Camp

Camp, so hat mir einmal jemand erklärt, ist das, was Du siehst, wenn Du haarscharf an dem Objekt vorbei schaust, das Du betrachten willst. Der Fokus ist anders, weiter, und man kann manchmal mit der Peripherie Dinge sehen, die unbemerkbar sind, schaut man direkt darauf.

Sie ist sehr persönlich, diese ‚campyness‘, deswegen lässt sich famos darüber streiten, aber ein vereinender Faktor ist das Herausnehmen aus Gelerntem, vor allem Machtbeziehungen. Deswegen kann Mainstream fast nie Camp sein, Vicky Leandros in einem Stadion sehr wohl, am Ballermann nie, im Olympiastadion?, schwierig – ihr versteht?

Schräg‚, ist eine häufige, aber schlechte Übersetzung, ‚Queer‚ dagegen steckt oft im Camp, auch weil eine marginalisierte Sicht auf die Welt immer von einem anderen Standpunkt aus geblickt wird. Und um den geht es: den Winkel, den Blick, der aus Höhöhö erstaunte Sprachlosigkeit macht, und warm ums Herz. 😉

Erhöhen ist dabei genauso erlaubt, wie herzliches, aber unpassendes Pathos; St. Pauli lieben geht also, ein aus nationalistischer Vaterlandsliebe geborene Erhöhung dagegen nicht als campy durch. Wikipedia weiß dazu:

„Ein inzwischen als überholt, lächerlich oder misslungen geltender Stil ist dabei nicht automatisch Camp. Nach Susan Sontag muss eine gewisse Theatralik, Leidenschaftlichkeit und Verspieltheit sichtbar werden; Camp-Ironie ist auch überwiegend auf sentimentale und liebevolle Weise ironisch, will die erwählten Gegenstände, Personen und Kunstwerke nie nur vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Ferner entsteht gute campy Kunst eher naiv und unfreiwillig; halbherzig gewollte Adaption der Camp-Optik nannte Sontag verächtlich „Camping“.“

Dabei hängt es stark von der persönlichen Prägung ab, was als Camp wahrgenommen wird, selbst im deutschen Schlager wollen manche (eher unfreiwillige) Camp-Aspekte entdecken, etwa in der Musik Howard Carpendales. Madonnas Verwendung von Camp-Ästhetik, oft direkt den Trends schwuler queerer Subkultur abgeschaut, bezeichnet dann bereits ein zentrales Problem des Camp: Ist das noch freundliches Zitat oder bereits exploitative Aneignung durch die etablierte Kulturindustrie?

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Back Out of Hell

Ich konnte noch nie gut mit Bier und Hitze umgehen. Wenn der Körper wärmer wird, sich ausdehnt und die Finger dicker werden. Nee, 22 Grad reicht. Celsius natürlich.

Den ganzen Tag Sonne von vorn.
Und nun zurück.

Immerhin, der Leihwagen hatte eine Klimaanlage, das machte das Ganze erträglich. Vier Halbe Astra hatten wir pro Mann eingepackt, und drei Punkte liegen gelassen. Wie zum Hohn hatten sie Vicky Leandros gespielt, und uns mit dem moralischen Sieg nach Hause geschickt.

Harburger Berge, Elend lange später Hannover, Kassel, letztes Astra, Pinkeln, Bier kaufen, durchs Hessische, bloß weiter.

Die warmen Hände der St. Paulianer spüre ich immer noch auf meiner Schulter. Wir haben und umarmt und viele von ihnen winken uns zum Abschied, als unser Wagen an der Domschänke vorbei zieht. Nach Süden.

Hinter Augsburg gab es Obazda im Angebot und irgend so ein Frankenbräu oben drauf. Brezen und Bier eingepackt, noch schnell pinkeln und weiter. Fast den Schorsch vergessen, der war Halbfestes scheißen. Astra-Schiss statt drei Punkten. Müde. Wir sitzen schweigend nebeneinander, Schorsch fährt und der andere liegt hinten, hat seinen Kopf gegen die Fensterscheibe gelehnt. Die Feuchte aus seinem erschöpften Atem kondensiert unter seinem Kinn zu einem kleinen Rinnsal. Alles ist gesagt, alles getrunken. – und dann plötzlich ein vollkommen blauer Bus, der von schräg vorne durch die Planke stößt.

