horkheimer und Adorno in den 30er Jahren hin- und hergingen, als er am Tropf des Instituts für Sozialforschung hing, da im Pariser Exil, wo er von der Kohle weder richtig leben noch sterben konnte. Ich weiß nicht, was Mythos ist, was Wahrheit, aber dieses Gefühl, daß sie ihn schlicht im Stich ließen, das läßt mich nicht mehr los, lese ich diese Briefe; ein arg beklommenes Gefühl befällt mich dann. Hannah Arendt hat ihn auch unterstützt, und dessen Tod wird so beschrieben in der Wikipedia:</p>

<blockquote><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Benjamin">"Nach der Rückkehr aus der Haft im November 1939 schreibt Benjamin seinen letzten Text, die Thesen Über den Begriff der Geschichte. Benjamin flüchtet nach Lourdes, von wo er zunächst weiter nach Marseille reist, bevor er im September 1940 den vergeblichen Versuch unternimmt, über die Grenze nach Spanien zu gelangen. Im Grenzort Portbou, wo er die Auslieferung an die Deutschen unmittelbar bevorstehen sieht, nimmt er sich in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1940 durch Morphium das Leben. Die einzige Quelle für seinen Suizid ist der Abschiedsbrief[1] an Theodor W. Adorno, den er seiner Mitflüchtenden Henny Gurland diktierte.</a>"

</blockquote>

<p>.... an den Tod von Walter Benjamin mußte ich immer denken, als der Asylrechtsparagraph zerstückelt wurde. Noch in den frühen 80ern, zu meiner Schulzeit, war so sonnenklar, daß es ihn gab wegen der Benjamins, die oft als Staatenlose zwischen allen Stühlen zerrieben wurden; erschütternd ja auch der Umgang der Schweiz mit Else Lasker-Schüler und anderen. </p>

<p>Auch dieser Konsens war gebrochen, eingerannt, als sie den Paragraphen änderten, und seitdem unterscheidet die Nation zwischen "Wirtschaftsflüchtling" und "Vertriebenen", ein Hohn - um dem Leid ersterer dann hinterher zu jammern und endlich das Tabu zu brechen, mit ihnen zu leiden; lachhaft, so als jemand, der in seine Kindheit und Jugend immer wieder in Schlesiertreffen geriet, ist die Erfindung dieses Tabus schlicht hanebüchen. Würde mit selber Emphatie der Wirtshaftsflüchtling umarmt, das hätte was, doch wieder sieht man, auf welcher politischen Seite das Tabu wirklich steht und regiert. </p>

<p>Kann ich so locker daherschreiben, Ausgangspunkt war schließlich Syke. Und die Erzählungen wie es war, als meine 7-jährige Mutter im Verschlag auf dem Finanzamtsboden hauste, die haben meine Kindheit doch nachhaltig geprägt. Und ebenso die Erzählungen von der Flucht. Als meine Oma mit zwei Töchtern und ein paar Koffern in der Ferne die Stalinorgel hörte und sie sich auf dem Zug an eine Plattform klammerten, die kein Geländer, in der Mitte jedoch einen Bombeneinschlag hatte. Den Hamburger Feuersturm im Kinderheim im Elbvorort überlebt, und dann Familienwiedervereinigung in Syke. Weil der Opa in einem Auffanglager für Soldaten dort um die Ecke untergebracht war, und irgendwie ergatterten sie den Verschlag auf dem Finanzamtsboden. Und mein Opa ging "hamstern" auf den Höfen. Schnorrer halt.</p>

<p>Mein Bild deutscher Geschichte ist so nachhaltig von Syke geprägt; von den Berichten meiner Großeltern mütterlicherseits, die zum Glück keine Nazis waren, 1933 ihre erste Tochter "Wilfriede" nannten, und das nicht nur, weil das die Zusammensetzung zweier Vornamen war, sondern eben auch, weil sie wußten, was das kommen würde: Der Name war politische Forderung zugleich - Waschlappen halt. Denn einige ihrer Verwandten hatte es dahingerafft im Kriege unter Wilhelm Zwo, mein Uropa hat sich irgendwo im späteren Jugsolawien das Leben genommen.</p>

<p>Und ich kriege das nicht zusammengedacht, die Berichte, die Che über heutige Flüchtlinge postet mit dem, was meine Großeltern berichteteten. Wie kann man bei solch einer Historie so agieren???  </p>

