Love does not hurt …

Für den ganzen Tag war starker Regen vorhergesagt, den ein steifer Wind aus West von der Nordsee über meine Stadt fegen sollte. Bisher nieselte es nur, als ich einen Blick in den Baum vor meiner Terrasse warf, dessen Arme sich leblos in den grauen Himmel reckten. Es dauert bis nach Weihnachten, bis die letzte lebhafte Erinnerung an den vergangenen Sommer so verblasst, dass es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie dieser Baum mit vollem Grün aussieht.

Was, wenn jetzt immer Winter bliebe?

Ich hatte Neujahr keinen Kater, dafür müsste ich vorher gesoffen haben. Hab ich aber nicht. Ich habe getanzt. Das scheidende Jahr mit Nostalgie vertrieben, und dazu gehört in meinem Alter Musik. Aus einer Zeit, als wir ernsthaft hofften, mit ihr die Welt verändern zu können.

Als das Telefon klingelt, pocht mein Herz ein wenig schneller. Dabei ist es nur Anke. Sie fragt nicht, wie ich herüber gerutscht bin. Was ich an ihr immer sehr sympathisch finde, sie fragt nie Sachen, die alle anderen fragen. Wie geht es Dir, käme ihr nicht über die Lippen. Stattdessen beginnt sie unser erstes Gespräch im neuen Jahr mit einer Frage: „Peter, sag mir mal schnell, was ist der Unterschied zwischen Hoffnung und Erwartung?“

Es stellt sich heraus, dass sie bei einer Freundin auf Facebook einen Sinnspruch gelesen hat, dass nicht die Liebe Schmerzen verursacht, sondern die Erwartung. Und da hat sie gestutzt – zu recht, wie ich finde – denn sie hat gerade Liebeskummer. Und erwartet hatte sie von ihr nicht viel, aber gehofft eine Menge. Nun fühlt sie sich schuldig, das arme Ding.

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Die kleine Feldmaus vor meiner Terrassen-Tür ist entweder mutig oder verrückt. Obwohl ich mich ungeniert bewege, sammelt sie Nasenhörner für ihr Nest ein, das sie in einem Korb neben der Küchentür baut. Sie hat das wohl für eine gute Idee gehalten, warm und nach drei Seiten geschützt, liegt im Korb auch noch das Kaninchengrün. Ein Mäuseparadies, dem sie nicht widerstehen konnte. Bisher lässt sie sich von der Gefahr, die ich unleugbar darstelle, nicht irritieren.

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Ich verschwende nichts, nichts was nicht schon Dir gehörte. Verschwendung ist mein Luxus.

Paul Coehl
Autor, Blogger und ewig unterwegs

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