Podcasting mit Musik: wie tauglich ist die GEMA Podcast Lizenz

Ich podcaste seit einem Vierteljahr nun regelmäßig. Das Intro des 19:10 St. Pauli Podcast haben wir selbst komponiert und ansonsten die Werke anderer – wie schon beim Bloggen schmerzhaft gelernt – Stichwort Abmahnung – gemieden, wie das Weihwasser.

Dennoch: Musik und Podcast gehört irgendwie zusammen – so wie St. Pauli und Popkultur – und so kam schnell der Tag, an dem wir in unserem Podcast lizenzpflichtige Musik spielen wollten.

Wer in seinem Podcast Musik spielen will, muss Rechte einkaufen. Pauschal geht das bei der GEMA

Die Gema bietet schon seit über zehn Jahren einen speziellen Tarif für Podcaster an: Die Lizenz zur Nutzung des GEMA-Repertoires in Ihrem Podcast.

An diese Lizenz sind einige Bedingungen geknüpft, die ich im folgenden bewerten möchte… (Tim Pritlove hat die erste Version damals „angstgeladene Scheiße“ genannt, ist sie das immer noch?)

Bedingungen der Gema Podcast Lizenz:

  1. Musikstücke müssen an- und abmoderiert werden

    und zwar in der Form, dass man, wie die vielgehassten Radiomoderatoren meiner Jugend, wie Willem, in die Musikstücke hinein spricht. Ich vermute, dass damit vermieden werden soll, dass sich Hörer oder andere aus Podcasts die Musikstücke extrahieren.

    Fazit: Das ist gut machbar und passt zum Flow eines sprachegetriebenen Formates ganz gut. Fühlt sich beinahe, wie im Radio an – nennt mich Willem 😉

  2. Nur 50% des Musikstückes dürfen gespielt werden.

    Fazit: Das ist schon doof und der Ärger beginnt schon bei der Frage, „was ist denn genau die Hälfte eines Songs?“. Trotzdem, auch diese willkürliche Regel ist handlebar.

  3. Der Podcast darf nur unter zwei URLs angeboten werden.

    Fazit: Eine vollkommen unklare Regelung, die völlig außer Acht lässt, dass bspw. der MP3-Feed zwar genau eine URL ist, dieser aber bspw. bei Itunes oder Podcast.de unter anderen URLs abrufbar ist

  4. Laufzeiten/ Kosten pro Monat:

    LAUFZEIT 1 MONAT LAUFZEIT 2 MONATE LAUFZEIT 3 MONATE
    Intro/Outro, Euro 5,00 pro Monat 10 Euro 15 Euro
    Intro/Outro + 5 Songs je Monat, Euro 10,00 pro Monat 10 Euro 20 Euro 30 Euro
    Intro/Outro + 31 Songs je Monat, Euro 30,00 pro Monat 30 Euro 60 Euro 90 Euro

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann läuft die Podcast Lizenz der GEMA je Folge/Episode eines Podcast, d.h. ab VÖ solange, wie die Episode im Internet abrufbar ist. Das bedeutet aber, dass man mitnichten für 10 Euro eine Art Musikflatrate bekommt, sondern dass man je Episode, die GEMA-pflichtige Musik nutzt, zahlt. Das sind dann bei wöchentlichen Folgen schnell über 3.000 EUR Lizenzkosten im Jahr – und bleiben die Folgen online, geht das Zahlen munter weiter.

    Fazit: Für kleine Podcasts, die keine signifikanten Einnahmen generieren ist das eine echte Kostenfalle. Einzige Möglichkeit: die Podcast-Folgen nach Ablauf der Lizenz um die Musik bereinigen – so habe ich das gemacht. Ist aber ein Heidenaufwand.

  5. Die einzelnen Podcast-Folgen dürfen (inkl. Musik) nur 30 Minuten lang sein.
    Fazit: Willkürlicher Humbug. Ich kaufe eine Lizenz für fünf oder bis zu 31 Songs und darf die Folgen nicht länger als 30 Minuten lang werden lassen?

Fazit: Podcasten mit Musik macht mehr Spaß, der Benefit rechtfertigt aber den Aufwand nicht, weder den zeitlichen noch den monetären. Danke GEMA 🙁

Paul Coehl
Autor, Blogger und ewig unterwegs

2 Kommentare

  1. HI Paul,
    danke für Deinen Beitrag.
    Eine Frage stellt sich mir, da mich die Einleitung etwas verwirrt.
    Gilt die ganze GEMA Thematik auch, wenn ich selbstkomponierte Musik spiele? Danke für die Rückmeldung.

    charmenten Gruß
    Carmen Brablec vom Image-Sells Podcast

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