<p>Einprägsam zum Beispiel die Geschichte, wie mein Opa, der sich irgendwie von Riga wieder nach Deutschland durchschlug, auf einem polnischen Hof sich versteckte und als Pole ausgab. Irgendwie schnallten sie das, die russischen Soldaten, die ihn dort fanden, daß er das nicht war, und fuhren ihn zur Erschießung auf einen Acker. Ich weiß nicht mehr, wie, er kam davon. Daran muß ich immer denken, wenn jetzt Menschen die Androhung von Folter fordern. Und als Wehrmachtssoldat gehörte mein Opa nun auch zu keiner netten Clique ...  </p>

<p>Die Geschichten erzählte er, wenn wir durch den Syker Wald spazieren gingen. Meine Oma flankierte sie mit Berichten über die Aufführung von Wolfgang Borchardts "Draußen vor der Tür" unmittelbar nach dem Krieg da in Syke, als der Satz "Der Mond schien wie der Bauch einer Schwangeren" einen Skandal auslöste.</p>

<p>Vielleicht hätte man damals lieber bundesweit "Draußen vor der Tür" aufführen sollen, '93, als der Asylrechtspraragraph geändert wurde, parteiübergreifend und konsensuell. Das war eine Zeitenwende. Da vergaß man jene Geschichten, die meine Großeltern mir erzählten. Die noch sehr harmlosen also, jene Zeit betreffend. Und deutete sie um. Und ersetzte dann irgendwann den Paragraphen durch Zentren für Vertreibung, während man weiter von "Wirtschaftsflüchtlingen" schwadronierte und Menschen an Fluzeugsessel fesselte, bis sie krepierten. Morphium hätten die noch nicht mal bekommen. </p>

<p>Wer weiß, ob jene Frau da in Syke, von der Che berichtet, sich fühlte wie der "Held" in Borchardts "Draußen vor der Tür", als ihn noch nicht mal die Elbe nahm, in der er doch ertrinken wollte. Aber das ist ja auch nur so eine Gutmenschengeschichte, und Kohl hat nicht umsonst Ernst Jünger verehrt. </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/fluchtlingsgeschichte.html</link>
         <guid>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/fluchtlingsgeschichte.html</guid>
         <category>Freiheit, die ich meine</category>
         <pubDate>Mon, 24 Sep 2007 21:49:49 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Vierter! Na, für zwei Nächte ... aber immerhin!</title>
         <description><![CDATA[<p><img alt="unterwasser.jpg" src="http://www.blogfrei.de/metalust/unterwasser.jpg" width="500" height="375" /></p>

<p><a href="http://www.flickr.com/photos/davidyaghoobi/157115268/in/photostream/">Quelle: DD/MM/YYYY</a></p>

<blockquote>""Ich verstehe nicht, wie sich die  Leute so verführen lassen" sagt <a href="http://www.db-artmag.de//2006/2/d/2/423.php">Monika Baer</a> beim Interview auf ihrem Balkon hoch über dem Prenzlauer Berg in Berlin und lacht ein bißchen."

<p><em>Elke Buhr, Verführung wider Willen, in art Nr. 7/2007, S. 65</em><br />
</blockquote></p>

<p>Tja, das kommt davon, wenn man auf dem Prenzlauer Berg wohnt und nicht auf St. Pauli oder eben unweit dessen. Ich verstehe das nämlich schon, angesichts des gestrigen Spiels unserer Mannnschaft. Ich finde unsere Jungs einfach super. Tolles TEAM. </p>

<p>Natürlich ist's kein Zauberfußball, so als Aufsteiger; das klar bessere Team hatten wir dennoch und eben phasenweise wieder diese Energie, diesen Willen und diesen seltsamen Zauber, der auch in Pokal-Spielen das Millerntor zum magischen Ort macht. </p>

<p>Ganz so schlimm wie oben auf dem Foto war's nicht, aber doch sehr, sehr naß - sitze ja zum Glück überdacht und konnte das so auch genießen, dieses ereignishafte Wettergeschehen. </p>

<p>Das sieht nämlich fast schon erhaben aus, wenn das Flutlicht im starken Regen breite, wabernde Lichtvorhänge bildet, die dem Wind folgen - und der hohe, dunkle, Hamburger Himmel bildet dazu einen vortrefflichen Hintergrund. Fast goldene Schlieren vor blaugrauer Tiefe, und dann laufen da noch lauter durchtrainierte Männer in komplett durchnässten Trikots über den Platz, um diesem so wundervollen, so einzigartigen, ja würde es gehen, würde ich ihn umarmen, Danke, Herr Tomte-Sänger,  Mikrokosmos FC St. Pauli 'nen Super-Sieg zu schenken, Leute, dagegen ist  Performance Art dann doch ein Witz. </p>

