J-Lö, Siegfried und Roy
Ist Euch auch schon mal aufgefallen, dass unser Bundestrainer Klinsi und sein Assistent J.Löw genau aussehen wie Siegfried und Roy? - Nein? Dann habt Ihr in den letzten Monaten kein Länderspiel gesehen.
Da begegnen uns die beiden nicht nur in holdseliger Eintracht, sondern wirken schon so reflexartig in ihrer Mimik und Körpersprache aufeinander feinjustiert, dass man sich doch noch an die wahre Liebe im zweiten Frühling zu glauben getraut. Nie passt auch nur ein Zentimeter Raum zwischen die beiden; undenkbar, dass mal eine andere Person zwischen ihnen stünde - und in den schweren Minuten der Trennung - bei den Einzel-Interviews danach- verkündet stets der eine genau die Sätze, die der andere bereits wiederholt, bevor sie zum ersten mal ausgesprochen wurden, und kommentiert begeistert, dass die "gemeinsame Strategie des Bundestrainers" ohne Fehl sei. "Ausserdem hat er verdammt lange Wimpern" glaube ich dann oft gehört zu haben, ergehe mich da aber wahrscheinlich in Wunschdenken.
Sehen wir uns doch die zwei mal an: Das hübscheste Trainer-Duo im deutschen Fussball aller Zeiten. Mit Olli Bierhoff als Manager geradezu dreifaltig (ha ha) absurd gutaussehend. Diese Männer könnten Models für einen Sportkleidungs-Kalender sein! Oder österreichische Skilehrer. Oder beides. Nach Rudi, Berti usw kommt so geballtes Hübschsein als echter Schock. Man hätte uns schrittweise an den Anblick von Eleganz und Symmetrie heranführen können. Die Schönsten zu sein, und sich in einer neuen Position als Team erst behaupten zu müssen, das schweisst zusammen. Falls das Team -was wahrscheinlicher ist- nicht schon vorher bestanden hat.
Jögi Löw ("J-Lö" wie ich ihn zärtlich getauft habe) verleitet optisch unter anderem dadurch zum ewigen Hinsehen, dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass irgendetwas an ihm gefärbt ist. Die Augenbrauen? Die Wimpern?
Das Gesicht orangefarben? Oder sind die Haare nicht echt? Oder schon echt, aber ursprünglich mal ganz wo anders am (eigenen?) Körper gewachsen und auf den Kopf zwangsversetzt worden?? - Und während man dann schon mal dabei ist, genau hinzusehen und die Parallelen zu Siegfried und Roy zu bemerken, kommen einem noch ganz andere Gedanken:
Wenn ich schwul und Fussballprofi wäre, würde ich dann lieber in Los Angeles wohnen und auf keinen Fall nach Deutschland zurückziehen wollen? Von wegen der Privatsphäre und der Familie und so?
Gibt es noch vereinzelt Hinterwäldler, die denken, Homosexualität würde zur Folge haben, dass man keinen Kinderwunsch hat? (Hal-lo-ooo! Patrick Lindner? Millionen AmerikanerInnen? Dein hübscher Nachbar, dessen Frau so glücklich und burschikos ist?)
Wie könnte ich eine Struktur schaffen, in der ich in einem so stressigen Job so viel Zeit wie möglich mit meinem Partner verbringen kann, ohne meine Familie zu vernachlässigen?
Wie anziehend wäre jemand auf mich, der ähnliche Kompetenzen, Interessen und Erfahrungen teilt wie ich, und nebenbei auch das "Geheimnis" der Homosexualität im Fussball, dabei also zu einer der wenigen Personen wird, mit denen gegenseitiges Verstehen bereits in sehr grundsätzlichen Aspekten gegeben ist ... und der nebenbei relativ scharf aussieht?
Solche und ähnliche Fragen stelle ich mir in letzter Zeit zunehmend. Und auch: können wir es schaffen, am besten pünktlich zur WM, eine selbst-Outing-Welle im deutschen Männerfussball zu erreichen?? Das würde ich mir zum Geburtstag wünschen! Wie anziehend Fussball als typische Männersportart auch auf Homosexuelle ist, kann man sich ja denken, zumindest nicht weniger anziehend als auf Heterosexuelle. Es gibt ja so viele schwule Fußballteams, die sehr gut spielen. Und das sind nur die geouteten. Schon rein statistisch müsste in jeder Mannschaft zumindest ein Quoten-Schwuler sein. Ich persönlich glaube (wegen der vielen für Schwule anziehenden Nebenaskpekte) an wesentlich mehr.
