Eben war ich noch zufrieden…

Zwei Daumen Rasen über die Tastatur meines Gegenüber. Der Blick gesenkt steht der Nacken ungesund schief, während draussen die Welt vorbei zieht.

Ich rieche vertrautes, als der Schaffner mit Kaffee durch den Waggon schlurft. So einen kann ich mir schon lange nicht mehr leisten. Atme kaum, in der Hoffnung, dass sich der Duft in meiner Nase nicht zu schnell verflüchtigt. Verflucht, eben fehlte mir doch noch gar nichts, habe fröhlich in die Welt geschaut, meinen Gegenüber beim Leben zugesehen, trotz aller Schikanen. Und nun bekomme ich den Duft dieses verdammten Kaffees nicht aus meinen Sinnen.

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November Fressen

Der November beisst ganze Stücke aus meiner Seele. Dabei kommt er recht mild daher.
Der Sommer war so warm und hinterlässt mich so allein, dass mich ein einfacher und ehrlicher Kuss schon aus der Bahn wirft.

Im Oktober fallen die Schatten,
die Dich im November verschlingen.
Mein Alltag zeigt die kalte Schulter.

Du sehnst Dich plötzlich nach der Leidenschaft Hitze,
die am Ende eben doch nicht wärmt.

Ob Du am Leben bleibst ist unklar – also los.

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Ein wenig Blut geleckt

Was ist schon ein wenig Blut gegen Dein Leben;
Wenn es ginge, ich hätte Dich gewarnt;
Der Saft ist süß und die Hand gewaltig.

Die Welt spiegelt sich in der See;
Und nur der Wind vermag meine Wirklichkeit zu zeigen,
Und kräuselt die Deine.

Es kommt mir vor, Du lebtest dort,
Gut zu sehen und doch so weit fort.

Wenn es windstill ist, tauche ich zu Dir,
Trinke Deinen roten Saft
Und ertrinke.

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Beim Frühstück lerne ich …

Beim Frühstück lerne ich eine Wespe kennen, die sich immer wieder in einem Glas mit vertrockneten Butterblümchen den Durst stillt, das auf meinem Gartentisch steht.

Ein Rüpel hupt im Hinterhof. Vielleicht um sich zu verabschieden. Er fährt auf die Autobahn, vielleicht, in Richtung Flensburg, vielleicht.

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Spät im Sommer. Westen Wind.

Der Wind hat gedreht. Nach Wochen. Nach diesen heißen, verträumten, sommerlichen Wochen. Aus Ost dreht er nun langsam über NordOst-Nord-Nordwest auf West. Aus dem Westen kommt der Herbst und danach wohl der Winter. Das Licht wird sich ändern, die Tage kürzer. Schwindelnd schaue ich in das grelle Licht.

Immerhin. So ist es am Leben.
Tanze. Im Kreis wie der Wind, dem Sturm entgegen.

Lord Liberty

Ich schaue mir enttäuscht die Fotos auf meinem iPad an, die trotz Filter nicht in der Lage sind, die nette Abendstimmung auch nur annähernd einzufangen. Alles düster und mittendrin prangt ein kleiner heller Punkt. So kann ich das niemals in meine Timelines posten. Die Leute denken ja, ich hätte mein Auge für Motive verloren.

Das liked niemand, denke ich schmollend, dabei ist der Abend so schön. Es ist warm und ich fühle mich geborgen in diesem Sommertag. Das möchte ich teilen. „Lord Liberty“ weiterlesen

Bruno

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Sarah ist loyal,
Sie trägt tapfer ihre weiße Schirmmütze,
Unter der ihre brünetten, langen Haare widerspenstig hervor luken,
Sie verteidigt Mangel und Verlassen sein. ‚Bruno‘ steht auf ihrem Rücken. Der Name eines alten Mannes.

Sie lächelt, und ihre Beine schmerzen;
Setzen?, nicht dran zu denken,
Denken, nicht dran zu denken.
Manchmal erzeugt der Moment eine persönliche Situation,
Ansonsten ist sie das Persönchen für den Sonntagabend.
Auch eine Erfahrung.

Der Mond ist fast voll,
Erzählt ihr ein Gast,
Nicht mehr ganz nüchtern.
Das hätte sie fast verpasst.

Back Out of Hell

Ich konnte noch nie gut mit Bier und Hitze umgehen. Wenn der Körper wärmer wird, sich ausdehnt und die Finger dicker werden. Nee, 22 Grad reicht. Celsius natürlich.

Den ganzen Tag Sonne von vorn.
Und nun zurück.

Immerhin, der Leihwagen hatte eine Klimaanlage, das machte das Ganze erträglich. Vier Halbe Astra hatten wir pro Mann eingepackt, und drei Punkte liegen gelassen. Wie zum Hohn hatten sie Vicky Leandros gespielt, und uns mit dem moralischen Sieg nach Hause geschickt.

Harburger Berge, Elend lange später Hannover, Kassel, letztes Astra, Pinkeln, Bier kaufen, durchs Hessische, bloß weiter.

Die warmen Hände der St. Paulianer spüre ich immer noch auf meiner Schulter. Wir haben und umarmt und viele von ihnen winken uns zum Abschied, als unser Wagen an der Domschänke vorbei zieht. Nach Süden.

Hinter Augsburg gab es Obazda im Angebot und irgend so ein Frankenbräu oben drauf. Brezen und Bier eingepackt, noch schnell pinkeln und weiter. Fast den Schorsch vergessen, der war Halbfestes scheißen. Astra-Schiss statt drei Punkten. Müde. Wir sitzen schweigend nebeneinander, Schorsch fährt und der andere liegt hinten, hat seinen Kopf gegen die Fensterscheibe gelehnt. Die Feuchte aus seinem erschöpften Atem kondensiert unter seinem Kinn zu einem kleinen Rinnsal. Alles ist gesagt, alles getrunken. – und dann plötzlich ein vollkommen blauer Bus, der von schräg vorne durch die Planke stößt.

Es quietscht und kreischt, um mich herum ist es unheimlich laut, Schorsch schreit, er fährt und sieht fast schon wieder nüchtern aus; irgendjemand hat bei dem Haufen Glas und Blech, das auf mich zurast, vorne rechts einen FC Bayern Aufkleber raufgestickt, dessen blau-weißes Muster immer schneller näher kommt. Alles schwarz, RAUTE … !–//-/___ Dunkelheit, Stille. Und ich hab noch zwei Autbahnraststättenverzehrbons in der Tasche …