<blockquote>""Meine Bilder sind Austragungsorte, Konfliktffelder, auf mehreren Ebenen", erklärt Monika Baer. Das Sujet selbst liefert eine Art von Spannung, weil es vielleicht zu eindeutig aussieht oder zu offensiv ist oder in Richtung Kitsch geht - wobei ich das immer ernst mein. Gleichzeitig sind die Bilder völlig inhomogen gedacht und gemacht. Da stoßen Zonen aufeinander, die nichts miteinander zutunn haben. Diese Grenzen und Brüche sind Räume, die für mich aufgehen.""
</blockquote>
<em>Ebd. S. 66</em>

<p>So ungefähr kann man auch die Spiele am Millerntor beschreiben. Paddy Borger stieß leider einmal ganz heftig an seine Grenze und erzeugte so einen Bruch im Spiel, der zum 1:1 führte, und die nächsten 10 Minuten mußte man dann heftig zittern. Auf einmal ging gar nix mehr. Aber die Jungs haben die Kurve gekriegt, auch und insbesondere Dank Alexander Ludwig, und deshalb dürfte das gestrige Spiel so wichtig gewesen sein, psychologisch. Daß eben nicht wie in Fürth der  eine Patzer alles zunichte machte. </p>

<p>Zum Schluß, die letzten 5 Minuten, stand die Haupttribüne, und einmal mehr möchte ich dieser ganzen FC St. Pauli-Welt zurufen:</p>

<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=oMvsg0Ny5OY">I have nothing, nothing, nothing, if I don't have you!</a></p>

<p>Ja, witzelt nur rum "der hat ja sonst nix  ...". St. Pauli-Fantum ist Reichtum an sich. </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/vierter_na_fur_zwei_nachte_abe.html</link>
         <guid>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/vierter_na_fur_zwei_nachte_abe.html</guid>
         <category>St. Pauli</category>
         <pubDate>Sat, 15 Sep 2007 09:18:15 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Rock&apos;n&apos;Roll-Nigger: Gegenkultur und Exklusion</title>
         <description><![CDATA[<p>Gerade wieder <a href="http://www.antibuerokratieteam.net/2007/09/13/arbeit-zuerst-fuer-deutsche/">irgendwo</a> von "Parallelgesellschaften" gelesen. </p>

<p>Fordere, daß man dieses zum Dümmstwort des neuen Jahrhunderts kürt. Die entstünden durch "Einwanderung in die Sozialsysteme",  und perfide wird damit verknüpft, daß so islamistischer Terror sich eben diesem verdanke, was ja dummes Zeug ist, der entsteht aus dem Mittelstand. Stattdessen wollen "wir "natürlich nur reiche und qualifizierte Afrikaner hier haben, und der Rest kann wohl ruhig abgluckern, der Bono und der Grönemeyer veranstalten derweil Konzerte für die, bei denen möglichst kein Afrikaner auftritt, damit der sich nicht gleich beim nächsten Sozialamt anstellt, um zu schmarotzen.</p>

<p>"Parallelgesellschaft" ist Unfug, im Grunde genommen ist eine "Einwanderung in Sozialsysteme" noch als einizge als "Integration" beschreibbar, weil Gesellschaft ja gar nix heißen kann als Institutionen des Rechts und des Staates. </p>

<p>Insofern kann vielleicht im Falle der privaten Krankenkasse tatsächlich sinnvoll von Parallelgesellschaft die Rede sein; habe gestern wieder fast auf den Küchentisch gekotzt, als eine Kollegin von ihrem frisch diagnostizierten Hirntumor berichtete und als einzige Möglichkeit, bei relevanten Spezialisten als "Kassenpatient" zu landen, eben ihre Ärztefamilie sah, weil diese jene ja persönlich kennen würde. </p>

<p>Wo habe ich neulich noch gehört, daß in Frankreich weniger Darmkrebspatienten sterben würden, weil dort die Struktur der Behandlungsmöglichkiten eine andere sei? Na gut, aber bevor dann irgendwelche darmgeschädigten Rentner den Staat dazu legitimieren, Zwang auf arme Besserverdiener auszuüben, ist ja alles in Ordnung ...</p>

<p>Erstaunlich, was so alles rausrutscht aus dem je eigenen, hoffentlich tumorfreien Hirn, wenn man eigentlich über Patti Smith schreiben wollte. </p>

<p>Konkret über "Rock'n'Roll Nigger". Erschienen und performt, kurz bevor im Zuge der "Disco Sucks"-Bewegung in US-Stadien Disco-Platten verbrannt wurden, weil diese ganzen Tucken und Schwatten der Landbevölkerung auf den Geist gingen - Fuck the Parallegesellschaft in New Yok City, sozusagen.</p>