Wer mag das beim FC Bayern sein? Wer alles in der Nationalmannschaft?
Würde ich nicht fest davon überzeugt sein, dass Podolski und Schweini heterosexuell sind, würde ich vorschlagen: macht's! Ihr seid die neue Generation, Ihr sagt wo's lang geht, Ihr könnt die Eier zeigen zu sagen: "Na und? Das war ein schwules Tor, und das ist gut so!" Das ganze ist schließlich reine Volks-Erziehungssache. Wenn man es geschickt macht, schlucken es alle (ha ha), sogar bei Volksmusikern. Ausserdem wird das mit dem krampfhaft zwangs-heterosexuellen deutschen Fußball meiner Meinung nach schon fast ein Fall für Amnesty: kein 20-jähriger soll sich heute noch dafür schämen oder gar verleugnen müssen, dass er schwul ist. Warum tun die Fußballer es aber freiwillig? Weil Beckenbauer sonst die Nerven verliert? Wovor könnte der Angst haben? Vor einer Betrachtung des Nationalteams und Drumrums unter schwulem Fokus etwa? (ts ts ts - und was genau wäre daran für ihn so wichtig zu vermeiden?)
Ich unterstelle mal: schwul sein im Profi-Fussball ist etwas, wovon die eigene Mannschaft wahrscheinlich weiss oder es zumindest ahnt, aber alle denken, es sei beim Publikum so irrsinnig verpönt/verboten, dass die Eingeweihten nie ein Sterbenswörtchen darüber verlieren würden. Vielleicht wollen einige Spieler auch gar nicht so genau wissen, wer in ihrem Team schwul ist.. womöglich aus Angst vor ungewollten Schwangerschaften (wenn die nach dem Tor da so im Haufen aufeinanderliegen...) Aber mal Scherz beiseite: was soll an schwulen Fußballern so schlimm sein?? Was genau wäre der Image-Schaden? Ein einziges Argument? Mir fällt keins ein. Viel schlimmer finde ich es, dass man David Beckham bis auf weiteres unkommentiert seine dorfdiscoeske pseudo-schwul-Kokettiererei frei herumposen lässt. Der Ärmste muss dringend von echten Schwulen gestoppt werden. Ist schon pervers: zwei der größten Stars, David Beckham und Robbie Williams, wären gern schwul, und die, die's sind, trauen sich nicht es zu sagen.
Und jetzt, junge oder alte gay soccer-Profis: haut rein!! Wie mit allen selbst-Outings: die ganz oben, die können sich's leisten. Entweder weil das Volk dem "jungen neuen spritzigen Rebell" alles "verzeiht" - oder weil der Betreffende schon so unangreifbar ist, dass einmal die Augenbraue hochziehen sofort für Ehrfurcht und Stille sorgt. Wenn Ihr mal was für's eigene Lager tun wollt, könntet Ihr also quasi den Moment abpassen, in dem Ihr zu einem Höchstmaß angesagt bzw respektabel seid, und dann sagen: "HAST N PROBLEM DAMIT DU PROVINZLER? DEIN BÜRGERMEISTER IST SCHWUL, DEIN CHEF IST SCHWUL, WAHRSCHEINLICH SOGAR DEIN MINISTERPRÄSIDENT, - UND WENN DU DAS ZEUG DAZU HÄTTEST, DANN WÄRST DU AUCH .. äh, Fußballspieler".
Selbstbekenntnisse oder Bekenntnisse von Partnern schwuler Fussballer werden an dieser Stelle gern entgegengenommen, übrigens auch gerne anonym (wirklich), z.B. von Amateur-Fußballern (ab Regionalliga) oder Profis, darüber warum es ihnen so schwer fällt, dieses alberne, ur-alte Tabu zu brechen, und ob unser Trainer-Duo eine Auswirkung auf das offen schwul sein im deutschen Männer-Fußball hat. Oder welche Folgen ein Fussballer-Outing mal nach sich zog. Oder was die Befürchtungen sind. Oder ob es sogar eine "offizielle inoffizielle Anweisung" gegen Outings gibt.. usw.
