Mad Max in Bordesholm

Ich fahre diese Strecke regelmäßig und wenn man eine Regel aufstellen kann, dann die, dass es rund um Neumünster immer Ärger gibt. Entweder fängt hier der Stau in Richtung Norden an, weil irgendwelche Ruhrpottler in Scharen ihre Kinder und Trekking-Räder nach Dänemark kutschieren oder irgendein Investitionspaket verfrühstückt wird: „Wir bauen für Sie bis Sommer 2014“.

Ich bin eine besonnene Autofahrerin, das Autobahndreieck Bordesholm ist für mich der Alptraum und wenn ich könnte und eine Waffe hätte, dann wären am Straßenrand schon etliche weiße Kreuze, die ich initiiert hätte: LKW-Fahrer, Audi TT Hobbymachos und eben die Radtransporter aus Nordrhein-Westfalen, das wären meine Opfer gewesen. Ich zwinge mich dann immer zur Ruhe, schaue auf die alten und schönen Bäume am Straßenrand, und versuche mich über das Grün zu freuen, das es ja in Schleswig-Holstein sehr viel gibt. Meistens hilft das, und wenn Neumünster und Bordesholm passiert sind, dann beruhige ich mich meist.

Heute auch. Und regelmäßig, wenn ich die drei Windräder sehe, die so schön synchron sich drehen, freue ich mich fast. Irgendwie ist mir entgangen, dass ich sie heute nicht gesehen habe. Dabei war gar kein Nebel oder einer der häufigen Starkregen-Schauer, die dann über die Kieler Bucht ziehen. Es ist warm und hell. Fast blauer Himmel und wenn ich darüber nachdenke, wird es auch immer wärmer in meinem Wagen.→ weiterlesen

Und niemand blüht für Dich!

Es war 11:15 Uhr an einem Sonnabend-Morgen-Vormittag, an denen man das Frühstück so lange wie möglich hinaus dehnt, weil die Woche in einem steckt, und der Nachhall der Belohnung von gestern. Muskeln, noch betäubt von der Flasche mallorquinschen Rotweins, dämmern noch, in Erwartung der Pflichten, die ein Sonnabend morgens so mit sich bringt, die noch vor einem liegen – und das ist der Unterschied zu einem Sonntagmorgen.

Ein Schwangerenpaar wandert langsam am Küchenfenster vorbei, hinauf zum Geburtsvorbereitungskurs. Beide Hälften, die Mutter und der werdende Vater, sehen geradeaus und bewegen sich synchron und langsam. Ihre estnischen Bommel auf ihren estnischen Wintermützen wackeln sogar ähnlich vor und zurück im Nachklang ihrer Bewegung.

Mein Blick fällt auf die Blumen auf dem Tisch. Ich habe die beiden schon vergessen. Lebt wohl. Abgeschnitten stehen sie in ihrer Vase. Wunderschön. Sie wären auch wunderschön, wenn sie nicht abgeschnitten vor Deinen Augen stehen würden. Das Lila und das Grün, das in den verschachtelten Blüten in einander übergeht. Ungeplant, von keinem Architekten entworfen, sondern einfach so. Mit einem Zweck, aber ohne Sinn.

Den gebe ich Dir heute morgen. Ob Du es willst oder nicht. Denn Du stehst vor mir, und Du bist schön. Du gefällst mir. Und keinen Gedanken verschwende ich daran, ob.

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Rote Momente

Das Rot,
es sieht von jeder Seite anders aus.

Mal machtvoll, mal zaghaft bahnt es sich durch den dicken Stoff. Aber ich kann es sehen, und fühlen.
Es ist warm.

Mein Gesicht glänzt, wie die Wand, beschienen von rotem Schein.
Wirst Du es sein, die sich erinnert?

Doch auf ein Mal,
es ist nur ein Moment der Ablenkung und der Zauber ist gegangen.

Tom Buhrow liest es vor: Übernahme der Regierung durch das emotionale Establishment. Laut klopfen dann die mahnenden Finger auf der Seele.

Das Rot ist verschwunden, hat sich eingewunden, versteckt das Gesicht. Du lächelst nicht mehr. Wieviel Zeit ist vergangen seit wir noch glühten? Keine Minuten, kaum wahrzunehmen.

Ich trete einen Schritt zurück, verschaffe mir einen Überblick. Und entferne mich widerspenstig in den Morgen.

Denken ist nicht besser

Es ist ja nicht so, dass Denken an sich etwas besser machte.

Ich liege jedenfalls abends nicht im Bett und denke, „toll viel gedacht heute“.

Vielmehr entsteht Glück oft aus dem Fühlen, bisweilen sogar nichtdenken. Nichts gegen das nachdenken, aber glücklich macht es nicht.

Und doch, denke ich an Dich, dann fühlt sich das gut an.

Pochen

Das Leben pocht energisch an meinen Schläfen.
Mein Herz springt fast aus seinem Korb.

Ich schmiege mich in Gedanken an Deinen warmen Schoß.

Im Leben darf man nur selten einfach zurücksetzen. Und eine andere Abfahrt nehmen.

Solange Du bei mir bist, nehme ich den Fuß vom Gas und stelle mir vor, wie es ist, 100 Jahre alt zu sein und dem neuen Tag doch entgegen zu lachen.