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Mattafix: unverschämte CD Info von der eigenen Plattenfirma

Ich moderiere jeden Montag bei YouFM (www.youfm.de) eine Sendung, in der die neu erschienenen CDs vorgestellt werden. Sehr empfehlenswert. Allerdings sind die werbenden Info-Texte, die die Plattenfirmen dazu schreiben manchmal eine Quelle unfreiwilliger Komik; seltener - wie in diesem Fall - auch des Ärgers. EMI/Virgin schreibt im aktuellen Fall, über den ich mich sowas von aufgeregt habe, über das Londoner Duo "Mattafix" eine selten dämliche Ansammlung von Unfug.

original-Text:

"Bei Mattafix handelt es sich um ein Londoner Duo, bestehend aus Marlon Roudette und Preteesh Hirji. Der eine ist ein Virtuose auf der Steel Drum, der andere – wie er selbst zugibt - ein Computer-Freak. Während Marlon in der tropischen Idylle von St. Vincent aufwuchs, verbrachte Preteesh seine Kindheit und Jugend in der eher rauen Gegend um die Londoner Harrow Road. Marlons Vorfahren stammen aus England und der Karibik, Preteesh kommt aus einem indischen Elternhaus. Eigentlich dürften sich die beiden gar nicht verstehen! Was die beiden dennoch zusammenbrachte, war die zufällige Begegnung in einem Aufnahmestudio, die beide verbindende Liebe zu Songs und letztlich die Entdeckung, dass sie für kurze Zeit sogar die gleiche Grundschule in Ladbroke Grove besucht hatten (Marlon hatte bis zu seinem neunten Lebensjahr in London gelebt). Mattafix sind der schlagende Beweis dafür, dass Verschiedenheit nicht unbedingt ein Hindernis sein muss, sondern vielmehr als Bereicherung verstanden werden kann."


mein Kommentar:

Plattenfirma, merkt Ihr noch irgendwas? warum "dürften" sich die beiden "eigentlich gar nicht verstehen"? Weil sie als Kinder mal kurz in verschiedenen Ländern waren? Spinnt Ihr? Welche Weltsicht habt Ihr denn? "Bürgerkrieg is okay"? Und wie bitte definiert Ihr Clowns "Verschiedenheit"? Wenn der eine vielleicht gern Nutella mag und der andere nur Chips, das wäre "Verschiedenheit". Wenn einer lieber still ist und der andere ständig quasselnder Alleinunterhalter, das wäre "Verschiedenheit". Wenn Ihr aufgrund ihrer DNA bereits "Verschiedenheit" konstruieren wollt, macht das bitte 70 Jahre früher, Ihr Flaschen. Die beiden sind Musiker, verstehen sich blendend, feilen Jahrelang an ihrem gemeinsamen Sound und waren AUF DERSELBEN GRUNDSCHULE! "Verschiedenheit" gibt es da wohl am ehesten in Euren überholten Kolonialsichtweise-Reflexen. Wo das ganze ein "Hindernis" sein soll, bleibt Euer Geheimnis, vielleicht dabei, dass deutsche Plattenfuzzis sich ins 21. Jahrhundert begeben und drüber wegkommen, dass nicht alle Kids, die später Musiker werden, so einen lahmarschigen Erfahrungshorizont haben wie die Person, die diesen Text geschrieben und anscheinend nur Freunde mit derselben DNA Zusammensetzung hat (Tipp: komm mal raus, zahl mal 30 Euro für'n Flugticket, und unterhalte Dich mal mit Leuten, die nicht rosa sind).
Der uralte Gutmenschen-Zopf von der "Bereicherung" der "Verschiedenheit", den immer gerne Leute anwenden, die gerade von der Lichterkette kommen und dann in Ohnmacht fallen, wenn ihre Tochter einen schwarzen Freund hat, ist mir ausserdem inzwischen gänzlich unerträglich. Rassismus ist da, wo ein vermeintlicher Unterschied konstruiert wird (also: hier), und nicht wo man von oben herab glaubt, beurteilen zu können, welche Kombination von Leuten allein aufgrund ihrer "Herkunft" eine "Bereicherung" sei. Gestalten wie der/die AutorIn verstehen anscheinend nicht, dass sie sich damit auch gleichzeitig das Recht herausnehmen, zu entscheiden, was KEINE Bereicherung sei. Dies äussern sie freilich meist weniger öffentlich - in der Regel nach 8 Bier am Stammtisch. Dass eine einzelne Person derart unreflektiert und unkosmopolitisch vor sich hinbrabbelt, ist schon peinlich. Aber als offizielle Info eines INTERNATIONALEN Musik(!)-Labels? Schämt Euch.

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