<p>Patti Smith war die Gegenthese zur Disco-Diva, klar,  wobei, zur Drag-Variante vielleicht auch nicht; erstaunlich, <a href="http://www.stlyrics.com/lyrics/naturalbornkillers/rocknrollnigger.htm">wenn man die Lyrics heute liest</a>:<br />
<blockquote><br />
"Outside of society,<br />
they're waitin' for me<br />
Outside of society,<br />
that's where I want to be."</blockquote></p>

<p>Würde das heute irgendein Berliner mit "Migrationshintergrund" rappen, dann würde er wahrscheinlich sofort als "Gefährder" diagnostiziert, und irgendwer würde den finalen Rettungsschuß für ihn proklamieren. </p>

<p>Zusammen mit dem wirklich unglaublich überragenden "Land" von  Patti Smith, eine Art Best of-Doppel-Album von 2002, habe ich mir das neue von Hard-Fi zugelegt, toller Pop, kein Ereignis, macht aber Spaß - trotz streckenweise flacher Texte; Auftakt-Hymne ist "<a href="http://www.youtube.com/watch?v=doJFoLayt0s">Surburbian Knights</a>" über die vergessenen Vorstatdt-Bewohner, und wenn man dann Hard-Fi und die Prä-Punk-Göttin aus New York, die jahrelang mit Mapplethorpe im Chelsea Hotel wohnte und sich mit ihm an den Warhol-Clan ranschmiß, sozusagen nebeneinander hört, dann wundert man sich dennoch. wieso man eigentlich gegen Exklusion anschreibt. Obwohl man ja weiß, daß man's zu recht tut, aber das hier hat ja auch was:</p>

<p><br />
<blockquote>"Those who have suffered,<br />
Understand suffering,<br />
And thereby extend their hand<br />
The storm that brings harm<br />
Also makes fertile<br />
Blessed is the grass<br />
And herb<br />
And the true thorn<br />
And light</p>

<p>I was lost<br />
In a valley of pleasure<br />
I was lost<br />
In the infinite sea<br />
I was lost,<br />
And measure for measure,<br />
Love spewed<br />
From the heart of me<br />
I was lost, and the cost,<br />
And the cost<br />
Didn't matter to me<br />
I was lost, and the cost<br />
Was to be outside society</p>

<p>Jimi Hendrix was a nigger<br />
Jesus Christ and Grandma, too<br />
Jackson Pollock was a nigger<br />
Nigger, nigger, nigger, nigger,<br />
Nigger, nigger, nigger"<br />
</blockquote></p>

<p>Hendrix, Pollock, Jesus Christus - alle freilich klängst integriert in den Kanon, damit auch ja niemand sie mehr versteht. Und die Kategorie Leid ist ja irgendwie unappetitlich geworden, da <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/naehe_und_geborgenheit_statt_freiheit/">fordert man lieber Freiheit</a>, natürlich immer zu recht, aber das erledigt ja andere Themen nicht, Frau Lengsfeld, da haben Sie neulich im "Cicero" aber Intelligenteres geschrieben - und das alles nur, um sich mit diesem weibischen Gewäsch nicht auseinandersetzen zu müssen ...  </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/rocknrollnigger_gegenkultur_un.html</link>
         <guid>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/rocknrollnigger_gegenkultur_un.html</guid>
         <category>Foucault</category>
         <pubDate>Fri, 14 Sep 2007 08:41:25 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Sei!</title>
         <description><![CDATA[<p>Spannend und erhellend ist ja die Frage, wieso die bildende Kunst, so auch die Malerei, für den jüdischen Glauben so problematisch ist. </p>

<p>All jenen, die immer witzeln über Adornos Theorem des "identifizierenden Denkens" könnte man ja auch den strukturellen Antsiemtismus des Geißelns des Bilderverbots unter die Nase reiben, das, man korrigiere mich, im Islam sich dann tradiert (ich glänze mal wieder durch Halbwissen, aber dazu sind Blogs ja da: Zur Exemplifizierung des Diktums des Sokrates "Ich weiß, daß ich nix weiß", und um die daraus entstehende Langeweile zu überbrücken quasselt man dann schriftlich trotzdem vor sich hin). Wie übrigens auch die Derrida-Lästerer sich Gedanken machen sollten, woher das Primat der Schrift und die von diesem diagnosizierte Schriftvergessenheit denn rührt.</p>

<p>Um so verblüffender - hinsichtlich des Bildverbots - ist's, wenn man in dem gar nicht so schlechten Band "Was ist gute Kunst" dann folgende Interpretaion des berühmten "<a href="http://www.allposters.com/-sp/Who-s-Afraid-of-Red-Yellow-and-Blue-Posters_i371728_.htm">Who's afraid of Red, Yellow and Blue" von Barnett Newman</a> zu lesen:</p>