Bisher dachte ich übrigens, das lesbisch-sein würde im deutschen Fussball weniger restriktiv und verkrampft behandelt. Da hab ich mich wohl getäuscht.
Dazu bald mehr! (freue mich hierzu auch über Einsendungen/Insiderinnen-Kommentare)
Kommentare
Liebe Noah ich interessiere mich nicht besonders für Fußball (ok, gar nicht) und noch weniger interessiert mich, ob ein Fußballer (Fußballerin) schwul oder lesbisch ist. Wäre ich begeisterter Fußball-Fan würde es mich wahrscheinlich genauso wenig interessieren. Ehrlich gesagt, ist es mir egal, ob der Mensch, dem ich begegne (Wurscht ob privat oder persönlich) homo- oder heterosexuelle Neigungen hat (oder gar bisexuelle). Das ist aus meiner Sicht nur dann von Bedeutung, wenn ich zu diesem Menschen eine sexuelle Bezihung pflege bzw. pflegen möchte. Anders ausgedrückt: Sexualität ist nur ein Teilaspekt eines Menschen und sollte daher als eine von vielen Eigenschaften / Merkmalen betrachtet werden und nicht als Klassifizierungsmerkmal (die Schwulen in die linke Ecke, die Heteros in die rechte Ecke ...).
Viele Grüße, Stefan
PS. Freue mich auf deinen nächsten Eintrag :-)
Verfasst von: Stefan | 05.11.05 10:49
Ich bin begeisterter Fußball Fan und kann mich nur anschließen, es ist doch total egal,ob ein Spieler oder Spielerin schwul oder lesbisch ist, solange die Leistungen in beider hinsicht stimmen.
Liebe Grüße Bettina
Verfasst von: Bettina | 28.11.05 10:44
ich stimme mit den Vorredenern überein. Hauptsache sie liegen aufeinander wenn sie sich über ihren Erfolg freuen und herzen und knutschen sich das die Heide wackelt. Was ist schon dabei Mensch zu sein.
Freut euch Jungs und Mädels. ich sehs gern. Was heisst hier schon hetero oder schwul?
Peter
Verfasst von: Peter Bruns | 18.02.06 23:14
Lieber Stefan,
Liebe Bettina,
Lieber Peter,
ich befürchte, ihr habt leider überhaupt nicht begriffen, was der Punkt bei einem Outing von Menschen ist, die in der Öffentlicheit stehen?!
Verfasst von: Dirk | 15.06.06 02:56
Ich glaube wir Frauen sehen (leider) das Thema lockerer als der rest der Welt! Ich finde es wirklich unglaublich das sich diverse Fußballer eine Frau und Kinder "anschaffen" müssen nur damit sie weiter ihrem Beruf nachgehen können!Ich habe letztens einen Bericht gelesen wo ein schwuler Bundesligaprofi (anonym versteht sich) über sein Leben geredet hat. Er macht die Hölle auf Erden durch und er weiß nicht wie lange er das noch durchhält! Ich hoffe das er es nicht mehr so lange muss! Aber ich denke und hoffe das die Gesellschaft immer offener wird und sich dann auch die ersten Spieler dazu äußern werden!
Verfasst von: Kib | 05.07.06 18:09
Genau Kib...
wenn es doch so selbstverständlich und egal ist, warum kann man dann nicht auch normal drüber reden.
ich finde es traurig, dass sich in Deutschland noch Menschen so verstecken müssen!
Da sollten wir alle doch mal drüber nachdenken!
Verfasst von: Sandra | 11.07.06 19:37
Vor allem ist dieses Versteckspiel auch für die Psyche nicht gut. Was ist das denn für ein Leben, wenn man ständig Angst haben muss, dass es raus kommt.
Aber ich geb Herrn Littmann recht, es sollte dann ein "Massen-Outing" sein. Einer allein wäre schon schwierig.
Verfasst von: Maia | 18.09.06 16:05