Weinglas: Ich fühl mich heute so leer ...
MR: Na, das werde ich heute morgen aber nicht mehr ändern ...
Weinglas: Ach., komm, Du Spießer ...
MR (steckt sich eine Zigarette an und grübelt, ob nicht vielleicht das ein Ausweg wäre - Alkoholiker werden. Endlich ein konkretes Problem! Findet ihn dann aber zynisch, diesen Gedanken und geht zur Kaffeemaschine, um nachzuschenken.)
Kaffeebecher: Autsch! Das ist heiß!
MR: Komm, die Milch kühlt doch ein wenig ....
Kaffeebecher: Dafür klebt dann hinterher wieder der ganze Zucker in mir fest ...
MR ( stellt irritiert fest, daß die Umrisse der Karte von Texas auf dem Becher zu sehen sind. Gleich mehrfach. Eine dieser Silhouetten ist gold umrandet, und unten rechts steht neben einem fünfzackigen Stern "Metro". Was Väter so alles ihren Söhnen vererben ...)
Habermas: Soweit die Sprache aber eine poetische Funktion erfüllt, verwirklicht sie diese im reflexiven Verhältnis des Ausdrucks zu sich selber. Infolgedessen sind Gegenstandsbezug, Informationsgehalt und Wahrheitswert, Gültigkeitsbedingungen überhaupt, der poetischen Sprache äußerlich - poetisch kann eine Äußerung insoweit sein, wie sie sich aufs sprachliche Medium selber, auf ihre sprachliche Form richtiet.
Weinglas: Nonsens.
Kaffeebecher: Der "Philosophische Diskurs der Moderne" spricht ...
Weinglas: Frankfurt/M. 1989, S. 235 ... der Typ treibt einem ja jeden Rausch aus.
(Frodo guckt derweil wässrig und betroffen auf die frisch geschnittenen Rosen auf dem Balkon und zuckt mit seinen Ohren. An diese behaarten Füße werde ich mich ja nie gewöhnen, denkt MR).
Kaffeebecher: Reduziert Poesie auf Stil. Richtig so!
Weinglas: Guck Dich doch mal an! Blödes Touri-Mitbringsel! Und immer nüchtern! Koffein-Junkie!
Kaffeebecher: Schöner Wohnen-Schlampe! Erinner mich noch gut an den Tag, als MR euch vier von dieser albernen "Living at home" - oder wie die heißt - Verkaufsshow - da aus dem Derby-Park in Othmarschen mitgebracht hat ...
MR: Psssst!
Frodo: Ich versteh Dich ...
Kaffeebecher: ... wat habt ihr geposet in eurem blöden Blau, mit diesen affigen Luftblasen da inmitten eurer Glasigkeit, die aussehen wie Fehler ...
Weinglas: Selber blau ...
Habermas: Das gegen sich gekehrte identifizierende Denken wird zum fortgesetzten Selbstdementi genötigt. Es läßt die Wunden sehen, die es sich und den Gegenständen schlägt.
Weinglas: Ja, eben!
Kaffeebecher: Also nenn mich nie wieder Kaffeebecher! Der refereiert doch nur Adorno, diesen Flachkopf.
Habermas: Ebd., S. 219. Und dann, eine Seite weiter: Wir irren im Diskursiven, gewiß, wie im Exil umher; und doch wahrt einzig die inständig gegen sich selbst aufgebotene Kraft einer bodenlosen Reflexion die Verbindung mit der Utopie einer längst verschollenen, der Vorvergangeheit angehörenden, zwanglos intuitiven Erkenntnis.
Kaffeebecher: Immer diese blöde Ursprungsphilosophie ...
Weinglas: Ach, Du bist auch adoptiert! Und das mit Intuitiven deutet der Habermas da eh nur rein!
Habermas: Als deren Verfallsform kann sich das Diskursive freilich nicht von sich aus identifizieren; dazu verhilft ihm erst die ästhetische, mit avantgardistischer Kunst erworbene Erfahrung.
Weinglas: Ja, eben!
Kaffeebecher: Ach, ich mach gleich mal avantgardistische Kunst aus Dir, aber nicht im Sinne Duchamps, da kannste Dir sicher sein ...
(Frodos wässriger Blick hat derweil das Sofa unter Wasser gesetzt. MR schickt ihn auf den Balkon, unter dem sich prompt eine Schulklasse versammelt und allmählich Hysterie gebiehrt angesichts des Hobbits da im ersten Stock. MR geht unter die Dusche - irgendwie ist alles feucht heute. Sogar das Wetter. Ein neuer Tag beginnt).