<blockquote>"Wie den Himmel zerreißende Blitze durchtrennen die Streifen momenthaft den unendlichen Farbraum,  verzeitlichen und aktualisieren ihn zum Schauplatz eines erhabenen Geschehens.  Derart "elektrisch" aufgeladen, nimmt die entgrenzte rote Farbe selbst die Dimension des Übersinnlichen an, die, objektiv nicht darstellbar, doch in der unmittelbaren Erfahrung des Jetzt zugänglich ist. Im Unterschied zur Kontemplation des zeitlos Schönen "bewegt" die Erfahrung des Erhabenen oder des Chaos "das Gemüt" (Immanuel Kant) durch seine Furcht einflößende und erschütternde Übermacht, indem es das sinnliche Erfassungsvermögen übersteigt. Der jüdische Glaube denkt das sich jedweder Repräsentation entziehende Erhabene als den dramatischen Ausdruck göttlicher Macht. In ihm wird der schöpferische Akt selbst gegenwärtig, wie er sich ausspricht "Es werde Licht" oder im "Sei"., das Newman seit 1949 häufig als Bildtitel (Be) verwendete. Dammit legte er den Akzent auf den Anfang, der im vom Erhabenen ausgelösten Schock der Jetzt-Erfahrung mitschwingt. Als überwältigendes Ereignis bricht sie eruptiv in die Welt der Repräsentaionen ein und erschüttert deren relationales Raum-Zeit-Gefüge."
</blockquote>
<em>Interview mit Gudrun Inboden, in: Wolfram Völcker, Was ist gute Kunst?, Ostfildern 2007, S. 26-28</em>

<p>Also, ein bißchen mehr Demut, ihr Abbild- und Warenfetischisten. Das "Jetzt!" bekommt ihr eh nicht in den Begriff. </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/sei.html</link>
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         <category>Cézanne</category>
         <pubDate>Wed, 12 Sep 2007 09:21:23 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Über Kunstwahrheit</title>
         <description><![CDATA[<p>Jetzt <a href="http://che2001.blogger.de/stories/903641/#comments">schreibt der Dr. Dean </a>schon genau so einen Blödsinn wie der Klassenfeind:</p>

<blockquote>"Denn Adorno war eher ein Literat denn ein Wissenschaftler, dort, wo er Theorien aufstellte (im Grunde genommen enthielt jeder Absatz von Adorno eine separate Theorie), dort waren sie zumeist hochgradig willkürlich."
</blockquote>

<p>Selbst wenn man zugesteht, daß Adornos Form der Auseinandersetzung mit Geschichte, Gesellschaft und Vernunft durch  die literarische Qualität der Texte eher noch viel cooler ist als Röpcke, Einstein oder Heisenberg: Literatur hat wenigstens keine Atombombe hervorgebracht, aber weil das ja auch kein Argument gegen Wissenschaften ist, ist dennoch die Frage, wieso das, was Positivisten unter Wissenschaft verstehen, ein irgendwie priveligierter Zugang zur "Wahrheit" sein sollte. </p>

<p>Wahrheitskriterium ist intersubjektive Überprüfbarkeit, und bei einer Kommunikationsform wie der Kunst (Gegenthese zu Adorno, übrigens, wenn ich nicht sehr irre) ist die ja zweifelsohne gegeben.</p>

<p>Ich habe bei Georgette Dee oder der Callas mehr über Liebe gelernt als bei experimenteller Psychologie, ganz zu schweigen von den innigen Kontakten mit Harmen, Thomas oder Matthias, das war in der Hinsicht noch viel lehrreicher; ich habe bei Sartres "Chemin de la Liberté" mehr über Freiheit gelernt als bei 60 Seiten von Mises und  bei der Anwendung meines indischen Kochbuchs mehr über Sinnlichkeit als bei irgendwelchen Neurobiologen. </p>

<p>Natürlich ist gerade deshalb Adorno oft so viel treffsicherer als diese ganzen experimentellen Hornochsen, gerade weil seine Variante der Dialektik eine auch literarische Praxis war, deshalb muß man den ja auch lesen und kann den mal nicht eben so paraphrasieren, weil die Form und der Inhalt da schon ziemlich gut zusammenpassen und seine ganz spezifische Form des Schreibens und der BEWEGUNG der Gedanken eben selbst schon eine Aussage ist. </p>

