Mussee

20130515-153913.jpg

Als er einer Weile den Möwen zugeschaut hatte, wie sie im strammen Südwind über das Wasser segelten, die Flügel auf beiden Seiten zu Bögen gekrümmt, fing sein Geist an sich zu beruhigen.

Er dachte nun nicht mehr an sie, oder ihn. Eigentlich war das Denken gar nichts Handelndes mehr, es geschah einfach. Schleswig-Holstein zum Beispiel, war so ein Gedanke der vorüber schwamm, sollte andere Farben in seiner Flagge führen. Grün, für das scharfe Gras und das feuchte Moos unten, Gelb für den Raps, der sich gerade im Mai über sanfte Hügel legte, und Hellblau für den freigepusteten und frischen Himmel, der in diesem flachen Land an guten Stellen 2/3 des Blickfeldes einnahm.

Ein blaues Fischerboot zerrte geduldig bei jeder Welle an seiner Boje und als die Möwe nun doch einmal herab sauste, um einem unvorsichtigen Happen das Leben zu nehmen, fühlte er sich wirklich satt. Befreit von dem Zwang, Essen besorgen zu müssen, voll mit Farben und Bildern, die seine Sinne fluteten.

Morgen würde es abflauen, und er wollte dann los. Die eigenen Flügel wölben und mit dem streichenden Wind allein sein. Für ein paar Momente.

Paul Coehl
Autor, Blogger und ewig unterwegs

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.