Es quietscht und kreischt, um mich herum ist es unheimlich laut, Schorsch schreit, er fährt und sieht fast schon wieder nüchtern aus; irgendjemand hat bei dem Haufen Glas und Blech, das auf mich zurast, vorne rechts einen FC Bayern Aufkleber raufgestickt, dessen blau-weißes Muster immer schneller näher kommt. Alles schwarz, RAUTE … !–//-/___ Dunkelheit, Stille. Und ich hab noch zwei Autbahnraststättenverzehrbons in der Tasche …

Segeln auf dem Meer des Lebens, solange Winde gehn und wir stehn

Es war an einem Sommertag im Juli im Norden, genauer im Süden Dänemarks, im Hafen von Høruphav, als ich bei Regen, 17 Grad Celsius Luft- sowie Wassertemperatur, einem älteren Herren beim Anlegen half. Er segelte bei 8-9 Bft. eine kleine, aber stabile schwedische Albin in den Yachthafen im Flensburg Fjord in dem wir schon seit Tagen eingeweht waren.

Auf meine erstaunte Frage, wo er denn nun herkomme, antwortete er belustigt: ‚von Kagnæs gegenüber, ich hab da geankert.‘ – und auf meine 2. Frage, wie alt er sei; ’82. Ich liebe das Meer. Mein Boot und das Meer, und irgendwann ist Schluss. – Tut mir nur leid für die, die mich finden‘ … und dann lachten wir.

Heute, sieben Jahre später, und ich denke an den ollen Segel-Kamerad, helfe ich einem alten Mann in Strande anlegen. Engländer, schlo-weiße Haare und ein Boot, dass tatsächlich noch kleiner ist, als unseres. Er kommt aus England, über die Nordsee und den Kanal – und ich bete zu allem, was mir heilig ist, dass mir auch ein Segler-Abend beschieden sein wird … Auf See ein Fahrensmann … bis zuletzt.

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Parallelen

Was, wenn ich irgendwann falsch abgebogen bin?, also das
hier gar nicht meine Realität ist, sondern die eines anderen? Seit
Star Trek kann ich nicht mehr klar denken, wenn es um temporale
Anomalien geht, die haben das alles versoapt, und doch ist es fies,
wenn es passiert, was mir nun passiert. Denn inzwischen zweifle
ich, seit Andrea mir überall begegnet.

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Beizeiten

Eigentlich war es nun soweit. Es war Zeit.

Und doch war ALLES, was er erreicht hatte, alles war nun in Gefahr. Immernoch.
Soviel hatte er entbehrt. Nicht getan, sich untersagt, in der vermeintlichen Gewissheit, es nun gebrauchen und geniessen zu können.

Nun war es soweit. Sollte es soweit sein.
Und alles an das er denken konnte, war,
Es wieder zu verlieren.

Die diffuse Angst, die ihm unmerklich die Fähigkeit zu allem herzhaften genommen hatte, war größer denn je.

Er hatte sich betrogen – und dieser Gedanke war so ungeheuerlich, dass er ihn sofort verfluchte. Er war umzingelt, und sie hatten alle genügend Zeit. Verloren fühlte er sich, und allein reich an Dingen.

Und selbst jetzt langte es nur zu einem verzerrten Grienen.
Er steckte dem alten Gesicht im Badezimmerspiegel die Zunge heraus. ‚BÄH‘

Gedanken beim Geschirr-Einräumen

Ist heute schon Dienstag?, Wieso kriegen alle Familien dünne und ausgerechnet wir bekommen die dicke Französin?, Aua – mein Rücken, Ich muss dieses Reiki mal ausprobieren, Wieso bin ich eigentlich immer derjenige, die die Maschine einräumen muss?, Scheiße – die Maschine ist sauber.

Das Telefon klingelt.
Renate war bei einem Heiler. Es geht ihr gut.