<p>Und was machen denn all diese tollen Experimentproduzenten? Sie glotzen auf Ultraschall (zum Glück, dann, wenn da Schlimmes entdeckt wird), arbeiten mit Tabellen und Koordinatenkreuzen, spielen mit Atom-Modellen und etablieren so eine Ästhetik der Sachlichkeit, die eben auch nur Konvention ist, aber manche Konventionen haben ja Gründe. </p>

<p>Aber gerade deshalb weiß man schlicht GAR NIX von der Welt, wenn man den Power-Point-Wissenschaftlern nicht auch 'nen Cézanne an die Seite stellt. </p>

<blockquote>""Sind Natur und Kunst nicht verschieden?" "Ich möchte sie vereinen. Die Kunst ist eine persönliche Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung liegt für mich in der Empfindung, und vom Verstand verlange ich, sie zum Werk zu gestalten." (<em>Merleau-Ponty zietiert hier Gespräche Cézannes mit Emile Bernard, MR</em>)

<p>Aber selbst diese Formulierungen räumen den geläufigen Begriffen "Sensibilität", "Empfindung" einerseits, "Verstand" andererseits zu viel Kredit ein, weshalb Cézanne niemanden damit überzeugen konnte und es vorzog, zu malen. Statt Dichotomien auf sein Werk anzuwenden, die im übigen mehr zu den Schultraditionen als zu deren Begründern - Philosophen oder Malern - gehören, sollte man lieber dem eigentlichen Sinn seiner Malerei nachspüren, der gerade darin besteht, sie in Frage zu stellen. Cézanne glaubte nicht, daß er zwischen der Empfindung und dem Denken wählen müßte. Er will die festen Dinge, die unserem Blick erscheinen, nicht von der flüchtigen Weise ihres Erscheinens trennen, er will die Materie malen, wie sie im Begriff ist, sich eine Form zu geben, will die durch eine spontane Organisation entstehende Ordnung malen. Er zieht die Grenze nicht zwischen den "Sinnen" und dem "Verstand", sondern zwischen der spontanen Ordnung der wahrgenommenen Dinge und der menschlichen Ordnung der Ideen und Wissenschaften."</p>

<p><br />
<em>Maurice Merleau-Ponty, Der Zweifel Cézannes, in ders.: Das Auge und der Geist, Hamburg 2003, S.9-10</em><br />
</blockquote></p>

<p>Wer jetzt "Schwurbeln!" schreit, ist ein SA-Mann im Geiste. Wenn ich "schwurbeln" lese, habe ich immer die SS oder SA-Männer vor dem geistigen Auge, die Mühsam die Zähne ausgeschlugen und ihm dann auf dem Clo aufknüpften. </p>

<p>Klar, sowas wie Merleau-Ponty kann man nicht mal eben so in Focus-Kästchen und Frauenzeitschriften zitieren, dennoch: Schwurbler-Kritik ist tatsächlich strukturell antisemitisch, weil eben das Geißeln der fröhlichen Debattenkultur und das Textauslegungs-Disputieren der jüdischen Tradition eine Quelle der westlichen Intellektuellenfeindlichkeit ist, denen dann die eisernen und kreuzernen Gesetze der Hüter ewiger Wahrheiten um die Ohren gehauen wurde - mit bekannten Folgen. Ganz päpstlich.</p>

<p>Zurück zum Text: Merleau-Ponty entfaltet da am Beipiel Cézanne u.a. die Vorstellung des "Präreflexiven", die sich Husserl und der Heideggerschen Figur des "In-der-Welt-Seins" verdankt (und die im übrigen in genau jenen Experimenten, die imer zitiert werden, wenn's gegen die Willensfreiheit geht, Bestätigung fanden. Auch so können <em>differente Zugänge zur "Wahrheit"</em> zueinander in Beziehung treten, sagt euch Onkel Momo). </p>

<p>Mittels umfassender Leiblichkeit, in der die  Einzel-Sinne noch nicht geschieden sind von den anderen, bewege ich mich immer schon in sinnlichen Kontexten des Wahrnehmungsganzen, und was Cézanne da machte, war u.a. die Thematisierung genau dessen: Wie mir etwas als Materielles entgegenstritt, das hat er gemalt. </p>

<p>Und das in Kommunkation mit Wissenschaften wie z.B. der Geologie, weil mit die Dinge in ihrer Materialität eben anders erscheinen, wenn ich was wissenschaftliches über diese weiß, als wenn ich's nicht wüßte. </p>

<p>Nun komplett auf den distanzierenden und analysierenden, wissenschaftlichen Blick im Umgang mit Welt umzuschalten, das hieße, ja, hier macht's Sinn, dann eben doch Entfremdung: Dann finde ich's nicht zum Beispiel geil, an Schwänzen zu lutschen, sondern erfahre mich als homosexuell. </p>

