Lack, Leder, Strapse: Stoff für RARsisten, das Forum ist down! (Erik, tu was!)
"Besonders der Fetischbegriff ist unzertrennlich mit Afrika verbunden. Abgeleitet von spätlateinisch "facitius" und portugiesisch "feiticio", "künstlich gemacht", geht er auf die Frühzeit des Endeckungszeitalters zurück. Als die portugiesischen Händler und Missionare sich im 15./16. Jahrhundert an den Küsten Westafrikas etablierten, meinten sie in ihrem religiösen Eifer dort jene Verehrung "künstlicher Gegenstände", also jene Praktiken von Hexerei, Idolatrie und Teufelsanbetung wieder zu finden, deren scharfe Verfolgung zur gleichen Zeit eines der Hauptanliegen der katholischen Kirche in Europa war. "Idol-" bzw. "Fetischverbrennungen" wurden im Gebiet des engsten Verbündeten Portugals, dem Königreich Kongo, veranstaltet, dessen Elite zum Christentum übergetreten war und das frühes Missionsziel war. Seitdem ist der Aufstieg des Fetischs als europäische Projektion des zugleich gefährlich Faszinierenden und Unterdrückten auf Afrika unaufhaltsam. Als die Holländer und andere europäische Mächte den Protugiesen nach Afrika folgten, verfestigte sich die Disqualifizierung aller afrikanischen religiösen Praktiken als Fetischismus, damit als bar jeder Manifestation des reinen Geistes Gottes. Die reale Beschaffenheit, ganz zu schweigen von der Vielfältigkeit, Tiefe und soziopolitischen Implikationen, kosmologischer Vorstellungen und Weltbilder in Afrika diente nicht nur zur Herabsetzung der Afrikaner und ihrer Versklavung, sondern blieb auch weiterhin fest im europäischen Diskurs verwurzelt. Sie stand zunächst im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen Katholizismus und Reformation um die Bedeutung der katholischen Sakramente und deren Reliquienkult, in den die Protestanten mit dem Fetischismus verwandte Praktiken sahen und diente dann den Philosophen der Aufklärung als Argument für die Unvernunft der Religion."Paola Ivanov, Afrika-Europa in den (Kunst)-Objekten, in: Peter Junge (HG.), Kunst aus Afrika, Köln/Berlin 2005, S. 36-37
Einer meiner ersten Comics war "Tim und der Arumbaya-Fetisch", der spielt allerdings bei den "Kopfjägern" im Amazonas-Becken. Und "Tim im Kongo" gibt's ja auch - 'n Belgier halt.
Da denkt man zudem an den adornitischen "Fetischcharakter der Ware" und ruft zugleich innerlich aus: Ran die Sneaker, Norbert Bisky!
PS: Jetzt isses wieder da, das Forum. Macht ja nix. Die meisten lesen ja wahrscheinlich eh hier mit.





