Parallelen

Was, wenn ich irgendwann falsch abgebogen bin?, also das
hier gar nicht meine Realität ist, sondern die eines anderen? Seit
Star Trek kann ich nicht mehr klar denken, wenn es um temporale
Anomalien geht, die haben das alles versoapt, und doch ist es fies,
wenn es passiert, was mir nun passiert. Denn inzwischen zweifle
ich, seit Andrea mir überall begegnet.

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Beizeiten

Eigentlich war es nun soweit. Es war Zeit.

Und doch war ALLES, was er erreicht hatte, alles war nun in Gefahr. Immernoch.
Soviel hatte er entbehrt. Nicht getan, sich untersagt, in der vermeintlichen Gewissheit, es nun gebrauchen und geniessen zu können.

Nun war es soweit. Sollte es soweit sein.
Und alles an das er denken konnte, war,
Es wieder zu verlieren.

Die diffuse Angst, die ihm unmerklich die Fähigkeit zu allem herzhaften genommen hatte, war größer denn je.

Er hatte sich betrogen – und dieser Gedanke war so ungeheuerlich, dass er ihn sofort verfluchte. Er war umzingelt, und sie hatten alle genügend Zeit. Verloren fühlte er sich, und allein reich an Dingen.

Und selbst jetzt langte es nur zu einem verzerrten Grienen.
Er steckte dem alten Gesicht im Badezimmerspiegel die Zunge heraus. ‚BÄH‘

Gedanken beim Geschirr-Einräumen

Ist heute schon Dienstag?, Wieso kriegen alle Familien dünne und ausgerechnet wir bekommen die dicke Französin?, Aua – mein Rücken, Ich muss dieses Reiki mal ausprobieren, Wieso bin ich eigentlich immer derjenige, die die Maschine einräumen muss?, Scheiße – die Maschine ist sauber.

Das Telefon klingelt.
Renate war bei einem Heiler. Es geht ihr gut.

Pfeiler des Lichts (Paulo Coelho)

Kurdische Kriegerin
Kurdische Kriegerin – Photo credit: Kurdishstruggle via Visual hunt / CC BY

Die Kriegerin des Lichts betrachtete ausgiebig die beiden hohen Pfeiler neben dem Tor, das sie durchschreiten sollte.

Auf der linken Seite die Angst,
Auf der rechten das Begehren.

Dann schritt sie hindurch, in der Erwartung Dich zu treffen.

Für Katharina, Holly, Julie und Andrea
Frei nach einer Vorlage von Paulo Coelho

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Hurra, ein Faden

Ich bin heute sehr früh in das weiße Zimmer gegangen und habe mir Dialoge angesehen. Wenn das so weiter regnet, kann ich sicher nicht schlafen. So eine Gemütlichkeit halte ich nicht aus.

Zum Glück, gerade als mich mein Terminkalender von morgen einholt, entdecke ich an dem Pflaster an meinem rechten Mittelfinger einen Faden, der nutzlos und frech absteht. Ich will ihn schon herausziehen – er hat da nichts zu suchen, stört nur – da entscheide ich mich dagegen. Ich streiche ihn gerade, behutsam. Und die Nutzlosigkeit dieser Handlung macht mir Spass.

Oh. Nun ist er abgefallen.

Ich begrabe ihn unter meinem Kissen und schaue meinem Pflaster an meinem rechten Mittelfinger tief in seine beiden weißen Augen.

Hamburger Herbst

Der Sommer ist spät gekommen in diesem Jahr. Zusammen mit lauter singenden Kindern in hellblau. Nun, es ist Ende Mai, liegt immer noch eine grunzende Arche vor dem Fischmarkt von Altona. Es gießt.

„Starkregen, 14 Grad.“, warnt das Radio.

Das Grün explodiert, und dampft Feuchtigkeit auf meine Haut. Es ist erstaunlich, kaum sind die wieder geboren, die Baumkronen unten an der Elbe, kann man sich an die kahle Traurigkeit der vielen dunklen Monate zuvor kaum noch erinnern.
„Ich will noch ein Kind. :)“, schreibt mir eine Fremde per Twitter.

Ich überlege kurz, ob ich antworten kann, und werfe stattdessen kleine Steine ins Wasser.
Wellen brechen sich fügig an dem kleinen Elbstrand, der bei Flut untergeht.

„Ich rufe nie wieder zurück.“

Mussee

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Als er einer Weile den Möwen zugeschaut hatte, wie sie im strammen Südwind über das Wasser segelten, die Flügel auf beiden Seiten zu Bögen gekrümmt, fing sein Geist an sich zu beruhigen.

Er dachte nun nicht mehr an sie, oder ihn. Eigentlich war das Denken gar nichts Handelndes mehr, es geschah einfach. Schleswig-Holstein zum Beispiel, war so ein Gedanke der vorüber schwamm, sollte andere Farben in seiner Flagge führen. Grün, für das scharfe Gras und das feuchte Moos unten, Gelb für den Raps, der sich gerade im Mai über sanfte Hügel legte, und Hellblau für den freigepusteten und frischen Himmel, der in diesem flachen Land an guten Stellen 2/3 des Blickfeldes einnahm.

Ein blaues Fischerboot zerrte geduldig bei jeder Welle an seiner Boje und als die Möwe nun doch einmal herab sauste, um einem unvorsichtigen Happen das Leben zu nehmen, fühlte er sich wirklich satt. Befreit von dem Zwang, Essen besorgen zu müssen, voll mit Farben und Bildern, die seine Sinne fluteten.

Morgen würde es abflauen, und er wollte dann los. Die eigenen Flügel wölben und mit dem streichenden Wind allein sein. Für ein paar Momente.