<p>Um erstere Erfahrung zu formulieren, zum Ausdruck zu bringen, bietet sich Kunst eben doch eher an als Wissenschaft, und Pornographie distanziert bereits, indem sie verdinglicht. </p>

<p>Insofern ist Kunst als alternative Weltbeschreibung überhaupt nix, was nun defizitär als "nur" schöne Literatur den "harten" Wissenschaften entgegenstünde. </p>

<p>Und wenn man damit auch nicht den Krebs besiegen kann, so doch die eine oder andere Krankheit des Gemüts ... </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/uber_kunstwahrheit.html</link>
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         <category>Cézanne</category>
         <pubDate>Sun, 09 Sep 2007 16:35:51 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Mit der Callas &apos;nen Sherry trinken ...</title>
         <description><![CDATA[<p>Nu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Cr5vpHtJIlg">isser </a>hin. Ich trauer. Um den barocken Pomp in seiner Aura. Dieses Monument gegen den Schlankheitswahn, diese Stimme ... ich habe sogar die "3 Tenöre"-CD geliebt, heiß  und innig. Am meisten dieses hyperkitschige "<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iikzND6Hz54">Dein ist mein ganz Herz, wo Du nicht bist, will ich nicht sein</a>" (habe ich bei Youtube, ganz angemessen, nur solo gefunden). Man muß das nur im richtigen Zusammenhang hören ... schluchz ... na, neben dem, an die ich mich sonst so erinner, schön war's, z.B. <a href="http://www.artchive.com/artchive/J/johns/map.jpg.html">auf die "Map" von Jasper Johns </a>dabei gucken, dabei ergeben sich dann ganz andere Zusammenhänge ... </p>

<p>Na, und "Pavarotti & Friends", das kann man Giganten wie ihm sogar verzeihen. Ruhe sanft und geh sofort mal mit der Callas 'nen Sherry trinken. Jetzt darfst Du ja wieder.  </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/mit_der_callas_nen_sherry_trin.html</link>
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         <category>Rufus Wainwright</category>
         <pubDate>Thu, 06 Sep 2007 08:25:46 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>&quot;Heute hier, morgen da&quot; (lief gerade, von Wader das Lied,. meine ich - schön wär&apos;s)</title>
         <description><![CDATA[<blockquote>"Gleichwohl behaupte ich, daß das Nichtidentische bei Adorno kein Begriff ist, sondern nur ein Begriffssymbol: eine Leerstelle für einen Begriff oder (um den von Adorno verachteten Jaspers zu zitieren) eine Chiffre. Der Ausdruck "das Nichtidentische" ist heute zum magischen Wort geworden, das in zahlreichen Adorno-Paraphrasen meist nur beschwörend gebraucht wird; geradezu expressive Anziehungskkraft gewinnt es dort durch sein begriffliches Ungefähr, das schon bei Adorno selbst vom "A ist nicht A" über das Ding an sich zum "ganz Anderen" negativer Theologie reicht. Diesen Bedeutungshof auszuleuchten ist ein Unterfangen, mit dem man sich dem (einmal tödlichen) Vorwurf des Undialektischen aussetzt. Meine These ist: Adornos "Nichtidentisches" ist eine logische Metapher, deren Faszination auf lauter nichtanalysierten Assoziationen beruht, die sie nahelegt. Will man die Intention retten, für die diese Metapher steht, muß man sie auflösen." 
</blockquote>
<em>Herbert Schnädelbach, Zur Konstruktion des Rationalen bei Adorno, in ders.: Vernunft und Geschichte, Frankfurt/M. 1987, S. 183
</em>
Na, dann mal an an den Speck - für "Dr. House"-Gucker ist  das nix, die werden, fasziniert durch den wohlinszenierten Klischee- und Koventions-Bruch, der zur Kulturindustrie dazugehört wie Rosamunde Pilcher, es über die Kategorie "Geschmack" hinaus niemals schaffen, während sie Viren zählen. 

