Ecriture Automatique – Automatisches Schreiben

Ecriture automatique bedeutet auf Deutsch so viel wie „automatisches Schreiben“. Sie ist eine spezielle Methode des literarischen, freien Schreibens. Ziel ist, seine Gefühle, Ideen und Gedanken so unverfälscht und echt wie möglich wiederzugeben.

Der Autor dieses Blogs gehört zu den wenigen deutschen Autoren, die diese surrealistische Form der Literatur noch betreiben.

Was ist Ecriture Automatique?

Automatisches Schreiben n. f.

Eine Art des Schreibens, die versucht, sich den Zwängen der Logik zu entziehen. Sie wurde von den Schriftstellern des Surrealismus verwendet. Inspiriert von Freuds Arbeiten besteht sie darin, „alles aufzuschreiben, was uns durch den Kopf geht“, um Träume, Wünsche usw. aus dem Unbewussten zu befreien.

Les Champs magnétiques von André Breton und Philippe Soupault ist eine Sammlung von Texten, die mithilfe dieser Technik verfasst wurde.

Die Wurzeln der Écriture automatique gehen auf die Psychologie zurück. Der Terminus wurde um 1889 von dem französischen Psychotherapeuten Pierre Janet im Rahmen von Therapieexperimenten geprägt, bei denen der Patient im Halbschlaf, in Trance oder unter Hypnose zum Schreiben angeregt wurde, um das Unbewusste ins Bewusstsein zu bringen. Janet führte dieses Schreibverfahren als eine psychologische Therapiemethode ein. Durch den unbewusst gesteuerten Schreibprozess erhält der Patient neue Ideen oder neue Kombinationen von Ideen oder Assoziationen, und so können unbewusste Eindrücke und Erfahrungen verarbeitet werden. Die Methode wird auch eingesetzt, um den Einstieg in das Schreiben zu erleichtern oder eine Schreibhemmung abzubauen.

Surrealismus und surrealistisches Schreiben

In der Literatur wurde die écriture automatique von der Pariser Surrealistengruppe um André Breton und Philippe Soupault in den 1920er Jahren adaptiert. Das berühmteste Werk, das mit dieser Technik entstanden ist, sind Les Champs magnétiques (Die magnetischen Felder).

Das automatisch Aufgezeichnete, das sich einer geplanten Struktur ebenso widersetzt wie einer nachträglichen zensierenden Korrektur, diente hier nicht der Heilung von Krankheiten, der Erstellung von Psychogrammen oder der Überwindung von Persönlichkeitsspaltungen, sondern postulierte das Unbewusste, Traumhafte und Spontane der menschlichen Inspiration als Grundlage für eine neue Art von Kreativität.
Literatur

André Breton beschrieb die Écriture automatique als ein „Diktat des Denkens ohne jegliche Kontrolle der Vernunft“, als einen Prozess, bei dem das Schreiben dem Denken unzensiert folgt, ihm gleichsam hinterherläuft. Dies gelingt am ehesten, wenn man sich nach dem Aufwachen, noch im Halbschlaf, an den Schreibtisch setzt und die im Dämmerzustand formulierten Sätze sofort niederschreibt, sozusagen „unbewusst“ oder „auf der Schwelle zum Traum“.

André Breton

Das erste Werk der Écriture automatique war Les Champs magnétiques (Die magnetischen Felder) von Breton und Philippe Soupault im Jahr 1919. Bretons weiteres literarisches Werk wurde stark von der Methode beeinflusst. Er verwendete die Methode sowohl in Prosatexten wie Poisson solluble (Der lösliche Fisch) (1924) als auch in Gedichten wie Tournesol (1923) und Le revolver à cheveux blancs (Der weißhaarige Revolver, 1932). Mit dem Roman Nadja (1928) erweiterte er dieses Verfahren um eine assoziative Beschreibung realer Erlebnisse.

Deutsche Ecriture Automatique

Aktuell pflegen wenige Autoren in Deutschland diese literarische Kunstform. Erik Hauth, der Autor dieses Blogs ist einer der wenigen noch aktiven.

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