<p>Oppositionelles Serien-Gucken gibt's gar nicht, Herr Fiske. Aber das Kollektiv der Lacher parodiert eben auch heute noch die Menschheit ...  </p>

<p><br />
<blockquote>"Derselbe Warencharakter aber, vermittelte Herrschaft von Menschen über Meneschen, fixiert die Subjekte in ihrer Unmündigkeit; ihre Mündigkeit und die Freiheit zum Qualitativen würden zusammengehen. Stil offenbart unterm Scheinwerfer der modernen Kunst selbst seine repressiven Momente. Das von erborgte Bedürfnis nach Form betrügt über deren Schlechtes, Zwanghaftes. Form, die nicht  in sich selbst vermöge ihrer durchsichtigen Funktion ihr Lebensrecht beweist, sondern nur gesetzt wird, damit Form sei, ist unwahr und damit unzulänglich auch als Form."</blockquote></p>

<p><em>Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt/M. 1973, S. 101</em></p>

<p>Und wer Skripdoktoren auf den Leim geh, der sollte von "Mündigkeit" vielleicht doch lieber schweigen und stattdessen einkaufen gehen? 'nen verrätselten Neo Rauch vielleicht? Dessen Wert wird nicht sinken, wenn die Kunstmarkt-Blase platzt, der hat die deutsche Mythologie für sich gepachtet ...  und die verkauft sich immer gut.</p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/heute_hier_morgen_da_lief_gera.html</link>
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         <category>Foucault</category>
         <pubDate>Wed, 05 Sep 2007 08:59:11 +0100</pubDate>
      </item>
            <item>
         <title>Eliten ausbeuten!!! </title>
         <description><![CDATA[<blockquote>"Dabei ist zu beachten, dass Begriffe im politischen und kulturellen Sektor nicht unbedingt im gleichen Sinn verwendet werden und es daher fraglich ist, ob symbolische Herausforderungen auf dem Sektor der Kultur die ihnen zugeschriebene politische Wirkung haben.So gibt es z.B. im politischen Bereich Versuche von konservativer Seite, "Elite" aufzuwerten, sei es bildungspolitisch, sei es im Sinne einer generellen Legitimation ungleicher Machtverteilung. Im kulturellen Bereich wird solche Kunst als "elitär" abgewertet, die kein größeres Publikum erreichen kann. Hier wird von denselben, die gesellschaftspolitisch für Eliten plädieren, dieselbe Vokabel populistisch oder marktradikal als negativer Wert verwendet und gegen öffentlich subventionierte, "unbequeme" oder verstörende Kunst eingesetzt. Somit kann es passieren, dass die Verteidgung dieser "elitären" Kulturen zu einer unbeabsichtigten generellen Aufwertung des Elite-Begriffs beiträgt, die unter Umständen politisch wirksam wird."
</blockquote>

<p><em>Frank Illing, Kitsch, Kommerz und Kult, Soziologie des schlechten Geschmacks, Konstanz 2006,  S. 187-188</em></p>

<p>Cooles Buch, trotz RTL2-Allliteration im Titel. Guter Überblick über verschiedene Positionen ästhetischer Theorie zum "Geschmacksurteil", vertiefend dann die Theorien Mukarovskys (zu dem ein anderenmal mehr), das "Kulturindustrie"-Konzept Horkdornos, die "feinen Unterschiede Bourdieus und Ergebnisse der Cultural Studies aufbereitend, mit einem Anhang über "Das Modische und die Mode", "Kult-Kultur", "Kommerziell", "Kitsch", Camp" und "Trash" - ach, das sind ja ästhetische Welten, Kitsch, Trash und Camp, da fühle ich mich durchaus wohl. </p>

<p>Da vergißt man bei der spannenden Lektüre glatt, daß unsere Helden trotz 1:0-Führung dann in Fürth wegen Torwart-Patzers in der allerletzten Minute doch noch 1:2 verloren haben. Und daß der eklige Verein mit dem Stadion mit unaussprechlichen Namen jetzt schon wieder glaubt, diese Saison die Champions League zu gewinnen, obwohl sie doch nur UEFA-Cup spielen, und das nur, weil sie unentschieden spielten - Rote Socken sind ja nix gegen Rothosen, und Uwe Bahn, der meiner Ansicht nach unausstehlichste Radio- und TV-Moderator der Rundfunk-Geschichte, der kriegte sich auch schon wieder gar nicht mehr ein wegen eines jämmerlichen Tores gegen die Bayern eben auf NDR2. </p>

<p>Wir schießen aktuell zwar immer nur ein Tor pro Spiel, aber wir sind ja auch ein armer Aufsteiger mit Mini-Etat. Und ansonsten konsequent anti-elitär. Die Buisness-Seats-Sitzer und Lounge-Besitzer, die demnächst auf der Sübtribüne an uns rumschmarotzen wollen, die beuten wir halt einfach nur aus. Wird ja Zeit, daß sich das mal wieder wirklich umkehrt. </p>]]></description>
         <link>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/eliten_ausbeuten.html</link>
         <guid>http://www.blogfrei.de/metalust/2007/09/eliten_ausbeuten.html</guid>
         <category>St. Pauli</category>
         <pubDate>Sun, 02 Sep 2007 20:06:22 +0100</pubDate>
      </item>
      
   </channel>
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